Pensionäre der BF Münster

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2013-11. Unbekannter Ort

Besuch an einem unbekannten Ort

Unter der Adresse „Lazarettstraße 10“ befindet sich ein vielen Münsteranern unbekanntes – von außen aber auch eher unscheinbares – Objekt, der sogenannte Lazarettbunker.

Er wurde in den Jahren 1940/41 errichtet, hat eine wechselvolle Vergangenheit und steht heute unter Denkmalschutz.

Seine Geschichte geht auf das sogenannte “Führersofortprogramm“ zurück, in dem, noch unter dem Stichwort „Geheim“, sofortige Luftschutzmaßnahmen für die Bevölkerung des Deutschen Reiches angeordnet wurden.

Hatte noch im Mai des Jahres 1940 der Luftmarschall Hermann Göring behauptet, er wolle Meier heißen und einen Besen fressen, wenn es den damaligen Gegnern gelingen würde Berlin zu bombardieren, so wurde man doch schnell eines Besseren belehrt.

Das Führersofortprogramm aus Oktober 1940 war die Antwort.

Bereits im November 1940 wurden auch der Münsteraner Stadtbaurat Peter Poelzig und der mit sofortiger Wirkung zum „Entwurfsarchitekten für besondere Aufgaben“ ernannte Architekt Edmund Scharf nach Berlin bestellt und mit den „Anweisungen zum Bau von Luftschutzräumen“ vertraut gemacht. Für die Stadt Münster, als Luftschutzort erster Ordnung, waren 15 Bauwerke vorgesehen.

In dieser Zeit wurde die Baugrube für den Lazarettbunker bereits ausgehoben, obwohl man noch nicht so genau wusste, was letztendlich darin stehen würde.

Praktischerweise übernahm das nebenan ansässige Bauunternehmen Borchard den Bauauftrag und erstellt nach Scharfs Plänen einen, sich der Bevölkerung als wehrhaft darstellenden Bau, der sich möglichst harmonisch in die umgebende Bebauung ( Zwinger/Buddenturm/Wasserbär in der Promenade) einfügen sollte.

Während der folgenden Kriegszeit bot der Lazarettbunker zahllosen Nutzern den erwarteten Schutz. Ursprünglich für eine Nutzung durch 600 Personen ausgelegt, berichten Zeitzeugen von einer häufig mehr als doppelt so hohen Belegungszahl.

Obwohl mit der Erkenntnislage des fortgeschrittenen Luftkrieges und begleitenden Versuchen mit den „Bestimmungen zum Bau von Luftschutzbunkern“ bereits im Juli 1941 größere Wand- und Deckenstärken festgelegt wurden, der Lazarettbunker hat nur eine Wandstärke von 1,10 m und eine Deckenstärke von 1,40 m, hielt das Bauwerk allen Angriffen Stand.

Nach dem Krieg diente der Lazarettbunker übergangsweise als Gefängnis und als Unterkunft für Flüchtlinge, Kleinunternehmer und obdachlos gewordene Menschen.

Später übernahm ihn die Britische Armee und nutzte ihn als Kartenlager.

In der Folge blieb er im Bundesbesitz und wurde 1993 unter Denkmalschutz gestellt und im Jahre 2000 von der Stadt gekauft.

Obwohl im Laufe der Jahre durch Diebstahl und Vandalismus Teile der ursprünglichen Einrichtung beeinträchtigt wurden, sind auch heute noch interessante technische Details der Stromversorgung, der elektrischen und der manuellen Lüftungsanlage und der allgemeinen Schutzraumstruktur erhalten.

Auch die später als Gefängniszellen benutzen Bereiche mit den teilweise bedrückenden, noch gut lesbaren, verzweifelt oder auch hassgeprägt formulierten Wandaufzeichnungen in verschiedensten Sprachen, sind noch gut erkennbar.

In den letzten Jahren wurde der alte Bunker anlässlich der „Tage des offenen Denkmals“ wiederholt für die Öffentlichkeit geöffnet – mit bemerkenswerter Resonanz.

Viele Hundert Mitbürgerinnen und Mitbürger, die bewusst als Schutzsuchende den Lazarettbunker aufgesucht haben, aber auch Personen, die durch Ihre Eltern in Verbindung zu der alten Trutzburg stehen, weil sie als Kleinkind z. B. regelmäßig im Wäschekorb dorthin getragen wurden oder dort regelmäßig übernachteten, bis hin zu nächsten Angehörigen des damaligen Architekten haben sich das alte Gemäuer angesehen und erläutern lassen.

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u.sch. b

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