Über uns

Die Geschichte des Streetwork-Projekts Marischa


Im Herbst 2012 erkannten zwei Studierende, dass es zwar einige soziale Angebote für Menschen in Münster am Rande der Gesellschaft gab, jedoch keines davon sich explizit an Personen im sexuellen Dienstleistungsgewerbe richtete. Weder existierten eine explizite Anlaufstelle noch bestimmte Ansprechpersonen, obwohl von einem entsprechenden Bedarf auszugehen war. Damit war die Idee eines eigenen Projekts geboren. 

Nach der Gründung entstand sukzessive das Grundgerüst und damit der Kern des Projekts, der noch heute, 10 Jahre später, gilt: Sofern die Betreffenden es wünschen, sollen sie in das soziale und gesundheitliche Feld Münsters integriert werden, von Leistungen profitieren und ihre individuellen Anliegen professionell und vorurteilsfrei besprechen können.


„Verteilt ihr auch Kondome?“

Im April 2013 startete sodann die erste Streetwork auf der Siemensstraße. Viele Adressierte waren von Anfang an aufgeschlossen, während bei anderen zunächst Vertrauen aufgebaut werden musste. Die Streetwork-Tasche, zunächst mit Visitenkarten und Kaffee bestückt, wurde schnell um Kondome erweitert. Eine der ersten Wunschäußerungen der Adressierten. So entwickelte sich das Projekt durch den direkten Kontakt zu den Sexarbeitenden, ihren Anliegen und Bedarfen kontinuierlich weiter und tut es immer noch. 


Marischa braucht hauptamtliche Unterstützung

Durch den intensiven Kontakt zu den Sexarbeitenden eröffneten sich immer mehr Bedarfe und Unterstützungsangebote, die bis dahin rein vom ehrenamtlichen Engagement getragen wurden. So wurde 2016 vom Rat der Stadt Münster die erste hauptamtliche Stelle bewilligt, die mit einer Sozialpädagogin besetzt wurde. Diese konzentrierte sich vornehmlich auf die Streetwork auf der Siemensstraße. Doch da sexuelle Dienstleistungen nicht nur im öffentlichen Raum stattfinden, wurde im Jahr 2022 eine weitere hauptamtliche Sozialarbeiterin eingestellt, die sich insbesondere auf die aufsuchende Arbeit in Bordellen und Clubs konzentriert. 

So besteht das Projekt heute aus zwei hauptamtlichen Sozialarbeiter*innen und einem engagierten Team aus ehrenamtlichen, um den Bedarfen, Wünschen und Anliegen der Adressierten adäquat und professionell gerecht werden zu können.



Die Kernelemente


Streetwork

Ein großer, wenn nicht der größte Teil unserer Arbeit, ist nach wie vor die aufsuchende Arbeit und der direkte Kontakt zu unseren Klient*innen. Hier begegnen wir uns auf niederschwellige Art und können in den direkten Kontakt kommen, ohne das unsere Adressierten lange Wege auf sich nehmen müssen. Die Anliegen unserer Zielgruppe bestimmen dabei unsere Arbeit. Daher entwickeln wir unsere Angebote auch stetig weiter. Mehr dazu findest Du unter dem Reiter "was wir machen". 


Netzwerkarbeit

Wir vernetzten uns! Mit unterschiedlichen Organisationen, vornehmlich denen, die mit Menschen in prekären Lebenssituationen arbeiten, treten wir immer wieder in Kontakt, um Synergien zu nutzen, Informationen zu teilen und unsere Angebote noch besser zu machen. Auch sind wir in verschiedenen Arbeitskreisen aktiv, so z.B. zum Thema Gewaltschutz in Münster oder auch landesweit in der "AG Recht" von der Landeskoordinierungsstelle Sexarbeit und Prostitution in NRW. 


Öffentlichkeitsarbeit

Einen weiteren Aufgabenbereich sehen wir in der Öffentlichkeitsarbeit, um die Diskriminierung, Stigmatisierung und Tabuisierung des Themas und unserer Adressierten entgegenzuwirken. So organisieren wir immer wieder Infoveranstaltungen, beteiligen uns an Aktionstagen oder veröffentlichen Stellungnahmen, Pressemitteilungen und Texte zu relevanten Themen. U.a. ist daraus ein Kurzfilm entstanden, der auf einen wertschätzenden Umgang mit Sexarbeitenden abzielt und Betreffende sensibilisieren soll: 


Das Leitbild 

  • Niedrigschwellig: Durch die aufsuchende Arbeit ist es leicht, das Projekt mit all seinen Angeboten ohne erschwerte Zugangsmöglichkeiten kennenzulernen.
  • Akzeptanz: Eine akzeptierende Haltung gegenüber den Lebensentwürfen, Selbstkonzepten sowie Handlungen und Entscheidungen der Adressierten ist entscheidend. Da diese ohnehin häufig durch ihren Beruf von Ausgrenzung und Diskriminierung betroffen sind, ist dies für eine gelingende und professionelle Arbeit unabdingbar. 
  • Parteilichkeit: Unsere Adressierten erhalten genau die Unterstützung, die sie als notwendig erachten, denn sie sind es, die am besten darüber Bescheid wissen. Sie sind die Expert*innen für ihr Leben - deshalb sehen wir unsere Klient*innen auch nicht als Opfer an, um eine Viktimisierung dieser Art zu vermeiden. 
  • Selbstwirksamkeit: Alle Maßnahmen verfolgen das Ziel, die Selbstwirksamkeit zu stärken. Dabei sollen keine Abhängigkeiten geschaffen werden, sondern vielmehr eine Unterstützung. Getreu dem Motto: Wir arbeiten so, dass wir irgendwann nicht mehr benötigt werden.