Über uns

Projekt Marischa

Die Geschichte und Hintergründe des Streetwork-Projekts Marischa


Wer ist für Straßenprostituierte da?

Die Gründungseltern des Projekts Joseph und Elisa, beide bereits in anderen sozialen Projekten aktiv, fragten sich im Herbst 2012, ob es eigentlich neben den zahlreichen sozialen Angeboten für Menschen am Rand der Gesellschaft auch ein Projekt gebe, das sich um die Frauen auf der Siemensstraße kümmert. Nach längerer Recherche ergab sich, dass es keine Anlaufstelle gab und die Idee war geboren, ein eigenes Projekt zu gründen.

Nach enger Zusammenarbeit mit SOLWODI Duisburg und der Aidshilfe Münster entstand das Grundgerüst und der immer noch aktuelle Kern unserer Arbeit: Sofern die Frauen es wünschen, möchten wir sie ins soziale und gesundheitliche Feld Münsters integrieren.


„Verteilt ihr auch Kondome?“

Im April 2013 startete die erste Streetwork-Einheit auf der Siemensstraße. Viele Frauen waren von Anfang an aufgeschlossen, was der Beginn einer langjährigen Beziehungsarbeit war. Einige Frauen mussten ihr Misstrauen über einen längeren Zeitraum abbauen, bis sie durch die Gespräche auf der Straße Vertrauen gewannen. Unsere Tasche, die zunächst mit Visitenkarten und Kaffee gefüllt war, wurde schnell um Kondome erweitert. Eine der ersten Wunschäußerungen der Frauen.

Die kontinuierliche Erweiterung der Aufgabenfelder und des Angebots von Marischa schließt bis heute nicht ab.


Marischa braucht ein Hauptamt

Momentan engagieren sich acht ehrenamtliche Mitglieder. Es wurde schnell deutlich, dass der engagierte ehrenamtliche Arbeitskreis um eine hauptamtliche Kraft verstärkt werden musste.

​​Der Rat der Stadt Münster hat 2015 eine halbe Hauptamtliche Stelle für das Projekt Marischa (und von 2018 - zunächst bis Ende 2021) bewilligt. Dies bietet dei Chance, die Idee der damaligen Studierenden in langfristige Betreuungs- und Begleitungsmöglichkeiten münden zu lassen. Gleichzeitig können damit über die Beziehungsarbeit zu den Frauen hinaus Anliegen an die Öffentlichleit weitergetragen werden, weil damit u.a. die Basis für öffentliche Sensibilisierungsarbeit geschaffen wurde. Die mündete 2019 in einem Filmprojekt.


Leitbild des Projektes Marischa

Das Projekt richtet sich seit seiner Entstehung direkt und explizit an die Frauen. Dies wird auch in der Arbeitsweise des Projektes deutlich.

Marischa orientiert sich mit seinen Angeboten am Bedarf der Frauen.

  • Niedrigschwellig: Durch die aufsuchende Arbeit auf der Siemensstraße wird es den Frauen leicht gemacht, das Projekt mit all seinen Angeboten ohne erschwerte Zugangsmöglichkeiten kennenzulernen.
  • Akzeptanz: Eine akzeptierende Haltung gegenüber den Lebensentwürfen, Selbstkonzepten sowie Handlungen und Entscheidungen der Frauen ist entscheidend. Da die Frauen häufig durch ihren Beruf von Ausgrenzung und Diskriminierung betroffen sind, ist dies ein wichtiges Anliegen.
  • Parteilichkeit: Die Frauen sollen die Unterstützung erhalten, die sie als notwendig erachten.
  • Selbstwirksamkeit: Alle Maßnahmen verfolgen das Ziel die Selbstwirksamkeit der Frauen zu stärken. Die Angebote zielen auf die Hilfe-zur-Selbsthilfe ab. Es soll also keine Abhängigkeit geschaffen werden, sondern vielmehr eine Unterstützung zur Befähigung, Angelegenheiten eigenständig zu regeln.  ​

Die Arbeit wird klientinnenzentriert gestaltet. Dies bedeutet, dass das Projekt eine Unterstützung mit Ausrichtung auf die Angelegenheiten und Bedürfnisse der Frauen ist. Über die direkte Arbeit mit den Frauen hinaus versucht Projekt Marischa, durch unterschiedliche Projekte auf eine Enttabuisierung der Thematik Sexarbeit hinzuarbeiten.