Kon·zept/kɔnˈt͜sɛpt/?MS

„[Konzeptvergabe] Zu Gunsten der Qualität der Bebauung verzichtet die Kommune bei der Konzeptvergabe auf die Erzielung eines maximalen Grundstückserlöses … Mit der Konzeptvergabe wird ein Beitrag zur Schaffung bezahlbaren, zielgruppengerechten, energieeffizienten, ökologischen und/oder auch städtebaulich attraktiven Lebensraums geleistet.“

http://neue-nachbarschaft.de/immovielien/glossar/konzeptvergabe/

Auch Verwaltung & Rat der Stadt Münster haben im Handlungskonzept Wohnen* erkannt: „In den vergangenen Jahren wurden städtische Grundstücke für Mehrfamilienhäuser in der Regel ausgeschrieben und anschließend an den Höchstbietenden veräußert. Mit einer solchen Vergabe lassen sich die wohnungspolitischen Ziele [des] Handlungskonzepts Wohnen allerdings nicht verwirklichen. Hierfür ist es vielmehr erforderlich, ein konzeptorientiertes Ausschreibungsverfahren zu entwickeln.“

„Neben dem Grundstückspreis soll darin auch eine von der Stadt Münster vorgegebene Konzeptqualität ein wichtiges Entscheidungskriterium für den Grundstücksverkauf sein. Projektbezogen können dies Vorgaben zur städtebaulichen und gestalterischen Qualität, zur bedarfsorientierten Angebotsausweitung zugunsten bestimmter Zielgruppen und Wohnformen sowie insbesondere zur nachhaltigen Quartiersentwicklung sein.“

In den Grundsätzen für die Vergabe städtischer Grundstücke bzgl. Mehrfamilienhäuser & Gemeinschaftswohnformen** heißt es dann: „Eine Vermarktung von Grundstücken zur Stärkung von Gemeinschaftswohnformen erfolgt zweckgerichtet und unter standortbezogenen Zielsetzungen … Damit sollen zugleich preisdämpfende Effekte am Grundstücks- und Wohnungsmarkt bewirkt und ausgewogene sowie nachhaltige Angebots- und Quartiersentwicklungen gesteuert werden.“

Stand lange der § 90 der Gemeindeordnung NRW*** den Willigen im Wege, da dieser vermeintlich besagt, dass eine Kommune keine Grundstücke (Vermögensgegenstände) unter Wert verkaufen darf, so gab es im Dezember 2018 eine Gesetzesänderung: Absatz 3 wurde wie folgt ergänzt: „Ausnahmen sind im besonderen öffentlichen Interesse zulässig. Dies gilt insbesondere für Veräußerungen zur Förderung von sozialen Einrichtungen, des sozialen Wohnungsbaus, des Denkmalschutzes und der Bildung privaten Eigentums unter sozialen Gesichtspunkten.“ 

In der NKF Handreichung*** steht passend dazu: „Die Veräußerung eines gemeindlichen Vermögensgegenstandes unter seinem vollen Wert bzw. zu vergünstigten Konditionen durch die Gemeinde wird dann allgemein als zulässig angesehen, wenn die Veräußerung mit dem Ziel der Förderung des Wohnungsbaues verknüpft ist, z. B. zur Deckung des Wohnbedarfs besonderer Bevölkerungsgruppen oder der ortsansässigen Bevölkerung (Einheimischenmodell).“

Wie sich das ganze mit dem EU-Beihilferecht verträgt kann hier gelesen werden: KLICK

Gute Voraussetzungen für selbstorganisierte Gemeinschafts-Wohnprojekte in Münster ?

*Das Handlungskonzept Wohnen (HKW) ist das Rahmenkonzept der Stadt Münster zur Wohnungs- und Baulandpolitik. Infos finden sich hier: KLICKHIER

**die Grundsätze für die Vergabe städtischer Grundstücke – Mehrfamilienhäuser, Gemeinschaftswohnformen ­gemäß Beschluss des Rates vom 17.06.2015 finden sich hier: KLICKHIER

*** § 90 GO NRW: HIERKLICKEN / NKF NRW Handreichung pdf-download: KLICKHIER

Stadtforschung

https://imgix.ttcdn.co/i/logotype/original/0/414482-6c713c5eb900402a82f9ab902fdd61a4.png?q=100&auto=format%2Ccompress&w=300Nachbarschaft / Heft 73 (4/2018)

Ist Nachbarschaft mehr als ein räumliches Nebeneinander?

Die Beiträge zum dérive-Schwerpunktheft Nachbarschaft setzen sich mit der Frage, welche Potenziale und Chancen auf der Ebene der Nachbarschaft für Demokratisierung und Teilhabe, für die Stärkung der StadtbürgerInnenschaft und des sozialen Zusammenhalts sowie für nachhaltigen sozialen und wirtschaftlichen Wandel vorhanden sind, auseinander.

Nachbarschaft / Heft 73 (4/2018)

Welche politischen, wirtschaftlichen und planerischen Strukturen fördern eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen selbstorganisierten Initiativen, Politik und Verwaltung? Welche KomplizInnenschaften lassen sich auf lokaler Ebene schließen, um gemeinsam lebenswerte Stadtteile zu schaffen? Wie kann eine Ökonomie des Alltags aussehen, die lokale Strukturen stärkt, sinnstiftende Tätigkeit befördert und sich am Bedarf der Nachbarschaften orientiert? Welche Räume braucht eine lebendige Zivilgesellschaft?

Die inhaltliche Reise geht vom Nordbahnviertel in Wien über das Kottbusser Tor und den Mehringplatz in Berlin, Brooklyn und die Kleinstädte Neuenglands bis zu den Comunas in Venezuela.

dérive – Zeitschrift für Stadtforschung: https://derive.tictail.com/product/heft-73

Wohnprojekte kritisieren Wohnbaupolitik

Vertreter*innen von Wohnprojekten und Initiativen überreichten am 25.06.2018 einen offenen Brief an OB Markus Lewe. V.l.n.r.: Katrin Steiner und Matthias Kayß (Grafschaft 31), OB Markus Lewe, Dina Hamza (Mauritzgruppe), Francisca Jahn (Grevener Straße 31), Manfred Spitz (Gemeinschaftlich Wohnen e.V.), Wolfgang Bensberg (Mitbegründer des BuWo). Foto: Amira Hammami

Wolfgang Bensberg ist der aufgestaute Ärger deutlich anzumerken. Seit über zehn Jahren kämpft er darum, seine Vorstellungen vom gemeinschaftlichen Wohnen in Münster realisieren zu können – bis heute erfolglos. Die Schuld dafür gibt er vor allem der Politik und Verwaltung: „Nicht die Bürger*innen, sondern vor allem die am Gewinn orientierten Investoren profitieren von der Wohnungspolitik in Münster“. Mit dieser Anklage steht der 65-jährige nicht alleine da.

Am Montag, den 25.06.2018, überreichte er zusammen mit einer Gruppe von neun Wohnprojekten, Initiativen, Vereinen und Verbänden Oberbürgermeister Markus Lewe einen offenen Brief. Mit dem besonderen Blick auf gemeinschaftliches Wohnen kritisieren die Verfasser*innen darin die verfehlte Politik der Stadt Münster zur Förderung günstigen Wohnraums. Trotz jahrelanger Forderungen und konstruktiver Vorschläge seien weder bei den Vergabeverfahren noch bei den Konversionsflächen ernsthafte Fortschritte erzielt worden. Im Gegenteil: „Für bereits in Aussicht gestellte Objekte verlangt die Stadt Münster auf einmal 1.900 € pro Quadratmeter oder mehr“, so Bensberg.

Den Wortlaut des offenen Briefes gibt's hier...

Auch Manfred Spitz vom Verein „Gemeinschaftlich Wohnen e.V.“ ist sauer. Eigentlich war ein geeignetes Grundstück in Mecklenbeck für genossenschaftliche Baugruppen wie die seine vorgesehen. Beim Vergabeverfahren vor zwei Jahren sei aber genau dieser Grund und Boden in einem undurchsichtigen Vergabeverfahren an einen Investor ohne Wohnprojektgruppe gegangen. „Und das, obwohl wir der Stadt seit Jahren die Bude einrennen“, klagt Spitz. Die Vergabepolitik müsse sich endlich an den Möglichkeiten der Menschen orientieren und nicht nur an denen von Investoren“.

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Kleine Miete – tolle Wohnung

In der Mediathek des ZDF sind einige Beiträge zum Thema „zukunftsfähiges Wohnen“ zu finden. Hier zwei sehenswerte Beiträge:

Teure Mieten in der Innenstadt und zu knapper Wohnraum – das ist Alltag in Deutschland. Doch muss das sein? Die Dokumentationsreihe „plan b“ zeigt, wie das Wohnen wieder erschwinglich wird.

Kleine Miete – tolle Wohnung

Günstig wohnen in der City

Beitragslänge: 28 min Datum:

Wohnen wird in vielen Städten immer teurer. Gerade in den Ballungszentren können es sich Menschen mit einem durchschnittlichen Einkommen fast gar nicht mehr leisten, in der Stadt zu wohnen. Alternative Wohnkonzepte sind gefragt.

Architekt und Stadtplaner Prof. Joachim Schultz-Granberg, Lehrender an der MSA|Münster School of Architecture im Interview bei volle kanne im ZDF:

Alternative Wohnkonzepte

Eine grundlegende Ursache des Wohnungsmangels sei die Tatsache, dass Boden generell an den Höchstbietenden verkauft werde. „Dem Problem mit einer liberalen Politik zu begegnen, also sich auf die Selbstregulation des Marktes zu verlassen, funktioniert nicht, der Staat muss regulatorisch eingreifen, indem er etwa die Mietpreisbremse verschärft oder Einteignungsinstrumente für leerstehende Häuser oder Grundstücke einsetzt“, fordert Architekt und Stadtplaner Prof. Joachim Schultz-Granberg.

Beitragslänge: 9 min Datum:

Quelle: ZDF (KLICK) 25.11.2017 / 15:45