Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes
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Von den "Verbrechen der Wehrmacht" zu "Verbrechen der Wirtschaft" 

Eine notwendige Erweiterung der Perspektive in der Geschichtspolitik

Von den "Verbrechen der Wehrmacht" zu "Verbrechen der Wirtschaft"Ab Ende der 90er Jahre wurde die zeitgeschichtliche Debatte in der Bundesrepublik Deutschland durch eine Ausstellung geprägt, die unter dem Titel "Vernichtungskrieg - Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" eines der ältesten Tabus in der deutschen Geschichtsdarstellung in Frage stellte, die angeblich "saubere Wehrmacht", die mit den Kriegsverbrechen, derer der deutsche Faschismus schon 1945/47 angeklagt wurde, nichts zu tun habe.

Die gesellschaftlichen Grundlagen dieses Tabus lassen sich schnell erklären: Es waren gleichermaßen die Notwendigkeit der Rehabilitierung der faschistischen Wehrmacht vor dem Hintergrund, dass man mit einem wichtigen Teil des Personals die neue Bundeswehr aufzubauen gedachte und die gesellschaftliche Integration der Millionen Angehörigen der faschistischen Wehrmacht in die "selbst-entnazifizierte" bundesdeutsche Gesellschaft.

Nach dieser öffentlichen Auseinandersetzung, die noch durch die Goldhagen-Debatte um die Beteiligung "ganz normaler deutscher Männer" am eliminatorischen Antisemitismus verstärkt wurde, hätte man meinen können, dass es in der geschichtspolitischen Aufarbeitung der faschistischen Verbrechen keine Tabus oder "blinden Flecken" mehr geben könnte. Dem ist aber nicht so. In der Tat gibt es noch einen Tabubereich, der weniger lautstark diskutiert wird, der jedoch mindestens ebenso wichtig für das Verständnis der Etablierung und Funktionsfähigkeit faschistischer Herrschaft in Deutschland wie die Wehrmacht ist, nämlich die Rolle der Wirtschaft für die Errichtung und Etablierung der faschistischen Herrschaft und die aktive Beteiligung von Wirtschaftsführern und Unternehmen an der Umsetzung der faschistischen Politik in allen ihren Schattierungen, als Stichwortgeber faschistischer Kriegsplanungen, als Akteure und insbesondere als Profiteuere.

Dazu wird Ulrich Sander, Sprecher der VVN-BdA NRW, das Projekt "Verbrechen der Wirtschaft" vorstellen.

Donnerstag, den 4. Juni 2009 um 20.00 Uhr 
Evangelische Studierenden Gemeinde (ESG), Breul 43, Münster

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