{"id":2067,"date":"2024-09-19T15:24:40","date_gmt":"2024-09-19T13:24:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.muenster.org\/projektmarischa\/?p=2067"},"modified":"2025-09-18T14:37:08","modified_gmt":"2025-09-18T12:37:08","slug":"stellungnahme-zum-antrag-menschenunwuerdige-zustaende-in-der-prostitution-beenden-sexkauf-bestrafen-der-fraktion-der-cdu-csu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.muenster.org\/projektmarischa\/2024\/09\/19\/stellungnahme-zum-antrag-menschenunwuerdige-zustaende-in-der-prostitution-beenden-sexkauf-bestrafen-der-fraktion-der-cdu-csu\/","title":{"rendered":"Stellungnahme zum Antrag \u201eMenschenunw\u00fcrdige Zust\u00e4nde in der Prostitution beenden \u2013 Sexkauf bestrafen\u201c der Fraktion der CDU\/CSU"},"content":{"rendered":"<\/p>\n<p>Die CDU\/CSU fordert, den Kauf sexueller Dienstleistungen verbieten zu lassen. Angeblich sollen dabei nur die Kund*innen, jedoch nicht die Sexarbeitenden kriminalisiert werden. Zudem sollen Beratungsstellen nur noch zu Pr\u00e4vention und Ausstieg beraten und auch die Sexualassistenz in der Behindertenhilfe soll nicht mehr legal m\u00f6glich sein, sondern sich h\u00f6chstens auf Beratungen reduzieren. Was an diesen Forderungen schwierig ist, erl\u00e4utern wir in folgender Stellungnahme:<\/p>\n<\/p>\n<\/p>\n<p><u><strong>Zur unklaren Faktenlage<\/strong><\/u><\/p>\n<\/p>\n<p>Im Antrag der CDU\/CSU werden bestimmte Expertisen und Fakten hinzugezogen, die jedoch oftmals valide Begr\u00fcndungen oder Quellenangaben vermissen lassen; etwa zur gesch\u00e4tzten Anzahl an Sexarbeitenden oder zu den Themen Freiwilligkeit, Zwang und Gewalt, womit sich eine gewisse Polemik aufdr\u00e4ngt und ein Bedarf an Einordnung entsteht.<\/p>\n<\/p>\n<p>Beispielsweise wird das derzeit geltende <strong>Prostituiertenschutzgesetz <\/strong>(ProstSchutzG, eingef\u00fchrt in 2017) von der CDU\/CSU als gescheitert bezeichnet: Statt zu einer Verbesserung der Lebenssituationen von Betreffenden habe es eher zu einer unkontrollierten Ausbreitung des Menschenhandels beigetragen. Dabei wird sich u.a. auf einen Report aus 2020<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> gest\u00fctzt, der im Antrag f\u00e4lschlicherweise Evaluation genannt wird, jedoch lediglich einen Zwischenbericht darstellt, in dem vor allem statistische Daten (z.B. zu den offiziellen Anmeldungen) geliefert werden. Dieser weist zudem einige L\u00fccken auf, u.a. weil er sich nur auf die Jahre 2017 und 2018 bezieht<a id=\"_ftnref2\" href=\"#_ftn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a>, womit er sich weder als Begr\u00fcndung f\u00fcr eine Gesetzes\u00e4nderung noch f\u00fcr die These eignet, die aktuelle Regelung bef\u00f6rdere Menschenhandel und verbessere die Situation der Betreffenden nicht. Dem hingegen wird aktuell eine vom BMFSFJ in Auftrag gegebene <strong>umfangreiche Evaluation<\/strong><a id=\"_ftnref3\" href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> vom kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen durchgef\u00fchrt, deren Ergebnisse im Sommer 2025 erwartet werden. In dieser bisher gr\u00f6\u00dften Untersuchung Europas zum Thema, stehen die Erfahrungen aller vom ProstSchutzG betroffenen Gruppen im Mittelpunkt, sodass derzeit z.B. zahlreiche Frageb\u00f6gen von Sexarbeitenden beantwortet werden; auch von denen in der vergleichsweisen prek\u00e4ren Stra\u00dfenprostitution. Das ist besonders erfreulich, da oftmals diverse Mythen und viele andere Pers\u00f6nlichkeiten den Diskurs dominieren. Dabei d\u00fcrfte die schwache Datenlage bekannt sein: Nach wie vor ist z.B. unklar, wie viele Menschen selbstbestimmt der Sexarbeit nachgehen; wie viele ausgebeutet werden ebenso. Da also die Grundgesamtheit unbekannt ist, kann folglich nicht \u00fcber \u201edie Mehrheit\u201c gesprochen werden. Allenfalls sind dies Mutma\u00dfungen; und zwar in beiderlei Hinsicht.<\/p>\n<\/p>\n<p>Auch der von der CDU\/CSU aufgeworfenen These, Sexarbeit f\u00fchre zu <strong>Traumatisierungen und irreversiblen Sch\u00e4den<\/strong>, fehlt es an einer Einordnung, obwohl sie h\u00f6chstwahrscheinlich auf Ver\u00f6ffentlichungen von Melissa Farley beruht, selbst Bef\u00fcrworterin des \u201eSexkaufverbots\u201c, deren Untersuchungen jedoch aufgrund unsauberer Forschungsmethoden bereits vielfach in Zweifel gezogen wurden<a id=\"_ftnref4\" href=\"#_ftn4\">[4]<\/a>; genauso wie eine im Antrag erw\u00e4hnte \u201eFreierstudie\u201c<a id=\"_ftnref5\" href=\"#_ftn5\">[5]<\/a>.<a> Im Antrag steht weiter, dass die Mehrheit an Sexarbeitenden<strong> t\u00e4glich Gewalterfahrungen<\/strong> macht. Auch das muss hinterfragt werden, denn Gewalt variiert in der Branche stark und ist nicht zwangsl\u00e4ufig h\u00f6her als in der Allgemeinbev\u00f6lkerung<\/a><a id=\"_ftnref6\" href=\"#_ftn6\"><sup>[6]<\/sup><\/a>. Damit stellt geschlechtsspezifische Gewalt vielmehr eine gesellschaftliche Thematik dar und ist eben nicht nur spezifisch f\u00fcr sexuelle Arbeit. Gleichwohl geh\u00f6ren Sexarbeitende oftmals genau den marginalisierten Gruppen an, die auch ohne den Hintergrund der Sexarbeit einem h\u00f6heren Risiko an Gewalt unterliegen (Migrant*innen, Frauen, Transpersonen etc.). Die Definition von Sexarbeit als reine Gewaltproblematik reduziert Betreffende jedoch auf eine generelle Opferrolle, was wiederum Erfahrungen tats\u00e4chlicher Gewaltopfer verharmlosen kann.<\/p>\n<\/p>\n<p>Und auch die zentrale Forderung der CDU\/CSU, das <strong>sog. Sexkaufverbot <\/strong>n. nordischem Modell, sollte angesichts des dazu vorliegenden Kenntnisstands eingeordnet werden. Ein Blick auf andere L\u00e4nder, in denen die Verbotsl\u00f6sung bereits eingef\u00fchrt wurde, zeigt auch hier eine uneindeutige, bisweilen widerspr\u00fcchliche Datenlage, die schwer einzuordnen ist, da nicht immer Informationen zur Lage vor der Gesetzes\u00e4nderung vorliegen, wie z.B. in Schweden. W\u00e4hrend Bef\u00fcrwortende Erfolge sehen<a id=\"_ftnref7\" href=\"#_ftn7\"><sup>[7]<\/sup><\/a>, weist eine Studie aus Nordirland anhand von Vergleichsdaten auf eine Zunahme von Sexarbeit hin<a id=\"_ftnref8\" href=\"#_ftn8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> und in Frankreich wird trotz Einf\u00fchrung des Verbots von einer Zunahme sich prostituierender Minderj\u00e4hriger und steigender Zwangsprostitution berichtet<a id=\"_ftnref9\" href=\"#_ftn9\"><sup>[9]<\/sup><\/a>. Selbst f\u00fcr das vermutlich wichtigste Anliegen des Modells, der Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels, gibt es demnach keine belastbaren Belege, sondern eher gegenteilige Indizien.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong><u>Vermischung von (Armuts-)Prostitution und Menschenhandel<\/u><\/strong><\/p>\n<\/p>\n<p>Sexarbeit wird im Antrag der CDU\/CSU als zutiefst menschen- und frauenverachtend beschrieben, oft <strong>gleichgesetzt mit Vergewaltigung und Armutsprostitution<\/strong>, die nicht selten mit Menschendhandel einherginge. Allerdings wird hier nicht ausreichend differenziert: Wer die T\u00e4tigkeit als Vergewaltigung wahrnimmt, ist Opfer sexueller Gewalt, nicht aber Teil einer qua Definition konsensuellen Dienstleistung. Auch gilt: wer gegen seinen Willen sex. Dienste erbringen muss, befindet sich in sexueller Zwangsarbeit, ist also Opfer von Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung, was einen im StGB geregelten Straftatbestand darstellt und immer mit Dritten einhergeht, die Betreffende zur T\u00e4tigkeit zwingen. Dies darf nicht mit Sexarbeit vermischt werden \u2013 auch und gerade dann nicht, wenn beides miteinander in Verbindung steht. So fordern es u.a. auch Organisationen, die explizit mit Opfern von Menschenhandel arbeiten<a id=\"_ftnref10\" href=\"#_ftn10\">[10]<\/a>. Hier nicht zu differenzieren, ist also nicht nur rein definitorisch falsch, es ist auch gef\u00e4hrlich, weil damit einerseits legale T\u00e4tigkeiten kriminalisiert und andererseits kriminelle Handlungen verschleiert werden.<\/p>\n<\/p>\n<p>Ferner kann auch die im Antrag als unfreiwillig definierte <strong>\u201eArmutsprostitution\u201c <\/strong>sehr wohl eine bewusste Entscheidung darstellen, wenn sie auch unter gewissen Umst\u00e4nden getroffen wird. In der Praxis zeigt sich, dass viele Betreffende prek\u00e4re Lebensverh\u00e4ltnisse sowie biografisch- und sozialisationsbedingte Alternativlosigkeiten vorfinden, welche die Wahl einer anderen T\u00e4tigkeit einschr\u00e4nken k\u00f6nnen. Trotz dieser (wirtschaftlichen) Notlagen kann nicht pauschal von Unfreiwilligkeit (und damit von Menschenhandel) gesprochen werden. Oftmals werden z.B. andere Arbeitsangebote wie Reinigungst\u00e4tigkeiten abgelehnt (im \u00dcbrigen kommt es gerade hier zur Arbeitsausbeutung<a id=\"_ftnref11\" href=\"#_ftn11\"><sup>[11]<\/sup><\/a>), so wie sich auch mit der Entscheidung f\u00fcr die Sexarbeit gleichzeitig z.B. gegen eine Existenz sichernde Ehe, das Betteln auf der Stra\u00dfe oder kriminelle Handlungen entschieden wird. Verstanden wird diese Arbeit also h\u00e4ufig als ein Weg von vielen, innerhalb marktwirtschaftlicher Bedingungen monet\u00e4re Mittel zu generieren und bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen zu sichern, denn letztlich dient Arbeit eben nicht allen der Selbstverwirklichung.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong><u>Kritik am \u201eNordischen Modell\u201c<\/u><\/strong><\/p>\n<\/p>\n<p>Das von der CDU\/CSU geforderte \u201eSexkaufverbot\u201c soll auf Pr\u00e4ventions- und Ausstiegsangeboten, der Strafbarkeit f\u00fcr den Kauf sexueller Dienste bei gleichzeitiger Straffreiheit f\u00fcr Sexarbeitende sowie der St\u00e4rkung der Durchsetzungsautorit\u00e4t der Verwaltungs- und Vollzugsorgane basieren. Ganz abgesehen von der Frage, ob dies zum gew\u00fcnschten Ziel beitr\u00e4gt, zeigen sich <strong>nicht intendierte Folgen f\u00fcr Sexarbeitende <\/strong>in L\u00e4ndern mit Verbotsl\u00f6sung. Z.B. f\u00e4llt f\u00fcr viele der <strong>gegenseitige Schutz<\/strong> durch die Anmietung gemeinsamer R\u00e4umlichkeiten weg, da Dritte nicht von den Einnahmen profitieren d\u00fcrfen und sich Vermietende so der Zuh\u00e4lterei strafbar machen w\u00fcrden; auch bei Privatwohnungen, weshalb viele in die <strong>Wohnungslosigkeit<\/strong> gerieten<a id=\"_ftnref12\" href=\"#_ftn12\">[12]<\/a>. Werden dann, wie auch von der CDU\/CSU gefordert, zus\u00e4tzlich Prostitutionsst\u00e4tten geschlossen, die in Deutschland derzeit spezifischen Regelungen unterliegen, f\u00e4llt auch dieser<strong> sichere Arbeitsort<\/strong> weg. \u00c4hnliches konnten wir bereits w\u00e4hrend des pandemiebedingten Berufsverbots feststellen: Sexarbeit hat auch unter diesem nicht aufgeh\u00f6rt, sondern wurde vielmehr an <strong>isolierte, schwer erreichbare und unkontrollierbare Orte<\/strong> verdr\u00e4ngt. W\u00e4hrend es dort an Sicherheitsvorkehrungen mangelt und der Zugang zu Angeboten des gesundheitlichen und sozialen Sektors oder der Polizei erschwert wird<a id=\"_ftnref13\" href=\"#_ftn13\">[13]<\/a>, erh\u00f6ht sich gleichzeitig das <strong>Risiko f\u00fcr Menschenhandel. <\/strong>Weiter f\u00e4llt durch die Kundenkriminalisierung das Screening dieser verk\u00fcrzt und im Verborgenen statt. Damit haben maximal Kund*innen und m\u00f6gliche Zuh\u00e4lter an Macht gewonnen, nicht aber Sexarbeitende. Dies kann wiederum mit einem <strong>Anstieg an sexuell \u00fcbertragbaren Erkrankungen<\/strong> <strong>und Gewalttaten <\/strong>einhergehen. Studien aus Nordirland weisen z.B. auf eine Zunahme an Bel\u00e4stigungen und Bedrohungen von Sexarbeitenden hin<a id=\"_ftnref14\" href=\"#_ftn14\"><sup>[14]<\/sup><\/a>. Angesichts des Verbots und bef\u00fcrchteter Repressionen bleibt indes fraglich, ob derlei Straftaten umf\u00e4nglich angezeigt werden, zumal hier bereits jetzt gro\u00dfe H\u00fcrden bestehen. Und letztlich bleibt die Frage, ob die Kunden, die sich von einem Verbot nicht abschrecken lassen, gleichsam auch zu anderen Straftaten bereit sind. Der angebliche Schutz der Betreffenden, kann damit zu ihrem gr\u00f6\u00dften Problem f\u00fchren. Solche und andere Folgen m\u00fcssen auch bei der Forderung nach dem \u201eSexkaufverbot\u201c in Deutschland mitgedacht werden, bleiben jedoch im Antrag unerw\u00e4hnt; genauso wie \u00dcberlegungen zu trans und m\u00e4nnlichen Sexarbeitenden oder zu weiblichen Kundinnen<em>.<\/em><\/p>\n<\/p>\n<p><strong><u>Abschlie\u00dfende (verfassungsrechtliche) Bedenken und Vorschl\u00e4ge<\/u><\/strong><\/p>\n<\/p>\n<p>Letztlich bleiben viele der im Antrag formulierten Schlussfolgerungen zweifelhaft, insb. wenn nur ausgesuchte Perspektiven ber\u00fccksichtigt werden. Akteur*innen, die sich explizit Ausstiegsprogrammen widmen oder Sexarbeit per se als Gewaltproblematik definieren, sehen nur einen Ausschnitt aus der Realit\u00e4t. Diesen mit dem Gesamtph\u00e4nomen zu verkn\u00fcpfen und scheinbare Gewissheiten zu formulieren, verkennt die Komplexit\u00e4t des Feldes und verzerrt die gesellschaftlichen und politischen Wahrnehmungen auf irref\u00fchrende Weise. Angesichts der hier kritisierten Hintergr\u00fcnde sprechen sich nicht nur Forschende, sondern auch Organisationen wie Amnesty International, die Aidshilfe, das UN-Menschenrechtsb\u00fcro, die Diakonie oder das dt. Institut f\u00fcr Menschenrechte gegen ein \u201eSexkaufverbot\u201c aus. Auch die meisten Beratungsstellen, die eine Variationsbreite an Sexarbeitsformen und Lebensrealit\u00e4ten sehen, warnen vor den Folgen. Indes will die CDU\/CSU <strong>nur noch Ausstiegsprogramme <\/strong>f\u00f6rdern, die als Unterst\u00fctzung zur R\u00fcckkehr in ein selbstbestimmtes Leben bezeichnet werden. Was aber, wenn Betreffende erstens gar nicht mehr erreicht werden und zweitens, wenn das erkl\u00e4rte Ziel des Ausstiegs nicht der Selbstbestimmung der Betreffenden entspricht? Nicht zuletzt existieren eine <strong>verfassungsrechtliche Berufsfreiheit<\/strong> sowie das <strong>Recht auf sexuelle Selbstbestimmung<\/strong>; abgeleitet aus d<strong>er W\u00fcrde des Menschen n. Art 1 GG <\/strong>und dem <strong>allgemeinen Pers\u00f6nlichkeitsrecht n. Art 22 GG.<\/strong> Der angebliche Schutz der Betreffenden darf nicht zur Verletzung dieser Grundrechte f\u00fchren. Angesichts der paternalistischen Forderungen betr\u00e4fe dies im \u00dcbrigen nicht nur Sexarbeitende, sondern auch Menschen mit Behinderungen. So soll die <strong>Sexualassistenz in der Behindertenhilfe<\/strong> von der Strafbarkeit ausgenommen bleiben, solange es dort um Beratungen und nicht um die Vermittlung oder Aus\u00fcbung sexueller Dienstleistungen geht; ein diskriminierender R\u00fcckschritt in den Rechten behinderter Menschen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Gleichwohl ist es begr\u00fc\u00dfenswert, sich den Themen Menschenhandel und Prostitution intensiver zu widmen. So ist z.B. auch das ProstSchutzG nicht frei von Kritik<a id=\"_ftnref15\" href=\"#_ftn15\">[15]<\/a>. Gleichsam liegt tats\u00e4chlich oft <strong>kein Sozial- und Krankenversicherungsschutz<\/strong> vor und es herrscht ein <strong>Mangel an sicherem Wohnraum<\/strong> f\u00fcr Sexarbeitende. Auch soll nicht ignoriert werden, dass traumatische Erlebnisse sowie psychische und k\u00f6rperliche Erkrankungen in Verbindung zur Sexarbeit stehen k\u00f6nnen; genauso wie Zwangsprostitution. Dem Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V. zufolge, liegen die Herausforderungen bei der Strafverfolgung im Bereich des Menschenhandels jedoch vor allem in den ausbauf\u00e4higen Opferrechten. So m\u00fcssen Betroffene von Menschenhandel zweifelsohne durch umfassende Rechte, geeigneten Wohnraum oder fl\u00e4chendeckende Beratungsangebote besser gesch\u00fctzt und gleichsam die Lebens- und Arbeitssituationen von Sexarbeitenden z.B. durch einen <strong>B\u00fcrokratieabbau, eine bessere \u201eMigrationspolitik\u201c und Armutspr\u00e4vention, den Abbau des Stigmas oder auch bessere Umstiegsangebote<\/strong> optimiert werden. Letztlich stellt es also keinen Widerspruch dar, gleichzeitig f\u00fcr die Rechte von Sexarbeitenden und gegen Menschenhandel zu sein.<\/p>\n<\/p>\n<p>Der Vorsto\u00df der CDU\/CSU kommt jedoch zum einen verfr\u00fcht: Der erwartete Erkenntnisgewinn durch die laufende Evaluation kann eine valide, evidenzbasierte Grundlage f\u00fcr weiteres Vorgehen bieten, sodass es wenig zielf\u00fchrend ist, bereits jetzt eine Gesetzes\u00e4nderung anzustreben anstatt aktuelle Regelungen zun\u00e4chst grundlegend zu \u00fcberpr\u00fcfen. Zum anderen muss das Schaffen von vermeintlichen Fakten und Verallgemeinerungen kritisiert und das \u201eSexkaufverbot\u201c als geeignete Ma\u00dfnahme infrage gestellt werden. All dies scheint der Sachdebatte wenig dienlich und ist damit nicht im Sinne der Betreffenden: Sexarbeiter*innen sowie Betroffene von Menschenhandel.<\/p>\n<\/p>\n<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Zwischenbericht ProstSchutzG; BMFSFJ; 2020: <a href=\"https:\/\/www.bmfsfj.de\/resource\/blob\/156998\/bfc0e8295e1bcc04b08159e32e95281f\/zwischenbericht-zum-prostituiertenschutzgesetz-data.pdf\">https:\/\/www.bmfsfj.de\/resource\/blob\/156998\/bfc0e8295e1bcc04b08159e32e95281f\/zwischenbericht-zum-prostituiertenschutzgesetz-data.pdf<\/a><\/p>\n<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Stellungname Zwischenbericht, Verein f\u00fcr politische und soziale Rechte von Prostituierten \u201eDo\u00f1a Carmen e.V.\u201c; 2021: <a href=\"https:\/\/www.donacarmen.de\/wp-content\/uploads\/01-ZWISCHENBERICHT-PROSTSCHG-TEIL-1.pdf\">https:\/\/www.donacarmen.de\/wp-content\/uploads\/01-ZWISCHENBERICHT-PROSTSCHG-TEIL-1.pdf<\/a><\/p>\n<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Informationen zur Evaluation: https:\/\/kfn.de\/forschungsprojekte\/evaluation-des-prostituiertenschutzgesetzes-prostschg\/<\/p>\n<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Walentowitz; 2019: https:\/\/www.donacarmen.de\/wp-content\/uploads\/SIND-PROSTITUIERTE-TRAUMATISIERT-FRAGEZEICHEN-1.pdf<\/p>\n<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[5]<\/a> Kritik zur \u201eFreierstudie\u201c; 2024: https:\/\/www.berufsverband-sexarbeit.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/ALTERNATIVE-FAKTEN_Freierstudie_Farley.pdf<\/p>\n<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" id=\"_ftn6\">[6]<\/a> B\u00fcttner et al.; 2021: <a href=\"https:\/\/www.melanie-buettner.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Sexarbeit-und-psychische-Gesundheit-Buettner-Gleixner-Tschoeke-2021.pdf\">https:\/\/www.melanie-buettner.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Sexarbeit-und-psychische-Gesundheit-Buettner-Gleixner-Tschoeke-2021.pdf<\/a><\/p>\n<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" id=\"_ftn7\">[7]<\/a> Rasmussen et al.; 2014: Evaluering av forbudet mot kj\u00f8p av seksuelle tjenester. Statens Offentliga Utredningar (2010): F\u00f6rbud mot k\u00f6p av sexuell tj\u00e4nst En utv\u00e4rdering 1999\u20132008.<\/p>\n<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" id=\"_ftn8\">[8]<\/a> Early et al (2019): Review of the criminalization of paying for sexual services in Northern Ireland, Queen\u2019s University<\/p>\n<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" id=\"_ftn9\">[9]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.info.gouv.fr\/acutalite\/premier-plan-national-contre-la-prostitution-des-mineurs\">https:\/\/www.info.gouv.fr\/acutalite\/premier-plan-national-contre-la-prostitution-des-mineurs<\/a><\/p>\n<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" id=\"_ftn10\">[10]<\/a> Koordinierungskreis gegen Menschenhandel (2017): <a href=\"https:\/\/www.kok-gegen-menschenhandel.de\/fileadmin\/user_upload\/medien\/Publikationen_KOK\/KOK_Broschuere_Sexuelle_Ausbeutung.pdf\">https:\/\/www.kok-gegen-menschenhandel.de\/fileadmin\/user_upload\/medien\/Publikationen_KOK\/KOK_Broschuere_Sexuelle_Ausbeutung.pdf<\/a> oder das B\u00fcndnis aus Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt (2024): <a href=\"https:\/\/tauwetter.de\/images\/phocadownload\/pdf\/2024\/2024%2004%20Pressemitteilung%20Sexarbeit%20Fachberatungsstellen.pdf\">https:\/\/tauwetter.de\/images\/phocadownload\/pdf\/2024\/2024%2004%20Pressemitteilung%20Sexarbeit%20Fachberatungsstellen.pdf<\/a><\/p>\n<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" id=\"_ftn11\">[11]<\/a> B\u00f6hme\/Ren\u00e9: Arbeitsausbeutung im Reinigungsgewerbe (2024): <a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/de\/faust-detail.htm?sync_id=HBS-008862\">https:\/\/www.boeckler.de\/de\/faust-detail.htm?sync_id=HBS-008862<\/a><\/p>\n<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" id=\"_ftn12\">[12]<\/a> Smith&amp;Mac: Revolting Prostitutes<\/p>\n<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" id=\"_ftn13\">[13]<\/a> Platt et al. (2018): Associations between sexwork laws and sexworkers\u2019 health: A systematic review and meta-analysis of quantitative and qualitative studies<\/p>\n<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" id=\"_ftn14\">[14]<\/a> s. Fn 8<\/p>\n<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" id=\"_ftn15\">[15]<\/a> Kritik vom dt. Juristinnenbund: <a href=\"https:\/\/www.bmfsfj.de\/resource\/blob\/119046\/ddf19e3b3b0256fb01cc02f6e15c12f3\/djb-data.pdf\">https:\/\/www.bmfsfj.de\/resource\/blob\/119046\/ddf19e3b3b0256fb01cc02f6e15c12f3\/djb-data.pdf<\/a><\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die CDU\/CSU fordert, den Kauf sexueller Dienstleistungen verbieten zu lassen. Angeblich sollen dabei nur die Kund*innen, jedoch nicht die Sexarbeitenden kriminalisiert werden. Zudem sollen Beratungsstellen nur noch zu Pr\u00e4vention und Ausstieg beraten und auch die Sexualassistenz in der Behindertenhilfe soll nicht mehr legal m\u00f6glich sein, sondern sich h\u00f6chstens auf Beratungen reduzieren. 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