Hansa- und Ludwig Erhard-Berufskolleg schalteten sich online zu auf Einladung des Freundeskreises Münster – Lublin e.V. / Eine Lehrkräfte-Fortbildung „Auschwitz im Unterricht“ findet im Februar in Polen statt

„Lasst niemanden mehr in Nazi-Kategorien von Rassen reden! Homo sapiens ist ein Mensch, und es gilt, dass die Menschheit sich als eine Einheit versteht. Die Menschenrechte sind unteilbar, deshalb wehret den Anfängen!“ Mit diesem eindringlichen Weck- und Warnruf hat der KZ-Überlebende Dr. Leon Weintraub ein intensives Gespräch mit Berufsschülerinnen und -schülern in Münster gesucht. Der in Łódź geborene Gynäkologe, der heute zur jüdischen Synagogen-Gemeinde in Stockholm gehört und in 2026 einhundert Jahre alt wird, schaltete sich auf Einladung des Freundeskreises Münster-Lublin zu in einem Zeitzeugen-Zoom aus einer Gedenkstätte in Polen.

Zu dem Projekt eingeladen worden waren Schulen im Stadtgebiet, die Partnerschaften mit Lublin pflegen, anlässlich des Gedenkens an den Kriegsausbruch, an den deutschen Überfall auf Polen 1939. Kurz vor der besonderen Begegnung mit den jungen Erwachsenen aus Münster hatte seine Geburtsstadt Leon Weintraub zum Ehrenbürger ernannt. Weltweit ist er als Zeitzeuge unterwegs. Die Schilderung der brutalen Verfolgung und des Judenhasses ging allen sehr unter die Haut. Auch der Gast war angesichts des 1. Septembers als Jahrestag merklich aufgewühlt angesichts seiner persönlichen Erinnerungen.

Geduldig beantwortete er dennoch die Fragen aus dem Ludwig Erhard- und aus dem Hansa-Berufskolleg. Auch Bürgermeister Klaus Rosenau, der am Hansaring unterrichtet und sich für Austausche mit Lublin, mit Rishon le Zion in Israel, mit anderen Städten und auch im Sport stark macht, und sein Lehrerkollege am LEBK, David Roesmann, nahmen mit weiteren engagierten Mitstreiterinnen und Mitstreitern aus den Kollegien teil. Stefan Querl, Leiter der Villa ten Hompel, moderierte die Diskussion. Der Historiker dankte dem prominenten Gast, der ebenfalls zugeschalteten Vorsitzenden des Freundeskreises, Joanna Harmus, den weiteren Vorstandsaktiven und auch dem Maximilian Kolbe Werk, das den Überlebenden aus Konzentrationslagern und Ghettos mit Spenden hilft, für die nachhaltige Unterstützung solcher Dialog-Formate über Generationsgrenzen hinweg.

Für 4. bis 8. Februar hat das Maximilian Kolbe Werk zudem eine Lehrkräfte-Fortbildung „Auschwitz im Unterricht“ jetzt ausgeschrieben. Alle Infos und Anmeldungen zu der Reise mit Zeitzeugen-Begegnungen und Workshops zum digitalen und realen Lernen auf maximilian-kolbe-werk.de

Bildinformation:

Merklich aufgewühlt war der KZ-Überlebende Leon Weintraub (links) angesichts des Gedenkens an den Jahrestag des Kriegsausbruchs 1939, der auch in seiner Biographie eine besondere Rolle spielte. Stefan Querl von der Villa ten Hompel, hier bei einer Begegnung mit dem Zeitzeugen 2023 unter dem Dach des Maximilian Kolbe Werkes, leitete das Gesprächsforum im Zoom. Archivfoto: Stephanie Roth