{"id":593,"date":"2011-12-03T16:33:29","date_gmt":"2011-12-03T16:33:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.muenster.org\/msz\/?p=593"},"modified":"2011-12-03T21:54:20","modified_gmt":"2011-12-03T21:54:20","slug":"eli-marcus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.muenster.org\/msz\/?p=593","title":{"rendered":"Eli Marcus"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><span style=\"font-size: large;\">Eli Marcus<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Der Jude, der am liebsten Plattdeutsch sprach<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_606\" style=\"width: 208px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.muenster.org\/msz\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Marcus1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-606\" class=\"size-medium wp-image-606\" title=\"Marcus\" src=\"https:\/\/www.muenster.org\/msz\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Marcus1-198x300.jpg\" alt=\"Eli Marcus als &quot;Natzohme&quot; im Theaterst\u00fcck &quot;Mester T\u00fcntelpott&quot;\" width=\"198\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.muenster.org\/msz\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Marcus1-198x300.jpg 198w, https:\/\/www.muenster.org\/msz\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Marcus1.jpg 251w\" sizes=\"auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-606\" class=\"wp-caption-text\">Eli Marcus als &quot;Natzohme&quot; im Theaterst\u00fcck &quot;Mester T\u00fcntelpott&quot;<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aiga Kra\u00df<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In zwei Ausgaben der MSZ 2011 wurden als plattdeut\u00adscher Beitrag Gedichte von Eli Marcus ausgew\u00e4hlt. Es sind Gedichte, die gepr\u00e4gt sind von Heimatliebe, Naturverbunden\u00adheit und Menschlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--> \u00c4ltere M\u00fcnsteraner erinnern sich an Erz\u00e4hlungen ihrer Eltern, die von vielen heiteren und nachdenk\u00adlichen Stunden im geselligen Kreis berichten, die Eli Marcus ihnen bereitet hat. In einer Zeit ohne Radio und Fernsehen wurde abends in den Familien vorgelesen. Da kam Eli Mar\u00adcus zu Wort. Die mundartliche plattdeutsche Sprache seiner Geschichten und Gedichte war damals jedermann gel\u00e4ufig bis in die Kaufmannsstuben des Prinzi\u00adpalmarktes. Besonders gesch\u00e4tzt wurden seine Theaterst\u00fccke, die im gesamten M\u00fcnsterland f\u00fcr Freude und Geselligkeit sorgten. Die Laienspieler waren meist M\u00e4nner, die auch Frauenrollen \u00fcbernahmen und dadurch zur Erheiterung beitrugen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Warum wurde Eli Marcus von seiner Vaterstadt M\u00fcnster weitgehend vergessen? Er war Jude. Mit Aufkommen der NS-Ideologie wurden der Mensch Eli Marcus und sein Werk syste\u00admatisch aus dem Bewusstsein der Bev\u00f6lkerung getilgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Elias Marcus wurde am 26. Januar 1854 in M\u00fcnster geboren. Sein Vater betrieb einen Leder\u00adhandel, aus dem 1875 das Schuh\u00adgesch\u00e4ft Marcus hervorging. Der Sohn Elias besuchte die Grund- und Realschule in M\u00fcnster, ver\u00adlebte drei Jahre in einem j\u00fcdischen Internat in Th\u00fcringen, schloss eine kaufm\u00e4nnische Lehre in Bochum ab und \u00fcbernahm nach dem Tod des Vaters 1890 gemeinsam mit seinem Bruder Julius das v\u00e4terli\u00adche Schuhgesch\u00e4ft. Seine Liebe aber galt der plattdeutschen Sprache, die er umsetzte in Kurz\u00adgeschichten, Theaterst\u00fccken und Gedichten. Er wurde engagiertes Mitglied der von Professor Lan\u00addois gegr\u00fcndeten \u201eZoologischen Abendgesellschaft\u201c, die platt\u00addeutsches Theater spielte und das gesellige Leben in M\u00fcnster um Umgebung um die Jahrhundert\u00adwende ma\u00dfgeblich pr\u00e4gte. Marcus war Allein- und Mitverfasser zahl\u00adreicher Theaterst\u00fccke, Einakter und kurzweiliger Schilderungen des allt\u00e4glichen Lebens. Seine Paraderolle war der \u201eNatzohme\u201c in seinem St\u00fcck \u201eMester T\u00fcntel\u00adpott\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Von dem Bekanntheitsgrad seiner Werke, ihrer Beliebtheit und Verbreitung zeugen Zei\u00adtungsartikel \u00fcber fortw\u00e4hrende Auff\u00fchrungen seiner Volksst\u00fc\u00adcke in westf\u00e4lischen Vereinen zu Anl\u00e4ssen verschiedener Art sowie Notizen \u00fcber plattdeutsche Abende, bei denen Eli Marcus ein\u00adgeladen war und als \u201evorz\u00fcglicher Interpret\u201c seiner Werke gesch\u00e4tzt wurde. Nach der Jahrhundert\u00adwende wandte Marcus sich der Lyrik zu, ohne jedoch die Thea\u00adterarbeit v\u00f6llig aufzugeben. Nach heutigem Ma\u00dfstab und Verst\u00e4nd\u00adnis wirken seine B\u00fchnenst\u00fccke oft \u00fcberholt, aber seine Lyrik ist in ihrer Menschlichkeit an keinen Zeitgeschmack gebunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nachdem sein Sohn Ernst (Unteroffizier, Ritter des Eisernen Kreuzes 1. Klasse) im ersten Welt\u00adkrieg gefallen war, gab Marcus das Schuhgesch\u00e4ft auf und betrieb einen An- und Verkauf wertvoller Antiquit\u00e4ten und neuer Kunst, war aber weiterhin schriftstelle\u00adrisch t\u00e4tig. Ein gro\u00dfer Teil seiner Werke, die in der Zoologischen Abendgesellschaft archiviert waren, gingen im 2. Weltkrieg verloren. Doch die erhaltenen Gedichte spiegeln den Menschen Eli Marcus wider in zarten und heiteren Liebesgedichten und tief empfundener Stimmungslyrik.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: left;\">\n<p>Als der Nationalsozialismus an Boden gewann, wurde es still um Eli Marcus. Sein letztes Rundfunkinterview gab er 1933 im Alter von 79 Jahren. Seine Schriften wurden verboten. Sein 80. Geburtstag 1934 wurde von der Tagespresse mit keiner Silbe erw\u00e4hnt, auch der Todestag am 13. September 1935 des vor kurzer Zeit noch so beliebten und verehrten Dichters blieb unerw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Sein Grab befindet sich auf dem J\u00fcdischen Friedhof in M\u00fcns\u00adter. Zu seinem 80. Geburtstag schrieb seine in den USA lebende Tochter: \u201eEr ist verliebt in seine t\u00fcrme- und giebelreiche Heimat\u00adstadt und in das b\u00e4uerliche M\u00fcns\u00adterland mit seinen Wallhecken und seinen endlos hingebreiteten \u00c4ckern und Wiesen.\u201c<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eli Marcus Der Jude, der am liebsten Plattdeutsch sprach &nbsp; Aiga Kra\u00df In zwei Ausgaben der MSZ 2011 wurden als plattdeut\u00adscher Beitrag Gedichte von Eli Marcus ausgew\u00e4hlt. 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