{"id":427,"date":"2010-11-29T21:02:25","date_gmt":"2010-11-29T21:02:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.muenster.org\/msz\/?p=427"},"modified":"2010-11-29T21:42:05","modified_gmt":"2010-11-29T21:42:05","slug":"von-der-lust-und-dem-leid-des-aufbewahrens-und-aussortierens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.muenster.org\/msz\/?p=427","title":{"rendered":"Von der Lust und dem Leid des Aufbewahrens und Aussortierens"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">\n<p style=\"text-align: left;\">\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><span style=\"font-size: medium;\">Von der Lust und dem Leid des Aufbewahrens und Aussortierens<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Christa Lorei<\/p>\n<div id=\"attachment_432\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.muenster.org\/msz\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/DSC_1472.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-432\" class=\"size-medium wp-image-432\" title=\"Aufbewahren\" src=\"https:\/\/www.muenster.org\/msz\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/DSC_1472-300x198.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/www.muenster.org\/msz\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/DSC_1472-300x198.jpg 300w, https:\/\/www.muenster.org\/msz\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/DSC_1472-1024x679.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-432\" class=\"wp-caption-text\">Aufbewahren oder Aussortieren<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: left;\">Manche Zeitgenossen sind in ihrem Umfeld ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigt f\u00fcr ihre Lust, oder soll man bes\u00adser sagen Wut, alles aufzur\u00e4umen und auszusortieren. Wenn ich so meine private Statistik betrachte, sind es eher Frauen als M\u00e4nner. Ist ja auch verst\u00e4ndlich wegen der J\u00e4ger- und Sammler-Gene bei den M\u00e4nnern und der noch immer weiblichen Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr den Haushalt.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sie f\u00fchren gute Gr\u00fcnde an: Man brauche Platz f\u00fcr Neues oder die Phase, in der man diesen oder jenen Gegenstand gebraucht habe, sei vorbei. Es gibt unendlich viele Gr\u00fcnde, aber oft auch vehe\u00admenten Widerstand. Daher ist es sicher interessant und von Bedeu\u00adtung, sich vor dem Aussortieren einige Fragen zu stellen: Wann habe ich diesen Gegenstand zum letzten Mal benutzt? Bedeutet er mir noch etwas? Aus welchem Grund bewahre ich ihn auf?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und wenn man sich dann entschieden hat, geht es erst rich\u00adtig los. Jeder, der schon einmal Sachen auf dem Flohmarkt ver\u00adkauft hat, wei\u00df, wie schmerzhaft es sein kann, einen Gegenstand, der (einem) mal sehr teuer war, \u201ef\u00fcr einen Appel und ein Ei\u201c ab\u00adzugeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dann lieber verschenken, nur um darauf erfahren zu m\u00fcssen, dass die Wohlt\u00e4tigkeitsorganisa\u00adtion schon Mengen dieser Dinge im Lager hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eZurzeit gibt es keinen Markt daf\u00fcr\u201c, ist auch die Antwort der Galeristen, wenn sie \u2013 nicht ohne Mitgef\u00fchl \u2013 auf die einst mit so\u00adviel Stolz besessenen Serigrafien zeitgen\u00f6ssischer K\u00fcnstler blicken. Und dann das \u00d6lgem\u00e4lde, von den Eltern an die kunstsinnige Tochter vererbt. Der Maler war begabt, aber das Sujet, ein Korb\u00adflechter, passt wohl nur noch ins Heimatmuseum oder in einen Landgasthof.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Diese Erfahrungen des rapi\u00adden Werteverfalls und auch des Desinteresses der Nachkommen\u00adschaft k\u00f6nnen sehr heilsam sein. Man \u00fcberlegt bei einer Neuan\u00adschaffung vielleicht immer \u00f6fter: Ich bin jetzt 60 oder 70 Jahre ohne diesen Gegenstand ausgekommen, was hat sich ge\u00e4ndert?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich habe im Laufe der Jahre viele Erfahrungen mit Aufl\u00f6sen, Abgeben und Verkaufen gesam\u00admelt. Als meine Mutter starb, hatte ich einen Haushalt von 240 Qua\u00addratmetern aufzul\u00f6sen. Das war unendlich viel Arbeit. Am Ende habe ich nur noch geheult. Es war ein langes Abschiednehmen von allem, was meinen Eltern lieb und teuer war, woran auch eigene Kindheitserinnerungen hafteten. Damals habe ich mir dringend gew\u00fcnscht, meine Mutter h\u00e4tte einfach schon mal begonnen mit dem Aussortieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber ob der Abschied von ihr dann so gelungen w\u00e4re?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich hatte am Schluss das Gef\u00fchl, dass alles gut war, so wie es war.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein alter M\u00f6nch, der durch seine Publikationen auch bei uns einige Ber\u00fchmtheit erlangt hat, wurde durch die Einkaufsmeile einer deutschen Gro\u00dfstadt ge\u00adf\u00fchrt. Er klatschte begeistert in die H\u00e4nde und freute sich: \u201eAll diese wundersch\u00f6nen Sachen, die ich nicht brauche.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dahin geht f\u00fcr mich der Weg. Ich stelle mir vor, dass es immer leichter wird loszulassen, wenn man es t\u00e4glich \u00fcbt \u2013 am Ende vielleicht sogar das Leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der Lust und dem Leid des Aufbewahrens und Aussortierens Christa Lorei Manche Zeitgenossen sind in ihrem Umfeld ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigt f\u00fcr ihre Lust, oder soll man bes\u00adser sagen Wut, alles aufzur\u00e4umen und auszusortieren. Wenn ich so meine private Statistik betrachte, sind es eher Frauen als M\u00e4nner. 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