{"id":257,"date":"2010-10-05T12:53:15","date_gmt":"2010-10-05T12:53:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.muenster.org\/msz\/?p=257"},"modified":"2010-10-22T17:11:29","modified_gmt":"2010-10-22T17:11:29","slug":"257","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.muenster.org\/msz\/?p=257","title":{"rendered":"Es entsteht ein neues Wir-Gef\u00fchl"},"content":{"rendered":"<h1>\u201eEs entsteht ein neues Wir-Gef\u00fchl\u201c<\/h1>\n<p>von Margi-Maria Dahm<\/p>\n<p>Des Alleinseins \u00fcber\u00addr\u00fcssig? Auf entsprechenden Seiten im Internet findet man eine F\u00fclle von Angeboten, die bei Partnerwunsch zur Verf\u00fc\u00adgung stehen. Daneben gibt es sie aber noch: die Partnerver\u00admittler aus \u201eFleisch und Blut\u201c. Im folgenden Interview gew\u00e4hrt uns ein Vermittler aus M\u00fcnster Einblick in seinen Beruf.<!--more--><\/p>\n<p><em>Welche Eigenschaften halten Sie f\u00fcr die wichtigsten bei der Aus\u00fc\u00adbung Ihres Berufs? <\/em><\/p>\n<p>Menschenkenntnis und Einf\u00fch\u00adlungsverm\u00f6gen.<\/p>\n<p><em>Wie sind Sie zu ihrem Beruf ge\u00adkommen?<\/em><\/p>\n<p>Schon w\u00e4hrend meiner fr\u00fcheren T\u00e4tigkeit hatte ich immer mit Menschen zu tun. Ich bin gelern\u00adter Versicherungskaufmann, war lange im Au\u00dfendienst und auch mit der F\u00fchrung von Mitarbeitern betraut. Als ich mich vor f\u00fcnf\u00adzehn Jahren umorientieren muss\u00adte, \u00fcberlegte ich: \u201eWas kann ich, was liegt mir?\u201c Dabei kam mir die Idee, Partner zu vermitteln.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>Sie vermitteln vor allem Menschen im \u201ereiferen Alter\u201c. Warum?<\/em><\/p>\n<p>Der Charakter ist in diesem Alter ausgepr\u00e4gt, man wei\u00df, wo jemand her kommt, wie das Leben ver\u00adlaufen ist, wohin jemand m\u00f6chte. Das sind gute Voraussetzungen, jemandem bei der Suche nach einem Partner, einer Partnerin erfolgreich zu helfen.<\/p>\n<p><em>Was ist f\u00fcr Sie das Besondere an Ihrem Beruf?<\/em><\/p>\n<p>Ich habe sehr viel mit Menschen zu tun, die etwas mitgemacht haben. 70% meiner Klienten sind verwitwet, andere wurden geschieden, getrennt. Wenn ich die Verwandlung eines Menschen mitbekomme, wie er durch eine neue Beziehung auflebt, das Le\u00adben wieder in vollen Z\u00fcgen lebt, es sp\u00fcrbar ist, dass es der richtige Weg war, dann freue ich mich, dazu beigetragen zu haben.<\/p>\n<p><em>Welche Voraussetzungen braucht es, um erfolgreich vermitteln zu k\u00f6nnen? <\/em><\/p>\n<p>Als Erstes ist es f\u00fcr mich wichtig, die Wellenl\u00e4nge des Kunden, der Kundin zu erfassen, zu ersp\u00fcren und dann auch zu erfahren, wer jemand ist. Die Gespr\u00e4che werden fast ausnahmslos bei den Kunden zuhause gef\u00fchrt, so dass ich von allen auch das pers\u00f6nliche Umfeld kenne, wei\u00df, wie jemand wohnt und lebt. Oft ist es so, dass bei zweien die \u00e4hnlich wohnen, auch die Wellenl\u00e4nge stimmt. Ich habe keine Mitarbeiter, kenne also mei\u00adne Kunden alle pers\u00f6nlich.<\/p>\n<p><em>Ergeben sich die Themen auto\u00admatisch aus den Gespr\u00e4chen oder sprechen Sie sie selbst an?<\/em><\/p>\n<p>Meistens erz\u00e4hlen die Menschen von sich aus und es wird klar, wa\u00adrum sie einen Partner suchen, wie er sein soll, vor allen Dingen, wie er nicht sein sollte. Auch Hobbys und gew\u00fcnschte Gemeinsamkei\u00adten werden angesprochen und alles, was den Menschen aus\u00admacht.<\/p>\n<p>Wo ich nachfrage, ist im Bereich der Religion.<\/p>\n<p><em>Ist dies f\u00fcr Ihre Kunden ein wich\u00adtiges Kriterium? <\/em><\/p>\n<p>Bei den \u00c4lteren wichtiger als bei den J\u00fcngeren. F\u00fcr die 50-bis 60-J\u00e4hrigen ist der Glaube nicht so entscheidend. Erw\u00fcnscht ist da eher allgemein eine christliche Lebenseinstellung. Hingegen ist<\/p>\n<p>es f\u00fcr viele Kunden jenseits der 60 oder 70 wichtig, dass jemand \u201edas gleiche Gebetbuch\u201c hat.<\/p>\n<p>Wie gehen Sie mit unausgespro\u00adchenen Bed\u00fcrfnissen Ihrer Kun\u00adden um oder mit W\u00fcnschen, die Sie nicht erf\u00fcllen m\u00f6chten?<\/p>\n<p>Wenn ich merke, dass ein Mann eher jemanden f\u00fcrs Putzen, Es\u00adsen und f\u00fcrs Bett sucht, mache ich klar, dass dies nicht dem ent\u00adspricht, was ich vermittle. Meine Kundinnen w\u00fcnschen sich eine Partnerschaft!<\/p>\n<p><em>Welche Stichpunkte fallen Ihnen zum Thema Partnerschaft\/Ehe ein?<\/em><\/p>\n<p>Ich bin selber seit 35 Jahren ver\u00adheiratet und habe drei Kinder. F\u00fcr mich hat Partnerschaft mit Zusam\u00admengeh\u00f6rigkeit und Geborgenheit zu tun.<\/p>\n<p><em>Gibt es Menschen, die Sie nicht vermitteln?<\/em><\/p>\n<p>Man muss selbstverst\u00e4ndlich darauf achten, dass das Niveau stimmt. Ich m\u00f6chte keinen Alko\u00adholiker in meiner Kartei haben, nicht jemanden, der nur Bett\u00adgeschichten sucht oder bei dem man denkt, da stimmt etwas nicht. Wenn z.B. jemand Mitte 60 ist und sucht eine Frau, mit der er Kinder haben will, \u2026 das ist nicht, was ich gerne vermitteln will, der soll selbst suchen.<\/p>\n<p><em>Und wenn Ihnen jemand unsym\u00adpathisch ist? <\/em><\/p>\n<p>Also ich muss schon mit je\u00admandem selbst auch auf einer Wellenl\u00e4nge sein, sp\u00fcren, dass er mir selbst liegt. Wenn mir jemand unsympathisch ist, fehlt das ge\u00adgenseitige Vertrauen, ohne das ich nicht vermitteln kann. Denn, wenn jemand mir vertraut, muss ich ihm auch vertrauen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was tun Sie, wenn das Vermitteln eines Menschen sich als schwierig herausstellt?<\/p>\n<p>Ich halte die meisten meiner Kunden f\u00fcr vermittelbar. Es gelingt mir jedoch nicht immer sofort, den oder die Richtige zu vermitteln. Aber ich bleibe am Ball. Manchmal ist es auch eine Zeitfrage. In schwierigen F\u00e4llen kann das schon mal ein Jahr dau\u00adern, wof\u00fcr der Kunde auch die Geduld aufbringen muss.<\/p>\n<p><em>Unerst\u00fctzen Sie Ihre Kunden in einer solchen Situation? <\/em><\/p>\n<p>Ich bin als Gespr\u00e4chspartner im\u00admer da, versuche, die Ungeduld zu nehmen, die Hoffnung zu geben, dass ich etwas Passendes finde. Aber ich bin schon so ehrlich, dass ich nicht jemanden aus dem Hut zaubere, nur damit sie oder er jemanden zum Kennenlernen hat. Man m\u00f6chte sich gut aufgehoben f\u00fchlen, m\u00f6chte jemanden kennen\u00adlernen, der zu einem passt. Und je h\u00e4ufiger es nicht passt, desto frustrierter wird man.<\/p>\n<p>Sie erw\u00e4hnten vorhin, dass die meisten Ihrer Kunden etwas \u201ehinter sich\u201c haben. F\u00fcr wie wichtig halten Sie es, dass die Trauerarbeit abgeschlossen ist, damit eine n\u00e4chste Partnerschaft gelingen kann?<\/p>\n<p>Ich glaube, es wird sicher auch noch Trauerarbeit mit dem neuen Partner geleistet, der ja oft etwas \u00c4hnliches erlebt hat. Bevor sich zwei kennen gelernt haben, richtet sich der Blick eher zur\u00fcck: was habe ich verloren. Aber danach geht der Weg nach vorne. Es ent\u00adsteht ein neues Wir-Gef\u00fchl.<\/p>\n<p>Ihre Kunden sind in einem Alter, in dem man auch mit Krankhei\u00adten rechnen muss. Wie gehen Sie damit um?<\/p>\n<p>Wenn jemand sagt, ich bin krank, kl\u00e4re ich bei demjenigen, dem ich diese Person vorschlage, schon ab, ob das in Ordnung ist oder nicht. Wenn jemand den Partner gerade verloren hat, ist die Angst da, das Erlebte noch einmal durchzumachen. Na\u00adt\u00fcrlich m\u00f6chte man sch\u00f6ne ge\u00admeinsame Jahre vor sich haben. Aber Krankheit muss dabei nicht unbedingt hinderlich sein.<\/p>\n<p><em>Wie treffen sich die Partner zum ersten Mal?<\/em><\/p>\n<p>Ich rate dazu, dass sich zwei auf neutralem Boden treffen. Zuerst spreche ich mit der Frau und lasse den Mann anrufen. So hat niemand die Gastgeberrolle und man kann dabei Eigenheiten erkennen, z. B. ob jemand Trinkgeld gibt und wie viel. Das sind Sachen, die man zuhause nicht beobach\u00adten kann, die aber doch aussage\u00adkr\u00e4ftig sind. Abgesehen davon m\u00f6chte man ja nicht jedem sein Zuhause vorf\u00fchren. Das muss erst mal wachsen. Und im Mittel\u00adpunkt sollte der Mensch an sich sein und nicht das Drumherum. Sp\u00e4ter kommt dieses sowieso automatisch dazu.<\/p>\n<p><em>In welcher Weise hat das Aus\u00fc\u00adben dieses Berufs Sie pers\u00f6nlich beeinflusst? <\/em><\/p>\n<p>Ich wei\u00df meine eigene Partner\u00adschaft mehr zu sch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Und ich achte mehr auf die leisen T\u00f6ne. Man kriegt mehr Finger\u00adspitzengef\u00fchl, fragt sich, was w\u00fcrdest du selbst machen in dieser Situation. Es ist ja nicht einfach, sich in diesem Alter auf eine neue Partnerschaft einzulassen. Man muss erst wieder entdecken, zu welchem Gef\u00fchl man f\u00e4hig ist.<\/p>\n<p><em>Ich danke Ihnen f\u00fcr dieses Ge\u00adspr\u00e4ch. <\/em><\/p>\n<p><em><br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEs entsteht ein neues Wir-Gef\u00fchl\u201c von Margi-Maria Dahm Des Alleinseins \u00fcber\u00addr\u00fcssig? Auf entsprechenden Seiten im Internet findet man eine F\u00fclle von Angeboten, die bei Partnerwunsch zur Verf\u00fc\u00adgung stehen. Daneben gibt es sie aber noch: die Partnerver\u00admittler aus \u201eFleisch und Blut\u201c. 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