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Aufklärung im Kino

 
Beautiful Thing

Im Rahmen des KCM-Aufklärungsprojektes fand im Februar und März 1997 eine Aktion zum Kinofilm „Beautiful thing” statt.

Der folgende Artikel von Johannes Bolle erschien in der März-Ausgabe der rosa zone (heute Queer)- die schwul-lesbische Zeitung für Nordrhein-Westfalen:

Jugendamt Münster schickt Schulen in „Beautiful thing”

Im Foyer des „cinema” herrscht ziemliches Gedränge. Rund 100 Münsteraner begehren Einlaß in den Kinosaal. Jemand beschwert sich über den Zigarettenqualm seines Nachbarn. Es ist kurz vor 11 Uhr, die Real- und Berufsschüler tauschen an diesem Mittwochmorgen ihr Klassenzimmer mit dem Kinosaal. Für zwei Mark erwartet die Heranwachsenden die Coming-out-Geschichte von Jamie und Ste in „Beautiful thing”.

„Freiwillig würde ich mir den Film ja nicht ansehen”, frotzelt ein vielleicht 15jähriger Teenie' während er sich über seinen ersten Flaum am Kinn streichelt. „Immer noch besser als Schule”, kontert sein Klassenkamerad. Frank Schwarzer vom Schwulen- und Lesbenzentrum KCM begrüßt die Schüler und ihre Lehrer. Er wünscht einen schönen Vormittag. Klatschen der meisten, ein paar Buhrufe aus der letzten Reihe.

„Von hinten kostet Hundesteuer”, stänkert einer bereits zu Beginn des Films. „Halt' die Klappe”, bläfft es einige Sitzreihen davor zurück, „kannst' ja rausgehen, wenn's Dir nicht paßt”. Natürlich wissen die Schüler, um was es geht in „Beautiful thing”. Und als Jamie seinen Bettgefährten Ste zaghaft fragt, ob er schon mal geküßt worden sei, kichern einige Siebtkläßler.

„Ich glaube, ich geh gleich raus”, tönt es wieder aus der letzten Reihe. Eine Gruppe Berufschüler hat sich dort in die Kinosessel gelümmelt. Einen der ihren provoziert der erste zaghafte Kuß zu der Bemerkung: „Was ist das für eine Scheiße, bäh, igitt!” Ganz anders die Reaktion eines Milchgesichts einige Reihen weiter, vermutlich ein Schüler der siebten Klasse. „Ich finde so einen Kuß gar nicht so schlimm”, raunt er seinem Nachbarn zu. In den hinteren Reihen ist es mitunter recht unruhig. Der erste intensive Kuß zwischen Jamie und Ste unter Bäumen ist einigen dann doch zuviel. Eine Handvoll Schüler verläßt demonstrativ den Kinosaal.

Auch der machomäßige Sprücheklopfer, der sich bereits zu Beginn über die „Scheiße” beschwert hatte, ist darunter. Darauf hätten sie echt keinen Bock, sagen sie Frank Schwarzer vom KCM der im Foyer einen Informationsstand aufgebaut hat.

Doch die Mehrheit der Schüler bleibt ruhig sitzen. Klar, es wird ein wenig gewitzelt. Jemand streichelt seinem Nachbarn übers Haar, ein anderer berührt das Knie eines Klassenkameraden, nach dem Motto, was wäre wenn. Als Jamies Mutter erklärt, schließlich sei sie ja auch eine 1969er Generation, ist dies Anlaß für einen höchstens l3-jährigen Kiddy, seinem Nachbarn die 69er Stellung zu erläutern.

Erstaunlich, wie viele Schüler sich nach Ende des Films noch Infomaterial oder Aufkleber vom KCM einstecken.

Vom Jugendamt der Stadt Münster werden diese Sondervorstellungen gesponsert. In einer Mitteilung an insgesamt 1.200 Klassen und Jugendeinrichtungen wird „Beautiful thing” als ein Film angeboten, „der fernab typischer Klischees und auf einfühlsame Weise das Erwachen einer homosexuellen Beziehung zweier 16jähriger Jungen beschreibt”. Doch längst nicht alle Schulen reagierten auf das Angebot von Stadt und KCM positiv. „In den Rektoraten wird teilweise massiv geblockt”, hat KCM-Jugendreferent Martin S. erfahren, der die ganze Aktion angeleiert hat. Die rot-grün regierte Schulstadt Münster sei eben noch sehr konservativ geprägt, gerade auch in Gymnasien.

Auf gar keinen Fall werden die bischöflichen Schulen des Bistums Münster das Angebot von Stadt und KCM nutzen. Das sagte Johannes Schneider, der Leiter der Bischöflichen Schulabteilung, auf Anfrage der rosa zone. Die Thematisierung von Homosexualität anhand eines kommerziellen Kinofilms hält Schneider für „didaktisch problematisch”. Deutliche Worte der Kritik fand er für den Titel „Beautiful thing”. Die damit ausgedrückte positive Wertung von Homosexualität sei „nicht so herrlich”.

© rosa zone/Johannes Bolle 1997

 

 

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