{"id":732,"date":"2013-09-05T00:00:29","date_gmt":"2013-09-05T00:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.muenster.org\/jgh-verein\/?page_id=732"},"modified":"2015-03-13T00:11:33","modified_gmt":"2015-03-13T00:11:33","slug":"alltag-in-der-jva","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.muenster.org\/jgh-verein\/alltag-in-der-jva\/","title":{"rendered":"Alltag in der JVA"},"content":{"rendered":"<p>25.11.2014<br \/>\nAn dieser Stelle m\u00f6chten wir m\u00f6chten\u00a0 auf den Beitrag des NDR<br \/>\nmit dem Titel<strong>: <a title=\"Knastkarriere \" href=\"http:\/\/www.ndr.de\/Karriere,jugendknast148.html#page=0&amp;anim=slide\" target=\"_blank\">&#8222;Knastkarriere&#8220;<\/a><\/strong> im Jugendgef\u00e4ngnis aufmerksam machen.<br \/>\n<strong>Alexander Milic<\/strong><\/p>\n<p>04. September 2013<br \/>\nDer Tagesspiegel Berlin berichtet:<br \/>\n<strong><a title=\"Offener Vollzug\" href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/berlins-justizsenator-heilmann-offen-fuer-offenen-vollzug\/8742252.html\">Berlins Justizsenator Heilmann offen f\u00fcr offenen Vollzug<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Jurastudium hinter Gittern: 70 Studenten haben sich f\u00fcr ein einmaliges Uni-Projekt freiwillig einsperren lassen. <a href=\"http:\/\/www1.wdr.de\/themen\/panorama\/jurastudentenknast100.html\">WDR.de sprach mit Teilnehmer Philipp Schulte aus M\u00fcnster <\/a>\u00fcber einsame Mahlzeiten, Platzangst und den Blick auf verschlossene T\u00fcren.\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Der folgende Beitrag zeigt den Alltag in den <a title=\"Podknast  - Kurzbeitr\u00e4ge zum Alltag in Justizvollzugsanstalten f\u00fcr Jugendliche\" href=\"http:\/\/www.podknast.de\">Jugendjustizvollzugsanstalten<\/a> in NRW.<\/p>\n<h2>Alltag in der Jugendstrafanstalt<\/h2>\n<div>Wie die Zelle eingerichtet wird, ist festgeschrieben und \u00fcberall im Gef\u00e4ngnis gleich. Aus Sicherheitsgr\u00fcnden. Zelle Nummer 221, erster Stock, Haus 2, &#8222;Mord- und Totschlagsstation&#8220; in der Jugendstrafanstalt ist neun Quadratmeter gro\u00df: grauer Bodenbelag, an der Wand ein Bett, darauf eine Decke mit der Aufschrift &#8222;Land Berlin&#8220;, gegen\u00fcber ein Tisch, daneben ein Schrank aus Kunstholz. [&#8230;]<br \/>\n\u00dcber Daniel Koch* sagen die anderen H\u00e4ftlinge, er habe aus der Zelle eine &#8222;Kuschelh\u00f6hle&#8220; gemacht. Koch ist 21 und seit drei Jahren in Pl\u00f6tzensee. [&#8230;]<br \/>\nJeden Tag um sechs wird Daniel Koch geweckt, um sieben geht er zur Arbeit, er macht in der Anstalt eine Tischlerlehre. Gegen 15 Uhr kehrt er zur\u00fcck, meist bleiben die Zellent\u00fcren nur noch ein, zwei Stunden ge\u00f6ffnet. Ab 16 oder 17 Uhr ist er dann allein in Zelle 221, Stunden des Nichtstuns, in der die Konjunktive in seinem Kopf l\u00e4rmen, Gedanken daran, wie das Leben ohne sein Verbrechen h\u00e4tte aussehen k\u00f6nnen. [&#8230;]<br \/>\nNicht weit entfernt von Zelle 221 im Verwaltungsgeb\u00e4ude der Haftanstalt sitzt Marius Fiedler hinter einem \u00fcberdimensionierten Schreibtisch. Seit 19 Jahren leitet er das Gef\u00e4ngnis Pl\u00f6tzensee, regiert eine kleine Stadt mit Werkst\u00e4tten, Zellen, Sportplatz und momentan 485 Gefangenen, die in drei Schichten von 300 Vollzugsbeamten bewacht werden. [&#8230;]<br \/>\nMarius Fiedler ist jetzt 61, er kann sich noch erinnern, dass, als er in Tegel anfing, der Erziehungsgedanke im Jugendstrafvollzug im Vordergrund stand. Wenn er jetzt bei Treffen mit anderen Gef\u00e4ngnisdirektoren \u00fcber &#8222;Erziehung&#8220; redet, verdrehen die meist nur die Augen. &#8222;Das Sicherheitsbed\u00fcrfnis ist gr\u00f6\u00dfer geworden, und das Verh\u00e4ltnis der \u00d6ffentlichkeit zu den Straft\u00e4tern hat sich ver\u00e4ndert. Fr\u00fcher wurden sie noch als Bestandteil der Gesellschaft angesehen, die resozialisiert und integriert werden sollten. Heute ist der Straft\u00e4ter der Feind, der bek\u00e4mpft werden muss.&#8220; [&#8230;]<br \/>\nDie Statistiken zeigen, dass die Jugendkriminalit\u00e4t nicht gestiegen ist, aber die K\u00f6rperverletzungsdelikte jugendlicher T\u00e4ter zugenommen haben. Die meisten Kriminologen sind der Meinung, das liege daran, dass diese Taten \u00f6fter angezeigt w\u00fcrden. Kaum etwas hat in den vergangenen Jahren die deutsche \u00d6ffentlichkeit mehr erregt als der Umgang mit jungen Gewaltt\u00e4tern. In einer Zeit, in der gro\u00dfe Banken ihr Geld verspielen und angesehene Firmen untergehen, in der nichts mehr gewiss zu sein scheint, bildet die scharfe Verurteilung von Kriminellen eine Art kleinsten gemeinsamen Nenner, auf den man sich noch einigen kann. Je verunsicherter der Einzelne, desto gr\u00f6\u00dfer das allgemeine Verlangen nach Sicherheit. [&#8230;]<br \/>\nMarius Fiedler sitzt in seinem B\u00fcro und sammelt Argumente, damit &#8222;die Wirklichkeit wahrgenommen wird&#8220;. [&#8230;] Aber die Auseinandersetzungen sind heftiger geworden. Da ist zum Beispiel Fiedlers Gegner Hans-J\u00f6rg Albrecht, der Direktor des Max-Planck-Instituts f\u00fcr ausl\u00e4ndisches und internationales Strafrecht in Freiburg. Albrecht meint, dass die meisten H\u00e4ftlinge im Jugendstrafvollzug \u00fcber 18 seien und nicht mehr erzogen werden wollten. Albrecht fordert, das Erziehungsziel im Jugendstrafrecht aufzugeben. Fiedler antwortet ihm mit Kant: &#8222;Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung. Er ist nichts, als was die Erziehung aus ihm macht.&#8220; [&#8230;]<br \/>\nKoch ist im S\u00fcden von Berlin aufgewachsen, in einer Neubausiedlung. Seine Welt bekam einen Riss, als sich seine Eltern trennten. Daniel Koch war damals in der neunten Klasse. Zur Schule ging er nur noch selten, er schlief jeden Tag bis zehn, rauchte Haschisch, nahm auf der Stra\u00dfe anderen Jugendlichen ihre Schuhe oder Handys ab. [&#8230;] Er selbst wurde auch \u00fcberfallen, einmal musste er auf Socken nach Hause laufen. Danach kaufte er sich ein Messer. [&#8230;] Nie mehr Opfer sein. &#8222;Opfer&#8220; ist eines von Kochs liebsten Worten, er benutzt es oft, immer klingt es nach Schw\u00e4che. [&#8230;]<br \/>\nAn die Tat, die ihn in Zelle 221 f\u00fchrte, kann sich Koch nur schemenhaft erinnern: Ein Dezemberabend 2005, er stieg zusammen mit Freunden in einen Bus. Er war damals 18. Einer seiner Freunde begann einen Streit mit einem M\u00e4dchen. Koch hatte getrunken und Ecstasy genommen. Der Freund des M\u00e4dchens mischte sich ein. Daniel Koch f\u00fchlte sich &#8222;unter Druck&#8220;, seinem Freund zu helfen. Er zog sein Messer und stach zu. Dann fl\u00fcchtete er aus dem Bus. [&#8230;]<br \/>\nDie Akte des Insassen Daniel Koch liegt bei J\u00f6rg Abram, dem Psychologen und Leiter der Wohngruppe von Haus 2, im Schrank. [&#8230;] Abrams B\u00fcro ist nur zwei T\u00fcren von Zelle 221 entfernt. Abram nennt sie einen der &#8222;privilegierten Haftr\u00e4ume&#8220;. Dort sitzen meist \u00e4ltere H\u00e4ftlinge, die keine Drogen nehmen, nicht illegal telefonieren, eine Ausbildung machen oder zur Schule gehen. [&#8230;.] &#8222;F\u00fcr viele Gefangene ist die Zelle das erste eigene Zimmer ihres Lebens. Sie ist ein ganz intimer Raum&#8220;, sagt Abram. [&#8230;] Abram hat beobachtet, dass viele, auch wenn die T\u00fcren offen stehen, ihre Zelle nicht verlassen, weil sie nicht wissen, was sie drau\u00dfen mit sich anfangen sollen. J\u00f6rg Abram ist 57, seit 27 Jahren arbeitet er als Psychologe in der Jugendstrafanstalt. Er ist ein wichtiger Mann in Pl\u00f6tzensee, das Tor zur Freiheit. Abram schreibt Einsch\u00e4tzungen, entscheidet mit dar\u00fcber, ob ein Gefangener Hafterleichterung bekommt oder nicht. [&#8230;]<br \/>\nEr bl\u00e4ttert in einem Hefter auf seinem Schreibtisch und z\u00e4hlt auf: Russlanddeutsche, Kosovo-Albaner, Libanesen, Pal\u00e4stinenser, T\u00fcrken, Polen, Angolaner und Deutsche leben in seiner Wohngruppe. In Pl\u00f6tzensee sind 70 Prozent der Gefangenen nichtdeutscher Herkunft &#8211; im westdeutschen Durchschnitt sind es rund 50 Prozent. Abram sieht daf\u00fcr vor allem soziale Gr\u00fcnde. [&#8230;]<br \/>\nEs klingt wie ein Klischee, aber die meisten Studien zu diesem Thema kommen zum selben Schluss: &#8222;Kriminalit\u00e4t steht fast immer im Zusammenhang mit Armut, und davon sind Migranten mehr betroffen.&#8220; Viele H\u00e4ftlinge haben die Schule nur selten besucht. &#8222;Wir haben hier keine Abiturienten, sondern viele, die als Analphabeten aus der Hauptschule kommen&#8220;, sagt Abram und f\u00fcgt hinzu, &#8222;das Problem sind auch die schwachen V\u00e4ter.&#8220; Entweder seien sie gar nicht da oder k\u00fcmmerten sich nicht um die Erziehung. Und V\u00e4ter, die autorit\u00e4re Familienstrukturen gewohnt seien, f\u00fchlten sich oft durch die Emanzipation der Frauen verunsichert, s\u00e4hen ihre Rolle in der Familie in Gefahr. Sie reagierten mit Schl\u00e4gen, um sich Autorit\u00e4t zu verschaffen. Sie werden von ihren S\u00f6hnen nicht als Vorbilder erlebt, sondern als Verlierer.<br \/>\nManchmal sieht J\u00f6rg Abram auch die Erfolge der Haft, wenn die Gefangenen &#8222;drinnen&#8220; eine Lehre oder die Schule abschlie\u00dfen, was sie &#8222;drau\u00dfen&#8220; nie durchgehalten h\u00e4tten. &#8222;Ich verlange von den H\u00e4ftlingen, dass sie einen Plan machen, wie sie ihr Leben ordnen wollen&#8220;, sagt er. [&#8230;]<br \/>\nWie die H\u00e4ftlinge teilt auch J\u00f6rg Abram die Welt in &#8222;drinnen&#8220; und &#8222;drau\u00dfen&#8220;. Drau\u00dfen, in seinem Privatleben, spricht er nicht \u00fcber das Gef\u00e4ngnis. Wenn ihm auf der Stra\u00dfe ein ehemaliger Insasse begegnet, wartet er, bis der ihn zuerst gr\u00fc\u00dft. Manche rufen ihn Jahre sp\u00e4ter an, aber nur, wenn sie etwas Sch\u00f6nes zu erz\u00e4hlen, wenn sie etwas erreicht haben. [&#8230;]*Name des H\u00e4ftlings ge\u00e4ndertJana Simon, &#8222;Die Jungs aus Zelle 221&#8220; in Die Zeit Nr. 17 vom 16. April 2009<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>25.11.2014 An dieser Stelle m\u00f6chten wir m\u00f6chten\u00a0 auf den Beitrag des NDR mit dem Titel: &#8222;Knastkarriere&#8220; im Jugendgef\u00e4ngnis aufmerksam machen. Alexander Milic 04. 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