Text von Katrin, Fotos von Alina

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Henry Matisse im Picasso-Museum

11. Dezember 2016

Überdrüssig der Kekse, Lebkuchen, Stollen und anderer Grundlagen der abdominalen Verklebung widmeten wir uns zwei Wochen vor Weihnachten mal wieder der Kultur. Unter dem Titel „Henri Matisse – die Hand zum singen bringen“ präsentierte das Picasso Museum Münster bereits zum zweiten Mal Werke von Matisse.

Eine Matisse-Ausstellung in einem Picassso-Museum? Wie passt das zusammen? Nun, Matisse war der einzige Künstler seiner Zeit, den Pablo Picasso schätzte und dem er einen gewissen Respekt entgegenbrachte. Beide Künstler standen in einem regen Austausch und inspirierten sich gegenseitig. Das sollte Matisse jedoch nicht vor boshaften beleidigenden Bemerkungen schützen! Als bei einem Künstlertreffen Picasso einmal gefragt wurde, wo denn Matisse sei, stichelte dieser: „Er sitzt sicher auf seinem Lorbeerkranz!“

Die künstlerischen Auffassungen der beiden konnten unterschiedlicher nicht sein. Während Picasso in der Zeitschrift „Lettres Francais“ zum Besten gab: „Die Malerei ist nicht dazu da, Wohnungen zu schmücken! Sie ist eine Angriffs- und Verteidigungswaffe!“ konterte Matisse in der gleichen Zeitschrift wenige Monate später: „Ein Gemälde an der Wand sollte wie ein Blumenstrauß im Zimmer sein!“ Trotz dieser Differenzen war das Verhältnis zwischen beiden Künstler von gegenseitiger Anerkennung gekennzeichnet. Das Recht, Kritik an Matisse zu üben, behielt Picasso einzig sich selbst vor, von Dritten duldete er sie nicht. So soll er bei einem Künstlertreffen einmal gesagt haben: „Ich dulde nicht, dass ihr etwas gegen Matisse sagt. Er ist unser größter Maler!“

So ist zu hoffen, dass der Einzug der Werke von Matisse in das Picasso-Museum Münster keine größeren Unruhen im Himmel nach sich zog.

Während die Matisse-Ausstellung im Jahr 2014 großformatige farbenfrohe Exponate präsentierte, zeigt sich jetzt Matisse von einer ganz anderen Seite. Im Vordergrund stehen graphische Techniken: Lithographien, Aquatintas, Radierungen. Aber auch Holzschnitte und Skulpturen sind zu sehen. Sechzig Jahre lang hatten sie in einem Banksafe in Paris gelegen. Nun werden sie erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Besucher, die es farbenfreudig lieben, kommen jedoch auch auf ihre Kosten. Ein kompletter Ausstellungssaal widmet sich den von Matisse im Jahr 1919 geschaffenen Kostümen für das Ballett „Le Chant du Rossignol“ unter der Leitung des Choreographen Sergei Diaghilev. Filmmitschnitte der Aufführungen dokumentieren den die damalige Aufführung.

Daneben sind auch die Scherenschnitte aus der bekannten „Jazz-Serie“ zu sehen sowie der Wandteppich „Polynesien, der Himmel“ (1948/49), den Matisse erst längere Zeit nach seiner Polynesienreise schuf.

Ab dem Jahr 1947 widmete sich Matisse der Gestaltung der Rosenkranzkapelle im Auftrag der Dominikanerinnen in Vence. In Kirchenkreisen war dieses Projekt nicht unumstritten: weltliche Kunst in einer Kirche?

Der Auftrag gründete auf der jahrelangen Freundschaft zwischen Matisse und Schwester Jaques-Marie alias Monique Bourgeois. Bevor diese ins Kloster eingetreten war, hatte sie für Matisse – in der Zeit seiner Erkrankung - als Pflegerin, aber auch als Modell gearbeitet.

In der Münsteraner Ausstellung ist ein Modell der „Chapelle du Rosaire de Vence“ zu bewundern.

Picasso2Nach einer einstündigen Führung in französischer Sprache bedurfte es dann doch einer süßen Belohnung im Café Californie.

Einen herzlichen Dank an Madame Girad für die excellente Führung und an Silke für die perfekte Organisation!

 

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