Plakatwahn im Picasso

 

Am 24. Januar 2004 stand eine Führung zur Sonderausstellung Affichomanie. Toulouse-Lautrec und die französische Plakatkunst um 1900 auf dem Programm. Organisiert wurde dieser Ausflug in die Kultur von Dorothée Haas-König. Es war Samstag Nachmittag und viel Betrieb im Picasso-Museum. Ungefähr 10 Mitglieder der DFG hatten sich eingefunden.

Von unserer Führerin erfuhren wir viel über Farblithografien und über die Entwicklung der gegen Ende des 19. Jahrhunderts als neues Medium entdeckten Plakatkunst. Wir konnten die Farblithografie Bal au Moulin Rouge des Malers Jules Chèret betrachten, eine riesige Plakatwand der Firma Verneau und ebenso das künstlerisch innovative Plakat für das Moulin Rouge, mit dem Toulouse-Lautrec den Meister jener Zeit Jules Chèret übertrumpfte und mit einem Schlag in ganz Paris bekannt wurde.

In dieser Zeit waren in Paris mehrere Café-Concerts entstanden. Die Stimmung in den Café-Concerts war höchst ausgelassen und bald hatte Toulouse-Lautrec das Interesse an den Tämzerinnen am Montmartre verloren und fand nun in den Café-Concerts z.B. im Les Ambassadeurs nahe den Champs-Elysées ein neues Betätigungsfeld. Wir sahen eine Reihe von Zeichnungen aus zwei von ihm geschaffenen Grafikmappen über die berühmte Sängerin Yvette Guilbert.

 

Ebenso im Les Ambassadeurs machte Toulouse-Lautrec die Bekanntschaft des Sängers Aristide Bruant. Dieser begeisterte sich schnell für die ungewöhnlichen Bilder des Malers und hängte sie in seinem Cabaret auf. Das bekannteste Plakat, das auch in der Ausstellung zu sehen ist, zeigt den Sänger in seinem immer gleichen Bühnenkostüm, im Mantel und rotem Schal, Hut und einem groben Stock. Sein voluminöser Körper wird durch die Ränder des Plakates deutlich angeschnitten, was ihm zusammen mit seiner strengen Miene eine fast bedrohliche Präsenz verleiht.

In der Ausstellung war auch eine größere Anzahl Lithografien der berühmten Schauspielerin Sarah Bernhardt von Alfons Mucha und anderen Malern jener Zeit zu sehen.

Alles in allem eine wunderbare Ausstellung, die, wie wir alle fanden, den Eintrittspreis lohnte.

Wir hatten Glück, dass im Café nach dem Museumsbesuch noch kleine Kuchenbestände für unsere Gruppe zur Verfügung standen. Inzwischen war es doch schon ziemlich spät geworden. Noch redend standen wir anschließend im Foyer herum, bis der Schließdienst auftauchte.

 

Ausschnitte aus dem Artikel von Helga Reuter aus Tête-à-Tête Nr. 6 - Fotos im Café von Alina Köttgen - die Plakat-Abbildungen wurden dem Museumsprospekt entnommen.