Verträumt bis varios

Ein Kammerkonzert im Picasso-Museum

 

Was hat Kammermusik für Viola und Klavier mit der DFG zu tun? Nun, zunächst einmal fand das Konzert, das einige Mitglieder unserer Gesellschaft am 8. Mai 2004 gemeinsam besuchten, im Rahmen der "Französischen Kulturtage" des Picasso-Museums statt. Diese Kulturtage sollten dem Publikum von Mai bis August 2004 einen 'Dialog der Künste' präsentieren, gemäß Picassos Ausspruch: 'Schließlich sind die Künste doch eins.' Französisch am Kammermusikprogramm des Abends waren dabei die Komponisten oder zumindest der musikalische Charakter der Stücke. Dazu aber unten mehr.

Ein weiterer Grund, das Konzert in das Sommerprogramm der DFG aufzunehmen, war persönlicher Natur: handelt es sich bei dem Künstler Ilan Schneider, Solobratschist des Orchestre Philharmonique du Luxembourg und Mitglied des Quatuor Louvigny, doch um den Schwiegersohn eines unserer Mitglieder. Besonderes Interesse an diesem Programmpunkt hatte ich selbst schließlich, da ich begeisterte Amateurstreicherin bin. So weit, so gut.

Im Vorfeld des geplanten Konzertbesuchs tauchten dann ein paar Probleme "organisatorischer" Art auf. So wurde erst recht kurzfristig der stolze Eintrittspreis von einheitlich € 38 bekannt. Positiv lässt sich zu den anschließenden Verhandlungen anmerken, dass sie interessante Einblicke in das Funktionieren des Kulturbetriebes vermittelten. Als wohlgesonnener Konzertbesucher sollte man beispielsweise auf keinen Fall automatisch davon ausgehen, dass hohe Eintrittspreise wenigstens in Form guter Gagen den beteiligten Künstlern zugute kämen. Letztendlich fand sich aber doch noch eine akzeptable Lösung unseres Problems, und am Konzertabend saßen im Publikum neben Verwandten des Künstlers auch eine Reihe weiterer erwartungsvoller DFG-Mitglieder: Evelyne, Dirk, Olga, Mechthild, Anne und ich, teils noch mit - musikalischen - Freunden.

Aus versicherungstechnischen Gründen wurde der bilderlose Eingangsbereich des Museums als Aufführungsraum genutzt. Dort musste das Publikum allerdings sowohl auf eine Abgrenzung der "Bühne" nach hinten als auch auf eine gezielte Beleuchtung der Künstler verzichten. Die überschaubaren Abmessungen des Raumes und die große Nähe zu den Musikern sorgten für eine sehr angenehme, intime Atmosphäre, und wir konnten das wundervoll ausdrucksstarke Spielen Ilan Schneiders und Anastasia Safonovas mit Ohren und Augen wirklich genauestens verfolgen.

 

Das erste Stück des Programms, eine um 1820 komponierte, sehr romantische Sonate von André Georges Louis Onslow, ließ zunächst besonders das Klavier brillieren. Onslow entstammte übrigens einer englischen Adelsfamilie, wurde aber in Clermont-Ferrand in der Auvergne geboren, wohin sein Vater wenige Jahre zuvor übergesiedelt war.

Im folgenden Choral Varié des Pariser Komponisten Vincent d’Indy, um 1900 in der Fassung für Solosaxophon und Orchester erstaufgeführt, sowie drei kürzeren Stücken von Claude Débussy kam dagegen der Ton der Bratsche zum Tragen. Der reichte vom charakteristisch melodisch-warmen Gesang des Instruments über feuerwerkshafte Einlagen und temperamentvolle Pizzicati bis hin zu zartesten Piano- und Flageolettpassagen. Diese enorme Klangvielfalt sowie die abwechslungsreiche Programmgestaltung machten das Konzert auch für die nicht ganz so kammermusikkundigen unter uns DFG-Besuchern zu einem Genuss, wie sich in der Pause alle einig waren.

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Im zweiten Teil des Konzertes hörten wir mit der Sonate für Viola and Klavier von Rebecca Clarke erfreulicherweise auch einmal ein Werk einer Frau. Clarke, in England geborene und aufgewachsene Tochter eines amerikanischen Vaters und einer deutsch-englischen Mutter, ist erst 1979 (93-jährig) gestorbenen. Die erfolgreiche Bratscherin und Komponistin stieß nicht nur beruflich in eine weitgehend von Männern beherrschte Domäne vor, sie pflegte auch privat einen eher unkonventionellen Lebensstil, heiratete beispielsweise erst im Alter von fast 60 Jahren. Clarkes berühmte Bratschensonate soll die Juroren eines Wettbewerbs, an dem die Komponistin sich beteiligte, an Musik von Ravel erinnert haben. Auf jeden Fall handelt es sich um ein extrem kontrastreiches, hochdramatisches Werk, das von Ilan Schneider effektvoll dargeboten wurde.

Den Abschluß des Programms bildete die von Franz Waxmann 1947 über Georges Bizets "Carmen" zunächst für Solovioline komponierte Fantasie, ein unglaublich virtuoses und leidenschaftliches Stück. Beim Blick auf den auswendig spielenden Künstler konnte ich nicht umhin, mir den Dschungel der Notennotierung dieser Musik vorzustellen ... Für den begeisterten Applaus bedankten Ilan Schneider und Anastasia Safonova sich am Ende noch mit einer kleinen Zugabe.

Ein Teil von uns DFG-Konzertbesuchern ließ den anregenden musikalischen Abend dann gemütlich in einem nahegelegenen Lokal ausklingen.

 

Bericht von Annette Jansen