Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V.

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Gedenken an die erste Deportation

Dezember 11th, 2020 · Keine Kommentare

Sonntag, 13. Dezember 2020
Gedenktafel Ecke Warendorfer Str. / Kaiser-Wilhelm-Ring

Gedenken an die erste Deportation aus Münster am 13. Dezember 1941

Da in diesem Jahr aufgrund des Corona-Infektionsgeschehens und der damit verbundenen Schutzmaßnahmen das öffentliche Gedenken an die erste Deportation jüdischer Münsteraner nicht stattfinden konnte, haben sich Vertreter der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und der Stadtgesellschaft zu einem stellvertretenden Gedenken getroffen

V. l. n. r.: Pfarrer Martin Mustroph, Bürgermeister Klaus Rosenau, Prof. Dr. Johannes Schnocks. Foto: A. Determann

Es war einer der kältesten Winter des letzten Jahrhunderts als am 13. Dezember vor 79 Jahren rund 400 jüdische Frauen, Männer, Kinder – die meisten von ihnen seit Generationen in Münster und dem Münsterland daheim – von der zum Deportationssammellager umfunktionierten Gartenwirtschaft „Gertrudenhof“ an der Ecke Warendorfer Straße / Kaiser-Wilhelm-Ring aus zum „Arbeitseinsatz in den Osten“ verschleppt wurden. Mehrere Tage dauerte die Zugfahrt, die sie vom Güterbahnhof in das „Reichsjudenghetto“ nach Riga verbrachte. Nur wenige überlebten die Jahre des Hungers, der Zwangsarbeit und des Terrors. Seit 1991 erinnert die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster (CJZ) öffentlich an diese erste Deportation, die mit zu den dunkelsten Kapiteln einer jeden Stadtgeschichte im Münsterland zählt. Coronabedingt konnte es in diesem Jahr nur ein stellvertretendes Gedenken, zu dem Bürgermeister Klaus Rosenau und die christlichen Vorsitzenden der CJZ, Prof. Dr. Johannes Schnocks und Pfarrer Martin Mustroph, an der Gedenkstele zusammenkamen.

Prof. Schnocks hob hervor, dass das Gedenken an die erste Deportation die furchtbare Dimension enthält, dass hier Kinder, Frauen und Männer zumindest auch von ihren Nachbarinnen und Nachbarn in unserer Stadt in den Tod geschickt wurden, und dass dieses Versagen eine ständige Mahnung bleibe.

Bürgermeister Rosenau führte aus, dass unsere Gesellschaft die kritische Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte brauche, wir immer wieder Raum und Zeit finden müssten, an die Opfer unserer Geschichte zu denken. „Das gemeinsame Gedenken heute erinnert an das Schicksal unserer jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger und ist Ausdruck einer engen Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinde in Münster“.

Pfarrer Mustroph bemerkte abschließend, dass es bald keine Zeitzeugen mehr gebe, die aus eigenem Erleben von den ungeheuren nationalsozialistischen Gräueltaten berichten und die junge Generation mit ihren Tränen impfen könnten. “Angesichts von Rechtsradikalismus und Antisemitismus bedarf unsere Gesellschaft einer Gedenkkultur, die die Gewissen schärft, Ressentiments wehrt und die Verantwortung für eine offene Gesellschaft stärkt.”

“Deutsche Verbrechen in Griechenland” – Ein “Gallery Walk” an der Villa ten Hompel informiert
Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung war in der Villa ten Hompel eine Matinee über „Holocaust und Erinnerung“ in Griechenland vorgesehen. Auch diese Matinee kann coronabedingt nicht stattfinden. Ein Gallery Walk im Außenbereich der Villa ten Hompel erhellt nun bis Anfang Februar 2021 dieses historische Kapitel und die entsprechende Erinnerungskultur. Beispielhaft wird gezeigt, was an einzelnen Orten geschehen ist und wie damit heute umgegangen wird. In Zeiten pandemiebedingter Schließungen bietet Münsters Geschichtsort so Interessierten die Gelegenheit, sich im Rahmen der Bestimmungen unter freiem Himmel über „Deutsche Verbrechen in Griechenland”, so der Titel der Außenausstellung, zu informieren.

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