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Reiseberichte


Düsseldorf International

flieger Die erstaunliche Zahl von 68 000 Betreuungen von Fluggästen mit unterschiedlichen Behinderungen wurden im letzten Jahr von den 57 MitarbeiterInnen der Johanniter Unfallhilfe am Düsseldorfer Flughafen begleitet und betreut. In Spitzenzeiten, wie etwa in den Osterferien, sind das schon mal 150 Betreuungen am Tag - 150 behinderte Fluggäste, denen in durchschnittlich 30 Minuten pro Person beim Ein- und Ausschecken geholfen wird. Die Zahl relativiert sich schnell, denn insgesamt werden in Düsseldorf über 43 000 Passagiere täglich abgefertigt, fast 16 Millionen Fluggäste im gesamten letzten Jahr. Also noch nicht einmal ein halbes Prozent davon sind Menschen mit einer Behinderung. Am Service in deutschen Flughäfen kann dieses geringe Interesse an Flugreisen nicht liegen. Der ist sicher nicht ohne Fehler, aber doch so gut durchorganisiert, dass sie der Deutschen Bahn als Vorbild dienen sollte. In Düsseldorf gelangt man mit der S-Bahn (nur wenige Zentimeter Höhendifferenz zum Bahnsteig), mit dem Taxi oder dem eigenen Wagen direkt zu den Terminals. Wer möchte, kann seinen PKW mit sichtbar ausgelegtem blauen Sonderparkausweis kostenlos auf allen Parkplätzen oder in den Parkhäusern abstellen. Behindertenparkplätze sind vorhanden. Die HelferInnen der Johanniter Unfallhilfe holen den Fluggast direkt von der Bahn oder dem Wagen ab und begleiten ihn durch die Check-In-Prozedur bis zum Einstieg. Voraussetzung dafür ist, dass man seinen Bedarf einige Tage im Voraus anmeldet. Es ist jedoch auch möglich, erst am Abfertigungsschalter (Counter) um Hilfe zu bitten. Das Personal am Counter kann die MitarbeiterInnen der Johanniter jederzeit erreichen. Diese sind ständig in den Terminals unterwegs und stehen über Walkie-Talkies mit der Zentrale in Verbindung. In 2 Schichten stehen sie von 4:30 Uhr morgens bis zum Flugbetriebsende um 23:30 Uhr bereit. Bei Engpässen springt das Flughafenpersonal ein. Die Flughafen Düsseldorf GmbH hat sich weitestgehend erfolgreich darum bemüht, die Terminals rollstuhlgerecht zu gestalten. In einer Informationsbroschüre für behinderte Fluggäste weist der Betreiber selber auf einige "Handicaps" hin. So ist die S-Bahn-Station für den Abflug E nur mit einer Treppe ausgestattet; man muss also bis zur Endstation weiter- und mit dem Busshuttle (Niederflurbus) zurückfahren. Diese Schwachstelle soll im Rahmen der allgemeinen Umbaumaßnahmen im Düsseldorfer Flughafen behoben werden. Dabei denkt man auch daran, zugängliche Geldautomaten und in der Höhe angepasste Counter zu schaffen. Reichlich befremdlich wirken auch die Bezeichnungen von unterschiedlichen Behinderungsarten. So ist ein Mensch, der Schwierigkeiten beim Treppensteigen hat, aber noch gehen kann, ein "Sierra". Ein Mensch im Rollstuhl dagegen ist ein "Charlie" und jemand, der noch kurze Strecken gehen kann, ist gar ein "Romeo". Zwischen Abfertigungsschalter und Einstieg verliert Mensch seinen Namen und Frauen zusätzlich ihre Geschlechtszugehörigkeit: Nur noch "Sierras", Romeos" und "Charlies" werden durch die weitläufigen Gebäude bugsiert. Die Bezeichnungen dieser drei verschiedenen Betreuungsarten sind dem Fliegeralphabet entlehnt. An das WCH für "wheelchair" (Rollstuhl) werden je nach vorhandenen Fähigkeiten die Buchstaben S, R oder C angehängt. Die Kürzel werden beim Check-In in die Flugliste eingetragen und beim Abflug zum Zielflughafen gefaxt. Da die Abkürzungen international verständlich sind, wird dort automatisch die entsprechende Hilfe organisiert. Der Weg ins Flugzeug über die Fahrgastbrücken ist stufenlos. Ins Flugzeug selber ist eine Stufe zu überwinden. RollstuhlfahrerInnen müssen jedoch ohnehin in den schmalen Kabinenrollstuhl umsteigen, bei dem man mangels Greifräder auf eine mehr oder weniger kräftige Schiebehilfe angewiesen ist. Mit diesem Gefährt wird man vor den anderen Fluggästen zu seinem Sitz gebracht, auf dem man wieder herüber rutschen muss, denn der Kabinenrollstuhl bleibt im Flughafen. Der eigene Rollstuhl wird als "High-Priority"-Gepäck als letztes in den Gepäckraum des Fliegers verladen, während die anderen Passagiere einsteigen. Am Zielflughafen steigt man dafür als Letzte aus, der eigene Rollstuhl steht dann schon wieder vor dem Flugzeugeingang bereit. Spannender wird die ganze Sache, wenn das Flugzeug nicht vor einer Fahrgastbrücke, sondern auf freiem Feld steht. Dann wird man mit einem der beiden Fahrzeuge der Johanniter, in das man über eine rückwärtige Rampe ins Fahrzeuginnere fahren kann, zum Flugzeug gebracht. Ein Liftmobil hebt einen dann auf die Höhe des Einstiegs. Während des Fluges ist man auf die Mitwirkung der Bediensteten der Fluggesellschaft angewiesen. Je nach Fluggesellschaft ist es möglich, dass ein Kabinenrollstuhl mit an Bord kommt, auch der eigene Faltrollstuhl kann mit in den Passagierraum des Flugzeugs geladen werden. Es bleibt jedoch festzustellen, dass die Flugzeuge selber den speziellen Bedürfnissen von Menschen im Rollstuhl kaum gerecht werden. Zu wenig Platz in den Gängen, ganz zu schweigen von den Toiletten, machen die selbstständige Mobilität nahezu unmöglich. Insbesondere Langstreckenflüge sind ohne Begleitperson oder hilfreiche Stewardessen kaum möglich. Die Johanniter Unfallhilfe bietet an, dass ein Helfer mitfliegt - dann allerdings müssen die entstehenden Kosten durch den Betroffenen übernommen werden. Hier kann allerdings gefragt werden, ob es einzusehen ist, dass die Fluggesellschaften wegen ihrer mangelnden Bereitschaft, auf den erhöhten Platzbedarf von RollstuhlfahrerInnen einzugehen, auch noch einen zusätzlichen Fahrgast bekommen sollten. landebahn Bei der Buchung einer Reise im Reisebüro sollte möglichst schon die Art der Behinderung angegeben werden. Das Reisebüro informiert dann seinerseits die Fluggesellschaft, die alle weiteren Schritte am Abflug- und Zielflughafen einleiten. Die Anmeldung bei der Johanniter Unfallhilfe am Flughafen Düsseldorf kann unter der Telefonnummer 0211/4212597 erfolgen. Weitere wichtige Telefonnummern findet Ihr auf der Webseite des Düsseldorfer Flughafens für behinderte Fluggäste Die Webseite des Flughafens ist zu finden unter www.duesseldorf-international.de
(Text und Fotos:Elke Pieck 2000)

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Fränkisches Seenland

Bernhard Endres stellte auf der "Rehab", der Internationalen Fachmesse für Rehabilitation, Pflege und Integration in Karlsruhe seine barrierefreie Ferienwohnung im Fränkischen Seenland vor.

Pleinfeld ist der Eingang zum Fränkischen Seenland und das Tor zum Naturpark Altmühltal. Es liegt 45 km südlich der Frankenmetropole Nürnberg. Die 1995 erbaute kleine Wohnanlage befindet sich in der schönsten Ecke Pleinfelds. Direkt ans Haus grenzt die idyllische Bahnweiheranlage, ein parkartiges Gelände mit altem Baumbestand. Im Erdgeschoss des Hauses befindet sich meine barrierefreie, mit 4 Sternen ausgezeichnete Ferienwohnung. Von der Bahnweiheranlage aus können Sie ihre Rad- oder Wandertour auf dem sehr gut ausgebauten Rad- und Wanderwegenetz beginnen. Der Große Brombachsee liegt 3 km entfernt.

Genaue Angaben zur Wohnung (Bilder auf der Internetseite): Groeße: 75 Quadratmeter, für 4 Personen Eingang: eben, Alle Türen: 82 cm Bad/WC: Fläche 9,5 m², freie Bewegungsfläche 200 x 180 cm Platz am WC: rechts 30 cm. links 90 cm, davor 200 cm Dusche befahrbar, fest installierter Duschsitz Tiefgaragenplatz oder Parkplatz direkt vor dem Haus
Mehr Informationen: Bernhard Endres, Gündersbach 8, 91785 Pleinfeld
Tel. 09144-93080, Fax: 09144-93082,
Email: fewo@bernhard-endres.de
http:www.bernhard-endres.de

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Heidelberg

Haben Sie Ihr Herz in Heidelberg verloren?

Wenn Sie es wieder finden wollen, können Sie für die Suche eine Ferienwohnung mieten. Esther Schmidt hat uns Informationen über eine für Rollstuhlfahrer geeignete Ferienwohnung in Heidelberg geschickt.

Eine neu gegründete Firma aus Dortmund bietet ab Frühjahr 2005 eine komfortable Ferienwohnung für Menschen mit Behinderungen, insbesondere Rollstuhlfahrer/innen und Senioren im Zentrum von Heidelberg. Wenn Menschen mit Behinderungen ihren Urlaub planen, dann ist es immer noch schwierig, sich einen Überblick über das Angebot zu verschaffen. Abgesehen von den beschränkten Auswahlmöglichkeiten können sie immer noch nicht darauf vertrauen, dass Angaben wie "behindertenfreundlich" oder "barrierefrei" tatsächlich ihren Bedürfnissen entsprechen. Diese Problematik kennen auch die MitarbeiterInnen der Firma "checked for life GmbH" aus Dortmund aus eigener Erfahrung. Nach dem Motto: "Die Welt verändert sich in kleinen Schritten" entschlossen sie sich, die Chance zu nutzen, als ihnen eine zentral gelegene geeignete Jugendstilimmobilie in Heidelberg-Neuenheim zur Anmietung angeboten wurde. Es waren einige Umbauarbeiten und viel Fantasie nötig, um aus dem Gegebenen eine komfortable, preiswerte Ferienwohnung zu machen, aber es ist gelungen. Es wäre sicher falsch, diese Wohnung mit DIN-Norm-Anspruechen zu messen, aber alles, was sie verspricht, hält die Vermieterin. Schliesslich weiß sie, wie notwendig genaue und ehrliche Angaben für einen gelungenen Urlaub sind. Ein schwellenloser Zugang zur Wohnung und eine bodengleiche Dusche sind ebenso selbstverständlich wie z.B. der Internetzugang, die Waschmaschine oder die komplett eingerichtete Küche. Was diese Ferienwohnung aber besonders attraktiv macht, ist ihre Lage. Gäste sind nach nur 10 schwellenfreien Minuten in der Fußgängerzone. Auf Ruhe und Erholung brauchen sie deshalb nicht zu verzichten. Die Wohnung liegt zu einem ruhigen Innenhof hin, der bei Sonnenschein zum Verweilen einlädt. Ein öffentlicher Behindertenparkplatz ist nicht weit (50 Meter). Eine Haltestelle des zumindest teilweise nutzbaren öffentlichen Nahverkehrs befindet sich nur 55 Meter entfernt.

Manchen Menschen reicht eine geeignete Ferienwohnung in attraktiver Umgebung aber nicht aus, um Urlaub machen zu können. Sie sind z. B. auf die Hilfe eines Pflegedienstes angewiesen. Auch daran haben die MitarbeiterInnen der checked for life GmbH gedacht. Sie haben Kontakt zu verschiedenen Kooperationspartnern aufgenommen, bei denen ihre Gäste unterschiedliche Dienstleistungen buchen können. Neben der Pflege könnte dies z.B. "Essen auf Rädern" sein.

Die Dortmunder Firma möchte insbesondere Familien ansprechen. Deshalb gibt es auf Anfrage auch Sonderkonditionen für Familien und bei Bedarf wird eine zubuchbare professionelle Betreuung für Kinder mit Behinderungen organisiert. Schließlich sollen auch die Eltern einmal Urlaub haben. In der ca. 45 Quadatmeter großen Wohnung finden bis zu 6 Personen Platz. Unverbindliche Informationen finden Sie auf der Internetseite
www.fast-wie-zuhause.de oder erhalten Sie telefonisch unter Tel. +49 (2335) 9759796. Sie koennen auch per E-Mail anfragen bei
info@fast-wie-zuhause.de

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Schleswig

Der Arbeitskreis Tourismus in der schlei-region an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins möchte barrierefreien Tourismus anbieten. Im Oktober 2004 und Februar 2005 war die ehrenamtliche Zugvogel-Mitarbeiterin Kirsten Faust von der Firma Holtz & Faust GbR als Referentin und Moderatorin von Informationsveranstaltungen für Vermieter von Ferienwohnungen, Hoteliers und Gastronomen nach Süderbrarup und Tolk eingeladen worden.

"Kann es Schöneres geben, als nach einem Herbst-Spaziergang in ein warmes, gemuetliches Café einzukehren und sich mit hausgebackenem Kuchen und einem Heißgetränk verwöhnen zu lassen", fragen die Anbieter dieser Ferienregion. Sie empfehlen die Landschaft drum herum, die zu kleinen Wanderungen, Fahrradtouren und kulturellen Entdeckungen einlädt. So schrieb Franz Schmahl am 15.10.04 in den kobinet Nachrichten. www.kobinet-nachrichten.org

Ulrike Rittner und Bernd Löw vermieten zwei Ferienwohnungen nördlich der schlei-region, nahe der Ostsee und der Dänischen Grenze. Sie haben ein altes Bauernhaus renoviert und dabei soviel wie möglich auf Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern geachtet. Damit künftige Mieter wissen, ob die Wohnungen ihren Anforderungen entsprechen, gibt es genaue Angaben zu den Wohnungen.

Ulrike Rittner und Bernd Löw, Östergaard 3, 24972 Steinberg, Tel. 04632 / 87 64 32, Fax 04632 / 87 64 32
email:b.loew_u.rittner@t-online.de
http:www.oestergaard3.de


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England

London kreuz und quer, errollt, erlaufen und erfahren


Big Ben Im Rahmen des EU-Projektes "Access Tourism" war für die MOVADO Tourismusmitarbeiter ein Praktikum im Ausland vorgesehen. Nach Rücksprache mit unseren transnationalen Partnern entschieden wir uns für einen Praktikumseinsatz in London.

Unseren Praktikumsauftrag umrissen wir mit zwei Aufgabenstellungen: A: Knüpfung von Kontakten zu Londoner Vereinen und Organisationen, deren Arbeitsaufgaben und Zielstellungen denen von MOVADO e.V. entsprechen, mit dem Ziel von späteren gemeinsamen Arbeiten und Projekten.

B: Recherchearbeiten in London für "Rolli on Tour through London", die Erarbeitung einer Tour durch London mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, geprüft auf die Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer (diese Tour soll für die Verbreitung im Internet durch die Praktikanten aufbereitet werden).

Als erste Hürde war die Buchung der Flüge und Hotelzimmer zu bewältigen. Für die Buchung der Unterkünfte nutzten wir die im Projekt vorhandenen Unterlagen und stießen auf Holiday Care Service. Die Buchungsmodalitäten behindertengerechter Zimmer konnten über diese Organisation schnell und problemlos abgewickelt werden. Durch Rückfragen und Bestätigungen kam es zu näheren Gesprächen zwischen Holiday Care und MOVADO e.V. über das anstehende Praktikum und die jeweiligen Arbeitsfelder auf dem Gebiet barrierefreien Reisens. Ohne viel Worte wurde klar und offensichtlich, der erste Besuch in London gilt Holiday Care. Das Interesse unserer Ansprechpartnerin von Holiday Care, Katja Forner an unserem Praktikumsaufenthalt und den damit verbundenen Zielen reichte so weit, dass sie sich intensiv vor Ort in unsere Praktikumsvorbereitungen einklinkte. Sie empfahl uns den Besuch bei Tripscope und Artsline. Die Buchung der Flüge nach London war eine neue Erfahrung für uns. Wir buchten als "Frischlinge" und mit einem Rollstuhlfahrer in der Gruppe bei der neuen Billigfluglinie VIRGIN Express, die kurz zuvor ihre Deutschlandpremiere haben sollte. Ohne Flugtickets, das ist bei VIRGIN eine Art der Kostensenkung, aber mit vielen Ideen und Vorhaben erwarteten wir den Start der Maschine. Beim Einchecken am Schalter der Fluggesellschaft in Berlin-Schönefeld wurde das Bodenservicepersonal des Flughafens darüber informiert, dass ein Rollstuhlfahrer zu den Passagieren gehört. Abflug und Ankunft verliefen problemlos. Der Flughafen Stansted ist einschließlich Zubringer zwischen Transitbereich und Abfertigung, sowie Zugang zum Bahnhof (Stansted Express) stufenlos berollbar. Am Bahnsteig wurde eine mobile Rampe zum Zugabteil (Piktogramm an der Zugtür) durch das Bahnhofspersonal angelegt. Das Bahnhofspersonal ist vorab zu informieren, bzw. vor Abfahrt anzusprechen, damit die Rampe (auch am Zielbahnhof) angelegt werden kann. Endhaltepunkt für uns war der Bahnhof Liverpool-Street in London. Da das Londoner U-Bahnnetz unzugänglich ist, teilten wir uns auf. Für den Rollstuhlfahrer ging es samt Gepäck in einem typischen londoner schwarzen Taxi zum Hotel ibis Euston. Das Hotel ist nach MOVADO-Kriterien bedingt rollstuhlgeeignet. Rollstuhlfahrer im Faltrolli können komplett, ohne sich umzusetzen, in ein Taxi einsteigen. Die Türbreite beträgt 67 cm und die Höhe der Eingangsstufe beträgt etwa 30 cm. Es ist jedoch Hilfe beim Einsteigen notwendig. Manche Taxis führen eine mobile Rampe mit.

Am ersten Abend entdeckten wir auch ein Internet-Café in der Tottenham Court Road, das wir nun jeden Abend besuchen würden, um die neuesten Nachrichten nach Berlin zu senden. Im Rahmen unseres Praktikums besuchten wir die Organisationen Holiday Care (informiert und berät über behindertengeeignete übernachtungsmöglichkeiten in Großbritannien) unseren Projektpartner im Access-Tourism Netzwerk sowie Artsline (informiert über die Zugänglichkeit von Sehenswürdigkeiten und Kultureinrichtungen in London). Intensiv diskutierten wir über das britische Antidiskriminierungsgesetz (Disability Discrimination Act, DDA) von 1995, das u.a. vorschreibt, dass bis zum Jahr 2004 alle Dienstleistungsangebote für Rollstuhlfahrer zugänglich sein müssen.

Unsere touristischen Recherchen führten uns u.a. von der Victoria-Station zum Buckingham Palace, dem Wohnsitz buckingham palace der königlichen Familie. Exklusiv Shoppen kann man im Royal-Shop, links vom Haupteingang. In dem stufenlos zugänglichen Geschäft gibt es königliches Porzellan und kleine Andenken. Weiter ging es die Constitution Hill am Green-Park entlang zur Knightsbridge Road. Auf der rechten Seite beginnt der Hyde-Park. Wir rollten in die Brompton Road an Harrods, dem exklusiven Kaufhaus vorbei zum Science Museum, Victoria & Albert Museum und dem National History Museum. Alle drei Museen sind für Rollstuhlfahrer zugänglich. Der Eintritt ist für Rollstuhlfahrer und Begleiter frei, ab 16.30 Uhr haben alle Besucher freien Eintritt. Auf dieser Strecke hatten nicht alle Kreuzungen Bordsteinabsenkungen.

Mit dem Taxi fuhren wir zur Westminster Abbey. westminster abtei Die Krönungs- und Begräbniskirche der königlichen Familie ist über eine kleine Rampe im Eingangsbereich zugänglich. Der Eintritt für Rollstuhlfahrer und Begleitperson ist frei. Nach der Abtei-Besichtigung ging es mit dem Taxi weiter zum Tower of London. Im Tower ist nur die Kronjuwelenausstellung stufenlos zugänglich. Daneben befindet sich die Tower Bridge. Alle Etagen der Tower Bridge sowie die Ausstellung zur Geschichte der Brücke sind über Aufzüge problemlos berollbar. Während der Führung gibt es eine deutsche Synchronübersetzung. Für Rollstuhlfahrer ist der Eintritt frei, für die Begleitperson gibt es eine Ermäßigung.

Von der Brücke aus sehen wir die Kuppel der St. Pauls Kathedrale, unser nächstes Ziel. Durch die Hinweisschilder zu den Sehenswürdigkeiten im Stadtinneren kann man sich so gut wie nicht verlaufen. Das Innenschiff der Kathedrale ist über einen gut ausgeschilderten Seiteneingang und einen sehr kleinen Aufzug erreichbar. Die Krypta ist ebenfalls mit einem Aufzug zu erreichen. Neben der Schatzkammer gibt es hier ein Café, ein Shop - alles zugänglich - und ein Behinderten-WC. Der Eintritt für den Rollstuhlfahrer und seine Begleiterin war frei. Ein Besuch des berühmten Wachsfigurenkabinetts Madame Tussaud's gehörte ebenso zu unserem Programm. Im Anschluss rollten wir die Oxford-Street, einen Einkaufsboulevard mit Geschäft an Geschäft und Lokalen, von denen die meisten stufenlos zugänglich sind, in Richtung Hyde-Park zu Speaker's Corner entlang. Am Marble Arch Platz dachten wir schon, wir kommen nicht über die Kreuzung, denn überall waren Geländer. Auf einer Hinweistafel war ein Tunnelsystem für Fußgänger dargestellt, mit Informationen, wie man zum Hyde-Park gelangt. Einige Zugänge haben Rampen. So erreichten auch wir den Hyde-Park und Speaker's Corner. Die Rampen haben eine Steigung von ca. 10-15%. Ohne Begleitung sind die Steigungen nur für wenige zu bewältigen. In der Innenstadt wird auf Hinweisschildern auf öffentliche WC's und Behinderten-WC's hingewiesen, die sind aber verschlossen, leider passt unser Euro-Schlüssel nicht. Euro ist eben nicht gleich Euro.

Ein großes Dankeschön an die Movado-MitarbeiterInnen, die uns neben dem Artikel die nachfolgende Adressen- und Linksammlung zu London zusammengestellt haben.
(Text und Bilder:Constanze Cehic,Ingo Kampka 2000)

Telefonzellen
British Tourist Authortiy
Britische Fremdenverkehrszentrale in Deutschland
Westendstraße 16-22
60325 Frankfurt
Tel.: 069/ 97 112-3
Fax: 069/ 97 112-444
www.visitbritain.de


London Tourist Board and Convention Bureau   – 
Regionales Tourismusbüro für London
Glen House, Stag Place,
London SW1E LT
Tel.: 0044/ 171/ 932 20 00/27
Fax: 0044/ 171/ 932 02 22
E-mail: TravelTrade@LondonTouristBoard.co.uk
www.LondonTown.com

Holiday Care
Informationen zu vermessenen und zugänglichen Hotels und Ferienunterkünfte in Großbritannien,
Buchung von behindertengeeigneten Hotelzimmern
2nd Floor
Imperial Buildings, Victoria Road
Horley, Surrey RH6 7PZ
Tel.: 0044/ 1293/ 77 45 35
Fax: 0044/ 1293/ 78 46 47
www.holidaycare.org.uk

RADAR – Royal Association for Disability and Rehabilitation
Hier kann man sich einen Schlüssel für die öffentlichen Behindertentoiletten schicken lassen.
Kosten: 5 Pfund ca. 15,-DM; Übersichtskarten zur Lage von öffentlichen Behindertentoiletten
12 City Forum
250 City Road
London EC1V8AF
Tel: 0044/ 171/ 250 32 22
Fax: 0044/ 171/ 250 02 12
E-mail: radar@radar.org.uk
www.radar.org.uk

Artsline – Informationen zur Zugänglichkeit von Kultureinrichtungen in London, Veranstaltungshinweise
54 Chalton Street
London NW1 1HS
Tel.: 0044/ 171/ 388 22 27
Fax: 0044/ 171/ 383 26 53
E-mail: artsline@dircon.co.uk
www.artsline.org.uk

London Transport
55 Broadway
London SW1H OBD
oder
London Transport Unit for Disabled Passengers
172 Buckingham Palace Road
London SW1W 9TN
Tel. 0044 171/ 918 33 12
Tel. 0044 171/ 222 12 34
Fax 0044 171/ 918 38 76
www.londontransport.co.uk

Tripscope – Informationen zur Zugänglichkeit des öffentlichen Nahverkehrs in London und zur behindertengerechten
Beförderung für ältere und behinderte Menschen in Großbritannien
The Courtyard
Evelyn Road
London W4 5JL
Tel.: 0044/ 345/ 58 56 41
Fax: 0044/ 181/ 994 36 18
E-mail: tripscope@cableinet.co.uk

Recherchierte Objekte während des Praktikums in London:
"Madame Tussaud's" Wachsfigurenkabinett
die meisten Räume auf drei Etagen sind zugänglich;
Eintritt für Rollstuhlfahrer und Begleiter frei
Marylebone Road
London NW1
Tel.: 0044/ 171/ 935 68 61
Science Museum (Technik Museum)
voll zugänglich,
Behindertentoilette; Eintritt für Rollstuhlfahrer und Begleiter frei;
ab 16.30 Uhr freier Eintritt für alle;

ebenfalls zugänglich sind die angrenzenden Museen:

Victoria & Albert Museum (Kunstgewerbe);

National History Museum (Naturkundemuseum)
Exhibition Road
London SW7 2DD
Tel.: 0044/ 20/ 79 42 44 54
www.nmsi.ac.uk

Museum of London
auf allen Ebenen zugänglich,
Einschränkung:
Aufzug Türbreite 70 cm; Behindertentoilette; Eintritt für Rollstuhlfahrer und Begleiter frei
London Wall
London EC2Y 5HN
Tel.: 0044/ 20/ 76 00 36 99
www.museumoflondon.org.uk

Westminster Abbey – Krönungs- und Begräbniskirche der königlichen Familie
über kleine Rampe im Eingangsbereich zugänglich;
Eintritt für Rollstuhlfahrer und Begleiter frei
Deans Yard
London, Westminster, SW1P 3PA
Tel.: 0044/ 171/ 222 5152
www.westminster-abbey.org

Tower of London
zugänglich für Rollstuhlfahrer ist hier nur die Kronjuwelensammlung,
Eintritt für Rollstuhlfahrer und Begleiter frei
Tower Hill
London EC3N 4AB
Tel.: 0044/ 20/ 77 09 07 65
www.hrp.org.uk

Tower Bridge
voll zugänglich, einschließlich Ausstellungsräume und Führung,
deutsche Synchronübersetzung;
Eintritt für Rollstuhlfahrer frei, Begleiter Ermäßigung
Tower Bridge
London SE1 2UP
Tel.: 0044/ 171/ 378 19 28
www.towerbridge.org.uk

St. Pauls Kathedrale
über Nebeneingang und Aufzug sind Kirchenschiff und Krypta zugänglich; Behindertentoilette,
Eintritt für Rollstuhlfahrer mit Begleiter frei

St. Paul's Churchyard
Tel.: 0044/ 171/ 236 41 28

British Library
die Bibliothek ist auf allen Etagen, einschließlich der Ausstellungen zugänglich; Behindertentoilette
96 Euston Road, Kings Cross
London NW1 2DB
Tel.: 0044/ 20/ 74 12 73 32
www.bl.uk

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Frankreich

Mit dem "Thalys" nach Paris

Paris Vor einem jeden Urlaub steht die Anreise. Und wir entscheiden uns für die Bahn. Der Mann am Fahrkartenschalter der DB am Hauptbahnhof Münster ist äußerst genervt. Wie können wir es wagen, kurz vor seinem Feierabend Fahrkarten für eine Bahnfahrt nach Paris zu kaufen - und das 2 Tage vor unserem geplanten Abreisetag. Mit vielsagenden Blicken verständigt er sich mit seinem Kollegen am Nachbarschalter - etwa in dem Sinne: Typisch Frauen, und dann auch noch behindert. Meine nichtbehinderte Freundin lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie ist mal wieder die Hauptansprechpartnerin; ich sitze in meinem Rollstuhl hinter der mannshohen Theke sowieso schon fast außer Sichtweite. Nach gut 30 Minuten haben wir es geschafft, trotz der Deutschen Bahn AG unsere spontane Idee, für ein paar Tage Paris zu sehen und danach hoffentlich nicht zu sterben, umzusetzen. Unsere Fahrkarten haben wir in der Hand - über Köln und Brüssel nach Paris. Am Service-Point des Bahnhofs geben wir Abfahrts- und Ankunftszeiten an und bitten um Hilfe beim Ein- und Umsteigen. Der Ton ist hier ein anderer, die Sache ist nach 5 Minuten erledigt. Das ging ja fast schon zu glatt. Etwas misstrauisch und auf alles gefasst stehen wir am Abreisetag eine halbe Stunde vor Abfahrt des Zuges im Bahnhof. Ich fühle mich der Bahn etwas ausgeliefert und die Erfahrungen am Fahrkartenschalter waren alles andere als vertrauenerweckend. Zwei Mitarbeiter der Bahnhofsmission führen uns durch die nicht für die Öffentlichkeit zugänglichen Katakomben des Bahnhofs zu einem altertümlichen und verstaubten Aufzug, der uns ohne Zwischenfälle tatsächlich zum richtigen Bahnsteig bringt. Dort steht auch schon ein Hebelift, mit dessen Hilfe ich zwar im richtigen Zug, aber im falschen Wagen lande - nämlich im Fahrradabteil. Kaum haben wir es uns hier "bequem" gemacht, werden wir auch schon um unsere Fahrkarten gebeten. Der Zugschaffner ist noch vom alten Schlag und behandelt uns erst mal prophylaktisch als Schwarzfahrerinnen. Da meine Freundin als meine Begleitperson kostenlos mitfährt, habe ich nur eine Fahrkarte. Sofort wittert der Schaffner seine Chance. Der Rollstuhl, in dem ich vor ihm sitze, genügt nicht. Er möchte entweder die 2. Fahrkarte oder meinen Schwerbehindertenausweis sehen, den er bekommt und sofort eingehend studiert. Endlich hat er das "B" für Begleitperson gefunden. Damit sind wir ihn dann los. In Köln müssen wir umsteigen. Gerne gehe ich auf das Angebot von Mitreisenden ein, mich aus dem Zug zu tragen. Das Bahnhofspersonal stand sowieso am falschen Wagen, ist aber sofort zur Stelle, um uns zum richtigen Gleis für den "Thalys" zu bringen, der uns nach Paris bringen wird. Wir haben eine Stunde Aufenthalt in Köln. Der Bahnhof ist eine Baustelle, für einen Toilettenbesuch sollte man mindestens eine viertel Stunde einplanen. Als Rollstuhlfahrerin erreicht man die Toilettenräume wegen der Bauarbeiten an der Seite mit den Treppen. Es gibt zwar einen Treppenlift, der allerdings nur mit Schlüssel funktioniert. Den Schlüssel bekommt man, wenn man aus dem Rollstuhl aufsteht, die Treppe heruntergeht und den "Klomann" fragt. Wer das nicht kann, sollte lieber nicht alleine zur Toilette gehen. Mit dem Hebelift in die 1. Klasse des Thalys verfrachtet, geht die Reise komfortabel weiter. Der Thalys hat einen Sitzplatz für RollstuhlfahrerInnen. Zwar kann man einen Behelfssitz wegklappen, aber man erhält dadurch keinen Platz, um in seinem eigenen Rollstuhl sitzen bleiben zu können. Auch die Toilette, auf der ein Rollstuhlsymbol prangt, ist sehr knapp bemessen. Die Fußstützen eines Rollstuhls sind nicht mehr einkalkuliert und man muss sich schon sehr verrenken, um in dem wackligen Raum auf den Toilettensitz herüberzurutschen. Wer dies bewältigen kann, genießt eine wunderschöne Zugfahrt durch die Ardennen nach Brüssel und kommt gut erholt am Gare du Nord in Paris an. Zum Service gehört übrigens auch ein Mittagessen bzw. der Nachmittagskaffee. Der Pariser Bahnhof hat ebenfalls einen Service für Fahrgäste im Rollstuhl. Auch hier gibt es Servicepersonal, das man vom Zugpersonal benachrichtigen lassen kann, und den altbekannten Hebelift. Aber bevor der zum Einsatz kommen kann, wird mir schon in 4 Sprachen Hilfe angeboten. In Brüssel hatte sich der Zug nämlich mit EU-BeamtInnen gefüllt, die sich nun - trotz Maßanzügen und Kostümchen - tatkräftig daran machen, mich mitsamt Rolli aus dem Zug zu heben. Auf dem Bahnsteig werden wir schon nach wenigen Metern vom Servicepersonal angehalten, die es sich nicht nehmen lassen, uns aus dem Bahnhof - aus dem man übrigens absolut ebenerdig rausrollen kann - zu geleiten und dort für ein Taxi zu sorgen, an der wartenden Schlange vorbei. Vorher erhalten wir auf Nachfrage ausführliche Informationen über das Verkehrsmittel der Stadt - die Metro. Dieses Ding sollte uns in den nächsten Tagen noch verfolgen, aber zunächst gehen wir dem Problem aus dem Weg und nehmen das Taxi zur Jugendherberge in Le Prè St. Gervais. Sie ist eine von zwei bedingt rollstuhlgeeigneten Jugendherbergen in Paris und liegt knapp außerhalb der Innenstadtgrenze. Das "bedingt rollstuhlgeeignet" sollte durchaus ernst genommen werden. Die Jugendherberge samt Nebeneingängen ist ringsherum durch Mauern abgeriegelt und zum Haupteingang führen 4 Stufen. Die durchaus vorhandenen barrierefreien Nebeneingänge sind in der Regel verschlossen und werden nur auf Nachfrage geöffnet. Das Zimmer im Erdgeschoss ist mit 3 Doppelstockbetten ausgestattet und ziemlich eng, wenn alle Betten belegt sind. Das Bad ist ausreichend groß, ein Gartenstuhl steht für die ebenerdige Dusche bereit. Der Duschkopf befindet sich fest eingelassen hoch oben in der Wand und zum Duschen muss man einen Knopf ständig gedrückt halten, um fließendes warmes Wasser zu erhalten. Wir brauchen ein bisschen, um uns an das spärliche und leicht schmuddelige Ambiente zu gewöhnen. Aber das sehr internationale Flair der Jugendherberge versöhnt uns schnell. Nachdem wir die Nacht mit zwei Niederländerinnen, einer Chilenin und einer Mexikanerin in einem Zimmer verbracht und ein einfaches Frühstück verzehrt haben, machen wir uns endlich auf den Weg, um Paris zu erobern. Das bedeutet allerdings, dass wir nicht mehr an der Mobilitätsfrage vorbeikommen. Das konkrete Problem heißt: Wie kommen wir in die Innenstadt? "Das öffentliche Verkehrsnetz in Paris ist eines der besten der Welt" heißt es in meinem Reiseführer. Kein Punkt in der Innenstadt soll mehr als 500 m von einer Metrostation entfernt sein. So treffen wir dann auch sehr schnell Metro Haltestelle auf die nächste Metro–Haltestelle.

Der Eingang ist durch ein Schild mit einem großen "M" gekennzeichnet. Viele schmale Stufen führen nach unten und enden zunächst an einer Tür mit einem engen Durchgang. Ich warte also oben, während meine Freundin zum Auskunftsschalter hinter besagter Tür geht. Das Servicepersonal ist aus versicherungstechnischen Gründen nicht bereit, mich die Stufen hinunterzutragen. Sie schicken uns weiter zur nächsten Station, aber auch bei zwei weiteren Haltestellen erhalten wir die gleiche Auskunft. In der Nähe gibt es einen Bahnhof der RER, dem unterirdischen Schnellbahnnetz, das die Vororte mit der Innenstadt verbindet. Obwohl der Bahnhof neu gebaut ist, gibt es auch hier nur Treppen zu den Gleisen, und auch hier ist das Servicepersonal nicht zur Hilfe bereit. Wir erhalten jedoch unerwartet Hilfe von afrikanischen Einwanderern, die mich zu den Gleisen tragen. Der Einstieg in die Bahn ist dann stufenlos. Endlich kommen wir nun dazu, uns Paris anzusehen. Das Wetter ist - obwohl schon Ende Oktober - warm und sonnig. Unser erstes Ziel sollen die Champs-Elysées sein. Wir machen uns also auf den Weg und gehen durch von Autos und Fußgängern belebte schnurgerade Straßen. Rechts und links ragen helle Sandsteinfassaden hoch, deren Fenster und Balkone mit schmiedeeisernen, fast schwarzen Geländern verziert sind. Viele Straßen sind außerdem von Bäumen gesäumt, die dem Ganzen eine nüchterne und zugleich warme Atmosphäre verleihen. Das Fortbewegen mit dem Rollstuhl stellt nun auch kein Problem mehr dar, denn alle Bürgersteige an Kreuzungen und Straßenübergängen sind abgeflacht. Uns fällt auch auf, dass die Kreuzungen in der gesamten Innenstadt zudem mit speziell markierten Steinen für Blinde gekennzeichnet sind. So ist das in Paris: Man macht es entweder richtig oder gar nicht. Nach etwa 20 Minuten Fußweg treffen wir auf die Champs-Elysées, in deren Mitte sich der Verkehr in insgesamt 8 Spuren auf den Arc de Triomphe zu- bzw. wegbewegt. Für viele ist der breite Bürgersteig zu beiden Seiten eine Art Laufsteg, auf dem sie in todschicker Kleidung entlang flanieren. Man geht an Hotels und Einkaufspassagen, Kinos und Nobelläden vorbei. An der Prachtstraße befindet sich auch das l'Office de Tourisme de Paris. Der Ausbau der Champs-Elysées geht übrigens auf eine Frau zurück: Maria von Medici, die Gattin Heinrichs IV regte 1616 den Ausbau zur Prachtstraße an. Viele Paraden und Feiern finden hier statt, nicht zuletzt endet die Tour de France an diesem Ort.

Wir gehen weiter zum Triumphbogen, um den sich ein Verkehrsknotenpunkt entwickelt hat. 12 große Avenuen treffen hier zusammen, in einem Kreisverkehr, dem Etoile, lösen sich die Fahrspuren auf und man fährt nach Gefühl um den 50m hohen Bogen herum. Diese Straße zu kreuzen, wäre lebensgefährlich, man geht besser durch eine der Unterführungen. Mit einem Lift kommt man auf den Arc de Triomphe, leider hat man nicht daran gedacht, auch die Unterführungen damit zu versehen. Der Triumphbogen wurde 1806 von Napoleon in Auftrag gegeben und sollte nach seiner Fertigstellung 1836 ein Denkmal für die französische Armee und ihre militärischen Siege sein. Eifelturm

Wir haben uns noch nicht satt gesehen an den Wahrzeichen von Paris. An der Seine entlang wollen wir bis zum Eiffelturm weiterwandern. Die Stadt hat den Fluss eingezwängt, an beiden Seiten führen stark befahrene Straßen an ihm entlang. Der laute Verkehr ist ermüdend. Es dämmert schon, als wir den Eiffelturm erreichen. Immer noch stehen lange Menschenschlangen vor den Aufzügen, über die man die verschiedenen "Etagen" des Turms erreichen kann. Das Stahlmonstrum ist aber auch von unten imposant genug. Gerade wird es mit gelbem Licht angestrahlt. Über die Pont d'Iena kreuzen wir wieder die Seine. Auf der Brücke werden in großen Blechtonnen geröstete Maronen angeboten und auf Tüchern ausgebreitet kleine Eiffeltürmchen in den kitschigsten Ausführungen verkauft. Ein Polizeiwagen bringt die ganze Szene in Aufruhr, aber das Bild beruhigt sich ebenso schnell wieder.

Inzwischen ist es ganz dunkel geworden und jetzt ist auch die Seine wie verzaubert. Auf dem Fluss fährt ein verglaster Ausflugsdampfer, der grünliches Licht auf dem Wasser verbreitet. Der Eiffelturm ist vollständig beleuchtet und die Häuser am Seine-Ufer sind entweder angestrahlt oder leuchten aus ihren erhellten Fenstern. Wir gehen an der bemerkenswerten Szenerie zurück bis zum Place de la Concorde, den wir uns aber für den nächsten Tag aufheben und fahren mit dem Taxi zurück zur Jugendherberge.

Der nächste Tag begrüßt uns mit dem schon bekannten Problem. Heute entscheiden wir uns für den Bus. Getreu dem schon genannten Motto "Entweder richtig oder gar nicht" ist dieser nicht nur absenkbar, sondern hat auch noch eine ausfahrbare Rampe. Diese Busse verkehren leider nur in den Außenbezirken, so dass wir noch einmal umsteigen müssen. Es ist wieder ein Einwanderer, der uns hilft. Der Bus in die Innenstadt hat zwar keine Stufen, dafür befindet sich aber eine Stange mitten im Einstieg und verhindert das Durchkommen mit Rollstuhl. Unser Helfer trägt mich in den Bus. Der Busfahrer ist ebenfalls hilfsbereit. Auf dem Weg in die Innenstadt füllt sich der Bus immer mehr. Als wir auf der Ile de la Cité ankommen, ist er vollbesetzt. Seelenruhig hält der Busfahrer an der verabredeten Station, trägt mich aus dem Bus und erklärt uns vor den Augen seiner ebenso seelenruhig wartenden Fahrgäste, wo wir die nächste Behindertentoilette finden können. Manchmal ist der männliche Beschützerinstinkt doch zu was nütze. Jedenfalls haben wir "unser" Verkehrsmittel gefunden.

Notre Dame Vom Bus aus nehmen wir direkten Kurs auf Notre Dame, die auf der Seine-Insel Ile de la Cité liegt. Hier siedelten sich lange vor Christi Geburt die ersten Anwohner von Paris an, sie waren Angehörige des keltischen Stammes Parisii. Heute wird die Insel dominiert vom Justizpalast, der Préfecture de police und dem Hôtel Dieu (einem Krankenhaus, in dem sich eine behindertengerechte Toilette befindet). Das beeindruckendste Bauwerk ist jedoch Notre Dame. Bereits 1163 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Die Kirche mit den markanten Türmen ist schon von außen wunderschön, man sollte aber auf jeden Fall auch hineingehen, zumal das Gebäude nach den jüngsten Sturmschäden eingerüstet sein dürfte. Besonders sonntags um 17:45 Uhr lohnt sich ein Besuch, da zu dieser Zeit immer ein kostenloses Orgelkonzert stattfindet. Die Orgel mit ihren 7000 Pfeifen ist eine der größten Frankreichs.

Wer noch nicht genug von der Architektur hat, schaut sich den Louvre an. louvre Am besten beginnt man an der Rückseite, vom Place de Louvre aus. Hier gelangt man durch Torbögen in den riesigen Innenhof, den man auf der anderen Seite wieder verläßt. Dann steht man vor der bekannten Glaspyramide,dem Haupteingang zum Museum.

Man geht weiter durch den Jardin des Tuiléries. Von hier aus hat man besonders bei Dunkelheit einen etwas surrealistischen Blick auf die Champs-Elysées, ein langes Band von gelben und roten Lichtern der Autos und den angestrahlten Triumphbogen am Ende. Paris bietet unzählige solcher Eindrücke. Nicht erwähnt habe ich die zahllosen Museen wie etwa das Musée d'Orsay oder das Centre Pompidou, in dessen unmittelbarer Nähe sich das Beaubourg Dame Tartine befindet, ein Café mit erlesenen und bezahlbaren (!) Köstlichkeiten, die man sich trotz der Stufe am Eingang nicht entgehen lassen sollte. Auch noch nicht erwähnt habe ich den Elysée-Palast, der von streng aussehenden und ebenso freundlichen Polizeieinheiten bewacht wird. Oder Les Halles, ein modernes, teilweise unterirdisches Einkaufszentrum und eine Metrostation, die fast mit dem Aufzug zu erreichen ist.

Paris lohnt einen Besuch, denn die Stadt ist so vielseitig, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Ich jedenfalls habe von Paris noch nicht genug.

In dem unter Umständen völlig überfüllten Fremdenverkehrsbüro findet man eine Menge an Material über Museen, Veranstaltungen und die Sehenswürdigkeiten, leider jedoch keine Hilfe, wenn es um spezielle Informationen für Gäste im Rollstuhl geht. Es gibt eine französischsprachige Broschüre der Stadt, die sich jedoch eher an in Paris lebende Menschen mit Behinderung richtet und Themen wie Arbeit, Wohnen und soziale Rechte behandelt. Natürlich kann man auch im Internet schmökern:

www.paris.org  |  www.pariscope.fr

Thalys – der Hochgeschwindigkeitszug zwischen Frankreich, Belgien und Deutschland. Als europäisches Gemeinschaftsprojekt ist der Thalys seit Dezember 1997 auch auf der Strecke Köln – Paris im täglichen Einsatz. Mehrmals täglich verbindet der moderne internationale Hochgeschwindigkeitszug Köln Hauptbahnhof mit Brüssel Midi/Zuid und Paris Nord in 2 Stunden und 33 Minuten bzw. 4 Stunden und 3 Minuten. Mehr erfahrt Ihr auf der Thalys-Seite unter: www.thalys.com
(Text und Bilder:Elke Pieck 2000)

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Israel

2004 meldete sich bei uns ein Reisebüro aus Israel, das auch Reiseangebote für Menschen mit Behinderung macht: Tour–Mile Travel Services Ltd. Ansprechpartnerin ist Marianne Schait. Sie schreibt: Wer träumt nicht einmal in seinem Leben von einer Reise ins Heilige Land? Heute kein Ding der Unmöglichkeit mehr. Unser Reisebüro ist spezialisiert auf Gruppen und Einzelreisende mit Behinderungen aller Art und arbeitet nur mit ausgebildeten, vom Touristenministerium lizenzierten Reiseleitern. Diese haben noch einen zusätzlichen Spezialkurs absolviert im Moross Zentrum in Jerusalem. Dort werden in einem mehrmonatigen Kurs Reiseleiter ausgebildet und lizenziert, welche dann für Behinderte eingesetzt werden. Diese Reiseleiter müssen, zusätzlich zu dem vom Touristenministerium geforderten jährlichen Weiterbildungskurs, einen weiteren Tag pro Jahr im Zentrum verbringen, somit sind sie immer auf dem neuesten Stand der Dinge.

Wir koennen Ihnen deshalb den Traum einer Israel-Reise erfüllen! Unser Reisebüro bietet Ihnen folgendes an: Wir organisieren Ihre Reise von A bis Z und helfen mit der Programmwahl, nach Ihren Wünschen und Möglichkeiten. Ein deutschsprachiger Reiseleiter holt Sie vom Flughafen Ben Gurion ab und wird Sie die ganze Zeit begleiten. Wir organisieren entsprechende Fahrzeuge, besorgen Ihnen Rollstühle und lokales Begleitpersonal, falls gewünscht, und suchen die besten Unterkuenfte aus, sei es in der Jugendherberge oder im 5-Sterne-Hotel, je nach Wunsch. Hören wir bald von Ihnen?

Bitte besuchen Sie uns auf
www.tour-mile.com
e-mail: to-mi@tour-mile.com
Chaim Baida, Manager Tour-Mile Services Ltd. P.O. Box 24217, 61241 Tel-Aviv, Israel Tel. +00972–3–648–9383, Fax: +00972–3–647–4597

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Italien

Unterwegs ins Veneto - Die Anreise

Wie praktisch, wenn man Freunde in Italien hat. Lange hatte ich die Reise vor mir hergeschoben und dann endlich Sirmione ein paar Tage Zeit gefunden. Das Veneto, die Region zwischen dem Gardasee und Venedig, ist mein Ziel.

Schon die Anreise mit dem Auto macht Spaß. Von München aus steuere ich Garmisch-Partenkirchen an. Am Ende der Autobahn breiten sich die Alpen aus und ich genieße den Blick auf die schneebedeckten Berge der Zugspitzgruppe. Von hier sind es nur knappe 50 km über die Landstraße nach Innsbruck. Wer Lust hat, kann die Fahrt unterbrechen - die Landschaft und die Städte sind allemal sehenswert.

Garmisch-Partenkirchen ist eher für Ruhebedürftige geeignet, es gibt einen wunderschönen, ebenen Spazierweg von den Olympiasprungschanzen bis zum Eisstadion, immer mit Blick auf die Alm und die Berge. Wer will, kann bis nach Grainau gehen/rollen oder sich mit der Pferdekutsche bis zur Partnachklamm bringen lassen. Unerschrockenen ist es auch mit Rollstuhl möglich, zumindest ein kleines Stück in die Klamm hineinzurollen.

Insbruck ist, im Gegensatz zu Garmisch-Partenkirchen, eine lebendige Studentenstadt. Lohnenswert ist ein Bummel durch die Altstadt, in der man sich an den wunderschönen Fassaden und den Straßencafés erfreuen kann. Hier sollte man das eine oder andere aktuelle Kulturangebot in Anspruch nehmen. Auch die Altstadt ist übrigens eben und daher gut berollbar.

Sirmione Frisch ausgeruht geht es weiter. Neben immer wieder beeindruckenden Ausblicken auf die Alpen werden Autobahngebühren zum leidigen Anhängsel für den Autofahrer. Für die Benutzung von Österreichs Autobahnen besteht Vignettenpflicht. Zusätzlich muß die normale Mautgebühr für bereits bestehende Mautstrassen wie etwa die Brennerautobahn bezahlt werden. Apropos Maut: Italien hat das älteste Mautsystem Europas mit rund 80 gebührenpflichtigen Strecken. Pro 100 km sind für PKW etwa 10 DM fällig. An jeder Auffahrt muß man eine Karte ziehen, anhand derer an der Ausfahrt die Gebühren berechnet werden. Einfacher gesagt als getan. Denn die Kartenautomaten stehen ungünstig, man muß sich auch mit ausgestrecktem Arm noch aus dem Fenster lehnen (können), um die Taste zu bedienen. Da hilft nur Nerven behalten und ebenso penetrant hupen wie die nachfolgenden Autos, früher oder später bequemt sich ein Angestellter aus den relativ blickdicht geschlossenen Wachhäuschen und hilft - dann allerdings anstandslos. An der Autobahnausfahrt findet man eine "bemannte" Mautstelle vor, so daß wenigstens das Bezahlen der Gebühren problemlos möglich ist. Eine andere Möglichkeit ist die Viacard, die wie eine Telefonkarte funktioniert. Hier hat man aber auch an der Autobahnausfahrt nur einen Automaten. Kommt man damit nicht zurecht, bleibt man vor der geschlossenen Schranke stehen. Dafür hat man aber an den Autobahnraststätten in etwa den gleichen Standard zu erwarten wie in Deutschland. Rollstuhlgerechte WC's sind auf den Hinweisschildern der Raststätten vermerkt.

Das Veneto - Die Rundreise
Das Veneto erstreckt sich vom Gardasee im Westen bis Venedig im Osten, im Süden reicht es bis an die Poebene und im Norden bis in die Dolomiten. Schon diese wenigen Worte reichen, um die Vielfalt dieser Region zu zeigen. Die Textilindustrie ist ein wichtiger Industriezweig in Venezien. Namhafte italienische Hersteller wie etwa Benetton haben hier ihren Sitz Aussicht Die Städte Verona, Padua und Vicenza bieten herausragende Architektur, Kirchen und Museen. Vicenza und Padua liegen im venezianischen Tiefland. Hin und wieder erhebt sich ein Hügel, vom dem aus man lohnende Ausblicke über die Ebene bis hin zu den Dolomiten haben kann. So liegt zum Beispiel das zerfallene Castello Romeo e Julieta in der Nähe von Montecchio auf einem solchen 400 m hohen Mini–Berg, der aber in der Ebene sehr groß wirkt. Der Monte Berico südlich von Vicenza ist ebenfalls ein lohnender Aussichtspunkt. Oben auf dem mit Zypressen bewachsenen Hügel liegt die barocke Wallfahrtskirche Basilica di Monte Berica. Die beiden Behindertenparkplätze vor der Kirche und die Rampe in die Eisdiele lassen vermuten, daß hier auch an RollifahrerInnen gedacht wurde, denn die Kirche kann man natürlich auch besichtigen. Leider entdeckte ich nur etwa 30 Stufen, die vom Parkplatz zur Kirche führten. Einen weiteren barrierefreien Eingang konnte ich nicht auskundschaften, was nicht heißen muß, daß es ihn nicht gibt. Vom Vorplatz der Kirche hat man einen wunderschönen Blick über Vicenza. Aus der sitzenden Position wird der Blick allerdings durch das steinerne Geländer getrübt, durch dessen Stäbe man auf die Stadt sehen kann. Wer den Monte Berico mit dem Rollstuhl besuchen möchte, sollte sich vorher eine Begleitung organisieren.

Viel mehr Spaß macht da die Besichtigung der Altstadt von Vicenza, deren Piazza del Signori wirklich wunderschön ist. Torre di Piazza Der Torre di Piazza überragt den Platz mit seinem 82m. Von hier aus kann man die übersichtliche Altstadt problemlos "erfahren". Die Stadt ist nicht von Touristen überlaufen, trotzdem aber sehr lebendig.

Von Vicenza aus ist es nur 1 Stunde bis Padua, aber diese Stadt macht einen ganz anderen Eindruck. Nicht enge Gässchen und malerische Fassaden bestimmen das Bild Padua ist eher eine weltoffene und großstädtische Studentenstadt. Auffallend ist die "Handymania" der Passanten. Es scheint, als habe jeder ein Handy. Das Erkunden der Innenstadt mit dem Rolli erfordert vorausschauendes Denken. Die Bürgersteige sind nicht durchgängig abgeflacht. Wenn es auf der einen Strassenseite einen abgeflachten Bordstein gibt, heißt das noch lange nicht, daß man auf der anderen Seite ebenfalls einen findet. Also lieber weiterrollen - in der Regel gibt es mindestens eine barrierefreie Möglichkeit, die Strasse zu überqueren. Hat man einmal die Fußgängerzone erreicht, wird die Sache einfacher - etwas Geduld verlangt einem lediglich der schlechte Strassenbelag ab. Ich besuche die Information in der Stadtverwaltung und bekomme sofort umfassend Auskunft. Padua hat einen Stadtführer für Behinderte, den es allerdings nur in Italienisch gibt. Hier sind die Sehenswürdigkeiten und ihre Zugänglichkeit aufgelistet. Ich erfahre auch, daß die Stadt ein Programm zur Beseitigung von Barrieren für behinderte Menschen begonnen hat. Padua sei noch etwas rückständig, fügte man entschuldigend hinzu. Aber Zeichen, daß man für die Belange von RollstuhlfahrerInnen sensibilisiert ist, findet man überall. Einige Geschäfte haben Rampen oder abgeflachte Eingänge. Ein großes Schild mit einem Rollstuhlsymbol weist auf den barrierefreien Zugang zum Palazzo della Ragione - dem "Palast der Vernunft" hin, in dessen Innerem sich Palast prächtige Fresken des Künstlers Giotto verbergen. Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt ist das Caffé Pedrocchi, das 1831 eröffnet wurde und sich zum Zentrum der Risorgimento - Bewegung entwickelte, die die Unabhängigkeit Italiens erreichen wollte. Auch hier wurde an eine Rampe gedacht. Einen schönen Rundgang durch die Innenstadt habe ich übrigens in dem VIS á VIS - Reiseführer "Venedig und das Veneto" gefunden. Und ein schönes Cafe fand ich gegenüber dem Caffé Pedrocchi am Piazza Cavour, wo man draußen sitzend einen sehr guten Salat essen kann.

Verona dagegen ist ein Touristenzentrum, das Stadtbild ist völlig auf die Ansprüche verwöhnter Touristen abgestimmt. Man findet idyllische enge Gäßchen, gepflegte Häuserfassaden und viele Einkaufsmöglichkeiten. Die Attraktion Veronas ist die fast 2000 Jahre alte Arena, die man durch zwei der Seiteneingänge (Arkade 5 und 7) barrierefrei betreten kann. Dies ermöglicht natürlich auch den Besuch der Konzerte und Opern, die dort in den Sommermonaten stattfinden. Bis zu 25 000 ZuschauerInnen finden in dem 139 m langen und 110 m breiten elliptischen Amphitheater Platz. Dante Denkmal Von der Arena gelangt man sofort in Veronas Fußgängerzone. Bekannt ist die Casa di Guilietta, an der Via Capello. An den Wänden im Innenhof haben sich scheinbar sämtliche Liebespaare dieser Welt in grellbunten Kreidefarben verewigt Außerdem findet man öffentliche Telefone, von wo aus man seinen Liebsten anrufen kann. Von der Romantik ist da leider nicht viel übriggeblieben. Aber Julia hat ohnehin nie in diesem Haus gelebt und folglich auch ihren Romeo hier nie geküsst. Man kann sich also beruhigt wieder auf den Weg zur Piazza Erbe machen. Im Mittelalter fand hier der Kräutermarkt statt. Heute kann man in einem der vielen Straßencafés Rast machen. oder von hier aus seinen Spaziergang durch die Altstadt fortsetzen, wo es noch die Scaligergrabstätte zu entdecken gibt oder den hübschen Platz rund um das Dante - Denkmal.
(Text und Bilder:Elke Pieck 1999)

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Mit dem "TouriCar" möglichst fern der "Touri–Zentren" auf Kreta

Meine Schwester wollte mit mir so richtig in Urlaub fahren. Ich sollte auch entscheiden, wohin es gehen sollte. Es sollte nicht zu warm sein, aber sonnig, und nicht so weit zu fahren, denn leider hatten wir nur eine Woche Zeit. Also wohin? Mein letzter großer Urlaub war nach dem Abi vor 20 Jahren mit meiner besten Freundin nach Griechenland mit Rucksack und einem alternativen Reiseführer im Gepäck. Die schönste Zeit verbrachten wir damals in den 4 Wochen die letzte Wo-che an der Südküste Kretas. Während der Rest von Europa das erste Regentief im Herbst erlebte, hatten wir das schönste Wetter, leider war die Landschaft im vergangenen September total ausgedörrt, also entschieden wir uns für unsere Reise im Frühjahr, wenn die Vegetation in ihrer vollsten Pracht dastehen würde. Der Sohn meiner Schwester und meine Tochter sollten noch mitkommen, einmal als Unterstützung für die Transfers ins Auto, das wir mieten wollten, für die Hilfestellung aus dem Bett, auf die Toilette unterwegs, als Schiebehilfe etc. und: um sie mit einer etwas anderen Art zu reisen bekanntzumachen. Sie sollten bei Bedarf die Tage auch am Strand verbringen können. So ganz genau wußten wir aber nicht, was auf uns zukommen würde. Es ging los mit Telefonieren, um einen Veranstalter zu finden, der Reisen auf Kreta veranstaltete, die für Rollifahrer geeignet sind. Im Kedros–Reisebüro und Herrn Leutsch, der seit 18 Jahren auf Kreta lebt, und die Entwicklung des Tourismus nach dem Ende der Militärdiktatur 1974 fast vollständig miterlebte, fand ich einen für mich absolut kompetenten Partner. Er unterstützt nicht den Pauschal– und Massentourismus, sondern kleinere Vermieter. So vermittelte er uns ein Appartement, das einfach ausgestattet und auch noch rollstuhlgeeignet war. Ich musste also nicht ein Hotel des Pauschaltourismus buchen, das als "rollstuhl–freundlich" ausgeschrieben ist, sich dann bei der Ankunft als nur "bedingt rollstuhl–freundlich" herausgestellt hätte. In Herrn Leutschs Unterlagen über die Ausstattung des Appartements konnte ich mir vorab alles gut vorstellen, da war für jedes angebotene Haus alles angegeben, von der Erreichbarkeit der Lichtschalter, der Höhe der Handgriffe neben der Toilette bis zur Erreichbarkeit des Strandes. Diese Angaben, so sollte sich herausstellen, waren absolut zuverlässig und vorbildlich. Wir buchten dann selbst einen Direktflug von Stuttgart nach Chania, der zwar teurer war, aber für mich, da ich im Flugzeug nicht auf die kleine Toilette komme, durchaus praktisch und weniger belastend. Sowohl auf dem Flughafen in Stuttgart als auch in Chania konnte ich kurz vor dem 3-stündigen Flug noch auf vorbildlich ausgestattete Rollstuhltoiletten.

Als wir in Stuttgart vor dem Schalter zum Einchecken standen, schaute mich die Frau am Schalter groß an, und fragte meine Schwester (!), ob ich laufen könne. Man hätte keinen Rollstuhlfahrer gemeldet vom Reisebüro, obwohl wir zweimal nachgefragt hatten, und tags zuvor noch auf dem Flughafen angerufen hatten. Letztendlich klappte aber noch alles wunderbar. Flughafenangestellte waren mir behilflich auf meinen Platz zu kommen und als wir in Chania als letzte ausstiegen, stand bei leichtem Nieselregen mein Rollstuhl auf dem Rollfeld und wartete bereits auf mich. Der erste Flug mit Rolli war gut überstanden und ich war ganz schön er-leichtert. Unser Taxifahrer für den Transfer in unser Appartement "Alkionis Beach" wartete schon auf uns und brachte uns ins 80 km entfernte Stavroumenos kurz hinter Rethymnon; wir konnten uns einen ersten, wenn auch leicht verregneten Eindruck von der Nordküste entlang der noch "Weißen Berge", die tatsächlich so heißen, machen.

Am ersten Morgen besuchte uns Herr Leutsch in unserer Unterkunft und gab uns noch einige Tipps für Ausflüge mit dem gebuchten Auto, die unter anderem für Rolli-fahrer geeignet waren und so entschieden wir uns, zur nahegelegenen Bezirksstadt Rethymnon zu fahren, da donnertags gerade am Vormittag der Markt im Zentrum der Stadt stattfindet. Die Stadt mit ihrem zur Verteidigung vor den Türken ausgebauten Hafen liegt an einer der schmalsten Stellen der 260 km langen und 12 bis 60 km breiten Insel zwischen dem griechischen Festland (ca. 100 km) und Libyen (ca.200 km) im Süden und ist die größte Mittelmeerinsel. Rethymnon liegt ideal für Tagesausflüge an die Südküste, hat ein interessantes Hinterland und ist ein Städtchen mit toller Atmosphäre, kleinen Gassen zwischen venezianischen und türkischen Häusern in der Altstadt, einem stimmungsvollen Hafen und kleinen Tavernen mit sehr gastfreundlichen Gastronomen. Allerdings stellte ich fest, dass manche Touristen regelrecht von der Strasse runtergeholt wurden, manches Benehmen grenzte an "Abzockerei". Wir hatten mal wieder Glück: das Abendessen genossen wir unter einem Zitronenbaum mit Blüten und reifenden Früchten am gleichen Stamm. Die Barbecue–Taverne hieß treffend Soukáki Lemon Garden. Der erste Tag war gerettet, zumal wir nachmittags schon in der Sonne saßen.

Frühstücksbrot holten wir 50 m vom Appartement bei Mike, ebenso Butter, Honig, griechischen Joghurt und Wein für den Abend. Unser Proviant an Brot, Wasser und Cola mit frischem Zitronensaft gegen den Durchfall reichte uns bis zum späten Nachmittag, und dann gingen wir eh in die Taverne und waren mehr als zufrieden.

Am zweiten Tag wollten wir einen kleinen Fischerhafen an der Bucht vor Rethymnon, Georgioúpoli, anschauen. Ein kleines, aber lebendiges Städtchen mit einem winzigen Fischerhafen an einer Flußmündung, den man mit Tretbooten aufwärts fahren und mit etwas Glück sogar Sumpfschildkröten entdecken kann. Als es anfing zu regnen, setzten wir uns in eine offene Taverne am langgestreckten Strand und genossen bei griechischem Salat und Tzatziki und Taramas die Brandung. Auf der Suche nach einem kleinen Kloster in den Bergen Richtung Chania, stoppte uns an einer Straßengabelung ein kleiner Kreter, der Priester des Dorfes, wie sich später herausstellte, und lud uns zum Kaffee, Wein und gefüllten Weinblättern ein. Leider hatten wir schon etwas gegessen, aber wir versprachen am Montag wieder zu kommen. Die englisch sprechende Schwiegertochter erzählte uns, dass man im Hause vor allem eigene Produkte verwendet; wir einigten uns dann auf Fisch für den Montag. Auf dem Rückweg über das kleine Kloster Karidi, das zur Zeit nach und nach restauriert wird, ging es für uns durch die Berge wieder auf die Schnellstrasse nach Rethymnon. Mittlerweile schien schon die Sonne und nach einem kleinen Abendessen in Rethymnon und einem stimmungsvollen Abschluss am Hafen mit Sonnenuntergang genossen wir noch einen schönen, aber kühlen Abend auf unserem Balkon zum Meer bei einem griechischen Rosé. Am Samstag schien schon morgens die Sonne und wir fuhren über die Berge. Nie im Leben will ich diesen ersten Blick aus der Höhe auf die Südküste Kretas vergessen. Auf beiden Seiten erhoben sich schneebedeckte Zweitausender, am Straßenrand wurde die blühende Vegetation immer karger, und dann plötzlich vor und unter uns das libysche Meer. Auf dem Weg nach Mires streiften wir die Messara-Ebene, eine fruchtbare Hochebene, die sich in Matala zur Südküste öffnet. Hier hängen im Herbst die Weintrauben als künftige Rosaki wie das Heu im Allgäu auf langen Drahtgestellen. In Mires war Markt, da gab es alles: Jeans, Haushaltswaren, Pflanzen, Gemüse und Obst, ein Markt mehr für die Einheimischen als für Touristen. Vielleicht ändert sich das während der Saison? Matala, die mythische Wiege Europa, hier soll Zeus die entführte phönizianische Prinzessin Europa an Land gebracht haben, ein Refugium der Hippie–Generation in den 60er Jahren und eine der wenigen breiten Buchten zur Südküste, wollte ich eigentlich wiedersehen nach 20 Jahren, aber nachdem Herr Leutsch meinte, ich sollte Matala so in Erinnerung behalten wie es vor 20 Jahren war, ohne die heutigen Hotel–Beton-Burgen, fragten wir eine junge Kreterin auf dem Markt in Mires, wo es ruhiger wäre an der Küste und fuhren dann ein einsames Sträßchen nach Kalamaki, nördlich von Matala. Der Strand war sauber, wenig Touristen und die Tavernen noch original, die Luft von der Brandung her kühl. In der Hauptsaison sieht es hier sicherlich auch anders aus. Es war ein Erlebnis an der Südostküste zu tafeln. Unser Blick ging die Küste hoch, die frischen Calamaris waren hier besonders gut und es ging uns einfach herrlich. Hier muss vielleicht noch gesagt werden, dass unsere Kinder den Strand an unserer Unterkunft gar nicht so vermissten, sondern total begeistert von unseren Fahrten waren, sie hätten auch einiges verpasst. Vielleicht ist es ein Anfang, und sie werden ihre künftigen Urlaube nicht auf Ibiza oder bei Ballermann & Co. verbringen. Agia Galini lag etwas die Küste nordwestlich. Ich wollte eigentlich nur mal nachschauen und meiner Schwester zeigen, wo ich ihr Geschirr zur Hochzeit damals gekauft hatte. Agia Galini lag zwar wunderschön an einem Hafen, die Stadt schmiegte sich an den Felsen hoch, aber wieder viel neuer Beton, also fuhren wir lieber weiter - eine schmale Bergstrasse hoch. Auf einer Strecke von 15 km trafen wir in einer Stunde 2 andere "Touri–Cars" und sonst niemanden; und immer wieder dieser sagenhafte Blick auf die steile Küste 800 m unter uns. Auf dem Weg zur Hauptstraße überholten wir einen Kreter, der auf seinem Maulesel nach Hause ritt, seine Frau lief mit einigen Ziegen hinter ihm. Am nächsten Tag sahen wir dann die Frau reiten und den Mann laufen. Es war ein Bild, wie es auch vor 50 oder 100 Jahren hätte sein können. Am Abend kochten wir uns die Kartoffeln vom Markt in Mires mit frischem Tzatziki, Oliven und von der Sonne gereiften Tomaten, das passte zur Osternacht. Am nächsten Tag ging es noch einmal Richtung Südküste, aber westlich unserer Tour vom Vortag. In Plakias, am Ende der steilen Kotsifos–Schlucht, stiegen wir wieder nur kurz aus, um das Meer zu genießen und fuhren dann wieder durch die Schlucht auf kleinen, teilweise nicht befestigte Sträßchen über die Berge in Richtung des Koúrnas Sees. Vorbei an kleinen Klöstern, die restauriert werden, verlassenen Gärten, in denen alle Mittelmeerdüfte vereint sind, hinter niedrigen, halb verfallenen Steinmäuerchen. Die Vegetation und Struktur der Landschaft ändert sich mit der Meereshöhe, und überall blüht es. Wir waren zur richtigen Zeit hier! Am Koúrnas See, dem einzigen Süßwassersee der Insel wieder diese Parkplätze voller "Touri-Cars", Tavernen mit griechischem Einheitsessen, wir fuhren lieber weiter und 500 m nach der Abfahrt zum Koúrnas See fanden wir eine Familientaverne, es sitzen fast nur Griechen oder Kreter, es gibt keine Karte, sondern das, was Mama kocht,  – hervorragend. Und eine Toilette, in die ich grad so reinkomme. Am Abend konnten wir von unserer Terrasse aus mit einem guten Glas Wein direkt vor uns den Sonnenuntergang bewundern. Chánia, unser Ziel am nächsten Tag. Die zweitgrößte Stadt Kretas war nach dem Abzug der Türken 1923 bis 1972 Hauptstadt und hat noch mehr Charme als Rethymnon. In der Altstadt sind die Fassaden der Häuser aus türkischer Besetzung mit Holzbalkonen und –erkern perfekt restauriert, die Gassen sind steil und teilweise zu schmal für Autos. Am Hafen einen frischen Orangensaft geniessen, wir konnten uns im Moment mal wieder nichts Besseres vorstellen. Auf Toilette darf man in jeder Taverne gehen, wenn man vorher fragt, sie waren auch sauber. Wenn sie groß genug sein soll, muss man vielleicht öfter fragen. Ansonsten kam ich mit dem neuen "Uri-bag" für Frauen (bei Rolli-Moden zu erhalten) ganz gut klar, erfordert etwas Übung und eine eigene Technik, die man sich vielleicht besser vor der Reise aneignen sollte. Die Kinder gingen derweil shoppen, Lederartikel sollen besonders in Chánia in guter Qualität und günstig zu kaufen sein. Tatsächlich bringt Frank schöne Schaftstiefel und Gürtel mit. Auf dem Rückweg fuhren wir dann bei "Papa", dem orthodoxen Priester mit der netten Schwiegertochter vorbei und bekamen ein lukullisches Mahl mit Rotbarben, Kar-toffelschnitzen, beides in eigenem Olivenöl fritiert, herrlichem Salat, gefüllten Wein-blättern, Tzatziki, Artischocken und Wein, alles außer dem Fisch aus dem eigenen Garten. Zum Abschluss ein griechischer Kaffee und viel Information über die Kreter, die Familiengemeinschaft, ihr Leben und ihren Alltag. Es fiel uns schwer, uns von "Papa", Eleni und dem Rest der Familie zu verabschieden. Meine ReisegefährtInnen hatten jetzt noch die besondere kretische Gastfreundlichkeit kennengelernt. Es war ein Fest! Unser letzter Tag vor dem Rückflug: Das Kloster Moni Arkadiou war unser Ziel. Nach einer Fahrt durch die Berge kamen wir so gegen 11 Uhr an dem Nationalheiligtum 500 m über dem Meer an, 2 Busse entleerten sich gerade Richtung Eingang, und ich blieb mal wieder sitzen und schaute einem sehr hübschen jungen Kreter beim Entladen seines Pick-ups zu. Beim einem nächsten Mal sollte man schon morgens um 9 Uhr oben sein, wir aber haben leider so lange wie die Pauschal–Touristen gefrühstückt. Meine Schwester machte noch ein paar Fotos für mich zu Hause und weiter gings durch eine wieder ganz andere Landschaft: karg, einsam und wild, aber blühend. Immer mit Blick auf die Nordküste, manchmal standen auch die wilden Bergziegen, Kri–Kris, am Straßenrand und verschwanden schnell in den Büschen. Vorbei an einer minoischen Ausgrabungsstätte Eleftherna ging es durch das Töpferdorf Margarites. Die kleinen Töpfereien reihten sich eine lange Straße den Berg hinunter und stellten am Straßenrand ihre Waren aus bzw. auch her. Die hohen Amphoren haben vielleicht vor 3000 Jahren schon so ausgesehen und ich würde mir einen großen Geldbeutel und ein Transportfahrzeug wünschen, um einkaufen gehen zu können. Das alte Fischerdorf Panormos an der Küste hat enge Straßen und eine gute Atmosphäre. Wir aber waren dann müde, voll der vielen traumhaften Eindrücke der letzten Tage, den Nachmittag verbrachten wir am Strand unserer Unterkunft und ließen den Tag im Lemon Garden ruhig ausklingen. Das Abfliegen von Chánia klappte ohne Probleme, nochmals angemeldet wurde ich überall abgeholt und in aller Ruhe ins Flugzeug gesetzt.

Der Rückflug an der jugoslawischen Küste entlang und ohne einem Wölkchen am Himmel über die verschneiten Alpen war wieder traumhaft und wehmütig ließen wir uns in Stuttgart empfangen. Es gibt im nachhinein nichts was ich anders machen würde, außer mich vielleicht noch besser einzulesen.
(Text und Bilder: Lore Hummel 2000)

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Polen

Eine Reise zu Münsters Partnerstadt Lublin

Der Förderverein für die Städtepartnerschaft Münster-Lublin hat zu einer Bürgerreise nach Lublin in der ersten August-Woche 2000 eingeladen. Man will uns die Vielfalt der Geschichte und Kultur dieser Stadt im Osten Polens zeigen, die seit bald 10 Jahren Partnerstadt Münsters ist. An der Teilnehmerliste haben wir gesehen, dass uns außer der Vorsitzenden, Frau Heuer, niemand bekannt ist. Aber als Rollstuhlfahrerin vertraue ich meinen guten Erfahrungen, die ich bei anderen Busreisen dieser Art gemacht habe. Und sie bestätigen sich wieder. Die anderen Teilnehmer nähern sich behutsam, beobachten, wo ich eine Hilfestellung brauche, und bieten sie dann freundlich an. Beim Ein- und Aussteigen in den Bus erkundige ich die Griff- und Stützmöglichkeiten immer besser. Es geht ganz gut, wenn nicht gerade die Kaffeemaschine aufgeheizt ist! Der nette Busfahrer hat auch schnell erkannt, wann ich meinen "Rolli" brauche. Reisegruppe Die Fahrt Richtung Berlin läuft ohne Stau flott, denn die neuen Autobahnen sind alle fertig und nicht übermäßig voll. Ich bin gespannt auf den Grenzübergang in Frankfurt/Oder; denn als ich vor vier Jahren eine ähnliche Reise machte, standen dort kilometerlange Schlangen von Schrottautos und Lkws, und auch unsere Überfahrt brauchte viel Zeit. Diesmal stehen wieder viele Lkws auf der rechten Spur; aber alles neue Modelle. Unser Fahrer ist mit der Grenzsituation vertraut und regelt die Formalitäten zügig.

Bei der Weiterfahrt nach Posen (Poznan) fällt die gute Straße auf, die vielen neuen Lkws, üppige bis kitschige Neubauten von Villen bis hin zu kleinen Schlösschen, viele große Tankstellen. Geblieben sind die Heerscharen von Gartenzwergen in freier Landschaft, die Pilz- und Obstverkäufer, die leicht bekleideten Damen. Als wir am Spätnachmittag unser Hotel "Poznan" in Posen erreichen, bin ich erschöpft und doch neugierig auf das Neue. In so einem großen Hotel sind die Zimmer doch recht individuell eingerichtet, hell und groß genug auch für den "Rolli". Die weiten Wege zu den Speiseräumen sind gut ausgeschildert, überall sind freundliche Menschen, die auch gern weiterhelfen. Nach dem Abendessen wollen wir noch in die Altstadt und auf die Dominsel. Wir schließen uns einer kleinen Gruppe an, die von einer Posenerin geführt werden soll. Aber der neue Wohlstand hat auch hier zu so unendlich vielen Straßenbauarbeiten gleichzeitig geführt, dass wir immer wieder umdisponieren müssen und uns schließlich von der Gruppe trennen. Es ist ein wunderbar lauer Augustabend, der erste nach langer Regenzeit, und die Altstadt ist voller fröhlicher Menschen. Überwiegend sind es junge Polen, die auf dem alten Marktplatz in den Biergärten sitzen und das gute polnische Bier trinken. Die alten, schmalen Bürgerhäuser, die nach dem Krieg wieder aufgebaut wurden, sind romantisch beleuchtet und machen eine gute Atmosphäre. Vor dem Aufbruch der Runde wird diskutiert, welcher Weg zum Hotel an der großen Baustelle vorbeiführen könnte, aber trotz vieler Erkundigungen landen wir doch in Sand und Schotter Ich bin wieder mal froh, dass wir meinen "Rolli" mit Vollgummireifen und breiten Lenkrädern vorne ausgestattet haben.

Am nächsten Tag, bei unserer Weiterfahrt nach Lublin, machen wir Station in Warschau. Da wir wie wohl alle Touristen in die Altstadt wollen, dort aber kein Raum für die großen Busse ist, werden wir an einer Stelle ausgeladen und hoffen, dort zur verabredeten Zeit auch wieder abgeholt zu werden - was allerdings nicht ohne Schwierigkeiten geht. Am Schloss steht uns ein Führer zur Verfügung, und es ist für mich bedrückend zu hören, was hier alles im Krieg und durch die Deutschen zerstört wurde. Aber der Aufbauwille der Polen und ihr Geschick in der Restauration alter Gebäude sind beeindruckend.

Inzwischen habe ich in unserer Gruppe Frau Gisela Holtz, eine Mitarbeiterin des "Zugvogel" kennengelernt, die als Vorstandsmitglied des Fördervereins Münster-Lublin an dieser Reise teilnimmt. Sie löst meinen Mann, der gern viel fotografiert, oft beim Schieben auf den sehr grob und unregelmäßig gepflasterten Gassen ab. Das ist sehr mühsam. Wir müssen auch Umwege suchen, wenn die Gruppe einen Weg mit zu vielen Stufen einschlägt. Der Zauber alter Stadtviertel fordert schon seinen Preis.

Das Hotel Unia in Lublin soll nun für ein paar Tage unser Zuhause sein. Es ist für meine Bedürfnisse gut ausgestattet, wenn auch der "Rolli" vor der Zimmertür bleibt; es ist einfach zu eng zum Hineinfahren. Wenn es um eine kleine Reparatur oder seine Reinigung nach einer regnerischen Geländefahrt durch das Freilichtmuseum geht, ist das Personal sehr behilflich. Freilichtmuseum Münsters Partnerstadt Lublin ist die größte polnische Stadt östlich der Weichsel und ein wichtiges wirtschaftliches, kulturelles und wissenschaftliches Zentrum. Seine Lage nahe der Grenze zur Ukraine und zu Weißrussland geben ihr eine Brückenfunktion zwischen Ost und West, zwischen unterschiedlichen Kulturen und Religionen. Ihr hoher Prozentsatz an jüdischer Bevölkerung bis zu 2.Weltkrieg lässt sich noch an manchen Friedhöfen und Gedenkstätten ablesen. Grauenvoll sind die Belege zu ihrer Vernichtung im nahen KZ Majdanek zu sehen. Der Besuch dort belastet die ganze Gruppe sehr. Zum Glück haben wir all die Tage unsere sehr gute Führerin Danuta, die uns immer wieder mit ihrem profunden Wissen erstaunt. Dass sie die manchmal ermüdende Vielfalt geschichtlicher Daten so fröhlich und spritzig herüber bringen kann, macht sie zu einem wahren Schatz. Dass ein Besuch der Partnerstadt auch politische und öffentliche Inhalte hat, ist verständlich. Die persönlichen Bezüge kommen aber auch bei diesem Treffen nicht zu kurz und wir erleben die Polen als freundliche und offene Menschen. Die Musikanten, die uns bei einem Treffen mit Lubliner Bürgern erfreuen, haben wir schnell ins Herz geschlossen.

Bei einer Tagesfahrt durch die Lubliner Region können wir sehen, wie noch oft Armut und Reichtum beieinander wohnen. Die niedrigen, einfachen Hütten der Landbevölkerung wechseln wieder mit prächtigen Neubauten, schlicht gekleidete meist ältere Menschen mit sehr modebewussten jungen Damen. Das Städtchen Kazimierz Dolny an der Weichsel ist ein wahrer Künstlerort und zeigt sich an diesem warmen Sommertag voller Leben. Die geschichtlichen Zeugnisse an vielen Stellen stellt uns Danuta immer wieder lebhaft vor Augen. So vermissen wir sie sehr, als wir ohne sie die Rückreise über Breslau nach Hause antreten.

Je weiter wir nach Westen kommen, umso deutlicher sind Spuren deutscher Vergangenheit an Gebäuden, Dorfstrukturen und Namen zu erkennen. In Breslau erleben wir wieder den Aufbauwillen der Polen, die aus dieser im Krieg so stark zerstörten Stadt wieder ein Schmuckstück machen wollen. Der Abend auf dem historischen Marktplatz mit den Zeugnissen deutscher und polnischer Kultur ist ein gelungener Abschluss dieser Reise.
(Text und Bilder: Heide Kranz 2000)

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Spanien

Die Kanareninsel Lanzarote

Lanzarote Meinen ersten Aufenthalt auf Lanzarote verbrachte ich in Playa Blanca, dem südlichsten Ort der Insel. Das ehemalige Fischerdorf ist touristisch erschlossen und bietet BadeurlauberInnen ausgezeichnete Bedingungen. Das bekannteste und größte Hotel in Playa Blanca ist das "Lanzarote Princess". Es ist für RollstuhlfahrerInnen sehr gut geeignet und auch der hoteleigene Strand ist mit dem Rolli zu nutzen. Wer es lebhaft mag, dem sei dieser riesige Komplex empfohlen. Ich habe mich in der etwas ruhigeren Ferienanlage "Casa del Sol", oberhalb des Fährhafens (dort verkehren täglich die Fähren nach Fuerteventura/Teneriffa) in einem behindertengerechten Ferienhaus eingemietet. In der Anlage befindet sich sogar ein Swimmingpool mit Rollstuhlrampe. Auch Einkaufsmöglichkeiten sind ausreichend vorhanden; selbst eine deutsche Arztpraxis gibt es. Für die kulinarischen Freuden empfiehlt sich das "Brisa Marina" mit ausgezeichneter Speisekarte, im "El Almacen de la Sal" bekommt man den berühmten Fisch im Salzmantel und dazu die kleinen "Papas Arrugadas" (kanarische Kartoffeln mit Salzkruste). Nicht fehlen dürfen "Mojo Verde", "Rojo" oder "Blanco", delikate Soßen, die von Restaurant zu Restaurant verschieden zubereitet werden.

Wasser In und um Playa Blanca ist die Fortbewegung mit dem Rollstuhl sehr gut, die Straßen und Uferpromenaden sind zum größten Teil geteert. Für weitere Ausflüge über die Insel empfiehlt sich ein Mietwagen. Die wunderschönen Papagayostrände sind leider nur aus Playa Blanca kommend über eine nervige Schotterpiste zu erreichen. Dies ist nur in Begleitung möglich, da man am Strand Hilfe braucht. In Richtung Yaiza biegt man am zweiten Kreisverkehr ab nach El Golfo. Entlang der Steilküste führt die Straße vorbei an den Salinas del Janubio und gibt den Blick frei auf riesige Salzfelder. In mühevoller Arbeit wird dort heute noch dem Meer das Salz abgetrotzt. Weiter geht es nach Los Hervideros, dem Hexenkessel. Es lohnt ein Stopp, um die bizarre Steilküste aus erkalteter Lava zu bestaunen. Der tosende Atlantik prallt mit Wucht gegen die Felsen und erschüttert die Erde. Meterhohe Wellen und schäumende See zeigen einen beeindruckenden Tanz der Gewalten. Ganz Mutige wagen sich mit dem Rollstuhl bis an den Abgrund, um das Geschehen aus nächster Nähe zu betrachten.

Zwischen Los Hervideros und El Golfo liegt der Kratersee Lago Verde. Nur durch eine schmale Sandbank vom tintenblauen Atlantik getrennt, sorgt das smaragdgrüne Wasser der Lagune für einen effektvollen Farbkontrast. elgolfo Das Dorf El Golfo ist einen Steinwurf entfernt und eigentlich das Feriendorf der Lanzaroteños, die ihre Häuser vornehmlich an den Wochenenden bewohnen. Man sagt, den schönsten Sonnenuntergang auf der Insel erlebt man in El Golfo. Es stimmt, ich konnte mich oft davon überzeugen.

Das Fischrestaurant "Mar Azul" ist immer einen Abstecher wert, es gibt dort bei Yavier fangfrischen Fisch auf der Terrasse, die sich mitten im Dorf befindet. Zurück geht es ins Landesinnere nach Yaiza. Prämiert als Spaniens sauberstes Dorf empfängt es seine BesucherInnen ein wenig zurückhaltend. Sehenswert ist das von Cesar Manrique im typisch kanarischen Stil gestaltete Restaurant "La Era", welches sich eine paar Schritte hinter der Kirche befindet. Die Speisekarte ist reichhaltig und eine Wein-Bodega befindet sich im Garten. Am Ortseingang gibt es eine Galerie mit Arbeiten diverser Künstler.

Für BesucherInnen, die während der Weihnachtszeit auf der Insel verweilen, lohnt es sich, die alljährlich in Yaiza liebevoll aufgebaute Weihnachtslandschaft zu bewundern, eine Miniaturnachbildung Lanzarotes. Am Ortsausgang führt mich ein Schild in die Feuerberge, die Montanas del Fuego. Der Nationalpark Timanfaya darf nicht betreten werden und ist nur mit Bussen durchfahrbar. Helfer stehen dort bereit, um RollifahrerInnen in die Busse zu tragen. Die Busse gleiten an den Krateröffnungen vorbei und je nach Sonnenlicht wechseln sich Farben und Schatten der vorbeiziehenden Wolken in einem unnachahmlichen Schauspiel ab. In der ausgemergelten Mondlandschaft reiht sich ein Krater an den anderen. Dazwischen liegt unwirtliches Land. Auf dem Hügel des Islote de Hilario befindet sich neben dem Parkplatz das von Cesar Manrique errichtete Restaurant "Del Diablo". Aufgrund der hohen Bodentemperaturen wurden als Baumaterial lediglich feuerfeste Baustoffe wie Stein, Metall und Glas verwendet.

Von den Montanas del Fuego geht es weiter nach Puerto del Carmen, mit der Costa Teguise das touristische Zentrum der Insel. 7 Kilometer lang reihen sich Restaurants, Souvenirläden, Pizzabuden und Spielcasinos aneinander. Oberhalb dieser riesigen Kirmes geht es gemächlicher und ruhiger zu. Von der einstigen Atmosphäre des Fischerdorfes kann man am ehesten im alten Dorf um den Hafen eine Brise schnuppern. Die Fischrestaurants am Hafen sind durchweg gut. Abgesehen von den Riesenhotels "San Antonio" und "Los Fariones" eignet sich übrigens auch das "Centro de Terapia Antroposofica" sehr gut für RollstuhlfahrerInnen. Von Puerto del Carmen ist es über die Schnellstraße nicht sehr weit nach Arrecife, der Hauptstadt der Insel. Hier gibt es so manches zu entdecken. Die Calle Leon y Castillo lädt zum Bummeln ein, die meisten Geschäfte sind rollstuhlzugänglich. Zwei Häuserblocks hinter der Einkaufsmeile erreicht man den Charco San Gines, eine von einer schönen Uferpromendade und malerischen Brückchen umgebenen Lagune. Die kleine Tapasbar "Lemon" lädt ein zum Verweilen. In Sichtweite der Lagune liegt der Fischerhafen Puerto de Naos. An der Mole gibt es einige urtümliche Fischerkneipen und Bars, in die sich kaum Fremde verirren.

kakteen In nördlicher Richtung geht es weiter zur Fundación Cesar Manrique. Der berühmteste Bewohner dieser Insel hat sich damit selbst ein Denkmal gesetzt. Der Besuch des Museums lohnt sich allemal, allerdings ist das Untergeschoss nicht für RollifahrerInnen zugänglich. Zur Linken befindet sich die Perrera Insular. Dort ist der Tierschutz "Sara Lanzarote" ansässig. Viele herrenlose Hunde und Katzen finden dort vorübergehend ein Zuhause und entgehen so den offiziellen Tötungsstationen. Alle BesucherInnen sind dort herzlich willkommen; sei es um eine Geld- oder Futterspende abzugeben, sei es um die Tiere zu vermitteln oder sich einfach nur über "Sara" zu informieren. In puncto Tierschutz sind die kanarischen Inseln ein Entwicklungsland.

Zwischen Arrieta und Orzola befinden sich die Cuevas de Los Verdes und Jameos del Agua, unterirdische Höhlen, die ebenfalls von Cesar Manrique gestaltet wurden. Diese Touristenorte sind nur bedingt rollstuhlgeeignet. Ein Besuch lohnt sich in der "Casa Miguel" in Arrieta. Es gibt dort ausgezeichneten Fisch. Miguel, der Wirt, hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen.

Der nördlichste Punkt der Insel ist der Mirador del Rio. Dort befindet sich eine von Manrique in den Fels gebaute Aussichtsplattform. Von hier aus genießt man die Aussicht auf die vorgelagerte Insel La Graciosa. Zu besuchen ist diese Insel täglich von Orzola aus mit dem Schiff. Allerdings ist meist mit starkem Seegang zu rechnen und auf der Insel selbst gibt es nur Sandstraßen. Hier werden Jeepsafaris angeboten.

Nächste Station auf der nördlichen Route ist Haria, im Tal der tausend Palmen. Besonders beschaulich wirkt die winzige Plaza de la Costitucion mit üppig wuchernder Bougainvillea. Dort kann man unter schattigen Bäumen Platz nehmen und bei "Papa Loca" leckere Tapas essen. Für ein opulenteres Mahl empfiehlt sich die "Casa Cura" in der Calle Nueva. Es ist ein historisches Haus mit traditioneller kanarischer Küche. Im Ort gibt es ein Kunsthandwerkszentrum. Allerlei Handarbeiten können hier bestaunt und gekauft werden.

Die Straße nach Teguise, der alten Hauptstadt Lanzarotes, windet sich in engen Serpentinen hinauf bis zu einem Hochplateau mit tollem Ausblick auf das Tal. Jeden Sonntag ist Markt in Teguise, dann droht die Stadt an dem touristischen Rummel zu ersticken. In den schmalen Gassen ist dann kaum ein Durchkommen für Rollis. Dagegen ist an den Werktagen kein großer Trubel und man kann viele Sehenswürdigkeiten in Ruhe besichtigen.

Verlässt man Teguise dann in östlicher Richtung, gelangt man nach La Caleta de Famara. Entlang der langgezogenen Straße tut sich der schönste Strand der Insel vor einem auf, die Playa Famara, wild und ursprünglich. Tosende, weit ausrollende Brecher donnern an den Strand, ein gigantisches Spiel von Wind und Wellen. Wegen der gefährlichen Strömung ist das Baden dort verboten. Nah bei La Caleta kann man sich in den Sand legen. Oberhalb des langgezogenen Strandes liegt eine ehemals von Norwegern erbaute Siedlung mit z.T. rollstuhlgeeigneten Bungalows. vulkan Auf den ersten Blick macht La Caleta einen desolaten verwaisten Eindruck. Ein fast vergessenens Dorf am Rande der touristischen Glitzerwelt, ohne Promenade und Amüsierbetrieb. La Caleta ist ein Platz für weltflüchtige Individualisten. Hier finden sich garantiert einsame Flecken, wo man Hunderte von Metern feinsten Sandstrand noch für sich ganz alleine hat.

Während meiner Lanzaroteaufenthalte habe ich unterschiedlichste Landschaften und Begegnungen erfahren, besonders als Rollstuhlfahrerin eine wunderbare Herausforderung. Obwohl die Insel nicht sehr groß ist (80 km lang, 25 km breit), zeigt sie bei jedem Besuch ein anderes Gesicht. Nirgendwo anders habe ich solche Gegensätze erlebt.
(Text und Bilder:Lore Hummel 1999)

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USA

New York  – eine Traumstadt.

Zumindest für mich. Ich habe mich schon lange für diese Stadt interessiert, im Januar nahmen diese Pläne konkrete Formen an. Mein Bruder und ich haben uns im Reisebüro nach Flügen und rollstuhlgerechten Hotelzimmern erkundigt. Dies gestaltete sich jedoch als schwierig und zeitaufwendig. Nicht was den Flug betraf. Wir hatten Glück, einen sehr günstigen Lufthansa-Flug zu finden. Lufthansa bietet z. B. auch die Möglichkeit durch einen kleinen flugzeugtauglichen Rollstuhl die behindertengerechte Toilette benutzen zu dürfen. Das ist bei einem so langen Flug über den Atlantik ja nicht ganz uninteressant. Auch an das Hotel haben wir einige Ansprüche. Es sollte natürlich rollstuhlgerechte Zimmer haben, ziemlich zentral im Herzen von Manhattan liegen und auch noch bezahlbar sein. Ausgeguckt hatten wir uns das Hotel Pennsylvania direkt neben dem Madison Square Garden .Die Reservierung des Zimmers zog sich jedoch noch ziemlich in die Länge, weil wir keine verbindliche Bestätigung des Hotels bekamen, dass unser Zimmer auch wirklich rollstuhlgerecht ist. Nach ca. 6 Wochen war uns das jedoch egal. Wir buchten das Zimmer, wobei das Reisebüro dem Hotel ausdrücklich mitteilte, dass es rollstuhlgerecht sein muss.

Am 10.Juni ging es dann endlich los. Wir flogen von Münster nach Frankfurt, hatten dort 2 Stunden Aufenthalt und flogen dann Richtung New York weiter. Die Flüge verliefen reibungslos, der Service der Lufthansa-Crew war super und auch das Ein- und Aussteigen aus dem Flieger klappte ohne Probleme. Wir nahmen uns ein Taxi zum Hotel. Die Taxis sind groß genug, um einen faltbaren Rollstuhl im Kofferraum verstauen zu können. Den Fahrpreis von 38 $ haben wir vorher ausgehandelt. Schon die Fahrt zum Hotel war das erste Highlight, vor allem, als vor uns die Skyline auftauchte.

Das Hotel lag wirklich im Herzen von New York und war ein riesiger Komplex. Schon die Eingangshalle war beeindruckend. Eine Rampe führte zum Rezeptionsbereich. Diese war zwar etwas steil und entsprach nicht ganz der DIN-Norm, mit Begleitperson war sie jedoch kein Problem. Unser Hotelzimmer lag im 4.Stock. Insgesamt waren 14 Aufzüge vorhanden, so dass man eigentlich nie lange warten musste. Mit meinem Rollstuhl kam ich im Zimmer ganz gut zurecht. Der Gang zwischen den Betten war breit genug und neben der Toilette war noch Platz für den Rollstuhl zum Übersetzen. Die Grundvoraussetzungen für einen schönen Urlaub waren also gegeben.

Nach einem ersten Spaziergang rund um den Times Square entschlossen wir uns, gleich am ersten Abend aufs Empire State Building zu fahren, um uns das Lichtermeer von New York von oben anzusehen. Hier sollte uns gleich ein Phänomen begegnen, das den ganzen Urlaub so angenehm machte: sehr freundliches hilfsbereites Personal, das auf uns zukam und uns ohne Wartezeit zum Aufzug und nach oben brachte. Der Ausblick dort war wirklich überwältigend! Die Mauer war in allen Himmelsrichtungen an einer Stelle ausgebuchtet, so dass auch Rollstuhlfahrer und kleine Kinder die Aussicht genießen können. In den nächsten Tagen standen zahlreiche Touren durch Manhattan auf dem Programm. Die Wege dorthin haben wir mit Bus oder Metro zurückgelegt. Es ist wichtig, sich vorher im Hotel Karten über die Metrostationen und Busfahrpläne zu besorgen, um in der Stadt flexibel das jeweils passende Verkehrsmittel wählen zu können. Nicht alle Metrostationen sind mit rollstuhlgerechten Aufzügen ausgestattet, die wichtigen an zentralen Punkten jedoch schon. Wir sind z.B. zum Central Park im Norden von Manhattan (Haltestelle Lexington Avenue) oder zur Wall Street im Süden (Haltestelle Brooklyn Bridge) mit der Metro gefahren. Praktisch war in dieser Hinsicht, dass in unmittelbarer Nähe zum Hotel ebenfalls eine rollstuhlgerechte Metrostation war (Pennsylvania Station). Für die meisten Strecken haben wir allerdings den Bus genommen. Alle Busse sind mit einer Hydraulikrampe ausgestattet, so dass das Ein- und Aussteigen auch mit Rollstuhl kein Problem ist. Im Bus selbst werden die Rollstühle sogar festgeschnallt, so dass man sich wirklich sicher fühlt. Die Fahren mit dem Bus dauerten zwar wesentlich länger als mit der Metro, waren aber auch interessanter. Das Leben, die Hektik und Atmosphäre von New York bekam man live mit, ich habe so einen viel intensiveren Eindruck von der Stadt erhalten. Mit einer Metro Card für 17 $ pro Person kann man 1 Woche Bus und Metro fahren. Besondere Vergünstigungen für Schwerbehinderte gibt es jedoch nicht. Ansonsten kostete eine Einzelfahrt 1.50 $, so dass sich meiner Meinung nach die Karte rentiert.

Die Möglichkeiten, in Manhattan etwas zu unternehmen, sind riesengroß. Einen Spaziergang im Central Park haben wir gleich am zweiten Tag gemacht. Ein riesiges Areal mitten in der Stadt. Manche der Wege führen allerdings über steile Hügel, so dass es mein Bruder beim Rollstuhlschieben und zusätzlichen 35 Grad im Schatten nicht so leicht hatte. In der Woche waren wir insgesamt in 3 Museen: dem Museum of American History, dem Guggenheim-Museum (wegen seiner schneckenartigen Architektur besonders interessant) und dem Museum of Modern Art. Alle drei haben mir sehr gefallen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. In den beiden erstgenannten haben wir Führungen mitgemacht, die interessante Hintergrundberichte vermittelt haben. Natürlich waren alle Museen problemlos mit dem Rollstuhl befahrbar und verfügten auch über eine behindertengerechte Toilette. Dies ist in den USA insgesamt vorbildlich! Auch ein ausgedehnter Einkaufsbummel darf in New York nicht fehlen. Leider steht der Dollar zur Zeit so ungünstig, dass der Spaß daran etwas verleidet wird. Doch die Vielfalt der Geschäfte und die Größe von "Macys", einem der größten Kaufhäuser der Welt, ist schon beeindruckend! Für die Wall Street muss man sich meiner Meinung nach mindestens zwei Tage Zeit nehmen. Ein Bummel über Mittag gehört auf jeden Fall dazu, wenn die Straßen von wichtigen Menschen mit Anzug und Krawatte überfüllt sind, die ihre Pause Zeitung lesend oder Hot-Dog essend verbringen. Enge Gassen und hohe Häuserschluchten prägen das Bild der Wall Street. Auch in der Stock Exchange, der New Yorker Börse, waren wir, wo wir mit zahlreichen anderen Touristen durch enge Gänge geschleust wurden. Vorher wurden wir genauer untersucht als am Flughafen, sogar Taschen und Rucksäcke wurden durchleuchtet. Dafür standen wir dann auch auf einem Balkon, wo man einen tollen Überblick auf das Geschehen auf dem "Parkett" hatte. Besonders empfehlenswert ist eine Fahrt mit der Staten Island Ferry nach Staten Island. Die Fahrt mit der Fähre dorthin dauert eine halbe Stunde und der Blick sowohl auf die Skyline mit den riesigen Türmen des World Trade Centers als auch auf die Freiheitsstatue ist überwältigend. Schönes Wetter und eine gute Sicht braucht man, um den Blick vom über 400 m hohen World Trade Center genießen zu können. Die lange Warteschlange, die sich vor dem Eingang gebildet hatte, konnten wir getrost ignorieren, da RollstuhlfahrerInnen immer vorgelassen werden. Die 107 Stockwerke legt der Aufzug in rasender Geschwindigkeit zurück, schon ca. 20 Stockwerke vorher fängt er an abzubremsen. Insgesamt dauert die Fahrt ca. 1 Minute! Oben bietet sich ein großer, ausgedehnter Bereich mit Souvenirläden, Fast-Food-Restaurant, Pizzeria und sogar einem kleinen Kino! Ein Rundgang macht den Ausblick in alle Himmelsrichtungen möglich, wobei die Fenster bis zum Boden reichen. Wir hatten Glück, dass wir eine tolle Fernsicht hatten. Am gleichen Tag sind wir auch zur Freiheitsstatue gefahren. Da die Schiffe relativ klein aussahen, hatte ich im vorhinein ein paar Bedenken, ob die Fahrt auch mit Rollstuhl problemlos möglich sei. Doch meine Befürchtungen waren völlig umsonst. Auch hier gelangten RollstuhlfahrerInnen als erste aufs Schiff. Hierbei waren die Gänge ausreichend breit und auch das Personal sehr freundlich. Die Insel, die wir nach einer kurzen Fahrt von ca. 15 Min. erreichten, ist kleiner, als ich sie mir vorgestellt habe. Doch die berühmte Freiheitsstatue einmal aus nächster Nähe betrachten zu können, war schon klasse. Zu einem New York-Aufenthalt gehört natürlich auch der Besuch eines Broadway-Musicals. Wir haben uns für "Die Schöne und das Biest" entschieden. Für die ermäßigten Karten bezahlen RollstuhlfahrerInnen und die Begleitperson 25 $. Da wir einen tollen Platz hatten (Reihe 8), fanden wir den Preis absolut fair. Von dem romantischen Musical waren wir ganz begeistert - ein rundum gelungener Abend. Insgesamt wird mir der Urlaub in New York unvergesslich bleiben!
(Text und Bilder: Anja Stehling 2000)

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