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"Bares für Beratung"
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Let's talk about...
Präventionskonzept für
Jugendeinrichtungen
Bereits seit vielen Jahren bietet
Zartbitter Münster e.V. Präventions- und Informationsveranstaltungen für
weiterführende Schulen, LehrerInnen und ErzieherInnen an. Besonders in diesem
Bereich der Prophylaxe ist in der Beratungspraxis vieler KollegInnen und auch im
Rahmen unserer Arbeit immer deutlicher geworden, dass - neben der nach wie vor
wichtigen parteilichen Mädchenarbeit - parteiliche
Jungenarbeit angeboten werden muss.
Die Notwendigkeit der präventiven Arbeit
mit männlichen Jugendlichen ist uns, wie auch anderen Einrichtungen, schon seit
langem deutlich, hat jedoch insbesondere in der letzten Zeit durch die verstärkte
Diskussion von gesellschaftlicher Gewalt an Brisanz gewonnen. Diese
Auseinandersetzungen und Diskussionen über Ursachen von Gewalt und
sexualisierter Gewalt waren und sind unumgänglich:
 | Welche Strukturen begünstigen Gewalt
in unserer Gesellschaft insbesondere in bezug auf Gewalt und Machtausübung
zwischen den Geschlechtern? |
 | Welche adäquaten Modelle können präventiv greifen? |
Die Ergebnisse der
Forschungen, die aus diesen Fragestellungen erwachsen sind, decken sich mit den
Beobachtungen und Kenntnissen der PraktikerInnen: Die
geschlechtsspezifische Sozialisation von Mädchen und Jungen auf der Grundlage
der tradierten Rollenbilder der Eltern aber auch der Medien unterstützt
Einstellungen und Verhaltensweisen, die die Ausübung von sexualisierter Gewalt
begünstigen oder fördern können. Die bisherigen Präventionsansätze der
parteilichen Unterstützung und Stärkung einer Geschlechtergruppe - der Mädchen
- löst das Gegeneinander der Geschlechter, die Abgrenzung durch Herabsetzung
der/s Anderen nicht auf.
Die langjährige Erfahrung der
Beratungsstelle in der Jugendarbeit hat gezeigt, dass die Kontaktaufnahme und
Arbeit mit männlichen Jugendlichen noch sehr viel schwieriger ist, als mit
jungen Frauen.
Die im folgenden aufgeführten Aussagen machen einen großen Teil der auch in
unserer Arbeit erkennbaren Problematik deutlich, um die es in der Jungenarbeit
und Prävention geht:
 | keine Ahnung zu haben, was Männlichkeit
bedeutet, |
 | eine große Sprachlosigkeit, wenn es
darum geht, innere Prozesse auszudrücken, die nicht den gängigen
Rollenanforderungen an Männlichkeit entsprechen, |
 | damit verbundene Angst, von diesen
Normen abzuweichen, bzw. ihnen nicht zu genügen, |
 | in Konkurrenz mit anderen Jungen zu
stehen, |
 | alleine klarkommen zu müssen und
keine Hilfsmöglichkeiten zu haben, |
 | nach außen hin immer Stärke/Coolness
zeigen zu müssen, |
 | tatsächlich aber schnell verletzt
und empfindlich zu sein, |
 | der eigenen und der fremden
Aggression ausgeliefert zu sein. |
Daraus resultierende Vorbehalte gegen
Hilfen und Unterstützung erschweren es männlichen Jugendlichen, zu uns zu
kommen oder sich auf unterstützende Angebote einzulassen. Hier sind sicher noch
viel Aufklärung und der Abbau von Schwellenängsten notwendig.
Jungenarbeit ist aber auch ein unverzichtbarer Teil von Prävention, wenn diese
Opfer- wie Tätersein auf beiden Seiten verhindern will.
Uns ist wichtig, bereits vorhandene
Ressourcen innerhalb und außerhalb unserer Einrichtung zu nutzen.
Deshalb bietet Zartbitter Münster e.V. ein Präventionskonzept in und für
Jugendeinrichtungen an:
 | Mit einem solchen Angebot lassen sich
unsere inhaltlichen und personellen Möglichkeiten mit den bestehenden
Strukturen der Einrichtung verbinden. |
 | Ein deutlicher Bedarf nach einem
niedrig schwelligen Angebot in der von Jugendlichen genutzten Einrichtung
ist sowohl auf Seiten der Jugendlichen als auch der MitarbeiterInnen
vorhanden. |
 | Es können so auch ältere Jugendliche,
die im schulischen Rahmen oft nicht mehr angesprochen werden, die Möglichkeit
eines freiwilligen Angebotes nutzen. |
Angeboten werden geschlechtsspezifische
Gruppen für Jugendliche ab 16 Jahren sowie für junge Erwachsene im Rahmen der
bestehenden Angebote der jeweiligen Einrichtungen vor Ort, oder in den Räumen
der Beratungsstelle.
Vorgesehen ist ein getrenntes Angebot für Jungen und Mädchen. Ihnen muss in
geschlechtshomogenen Gruppen ein repressionsfreier parteilicher Schutzraum
geboten werden, um die Wahrnehmung ihrer Grenzen zu stärken. Nur so können sie
auch lernen, die Grenzen anderer wahrzunehmen und zu achten, sich ihrem Gefühl
von Hilf- und Ratlosigkeit anzunähern und Wege daraus zu entwickeln, um Worte für
ihre Befindlichkeiten und Verletzungen finden zu können.
Männliche Jugendliche haben so die Möglichkeit zu erfahren, dass sie einen
gemeinsamen stärkenden Weg wählen können, anstatt immer wieder Zuflucht in
lautstarkem und aggressiven Verhalten, sich und anderen gegenüber, suchen zu müssen.
An die geschlechtshomogene Gruppe schließt
sich eine gemischte (koedukative) Gruppe an mit dem Ziel, den Dialog zwischen
den beiden Gruppen herbeizuführen und zu fördern:
 | Mädchen lernen im Umgang mit Jungen,
dass Jugendliche sich nicht alles gefallen lassen müssen, dass sie stark
und widerstandsfähig sein können. |
 | Jungen lernen von Mädchen, dass schon
Jungendliche viel mehr Verhaltensmöglichkeiten haben als sie selbst bisher
lernen konnten. |
 | Jungen sollten nicht nur auf
Frauenliteratur angewiesen sein, wenn sie etwas darüber erfahren wollen,
wie Mädchen sexistische Anmache subjektiv erleben.
Sie müssen persönlich damit konfrontiert werden, um ihr eigenes Verhalten
zu verändern. |
 | Mädchen sollten etwas von den
Versagensängsten und dem Stress mitbekommen, mit denen Jungen ihr Männerbild
vor sich hertragen - und das nicht medial vermittelt, sondern aus erster
Hand. |
 | Jungen müssen von Mädchen positiv
verstärkt werden, wenn sie nicht nur Stärke demonstrieren, sondern sich
auch als hilfsbedürftig zu erkennen geben. |
 | Mädchen brauchen die Erfahrung, dass
nicht alle Jungen gleich Angst bekommen, wenn sie in öffentlichen Räumen
initiativ und selbstbewusst auftreten. |
Mit neuen Erkenntnissen und
differenzierten Bedürfnissen ausgestattet ist Begegnung wieder möglich und
neue Erfahrungen können gemacht werden.
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Das Projekt ist ausführlich dokumentiert. Die
Dokumentation ist zum Preis von 14,50 € zuzüglich Versandkosten erhältlich.
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MultiplikatorInnen-Arbeit
Ein weiterer Baustein dieser Präventionsarbeit
ist die gleichzeitige Zusammenarbeit mit den MitarbeiterInnen der Einrichtung.
Im Bewusstsein der Langfristigkeit einer solchen Präventionsarbeit mit den
Jugendlichen und den Schwierigkeiten der Erreichbarkeit, benötigen wir die
Mitarbeit der Einrichtungen und bieten gleichzeitig auch Unterstützung durch
Fortbildungsveranstaltungen für die MitarbeiterInnen als MultiplikatorInnen an.
Die Fortbildungen finden als Tagesveranstaltungen in den Räumen der
Beratungsstelle statt. Angedacht sind nehmen dem Thema "Prävention/sexualisierte
Gewalt" auch die Bereiche "geschlechtsspezifische Sozialisation"
und "Vernetzung".
Alle Themenkomplexe schließen die Reflexion der Einrichtungssituation und die
Selbstreflexion mit ein. |