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Zartbitter Münster e.V.
Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt
für Jugendliche ab 14 Jahren, Frauen und Männer

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Let's talk about...

Präventionskonzept für Jugendeinrichtungen

Bereits seit vielen Jahren bietet Zartbitter Münster e.V. Präventions- und Informationsveranstaltungen für weiterführende Schulen, LehrerInnen und ErzieherInnen an. Besonders in diesem Bereich der Prophylaxe ist in der Beratungspraxis vieler KollegInnen und auch im Rahmen unserer Arbeit immer deutlicher geworden, dass - neben der nach wie vor wichtigen parteilichen Mädchenarbeit - parteiliche Jungenarbeit angeboten werden muss.

Die Notwendigkeit der präventiven Arbeit mit männlichen Jugendlichen ist uns, wie auch anderen Einrichtungen, schon seit langem deutlich, hat jedoch insbesondere in der letzten Zeit durch die verstärkte Diskussion von gesellschaftlicher Gewalt an Brisanz gewonnen. Diese Auseinandersetzungen und Diskussionen über Ursachen von Gewalt und sexualisierter Gewalt waren und sind unumgänglich:

Welche Strukturen begünstigen Gewalt in unserer Gesellschaft insbesondere in bezug auf Gewalt und Machtausübung zwischen den Geschlechtern?
Welche adäquaten Modelle können präventiv greifen?

Die Ergebnisse der Forschungen, die aus diesen Fragestellungen erwachsen sind, decken sich mit den Beobachtungen und Kenntnissen der PraktikerInnen:  Die geschlechtsspezifische Sozialisation von Mädchen und Jungen auf der Grundlage der tradierten Rollenbilder der Eltern aber auch der Medien unterstützt Einstellungen und Verhaltensweisen, die die Ausübung von sexualisierter Gewalt begünstigen oder fördern können. Die bisherigen Präventionsansätze der parteilichen Unterstützung und Stärkung einer Geschlechtergruppe - der Mädchen - löst das Gegeneinander der Geschlechter, die Abgrenzung durch Herabsetzung der/s Anderen nicht auf.

Die langjährige Erfahrung der Beratungsstelle in der Jugendarbeit hat gezeigt, dass die Kontaktaufnahme und Arbeit mit männlichen Jugendlichen noch sehr viel schwieriger ist, als mit jungen Frauen.
Die im folgenden aufgeführten Aussagen machen einen großen Teil der auch in unserer Arbeit erkennbaren Problematik deutlich, um die es in der Jungenarbeit und Prävention geht:

keine Ahnung zu haben, was Männlichkeit bedeutet,
eine große Sprachlosigkeit, wenn es darum geht, innere Prozesse auszudrücken, die nicht den gängigen Rollenanforderungen an Männlichkeit entsprechen,
damit verbundene Angst, von diesen Normen abzuweichen, bzw. ihnen nicht zu genügen,
in Konkurrenz mit anderen Jungen zu stehen,
alleine klarkommen zu müssen und keine Hilfsmöglichkeiten zu haben,
nach außen hin immer Stärke/Coolness zeigen zu müssen,
tatsächlich aber schnell verletzt und empfindlich zu sein,
der eigenen und der fremden Aggression ausgeliefert zu sein.

Daraus resultierende Vorbehalte gegen Hilfen und Unterstützung erschweren es männlichen Jugendlichen, zu uns zu kommen oder sich auf unterstützende Angebote einzulassen. Hier sind sicher noch viel Aufklärung und der Abbau von Schwellenängsten notwendig.
Jungenarbeit ist aber auch ein unverzichtbarer Teil von Prävention, wenn diese Opfer- wie Tätersein auf beiden Seiten verhindern will.

Uns ist wichtig, bereits vorhandene Ressourcen innerhalb und außerhalb unserer Einrichtung zu nutzen.
Deshalb bietet Zartbitter Münster e.V. ein Präventionskonzept in und für Jugendeinrichtungen an:

Mit einem solchen Angebot lassen sich unsere inhaltlichen und personellen Möglichkeiten mit den bestehenden Strukturen der Einrichtung verbinden.
Ein deutlicher Bedarf nach einem niedrig schwelligen Angebot in der von Jugendlichen genutzten Einrichtung ist sowohl auf Seiten der Jugendlichen als auch der MitarbeiterInnen vorhanden.
Es können so auch ältere Jugendliche, die im schulischen Rahmen oft nicht mehr angesprochen werden, die Möglichkeit eines freiwilligen Angebotes nutzen.

Angeboten werden geschlechtsspezifische Gruppen für Jugendliche ab 16 Jahren sowie für junge Erwachsene im Rahmen der bestehenden Angebote der jeweiligen Einrichtungen vor Ort, oder in den Räumen der Beratungsstelle.
Vorgesehen ist ein getrenntes Angebot für Jungen und Mädchen. Ihnen muss in geschlechtshomogenen Gruppen ein repressionsfreier parteilicher Schutzraum geboten werden, um die Wahrnehmung ihrer Grenzen zu stärken. Nur so können sie auch lernen, die Grenzen anderer wahrzunehmen und zu achten, sich ihrem Gefühl von Hilf- und Ratlosigkeit anzunähern und Wege daraus zu entwickeln, um Worte für ihre Befindlichkeiten und Verletzungen finden zu können.
Männliche Jugendliche haben so die Möglichkeit zu erfahren, dass sie einen gemeinsamen stärkenden Weg wählen können, anstatt immer wieder Zuflucht in lautstarkem und aggressiven Verhalten, sich und anderen gegenüber, suchen zu müssen.

An die geschlechtshomogene Gruppe schließt sich eine gemischte (koedukative) Gruppe an mit dem Ziel, den Dialog zwischen den beiden Gruppen herbeizuführen und zu fördern:

Mädchen lernen im Umgang mit Jungen, dass Jugendliche sich nicht alles gefallen lassen müssen, dass sie stark und widerstandsfähig sein können.
Jungen lernen von Mädchen, dass schon Jungendliche viel mehr Verhaltensmöglichkeiten haben als sie selbst bisher lernen konnten.
Jungen sollten nicht nur auf Frauenliteratur angewiesen sein, wenn sie etwas darüber erfahren wollen, wie Mädchen sexistische Anmache subjektiv erleben.
Sie müssen persönlich damit konfrontiert werden, um ihr eigenes Verhalten zu verändern.
Mädchen sollten etwas von den Versagensängsten und dem Stress mitbekommen, mit denen Jungen ihr Männerbild vor sich hertragen - und das nicht medial vermittelt, sondern aus erster Hand.
Jungen müssen von Mädchen positiv verstärkt werden, wenn sie nicht nur Stärke demonstrieren, sondern sich auch als hilfsbedürftig zu erkennen geben.
Mädchen brauchen die Erfahrung, dass nicht alle Jungen gleich Angst bekommen, wenn sie in öffentlichen Räumen initiativ und selbstbewusst auftreten.

Mit neuen Erkenntnissen und differenzierten Bedürfnissen ausgestattet ist Begegnung wieder möglich und neue Erfahrungen können gemacht werden.

Das Projekt ist ausführlich dokumentiert. Die Dokumentation ist zum Preis von 14,50 € zuzüglich Versandkosten erhältlich.

MultiplikatorInnen-Arbeit

Ein weiterer Baustein dieser Präventionsarbeit ist die gleichzeitige Zusammenarbeit mit den MitarbeiterInnen der Einrichtung.
Im Bewusstsein der Langfristigkeit einer solchen Präventionsarbeit mit den Jugendlichen und den Schwierigkeiten der Erreichbarkeit, benötigen wir die Mitarbeit der Einrichtungen und bieten gleichzeitig auch Unterstützung durch Fortbildungsveranstaltungen für die MitarbeiterInnen als MultiplikatorInnen an.
Die Fortbildungen finden als Tagesveranstaltungen in den Räumen der Beratungsstelle statt. Angedacht sind nehmen dem Thema "Prävention/sexualisierte Gewalt" auch die Bereiche "geschlechtsspezifische Sozialisation" und "Vernetzung".
Alle Themenkomplexe schließen die Reflexion der Einrichtungssituation und die Selbstreflexion mit ein.