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Zartbitter Münster e.V.
Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt
für Jugendliche ab 14 Jahren, Frauen und Männer

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Infoveranstaltungen ] Weiterbildung ] Projekt für Jugendliche ]

PRÄVENTION

Wir arbeiten
daran,
sexualisierte
Gewalt zu
verhindern
Neben der parteilichen Arbeit
mit den Betroffenen sind für uns die Information der Öffentlichkeit und die Prävention sexualisierter Gewalt wichtig. Wo fängt Gewalt, insbesondere sexualisierte Gewalt an? Was hat sie mit den weiblichen und männlichen Geschlechterrollen zu tun?
Wie können Mädchen und Jungen, Frauen und Männer handeln, wenn sie selbst oder andere betroffen sind?
Informationsveranstaltungen an weiterführenden Schulen für Jugendliche ab 14 Jahren, für Lehrerinnen und Lehrer
Projekt "Let's talk about..." für jugendliche Mädchen und Jungen in der Jugendberufshilfe
Fortbildungsreihe "Let's talk about..." für Multiplikatorinnen, für Frauen und Männer, die im Bereich Schule oder Jugendhilfe arbeiten
Vernetzungsarbeit

Durch die Sensibilisierung und Aufklärung der Öffentlichkeit entsteht ein offenerer Umgang mit dem Thema. Dieser hilft, das Geheimhaltungstabu zu brechen.

Neben sichtbaren Gewalttaten in der Öffentlichkeit gibt es eine Vielzahl unsichtbarer Fälle verborgenen oder verschwiegenen sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen. Die TäterInnen leben in drei Viertel der Fälle im Familien-, Bekannten- oder Verwandtenkreis der Kinder. Es ist nicht der unbekannte böse Mann, sondern es kann der eigene Vater, der Onkel, der Opa, die Tante, die Klavierlehrerin, der Trainer usw. sein.

Sexueller Missbrauch ist immer ein Machtmissbrauch. Der/die Erwachsene benutzt das Kind für die eigenen sexuellen Bedürfnisse. Er/sie alleine trägt die Verantwortung für sein/ihr Handeln. Sexueller Missbrauch ist ein Verbrechen und kommt in allen Gesellschaftsschichten vor. Egal ob jemand arm, reich, Sozialhilfeempfänger, Arzt, Professor oder Eisenbahnschaffner ist, der/die TäterIn ist nach außen hin ein "ganz normaler Mensch".

Niemand missbraucht im Affekt oder "aus Versehen" ein Kind. Die Taten sind geplant, nicht selten testet der/die TäterIn sein/ihr Opfer und verpflichtet es mit Drohungen zur Geheimhaltung.
Die innere Bindung zum/r TäterIn, die Liebe des Kindes "trotz allem" zu der ihm meist nahestehenden Person trägt zur Verwirrung und Geheimhaltung von Seiten des Kindes bei.
Nicht jede auffällige Veränderung bei Ihrem Kind muss auf sexuellen Missbrauch schließen lassen, hier sind Achtsamkeit und Vorsicht geboten.
Seien Sie Ihrem Kind gegenüber aufmerksam und nehmen Sie seine Sorgen und Probleme ernst.

Sexualisierte Gewalt führt zur Verletzung des Körpers und der Seele und sie hinterlässt tiefe Spuren im Erleben und Erinnern vieler Mädchen und Jungen und später als junge, ältere oder alte Erwachsene. Jahre, oft ein ganzes Leben, leiden sie unter dem traumatischen Erlebnis.
Sexueller Missbrauch konfrontiert betroffene Kinder und Jugendliche mit einem kaum zu bewältigenden Gefühlschaos von Scham, Schuld, Ekel, absoluter Hilflosigkeit und Angst. Die Überlebensstrategien, die es ihnen ermöglichen, eine andauernde Missbrauchssituation oder eine Vergewaltigung auszuhalten, prägen sich häufig tief ein. Sie bestimmen ihr Leben als (junge) Erwachsene weiter.
Eine Vielzahl von Folgen kann sie über das Kindes- und Jugendalter hinaus durch ihr Leben begleiten. Diese reichen von Schlafstörungen, körperlichen Verletzungen und Krankheiten, Zweifeln an der eigenen Wahrnehmung bis hin zu psychischen Erkrankungen. Es kann auch zur sogenannten posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) kommen, einer besonderen Form von psychischen Störungen, unter denen beispielsweise häufig auch Kriegs- und Folteropfer leiden.

Alltägliche sexualisierte Gewalt in Familien oder dem sozialen Umfeld ist "unsichtbar". Menschen, die sexualisierte Gewalt in ihrem sozialen Umfeld erfahren haben, werden sowohl innerhalb ihrer Familien als auch in der Gesellschaft mit ihren Erlebnissen häufig in Frage gestellt und das Geschehen in seiner Bedeutung heruntergespielt oder sogar negiert.

Gesellschaftliche Parteilichkeit ist für die Betroffenen dringend notwendig, damit sie Raum bekommen, das Geschehene zu benennen und Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Wie können Sie vorbeugen?

Es gibt kein "Rezept", um Kinder vor sexualisierter Gewalt zu schützen.
Der beste Schutz sind Selbstsicherheit und Selbständigkeit. Grundlegend ist eine Erziehungshaltung, die Kinder für das Leben stark macht. Wichtig ist, dass ihr Kind weiß, wie es sich in bestimmten Situationen verhalten soll und welche Rechte es Erwachsenen gegenüber hat. Dazu gehört vor allem das Recht NEIN sagen zu dürfen und zu können. Wer immer lieb und artig sein muss lernt nicht, für sich einzustehen. Selbstbewusste Kinder sind oft anstrengend und stoßen oft auf Missfallen, weil sie eigensinnig sind. Aber genau darauf kommt es an. Bequeme Kinder sind manchmal auch bequeme Opfer. Kinder sollen mit ihren Gefühlen ernst genommen werden. Ihre innere Stimme, die ihnen sagt, was ihnen komisch vorkommt, darf nicht überhört, ausgeredet oder umgedeutet werden (z.B. "Stell Dich nicht so an, das tut doch gar nicht weh!"). Kinder müssen in ihrer eigenen Wahrnehmung gestärkt und unterstützt werden.

Schließen Sie das Thema "Sexueller Missbrauch" in der Erziehung und Aufklärung Ihres Kindes nicht aus. Reden Sie darüber sachlich und undramatisch mit Ihrem Kind. Liebe und Sexualität sollen ihm als positive Gefühle vermittelt werden. Wählen Sie für das Thema "Missbrauch" einen anderen Zeitpunkt als den, wenn Ihr Kind Sie neugierig nach Liebe und Sexualität fragt.

Was können Sie tun?

Bei Verdacht auf sexualisierte Gewalt

Wenn Sie in Ihrer Familie oder Ihrer Umgebung sexuellen Missbrauch vermuten, vermeiden Sie überstürzte Panikreaktionen. Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und bedenken Sie, dass das Kind die Missbrauchssituation kennt und Anpassungsmechanismen entwickelt hat. Auch wenn es für Sie schwer ist, das Kind vorerst in der Situation zu lassen, können Sie ihm mit überhastetem Eingreifen eher schaden.
Nehmen Sie Kontakt zu einer Institution auf, die professionell mit der Thematik arbeitet. Holen Sie sich Rat, Hilfe und Unterstützung. Die Begleitung und der Austausch mit fachlich kompetenten Institutionen ist unerlässlich.

Wir möchten in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass Zartbitter Münster e.V. nicht mit Kindern arbeitet. Wir machen keine "Aufdeckungsarbeit".
Wenden Sie sich mit diesen Anliegen in Münster an den Kinderschutzbund, Tel. 02 51 - 47180 oder die Ärztliche Kinderschutzambulanz, Tel. 02 51 - 418540. Wir können Ihnen auch Beratungsstelle in Ihrer Nähe nennen.
 

Wenn Sie selbst betroffen sind

Wenn Sie selbst als Kind sexualisierte Gewalt erlebt haben, können Sie Beratung und Hilfe bei verschiedenen Beratungsstellen in Anspruch nehmen Wir nennen Ihnen Beratungsstellen in Ihrer Umgebung.

In Selbsthilfegruppen können Sie beispielsweise andere Frauen oder Männer mit gleichen oder ähnlichen Gewalterfahrungen kennen lernen und erfahren, dass Sie nicht alleine sind. Sie haben die Möglichkeit, sich auszutauschen und Ihr Erlebtes auszusprechen, Ihrer eigenen Wahrnehmung zu trauen und ein stabiles Selbstwertgefühl aufzubauen.

Das Frauenbüro der Stadt Münster hat in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis "Gegen Gewalt an Frauen und Mädchen" eine Broschüre für von Gewalt betroffene Frauen herausgegeben, die in der Bürgerberatung, Klemensstraße, erhältlich ist.

Hier finden Sie weitere Institutionen in Münster, die Gewaltprävention anbieten: Netzwerk Gewaltprävention & Konfliktregelung Münster