Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt
für Jugendliche ab 14 Jahren, Frauen und Männer

Hilfe bei sexuellem Missbrauch

Tel. 0251-4140555

Sexualisierte Gewalt

Praevention

Sexualisierte Gewalt hat kein Gesicht.
Sie hinterlässt meist keine sichtbaren Spuren.
Sexualisierte Gewalt findet im Verborgenen statt.

 

Der Begriff

Der Begriff "Sexualisierte Gewalt" setzt sich als wissenschaftlich richtige Bezeichnung zunehmend durch. Diese Begrifflichkeit macht deutlich, dass es sich in erster Linie um eine Gewalttat handelt, die mittels sexueller Übergriffe ihren Ausdruck findet. Sexuelle Handlungen werden instrumentalisiert, um Gewalt und Macht auszuüben. Dies unterscheidet sexualisierte Gewalt von körperlicher, psychischer und struktureller Gewalt.

Für ein verständliches Miteinander, für Prävention und Aufklärung von Kindern, Jugendlichen, Eltern und der Öffentlichkeit wird der Begriff "Sexueller Missbrauch" benutzt. Er verdeutlicht, dass die Verantwortung für die Tat eindeutig beim Erwachsenen liegt. Auch im juristischen Sprachgebrauch ist von "Sexuellem Missbrauch" die Rede.

Leider suggeriert dieser Begriff, dass es auch einen erlaubten "Gebrauch" von Kindern und Jugendlichen für sexuelle Handlungen geben kann - dies ist rechtlich und moralisch definitiv untragbar.

Was ist Sexualisierte Gewalt?
Sexueller Missbrauch bezeichnet alle Handlungen, die das sexuelle Selbstbestimmungsrecht des Menschen verletzen. Sie kann mit anzüglichen Bemerkungen und "Grabschen" beginnen und bishin zur Ausübung massiver körperlicher Gewalt gehen. Wir sprechen von sexuellem Missbrauch auch dann, wenn Autorität, Macht oder Vertrauen gegenüber einem Kind/Jugendlichen benutzt werden, um eigene sexuelle Bedürfnisse zu befriedigen.
Dies muss nicht immer körperliche Spuren hinterlassen.

Unsichtbarkeit
Neben sichtbaren Gewalttaten in der Öffentlichkeit gibt es eine Vielzahl unsichtbarer Fälle verborgenen oder verschwiegenen sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen. Die Täter*innen leben in drei Viertel der Fälle im Familien-, Bekannten- oder Verwandtenkreis der Kinder. Es ist nicht der unbekannte böse Mann, sondern es kann der eigene Vater, die Mutter, der Onkel, der Opa, die Tante, die Klavierlehrerin, der Trainer usw. sein.

Sexueller Missbrauch ist immer ein Machtmissbrauch.
Der Erwachsene benutzt das Kind für die eigenen sexuellen Bedürfnisse. Er alleine trägt die Verantwortung für sein Handeln. Jede sexuelle Handlung, die an oder vor einem Kind vorgenommen wird oder der das Kind aufgrund seiner Unterlegenheit nicht zustimmen kann, ist Gewalt.
Sexueller Missbrauch ist ein Verbrechen und kommt in allen Gesellschaftsschichten vor. Egal ob jemand arm, reich, Sozialhilfeempfänger, Arzt, Professor, Priester oder Eisenbahnschaffner ist, der/die Täter*in ist nach außen hin ein "ganz normaler Mensch". Sexuelle Gewalt kann auch unter Gleichaltrigen stattfinden.

Niemand missbraucht im Affekt oder "aus Versehen" ein Kind. Die Taten sind geplant, nicht selten testet der/die Täter*in sein/ihr Opfer und verpflichtet es mit Drohungen zur Geheimhaltung.
Die innere Bindung zum/r Täter*in, die Liebe des Kindes "trotz allem" zu der ihm meist nahestehenden Person trägt zur Verwirrung und Geheimhaltung von Seiten des Kindes bei.

Nicht jede auffällige Veränderung bei einem Kind muss auf sexuellen Missbrauch schließen lassen. Hier sind Achtsamkeit und Vorsicht geboten.
Seien Sie dem Kind gegenüber aufmerksam und nehmen Sie seine Sorgen und Probleme ernst.

Sexualisierte Gewalt führt zu Verletzungen des Körpers und der Seele und kann tiefe Spuren im Erleben und Erinnern vieler Mädchen und Jungen hinterlassen.
Sexueller Missbrauch konfrontiert betroffene Kinder und Jugendliche mit einem kaum zu bewältigenden Gefühlschaos von Scham, Schuld, Ekel, absoluter Hilflosigkeit und Angst. Die Überlebensstrategien, die es ihnen ermöglichen, eine andauernde Missbrauchssituation oder eine Vergewaltigung auszuhalten, prägen sich häufig tief ein. Sie bestimmen ihr Leben als (junge) Erwachsene weiter.
Eine Vielzahl von Folgen kann sie über das Kindes- und Jugendalter hinaus durch ihr Leben begleiten. Diese reichen von Schlafstörungen, körperlichen Verletzungen und Krankheiten, Beziehungsstörungen,  Zweifeln an der eigenen Wahrnehmung bis hin zu psychischen Erkrankungen. Es kann auch zur posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) kommen, unter der beispielsweise häufig auch Kriegs- und Folteropfer leiden.

Alltägliche sexualisierte Gewalt in Familien oder dem sozialen Umfeld ist "unsichtbar". Menschen, die sexualisierte Gewalt in ihrem sozialen Umfeld erfahren haben, werden sowohl innerhalb ihrer Familien als auch in der Gesellschaft mit ihren Erlebnissen häufig in Frage gestellt und das Geschehen in seiner Bedeutung heruntergespielt oder sogar negiert.

Gesellschaftliche Parteilichkeit ist für die Betroffenen dringend notwendig, damit sie Raum bekommen, das Geschehene zu benennen und Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Es braucht Mut und Kraft, sich Hilfe zu holen.

Mit Hilfe des sozialen Umfeldes und/oder mit professioneller Unterstützung gelingt es vielen Betroffenen, besser mit den traumatischen Erlebnissen umgehen zu können. Frühe Unterstützungsangebote tragen dazu bei, dass Gewalterfahrungen sich nicht verfestigen und das Leben langfristig behindern.

 

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