AUSSTELLUNG
Innenwelten – Außenwelten –
eine experimentelle Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt

Sexualisierte Gewalt hat kein Gesicht. Sie hat keine Gestalt, keine Worte.
Sie hinterlässt meist keine sichtbaren Spuren. Sexualisierte Gewalt findet im
Verborgenen statt.
Im Erleben und Erinnern hingegen hinterlässt sie Spuren, die das ganze Leben
beeinträchtigen, es verändern, es manchmal unerträglich machen können.
Diesen Spuren aus den Lebens- und Gefühlswelten von Mädchen und jungen Frauen,
die in ihrer Kindheit sexualisierte Gewalt erleben mussten, haben junge Frauen
einen Ausdruck, eine Form gegeben, indem sie ihre eigenen Erfahrungen künstlerisch
verarbeitet haben.
Unter dem Titel "Innenwelten – Außenwelten – eine experimentelle
Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt" waren von Oktober 2002 bis
Januar 2003 im Rahmen der Ausstellung "Demoisellen, Wichter, coole
Girls" im Stadtmuseum Münster Fragmente aus Lebens- und Gefühlswelten
betroffener Mädchen und junger Frauen zu sehen.
Diese sehr persönliche Darstellung des Erlebten wurde von Mädchen und jungen
Frauen gestaltet, die bei der Beratungsstelle Zartbitter Münster e.V. in
Beratung, Prozessbegleitung oder Gruppentherapie waren und sich dort kennen
gelernt haben. In Kooperation mit dem Jugendausbildungsbildungszentrum JAZ GmbH
ist ein Ausstellungsprojekt entstanden, in dem die Mädchen und jungen Frauen
einem breiten Publikum gegenüber ihre Innenwelten in eindrucksvoller Form
sichtbar machen.
An mehreren Wochenenden und Abendterminen im Atelier des Jugendinformations- und
Begegnungszentrum JIB sind nach und nach die einzelnen Exponate angefertigt
worden. Sie sind das Ergebnis des individuellen Erlebens und der
Auseinandersetzung mit sexualisierten Gewalterfahrungen auf einer persönlichen
Ebene, verbunden mit unterschiedlichen Gefühlen. Wut, Einsamkeit, Angst,
Trauer, Zerrissenheit und auch Lebendigkeit und Humor zeigen sich in vielfältiger
Weise auf großen Papierbahnen. Diese bilden in Form eines von der Decke hängenden
Vierecks eine fast undurchsichtige unüberwindbare Mauer, die aber dennoch an
einigen durchbrochenen Stellen den Blick freigibt auf eine auf dem Boden
liegende Skulptur aus weißen – fast gesichtslosen – Puppenköpfen. Diese
wiederum sind von großen Körperbildern im Innern des Mauerrings umgeben.
Den Mädchen und jungen Frauen ist es gelungen, sexualisierter Gewalt ein
Gesicht zu geben und so bei den Besucherinnen und Besuchern einen Eindruck zu
hinterlassen, der beschäftigt, bewegt und einen undramatischen und unspektakulären
Zugang zur Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt in unserer Gesellschaft
bietet.
Durch Klicken auf die
Fotos können Sie diese vergrößert sehen.