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Wie werde ich eigentlich DJ?

Traumjob gefunden: Jugendliche lernten beim Label Trust in Wax den Umgang mit Vinylscheiben

Es dröhnt laut aus der Black Box im Cuba an der Achtermannstraße. 4 DJ-Sets mit je zwei Plattenspielern, einem Mixer, einer großen Aktivbox und jede Menge Kabel stehen oder liegen auf den Tischen, die zu einem Viereck zusammengestellt sind.

In Zweiergruppen, alleine oder auch mal zu dritt machen Jugendliche zwischen zehn und 14 Jahren Musik. Mit Vinylschallplatten vom Plattenteller. Später auch mit dem Laptop, Effektgerät, Controller, mit digitaler Software zum Mixen und Schneiden, wie TRAKTOR, Ableton und Wavelab.

In Zweier-Teams geht es frisch ans Werk. Foto: Bertels

In Zweier-Teams geht es frisch ans Werk. Foto: Bertels

Am Montag hatte der DJ-Workshop „Wie werde ich eigentlich DJ?“ des Labels Trust in Wax mit DJ AT begonnen. Der hat im Programm des Kulturrucksacks Münster schon etliche Workshops für Jugendliche in den Ferien angeboten.

Zuerst kriegen die Jugendlichen eine komplette Anleitung, um die aufgebauten Geräte kennenzulernen. Und wie sie die Nadel auf die Rille setzen. Dann entwickeln sie ein Gefühl für das Vinyl, den Rhythmus, Geschwindigkeit und Klang der Musik. Alle erhalten die gleichen Aufgaben und Hilfe, wenn etwas nicht klappt.

„Wir lernen hier genau, wo der Ton herkommt, erst Mal analog und dann digital“, meint der erfahrene Spezialist und zeigt ihnen auf dem Computer die Playlist seines letzten Auftritts.

„Hört bitte bis morgen in alle 7 615 Songs Titel auf der Festplatte rein“. DJ AT grinst. Das dauert nämlich 20 Tage.

DJ AT zeigt den Teilnehmer den Umgang mit Vinyl-Platten. Foto: Bertels

DJ AT zeigt den Teilnehmern den Umgang mit Vinyl-Platten. Foto: Bertels

„Können wir mal Iggy Pop anmachen“, fragen die Jungen und ein Mädchen und suchen in der riesigen Playlist geordnet nach Sparten, was schon ihre Eltern gehört haben. Die Vinylschallplatten und handgemachte Musik finden die Jugendlichen viel besser.

DJ ist heute ein anerkannter Beruf. Was man dafür können muss, wusste nur Elias (10) genauer. Der will DJ werden und hat gleich sein Macbook mitgebracht. Er kann mit seinem angeschlossenen Lanchpad mini Licht und Töne schnell hintereinander ablaufen lassen. Die Jugendlichen dürfen auch ihre Technik von zuhause mitbringen.

Gerade läuft „Eye of the Tiger“ an einem Tisch vorne an der Tür. Vier Musiktitel haben Sebastian (12) und Yole (12) hintereinander abgespielt. Schnell die On/Off-Taste gedrückt, der rechte Plattenspieler wechselt sich mit dem linken Gerät ab. „Wenn man eine Platte auflegt, muss man reinhören und den Anfang des nächsten Songs finden, damit der Übergang an der richtigen Stelle klappt“, sind sie schon ein wenig stolz. Es ist ihr erstes eigenes DJ-Set.

Ständig wird mit dem Kopfhörer auf den Ohren in den nächsten Titel reingehört. Zu Beginn des Workshops morgens ab 10 Uhr hatten sie drei Songs aufgelegt. Die Titel mussten sie sich vorher aus einem Ständer mit Schallplatten aussuchen und Musikrichtung, Tempo und Rhythmus checken.

Während der eine Titel läuft, wird in den nächsten reingehört. Foto: Bertels

Während der eine Titel läuft, wird in den nächsten schon reingehört. Foto: Bertels

Mit Schwung landet die Platte auf dem Plattenteller des Technics-Plattenspielers, auf dem eine Matte aus Stoff liegt. „Sonst kann man nicht scratchen und der Plattenspieler geht kaputt, sagt Daniel, 14 Jahre, und der älteste DJ im Raum. Er mixt am liebsten Musikstücke mit dem gleichen Tempo, damit die Blende nicht zu hart wird.

Michael Jackson, Drums & Bass, Hip Hop, alles läuft im Raum durcheinander. Das stört aber keinen, weil die feine Abstimmung der Songs und die Crossfades, die Kreuzblenden, mit dem Kopfhörer gemacht werden.

Die Jugendlichen pitchen die Geschwindigkeit und Tonhöhe, setzen Halleffekte ein, mixen einzelne Wörter aus Songs in die Beats. Das Tempo der gerade abgespielten Songs wechselt ständig, nicht nur zwischen 33 und 45.

Die besten Sets werden mit dem Handyrecorder aufgenommen und hinterher im Computer mit Wavelab bearbeitet, damit die Übergänge noch harmonischer klingen.

Nach einiger Zeit gehen die Workshop-Teilnehmer wie Profis mit den Geräten um.

Nach kurzer Zeit gehen die Jugendlichen wie Profis mit den Geräten um. Foto: Bertels

BUMM macht‘s nach 18 Minuten am Ende des Sets von Jona (11) und Henry (10).

„Das ist hier wie Sport für die Hände und den Kopf“, finden die beiden. Sie haben sich erst im Workshop kennengelernt und wechseln sich super an den Plattenspielern ab. Henry tanzt und springt hinter den Turntables herum wie ein Profi.

Er kriegt vielleicht seinen ersten Auftritt bei der Veranstaltung „Plattengeschichten“ @Black Box am 4. November 2017, Ort: cuba cultur (Black Box), Achtermannstrasse 10 bis 12, 48143 Münster.

 

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