Phrasendreschmaschine

Der folgenden Schröder-Rede, wie jeder anderen, lag ein Kochrezept aus der Serienproduktion des Kanzleramtes für Sozialabbruch zugrunde:

Spreche vor allem viel von "der" Gerechtigkeit, wenn immer mehr deiner Kunden gebeutelt werden sollen. Achte darauf, dass auch viel von "der" Freiheit die Rede ist, wenn zunehmend brutaler Egoismus gebraucht wird. Gebe auch reichlich "Zukunft" dazu, wenn du dem Volk die Perspektiven unsicher machen musst. Mische dann noch ordentlich "Solidarität" darunter, wenn viele aus dem Boot geworfen werden. Runde die ganze Chose mit etwas Verantwortung (für sich selbst) und Teilhabe ab, da sonst der fade Geschmack bitteren Gehorsams zu sehr durchschlägt. Garniere deine Rede für das Gesamtimage mit einem Schuss Wohlstand und sozialer Sicherheit, besserer Chance, Zusammenhalt, eigene Entscheidung, neuem Denken und asozialdemokratischer Identität.

Sehen wir uns die Rede, die Schröder vor seinem Wahlverein gehalten hat an, dann stellen wir fest, dass hier nur so die Worthülsen gedroschen wurden....

Das Verdrehen "dessen, was ist" - diese neoliberale Gesellschaft endgültig schaffen !

(Aus der Rede Gerhard Schröders auf dem SPD-Sonderparteitag zur Agenda 2010 - eine den Wesensgehalt nicht sinnentstellende Kürzung)

Die Partei selbst war es, die diesen Parteitag gewollt hat. Sie hat sich diesen nicht immer ganz einfachen Diskussionsprozess zugetraut und sich ihm gestellt ... Vor allem aber, weil die SPD nicht neben der Gesellschaft handelt, sondern in ihrer Mitte ... Heute müssen wir beweisen, dass sich die Mühe gelohnt ... Denn die Menschen erwarten von uns die Entschlossenheit ... Den Mut, Weichen zu stellen, unsere Gesellschaft in eine gute Zukunft zu führen ... Das heißt zunächst, dass wir den Mut zur Wahrheit haben müssen ... Aussprechen dessen, was ist ...

Wir müssen anerkennen, dass ... Und wir müssen anerkennen und aussprechen, dass ... Es stimmt schon, wer die Realität verdrängt, den drängt die Realität beiseite. Der muss den Wandel erleiden, statt ihn gestalten zu können ... Das wir gestalten wollen und uns nicht beiseite ducken oder uns vor den Konsequenzen aus unserer Erkenntnis drücken ... Aber gerade weil wir den Kampf um eine bessere Zukunft immer wieder aufs neue annehmen ...

Unsere Grundwerte von Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit sind unverbrüchlich ... Was wir heute beweisen müssen, ist der Mut, Neues zu wagen. Dabei werden wir uns von manchem, was uns lieb - und leider auch: teuer - geworden ist, verabschieden müssen ...

Doch diesen Kraftakt müssen wir auf uns nehmen ... weil sonst der Wohlstand sinken und der soziale Zusammenhalt in unserem Land gefährdet würde ... weil wir sonst unsere eigene sozialdemokratische Identität verraten würden. Weil wir dann nicht mehr die Partei wären, die es besser machen will, die sich für eine Zukunft größerer Freiheit, besserer Chancen und umfassender Teilhabe engagiert ... Ohne Gerechtigkeit gibt es keine Freiheit, und ohne Freiheit keine Solidarität. Solidarität, die nicht auf der eigenen Entscheidung und Verantwortung fußt, ist genauso wenig echte Solidarität wie das bloße Mitgefühl von Almosengebern. Erst die Freiheit erlaubt es, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen. Aber dann heißt Verantwortung auch, die persönlichen Chancen zu nutzen und Eigeninitiative zu entwickeln.

Gerechtigkeit schließlich kann für uns nie Gleichheit im Unrecht sein. Gerechtigkeit ist nicht zu trennen vom Recht auf Teilhabe. Gerecht ist, was Menschen in Erwerbsarbeit bringt ... Gerecht ist es, ... Wir dürfen nicht die Mittel aufbrauchen, mit denen sie morgen in Freiheit leben wollen. Gerecht ist es, die Sozialversicherungen so umzugestalten, dass die Menschen in Zukunft ... Oberstes Ziel einer Politik der Gerechtigkeit also ist es, dass ... Bei allen muss klar sein, dass wir nach vorn schauen. Das macht uns als SOZIALDEMOKRATEN aus ... Und wir müssen den Sozialstaat so umbauen, dass wir ihn in seiner Substanz erhalten und für die Zukunft einstellen können. Aber es geht um mehr: Wir brauchen in Deutschland auch einen Wandel unserer Mentalität. Wir brauchen ein neues Denken ...

Wer glaubt, es könne so bleiben, wie es ist, der macht sich und anderen etwas vor. Denn es muss sich schon sehr viel ändern, damit Wohlstand und soziale Sicherheit auch nur so bleiben wie sie sind ...

Dafür tragen wir heute Verantwortung. Und dass wir es sind, die diese Gesellschaft schaffen können ...


Empfehlung für lokale politische Nachahmer: Baue, falls du wie dein Kanzler den Leuten das Fell über die Ohren ziehen musst und sie es dabei nicht merken sollen, sei es nun als örtlicher Bundestags-Gesträsster* oder SPD-Fraktionschef, heuer* und morgen deine Rede so oder ähnlich auf!

* Strässer: SPD-Bundestagsabgeordneter für Münster
Heuer: Chef der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Münster