Flugblatt zur Demonstration
am 3.4.2004 in Köln - zu den Fotos gehts hier
Schluss mit dem Kuscheln !
Nein, nicht was Sie denken, sondern überall dort, wo die Liebhaber des
Sozialabbaus werben und die falschen „Freunde“ in den eigenen Reihen hinter ihnen
hertrotten wollen.
Jeder weiß, dass es nicht so weiter geht wie bisher. Jeder spürt, wie Unsicherheit
und Existenzangst um sich greifen. Jeder hofft, dass es ihn nicht trifft, dass er/sie
doch so weitermachen kann wie bisher.
Das Leben wird Leistungssport, die Auslese ist scharf. Aus Unsicherheit und Angst
bringen diejenigen, die in der „Mühle“ sind oder vorübergehend reinkommen, mehr
Leistung. Die draußen sind, halten sich fit. Sie laufen sich warm, um eingewechselt
zu werden. Das profitversprechende Arbeitsangebot wird kleiner. Die nicht von
Nutzen sind, fliegen raus.
Die Welt ist reich, aber...
„Wettbewerbsfähigkeit“ und „Standortsicherung“ sind die Gesetze. Tatsächlich hat
sich die Wirtschaftsleistung unseres Landes in den letzten 20 Jahren verdoppelt –
und die Welt ist reich wie nie zuvor. Aber in dem weltweit herrschenden System
hungern noch mehr Menschen. Armut, Ausgrenzung und Verelendung nehmen zu.
Es werden uns immer wieder neue Arbeitsplätze versprochen. Das Ergebnis: mehr
Erwerbslose, weitere Kürzungen, steigender Druck, Schikane und Kontrolle. Mehr als
sieben Millionen Arbeitsplätze fehlen, außerdem Hunderttausende Lehrstellen.
Wenn sich die Konzerne bekriegen...
Die Konkurrenzschlacht der Konzerne soll über Menschenwürde und Zukunft der
Arbeitslosen entscheiden. Kostenentlastung und internationale Konkurrenzfähigkeit,
Vertrauen in irgendwelche Marktkräfte wird als Ausweg aus der Arbeitslosigkeit
eingehämmert. Die Wachstumsvorstellung der Konzernherren hat nichts mit dem
Wachstum von Arbeitsplätzen und Wohlstand für die Mehrheit zu tun.
Rationalisierung und internationale Produktion vernichten inzwischen mehr
Arbeitsstellen als durch Wachstum gesichert werden kann!
Viele wissen, dass die Banken und Konzerne zwar immer reicher werden und ständig
weniger oder keine Steuern zahlen. Im gleichen Zug auch das soziale Netz immer
dünner und der größte Teil der Gesellschaft ärmer wird, aber keines der drängenden
Probleme damit gelöst wird!

Der eigentliche Clou dieses Systems ist aber:
Die angeblich so risikofreudigen und tüchtigen Unternehmer bieten uns als
Arbeitende für die erbrachte Leistung nur etwas an, was sie uns zuvor genommen
haben. Anders ausgedrückt: Die Eigentümer der Betriebe bieten ja gar nicht die
Produkte eigener Arbeit an, sondern benutzen dazu einen Teil des bereits vorher
geschaffenen Überschusses oder Arbeitsertrages, den sie sich unbezahlt von den
„lieben MitarbeiterInnen“ angeeignet haben! Auf dieser Grundlage kann es keine
wirkliche Gerechtigkeit im Austausch zwischen lohnabhängiger Arbeitskraft und
deren Käufer geben. Wir produzieren unseren eigenen Lohn, die
Arbeitslosenstütze und alle anderen Güter! Das ist der ganze Witz.
Liebe Kolleginnen und Kollegen! An Sozial- und Lohnabbau,
Arbeitsverdichtung und Arbeitszeitverlängerung, Rationalisierung etc. wird die
Aneignungsgier der Unternehmer immer deutlicher. Müssen wir dann nicht
auch den nächsten Schritt machen und mit der „sozialpartnerschaftlichen“
Lüge Schluss machen?
Weiter für dumm verkaufen?
Sollen wir weiter diese Zustände hinnehmen und uns immer für dumm verkaufen
lassen? Lassen wir uns nicht den aufgezwungenen Verzicht und Sozialraub in den
Kompromiss des „kleineren Übels“ umlügen! Diejenigen die daran glauben, wollen
von dem gesellschaftlichen Reichtum ablenken, den wir Arbeitende ganz alleine
erzeugen! Wir wollen kein unkontrolliertes Wachstum, das zerstört, wir wollen keine
Ausweitung der Billigjobs und geringfügigen Beschäftigung.
Welche Welt?
Wir wollen eine Gesellschaft, die allen eine menschenwürdige Arbeit und Existenz
unabhängig von Nationalität, Geschlecht und Familienstand sichert. Heute sind
hierfür alle sachlichen Voraussetzungen gegeben. Die enorme Produktivität würde
allen mehr Zeit für echte Muße und vielseitige persönliche Entwicklung ermöglichen.
Die Produktion erzeugt also einen riesigen und wachsenden gesellschaftlichen
Reichtum, der allerdings privat angeeignet wird. Dies muss geändert werden! Dazu
müssen wir den täglichen „Frieden“ stören und die faule Harmonie aufkündigen. Das
schaffen wir nur, wenn aus dem spontanen Unmut eine breite soziale Bewegung für
Arbeit, Existenz- und Gesundheitssicherung entsteht! Beginnen wir uns für unsere
eigenen Interessen zu organisieren!
Schluss mit dem Kuschen !
Schluss mit dem politischen
Analphabetismus !
Eure arbeitslosen Kollegen der
Initiative „Wehrt euch !“, Münster
Wir treffen uns jeden Mittwoch um 14 Uhr im
Malta" in der Achtermannstraße 10 (Durchgang neben der
Cuba-Kneipe)