Land für Besitzlose
Beispiel 1: Erfolglose Besetzung
Auf der staatlichen Fläche neben der Bundesstraße, etwa 30 km außerhalb der Stadt Jacobina, wohnen noch die letzten fünf
Familien von anfänglich 60 Familien, die das dahinter liegende unbewirtschaftete Land des Großgrundbesitzers besetzt hatten.
Über fünf Jahre haben Elias, Osback, Josias, Bebel und Bahia mit ihren Familien ohne Elektrizität, ohne Wasser, ohne jegliche
Infrastruktur in Hütten aus Palmzweigen gewohnt. Der Lehmboden in und vor den Hütten ist sauber gefegt, das Wenige in den
Hütten kann kaum Unordnung verursachen. Elias zeigt stolz seine vier Hühner und Osback seine fünf mageren Ziegen, die täglich
einen Liter Milch für die fünf Kinder geben.
Nach fünf Jahren und zwei Monaten der Besetzung haben sie den Prozess um die Enteignung des Besitzers verloren, weil Fristen
beim Gericht verstrichen waren. Mehrere Male wurde ihre Ernte über Nacht zerstört.
Beispiel 2: Besetzung und Hoffnung auf Erfolg
Nach einer einstündigen Fahrt durch die Steppenlandschaft erreicht man eine Ansiedlung von Landarbeitern, die hier
bereits zwei Jahre das unbewirtschaftete Land eines Großgrundbesitzers beackern. Mit dem langen Buschmesser haben sie
Sträucher und Gestrüpp gekappt und Brandrodung betrieben. Der Eigentümer hat sie bisher gewähren lassen und ihre Ernte
nicht in einer brutalen Aktion durch bezahlte Männer zerstören lassen. Voller Stolz will jeder seine Anpflanzung zeigen.
Wasser steht in ausreichender Menge und guter Qualität in der nahen
Quelle zur Verfügung. Nach zwei Jahren brauchen die Familien keine Bohnen und Süßkar toffeln mehr zu kaufen und ernten
säckeweise den Samen der Rizinuspflanze, den sie in der Stadt verkaufen können. Um zu Fleisch zu kommen, hat jede Familie ein
Gewehr und findige Männer wissen auch, wie eine Vogelfalle gemacht sein muss.
Beispiel 3: Zuteilung von 60 ha Ackerland
Anders ist die Situation der 100 Familien rund 70 km außerhalb der Stadt. Hier ist der Großgrundbesitzer nach einem Prozess
enteignet worden. Es hat seine 10.000 ha über fünf Jahre nicht bewirtschaftet. 2.000 ha müssen als ökolo gische Reserve
liegen bleiben, 2.000 ha sind Reserve für die Holzgewinnung und die restlichen 6.000 ha werden jetzt vermessen. Jeder
Landarbeiter fängt mit einigen Hacken auf seinen 60 ha an, das Dorf muss gegründet werden, Brunnen gebaut, eine Schule
errichtet und Stromleitungen verlegt werden. Behilflich ist ihnen die kirchliche Organisation CPT Comissao pastoral Terra),
die die Prozesse führt, sich um staatliche Zuschüsse kümmert und Fachpersonal für den Acker bau bereitstellt. Jeder
Landarbeiter bekommt in den ersten sechs Monaten Geld für den Lebensunterhalt vom Staat. Anschließend muss er vom Ertrag
seines Ackers leben.
Beispiel 4: Bildung einer Dorfgemeinschaft
Bereits 5 Jahre wohnen die Familien auf dem zugewiesenen Land, die wir abschließend kennen lernen.
Das Dorf mit der Schule ist gebaut, jede Familie hat Elektrizität und Wasser. Im Haus wird noch an der offenen Feuerstelle gekocht. Die Tiefe des Brunnens im Umkreis des Dorfes beträgt etwa 100 m
und der Druck der Wasserader ist so groß, dass keine zusätzliche Pumpe erforderlich ist. Angeschlossen sind einige Schläuche zum Bewässern der Bananenfelder. Ein tüchtiger Besitzer zeigt seine Bananenstauden mit 100-150 Bananen, für die er auf dem Markt acht Reales bekommt. Da vom Pflanzen des Bananenstecklings bis zur Ernte nur acht Monate vergehen, lohnt sich der Anbau.