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Bauern und Ordensleute
St. Josephskirche / Münster

Portraits von Ulrich Rölfing





Ich verfolge seit 6 Jahren ein Portraitprojekt, das sich jeweils verschiedenen klar umrissenen Gruppen / Sozialverbänden zuwendet.

Begonnen hat alles mit Bildern von Obdachlosen.
Ein Teil dieser Bilder war 2010 auch hier in der Josephskirche zu sehen.
Es folgte die Beschäftigung mit alten Bauern aus meinem Heimatdorf Dingden, wieder eine Gruppe von Menschen deren Lebenswelt deutliche Spuren in ihren Gesichtern hinterlassen hat.

Im letzten Jahr habe ich eine Zeit im Kloster Maria Veen gelebt, um dort zu malen. Ich bin der Besonderheit des Ortes, wie er sich in den Patres, Schwestern und dem Innenleben des Klosters spiegelt, nachgegangen.

Bauern und Ordensleute: das sind geradezu polare Lebenswelten. Hier die Arbeit mit der Erde, eine Tätigkeit geprägt durch den Lauf der Jahreszeiten. Trotz aller unterstützenden Möglichkeiten ist diese Arbeit letztlich abhängig von der Fruchtbarkeit der Erde.
Auf der andren Seite die Patres als Menschen des Gebets und der Vermittlung. Sie sind der inneren Versenkung und der Gegenwart des Göttlichen hingeben.

Das ist allgemein gesprochen.
Der Reiz der Portraitserien liegt in der Spannung zwischen diesem Allgemeinen und den individuellen Personen.

Beim Portraitieren habe ich nur den Einzelmenschen vor mir und dabei verflüchtigt sich zunächst alles Allgemeine.

Die unmittelbare Begegnung lässt jegliche vorschnellen Bilder und Zuschreibungen zerrinnen und es zählt nur das, was jetzt zu sehen ist.
Das ist das Besondere, was eine Portraitsitzung ausmacht.
Alle Bilder sind unmittelbar vor dem lebenden Modell entstanden, nicht nach einer Fotografie. Nach einer Fotografie zu arbeiten ist etwas ganz anderes.
Bei einer Portraitsitzung hat das Bild im Entstehen vor der Gegenwart des Modells zu bestehen und wird aus der Gegenwart des Modells heraus gestaltet.

Mich interessiert nicht das offizielle Portrait, das repräsentative, ich suche im Gesicht etwas anderes.
Mich interessiert das Potential eines Gesichtes.

Ich gehe so vor, dass ich die Spannungen, die ein Gesicht aufbauen, herausarbeite.
Wo verdichten sich in diesem Gesicht Formtendenzen, wo kulminiert etwas und wo verschwimmt etwas und wo löst sich etwas auf, wo wird etwas sprechend und wo wird es beiläufig, wo beruhigt es sich und wo vibriert es, wo wird es großflächig und wo kleinteilig, wo verhärtet es sich und wo gewinnt es Bestimmtheit und wo verliert es an Halt und versteckt sich.

Jetzt wo die einzelnen Portraits gemalt sind, fügen sich die Einzelbilder zur Reihe.
Erst als Reihe entfalten sie ihre eigentliche Ausdruckskraft und erklären sich gegenseitig.

Die Patres und Schwestern auf der einen Seite, die alten Bauern auf der anderen Seite.

Ich denke, beide Seiten haben eine ganz eigene Gestimmtheit, auch wenn, versuchsweise, das eine oder das andre Bild die Seite wechseln könnte.

Ulrich Rölfing