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Am Sonntagabend Gottesdienst feiern — in der Antonius-Krypta
gestaltet von der Sebastian- und der Queer-Gemeinde


Liebe Mitchristen!
„Wann sind denn hier die hl. Messen?“ Falls jemand Anschluss an eine Gemeinde sucht, ist das auch heute eine häufige Frage: Wann und wo feiert diese Gemeinde? Dabei geht es um mehr als um die Erfüllung meiner Sonntagspflicht irgendwo irgendwie mit irgendwem: Das regelmäßige gemeinsame Feiern am gleichen Ort zur gleichen Zeit lässt Beziehungen wachsen, Gemeinde entstehen. Beziehungsaufbau auch über den Gottesdienst ist eine wesentliche Bedingung von Pastoral — deshalb haben wir uns in MS-Süd prinzipiell (alle Priester helfen auch in allen Gemeinden) gegen „rotierende Zelebranten“ entschieden.
Das hat aber auch Konsequenzen für Art und Zahl der Gottesdienste: Gesammeltes, zugewandtes, authentisches Feiern ist für keine/n Priester, Lektorin, Organisten im Stundenrhythmus produzierbar. Jeder liebt natürlich seine gewohnte Messe am gewohnten Ort — aber hier ist immer auch zu fragen: Wer kann das wie oft dauerhaft sinnvoll leisten? Wen schließen wir mit unseren Gewohnheiten vielleicht auch aus? Wann und wo und wie können wir neue Menschen für Gott gewinnen?

Diese Fragen hatten sich schon die alten PGRs und auch der neue Pfarreirat immer wieder gestellt, nach den letzten Sommerferien wurden sie bedrängend: Mehrmals mussten einige der Priester vier Sonntagsmessen feiern, was geistlich an den Rand des Möglichen führt (und aus gutem Grund verboten ist). So analysierten wir denn im Pastoralteam möglichst genau die „Gemeinde“ jeder Sonntagsmesse und kamen zu dem Schluss, dass die Sonntagabendmesse darunter jene ist, die uns Priestern am schwersten fällt und die die am wenigsten stabile Gottesdienstgemeinde darstellt. Sie war seinerzeit als „Südviertelmesse“ eingeführt worden und das ist bis heute prägend geblieben. So haben wir uns im September entschlossen — auch mit Verweis auf die Abendmessen in der Innenstadt — ab den Herbstferien die Sonntagabendmesse aufzugeben. Das sollte nun den Gemeinden mitgeteilt werden …
Aber es kam anders — es gab neue Entwicklungen:
Schon bisher gab es gute Kontakte zur früheren Sebastian-Gemeinde, die zur Donnerstag-Abendmesse in der Antonius-Krypta führten. Nun kam im Herbst das Signal, dass die Sebastianer mit den Patres Baumbach und Katz sich stärkeren Kontakt, ja eine mögliche Integration in die Südviertel-Pfarrei vorstellen könnten.
Es kam zu einem ersten informellen Gespräch, in dem Erfahrungen und Wünsche ausgetauscht wurden. Die Sebastianer feiern zur Zeit alle 14 Tage im Paulus-Kolleg um 10.30 Uhr die Sonntagsmesse, wir sind davor, die Sonntagabendmesse zu streichen — war da vielleicht ein Zu- und neues Miteinander möglich?
Um das Thema in Ruhe bedenken und besprechen zu können boten wir an, die Sonntagabendmesse entgegen unserem Beschluss bis auf weiteres nicht auszusetzen. In der Oktober-Sitzung unseres Pfarreirates würdigten die Beiträge dann die Chancen eines Neubeginns mit St.  Sebastian, formulierten aber auch die Vorzüge des Verbleibens in der Geist-Kirche, betonten aber vor allem den dringenden Wunsch, falls irgendwie möglich eine Sonntagabendmesse im Südviertel zu erhalten.
Beim nächsten Treffen zeigte sich, dass die Sebastian-Gemeinde tatsächlich bereit war, den Sonntagsgottesdienst von morgens auf abends zu verlegen. Dafür wünschten sie sich aber, dass dieser in der Antonius-Krypta stattfinden könne: In dieser hätten sie schon ein Stück Heimat gefunden, dieser sehr kommunikative und stadtnahe Rundraum ermögliche für sie deutlich besser eine gesammelte Gemeinschaftsfeier als eine große Hallenkirche.
Mit am Tisch saßen dieses Mal auch Vertreter der Queer-Gemeinde (homosexueller Menschen), die schon seit sieben Jahren einmal im Monat in der Krypta sonntagabends Gottesdienst feiern. Auch sie erklärten ihre Bereitschaft, sich mit ihrer Gruppe zu öffnen und mit Vorbereitungsteam, Zelebranten und Predigern in eine neue Struktur zu integrieren.
Die Voten aus unserem Pfarreirat (z.B. seit Jahren zu dieser Zeit gewohnter Raum, großzügiger und offener Raum, behindertengerechter Zugang …) wurden ausführlich diskutiert und gewürdigt. Das Gespräch führte dann zu folgender Lösung:
Es gibt auch in Zukunft in unserer Pfarrei eine hl. Messe am Sonntagabend. Sie wird ab dem 1. Advent wie gewohnt um 19.00 Uhr, aber an neuem Ort, in der Antonius-Krypta gefeiert. Damit wird auch in der Antonius-Gemeinde am Sonntag wieder eine Eucharistiefeier stattfinden. Verantwortlich für Vorbereitung, Zelebranten und Prediger zeichnen die Sebastian- und die Queer- Gemeinde, die damit als weitere Gemeinden unsere Pfarrei bereichern. Diese übernehmen mit einer AG aus St. Antonius auch die Verantwortung für die Weihnachtsmesse am Hl. Abend um 17.00 Uhr in der Antonius-Kirche (!).
Ein Kompromiss — der eine Sonntagabendmesse für unsere Pfarrei „rettet“, die wir Seelsorger vor Ort nicht mehr leisten können. Ein Kompromiss, der Öffnung und Versöhnung signalisiert und so in die Zukunft weist. Ein Kompromiss, der viele etwas kostet, aber auch vielen etwas bringt. Ein Kompromiss, der durch Profilierung und Stadtnähe ganz neue Teilnehmer gewinnen kann. Ich kann Sie nur herzlich bitten, diesen Kompromiss mitzutragen, auch wenn er Sie persönlich etwas kostet!
Wir haben viel gesprochen, ernsthaft alle Aspekte zu bedenken versucht aber wir wissen nicht, ob diese Lösung die nächsten 10 oder gar 20 Jahre trägt. Es ist wie momentan mit Vielem in der Kirche: ein tastender Weg in die Zukunft. Aber „Einfach weiter so“ wäre auch keine Option.
So habe ich die echte Hoffnung, dass es mit diesem Kompromiss einmal nicht um ein „Noch“, sondern um ein „Schon“ gehen könnte!
Stefan Rau, Pfarrer in St. Joseph Münster-Süd



Seit der Schließung unserer Kirche (in deren Gebäude sich inzwischen die Kindertagesstätte „Südhafen“ befindet) treffen sich zahlreiche Mitglieder der ehemaligen Pfarrgemeinde St. Sebastian weiterhin regelmäßig zu gemeinsamen Gottesdiensten an Sonn- und Werktagen. Dabei haben wir unseren besonderen Charakter, die Liturgie und das Gemeindeleben zu gestalten, sowohl bewahren als auch weiterentwickeln können. Es war allerdings nicht immer leicht, den räumlichen Kontakt zum Südviertel aufrechtzuerhalten.
Durch unsere Gottesdienste am Donnerstagabend in der Antonius- Krypta haben wir diesen Ort jedoch mehr und mehr als eine Heimat erfahren können. So sind wir sehr froh, dass sich nun die Gelegenheit bietet, in Zusammenarbeit mit der Queergemeinde einen wöchentlichen Gottesdienst am Sonntagabend in der Krypta zu feiern und damit auch das Fortbestehen eines Sonntagabendgottesdienstes im Süden von Münster zu gewährleisten. Und wir freuen uns über die Möglichkeit, uns auf diese Weise noch einmal neu in St. Joseph Münster-Süd zu verorten.
Die Gestaltung eines Sonntagabendgottesdienstes ist gewiss eine besondere Herausforderung. Wir verstehen daher die mit dem 1. Advent beginnenden Gottesdienste als ein gemeinsames offenes Projekt und möchten ganz herzlich dazu einladen, dazuzukommen, mitzufeiern und an der Weiterentwicklung dieses Projektes teilzunehmen.
Georg Kleemann, für die Sebastian-Gemeinde



Die Queer-Gemeinde in Münster entstand 1999 auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft Schwule Theologie. Der Begriff „queer“ bedeutet im ursprünglichen Sinn „seltsam“, „verschroben“ oder „suspekt“. Heute ist „queer“ für uns jedoch eine positive Selbstbezeichnung. Es steht für eine Vielfalt von Lebensformen und Lebensentwürfen und ist Gegenmodell zu den vielfach diskriminierenden Einordnungen von Menschen nach Geschlecht und sexueller Orientierung. Gegenwärtig sind wir eine Gruppe von etwa 20 Männern und Frauen, die jeweils am 2. Sonntag im Monat gemeinsam Eucharistie feiern.
Bis 2008 war uns die St. Sebastian-Kirche Heimat, in den vergangenen sieben Jahren ist uns dann die Antonius- Krypta zu einem vertrauten Ort geworden. Für die Gastfreundschaft der Gemeinde St. Joseph im Südviertel, wie zuvor auch der St. Sebastian-Gemeinde, sind wir sehr dankbar! Wenn wir als Queer-Gemeinde Eucharistie feiern, glauben wir, dass Gott uns Menschen über alle Grenzen hinweg beruft unseren Glauben zu teilen, Gemeinschaft zu bilden und Gottesdienst zu feiern!
Deshalb sehen wir eine Chance darin, wenn der Queer-Gottesdienst nun künftig in der Reihe der „regulären“ katholischen Sonntagsgottesdienste im Südviertel steht und sind positiv gespannt auf dieses Projekt: Gemeinschaft entsteht durch Mitmachen und Zusammenarbeit!
Jürgen Deelmann, für die Queer-Gemeinde