An den Rat der Stadt Münster
z. Hd. Herrn Dr.Tillmann
Oberbürgermeister der Stadt Münster
Münster-Amelsbüren, den 5.12.2005
Sehr geehrter Herr Dr. Tillmann,
wir Unterzeichner setzen uns für den Erhalt des Hallenbades in Amelsbüren ein, welches wir für die Funktion des Gemeinwesens Amelsbüren - jenseits einer ökonomisierten Weltsicht - als sehr wichtig erachten.
Ihre Gründe für die Schließung können wir zwar teilweise nachvollziehen, aber nicht billigen.Zuerst wollen wir nicht an seitens einer Consulting Firma für zwingend erachteten Nutzungskriterien gemessen werden, wie Ausstattung mit Gastronomie, Rutsche oderWhirlpool. Wir sind mit dem Bad so, wie es ist, sehr zufrieden: Die sehr überschaubare Größe ist ideal für das Schwimmen/Baden gerade mit kleineren Kindern und wir erfreuen uns an dem Ausblick ins Grüne und die Sonneneinstrahlung über die zwei vollverglasten Seiten. Die Ausstattung mit schönen Grünpflanzen und ausgesägten großen Comicfiguren unterstützt die familiäre geruhsame Atmosphäre – wir wollen kein "Designer-Schicky-Micky-Bad"!
Wie die Studie zeigt, sind die Amelsbürener mit einer Quote von 105% die schwimmfreudigsten Bürger Münsters. In unserem kleinen Ortsteil hat das Baden in unserem Hallenbad über die gesundheitlichen und sportlichen Aspekte hinaus auch kommunikative und damit soziale Funktion und dient somit auch der Integration der vielen Neubürger aus dem neuen Baugebiet.
Unsere Kinder können zu Fuß zum Bad gehen und sich dort mit Freunden verabreden; dadurch können sie viel häufiger zum Schwimmen gehen, als wenn wir sie jedesmal mit dem PKW nach Hiltrup oder sonstwohin fahren müßten. Dadurch bewegen sie sich und bleiben gesund, genau wie unsere Senioren, die das Bad in hohem Maße regelmäßig nutzen und auch auf die problemlose Erreichbarkeit angewiesen sind. Unser Hallenbad ist als eines der wenigen auch behindertengerecht – wir sprachen viele Badegäste, die aus diesem Grunde sogar aus anderen Stadtteilen wie Hiltrup anreisten.
Auch für das Schulschwimmen hat unser Hallenbad eine sehr wichtige Funktion: Für die Davertschule ist es ohne Zeitverlust durch Wege zu erreichen, für die Grundschule Loevelingloh mit geringem Zeitaufwand; die Lehrer der Johannisschule, einer Sonderschule, die ihren Schwimmunterricht auch in Amelsbüren erteilt, können sich kaum vorstellen, mit ihren Schülern ein anderes Bad aufzusuchen – nur hier ist die Beaufsichtigung so problemlos. Weite Busfahrten zum Schwimmunterricht sind mit hohem Zeit- (und Geld-) Aufwand verbunden und führen damit zu Unterrichtsausfall, der leicht vermieden werden könnte und somit nicht zu rechtfertigen ist; zudem ist das Hiltruper Bad schon jetzt durch die Hiltruper Schulen ausgelastet, wir zählten am Vormittag bis zu 150 Schüler gleichzeitig.
Rechnet man allein die Kosten für Schülertransporte, bleibt von der ausgerechneten Ersparnis schon nur noch ein geringer Anteil; rechnet man in einem gesamtgesellschaftlichen Ansatz auch noch Fahrtkosten, Fahrtzeit und Umweltbelastung durch die vielen privaten Fahrten zu nur noch wenigen Restbädern innerhalb der Stadt, so wird man zu einer Negativbilanz kommen. Die Kommunen erhalten Steuergelder, um öffentliche Aufgaben wahrzunehmen! Im übrigen: Mit den Kosten für das Gutachten hätte unser Bad schon wieder zweieinhalb Jahre lang betrieben werden können!
Über das Defizit des Betriebes ist mit uns zu reden. Wir können uns höhere Preise vorstellen. Aber warum müssen zwei Bademeister Dienst tun, wenn einer früher reichte? Die Logik ist doch pervers: Zwei Bademeister treiben die Defizite hoch, die dann zum Schließen des Bades, das doch gerade erst für viel Geld (600000 Euro!) rundum renoviert worden ist, führen und die Bademeister freistellen.
Wenn die Politik ihre Gemeinschaftsaufgaben nicht mehr wahrnimmt, werden wir diese Politik auch nicht mehr wahrnehmen. Überdenken Sie bitte Ihre Position – nehmen Sie die Anliegen Ihrer Mitbürger ernst!
Mit freundlichem Gruß
Klaus Tesching, Münster-Amelsbüren
- Bürgerinitiative zur Sicherung des Hallenbades in Amelsbüren-