Weltspartag - Aktionstag der Arbeitslosen

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Arbeitslose sparen. Aber nicht so, wie der Weltspartag Sparen meint. Statt zu sparen wird an ihnen gespart. Sparen heißt für Arbeitslose, dass sie weniger ausgeben können. Sparen heißt für sie nicht, dass sie etwas zurücklegen. Sparen heißt für sie, das Zurückgelegte aufzubrauchen.

Wer länger arbeitslos ist, bekommt Arbeitslosengeld II, oder wie es auch oft heißt, Hartz IV. Für alleinstehende Erwachsene sind das 347 Euro im Monat plus den größten Teil der Miete, Angehörige kriegen weniger.


Kinderarmut

1,9 Millionen der insgesamt 7,4 Millionen Hartz IV-Bezieher sind Kinder. Für Kinder im Haushalt von Hartz IV-Beziehern gibt es 208 Euro monatlich. Darin sind pro Tag 2,57 Euro für Essen enthalten; für Frühstück, Mittag und Abendessen und die wichtigen Zwischenmahlzeiten. Und Getränke. Das reicht, zynisch gesagt, für Magersüchtige. Es ist gerade genug, um Kinder oder Jugendliche mit schlechten Lebensmitteln satt zu kriegen, für eine gesunde Ernährung reicht das nicht, hat kürzlich die Universität Bonn festgestellt.

In den 208 Euro ist gar kein Geld vorgesehen für den Schulbedarf, also für Schulbücher, Hefte, Kopien, Stifte, Malzeug, Radierer, Geodreieck, Zirkel, Schultasche, Sportzeug, für die Klassenkasse oder kleine Ausflüge. Wie ist die Aussicht für die Zukunft, wenn gesagt wird, die Investition in die Bildung sei eine Investition in die Zukunft?


Wohnungsnot

Vier Millionen Euro im Jahr will die Stadt Münster bei den Wohnungskosten für Hartz IV-Bezieher einsparen. Viele würden zu teuer wohnen, sie sollten in billigere Wohnungen umziehen. Wo aber sind diese Wohnungen? Es werden kaum noch Sozialwohnungen gebaut. Selbst für schlechte Wohnverhältnisse zahlen Münsteraner viel, viel Geld. Das Amt aber fordert Mietkostensenkung, oder es übernimmt einfach nicht mehr die volle Miete.


Ein-Euro-Job statt Ausbildung von Qualifizierten

Gespart wird auch an der Arbeitsförderung. Alle klagen über die fehlenden Fachkräfte in Deutschland, an der beruflichen Qualifizierung aber wird gespart. Die Überschüsse der Arbeitsverwaltung rühren auch daher, dass von dem, was früher mal Qualifizierungsoffensive hieß, nichts mehr da ist. Die umfangreichste Förderung geht in Ein-Euro-Jobs. Denn diese haben für die Politik den Vorteil, dass die Teilnehmer nicht mehr als Arbeitslose zählen, auch wenn sie weiter Arbeitslosengeld II beziehen. Außerdem kriegen beispielweise die Kommunen und die Altenheime auf diese Weise Hilfskräfte, für die sie nicht zahlen müssen.


Billigjobs

Nun sparen nicht allein die Arbeitsämter, es sparen auch viele Arbeitgeber. An den Weiterbildungsinvestitionen sparen die Betriebe seit langen Jahren, und sind ihre Leute dann nicht qualifiziert genug, dann will sie keiner halten oder neu einstellen. Der Nettolohn der meisten Arbeitnehmer geht zurück. Wenn die Lokomotivführer 30 % mehr haben wollen, dann ist das noch nichts gegen die 300 %, die die Bahnmanager für sich durchsetzen konnten. Wenn die Postleute 8 oder 9 Euro Mindestlohn haben wollen, dann schreit die private Postkonkurrenz auf. Aber mit einem solchen Stundenlohn kann eine Familie ohne ergänzende Sozialleistungen noch nicht ernährt werden.

Anlaufstellen für Arbeitslose

Bislang werden die Arbeitslosenberatung im cuba, der Malta-Arbeitslosentreff und das Arbeitslosenzentrum in Kinderhaus vom Land NRW gefördert. Diese Förderung unabhängiger Anlaufstellen will die Landesregierung einsparen.

Das ist der Weltspartag für Arme.

-avo-