Editorial


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Liebe Leserin, lieber Leser!

Weihnachten I: Kürzlich stand ich um halb sieben an der Bushaltestelle. Eine Busfahrerin hatte auch Feierabend. Mit dem Handy rief sie zuhause an, sie fragte: „Hast du schon zu Abend gegessen? Du hast dir etwas geholt? Ach, einen Hot Dog. Ja, ich bin jetzt auch auf dem Heimweg.“ Gott sei Dank gibt es Mobiltelefone, damit Mutter sich um ihr Kind kümmern kann. Auf dem Arbeitsamt II werden Mütter gern mit solcher Art von Berufsperspektiven konfrontiert: „Sie müssen alles dafür tun, damit Sie nicht auf Arbeitslosengeld II angewiesen sind. Haben Sie keine Verwandten oder Nachbarn, die Ihr Kind ins Bett bringen können?“ ist eine beliebte Vermittler-Frage an die Alleinerziehende, wenn sie keine Teilzeitstelle am Vormittag findet. Aber ist dies das Ideal für berufstätige Mütter? Wollten wir so was, als wir für flexiblere Arbeitsverhältnisse eingetreten sind? Unter Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellen wir uns etwas anderes vor als Erziehung per Handy!

Weihnachten II: Einer, der große Verantwortung für das Elend mit Hartz IV trägt, hat gezeigt, wie es geht. Der Arbeitsminister Franz Müntefering hat seinen Ministerjob hingeworfen, um sich um seine kranke Frau zu kümmern. So soll es allen möglich sein. Es gibt genügend Leute, die einspringen können. (Natürlich kann Münte sich das leisten, er erhält weiter die Diäten für den Sitz im Bundestag, 10 000 € im Monat, soviel haben manche Alleinerziehende im Jahr. Den Bundestag macht er nebenher, hat er bislang auch so gemacht.)

Weihnachten III: Natürlich, Geschenke! Die SPERRE ist unser Kind, unser aller Kind, auch Deins, auch Ihres. Man kann es beschenken, Du kannst schenken, Sie können schenken. Geiz ist da gar nicht geil. Denn der Geiz bedroht die SPERRE. Bis jetzt erhalten wir Zuschüsse von der Stadt für die Zeitung und vom Land für unsere Aktivitäten als Arbeitslosenzentrum. Die Stadt will die SPERRE nicht mehr fördern, denn - so ist die Begründung - das Straßenmagazin draußen! bekomme ja auch kein Geld. Jedoch die draußen! wird verkauft, die SPERRE aber liegt umsonst aus in den Arbeitsämtern, im Sozialamt, an vielen Stellen, wo Bedürftige hinkommen. Sollen wir jetzt die SPERRE verkaufen? Das erreicht nicht die, die sie brauchen, und die draußen! würde sich bedanken für den Mitbewerber. (Um unsere Belastbarkeit weiter zu testen: Das Land will demnächst die Arbeitslosenzentren nicht mehr finanzieren.) Also, wenn das nicht die ideale Gelegenheit zum Schenken ist!
Weihnachten IV: Unser Geschenk, dieses Heft. Es erfüllt - nahezu - alle Wünsche, vom Abenteuer auf dem Amt über Lügendetektoren, SPERRE-Retter-T-Shirts bis zum Zusammenleben in wilder Ehe!
Schöne Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr - auch für die SPERRE – und auch im Januar wünscht

-avo-