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Selbsthilfegruppe
für die koronare Herzkrankheit - Leben mit Bypässen und Stents

Wie die Koronare HerzKrankheit (KHK) entsteht und wie sie behandelt wird

Wie entsteht die Koronare Herzkrankheit (KHK)?

Bild1Eine KHK entsteht durch verengte Herzkranzgefäße. Diese heißen so, weil sie wie ein Kranz um das Herz liegen. Sie versorgen das Herz mit Blut, das wiederum den lebenswichtigen Sauerstoff transportiert. Sogenannte Plaques können diese Transportwege verengen. Sie bestehen aus Fett- und Kalkablagerungen an den Innenwänden der Herzkranzgefäße und verringern ihren Durchmesser. Eine der Folgen ist, dass das Herz zu wenig Sauerstoff bekommt. Besonders bei körperlicher Belastung kann es dann nicht mehr genügend Blut durch den Körper transportieren und es treten Beschwerden auf.

Eine KHK kann schwere Folgen wie Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche haben und damit lebensbedrohlich werden. Deshalb sollten Sie mit Ihrem Arzt genau durchsprechen, was bei einem Notfall zu tun ist. Auch Ihre Angehörigen sollten darüber Bescheid wissen.

Wie sich eine KHK behandeln lässt

Heilen kann man die KHK nicht. Mit der passenden Behandlung können Sie jedoch gut damit leben. Die Behandlung verfolgt zwei Ziele: Beschwerden lindern und gefährlichen Folgen wie Herzinfarkt vorbeugen. Das wichtigste bei jeder Behandlung ist ein gesunder Lebensstil, das heißt: viel Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und möglichst Verzicht auf das Rauchen. Darüber hinaus lässt sich eine KHK mit Medikamenten, mit sogenannten Stents oder einer Operation behandeln. Näheres lesen Sie dazu bitte in den entsprechenden Menüpunkten.

Einige Medikamente sollten Sie auf jeden Fall einnehmen, egal, ob Sie Beschwerden haben oder nicht. Aussagekräftige Studien belegen, dass sie bei manchen Patienten das Leben verlängern können:

  • Blutverdünnende Medikamente verhindern, dass sich Blutplättchen an den Wänden der Herzkranzgefäße anlagern.
  • Cholesterinsenkende Medikamente sorgen für günstige Blutfettwerte. So lagern sich weniger Plaques innen an die Gefäße.

Auch Blutdruck senkende Medikamente wie z.B. Beta-Blocker, ACE-Hemmer und andere Medikamente können bei bestimmten Patienten zum Einsatz kommen. Lassen sich die Beschwerden mit Medikamenten nicht ausreichend lindern, kann Ihr Arzt Stents einsetzen oder mit einer Operation am Herzen verengte Blutgefäße überbrücken. Medikamente benötigen Sie allerdings weiterhin.

Quelle:
Auszüge aus: Patienteninformation, Hrsg: Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), im Auftrag von: Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Bundesärztekammer (BÄK), September 2014, mit freundlicher Genehmigung zur Verwendung

Kurzinfo Koronare Herzkrankheit Alle Informationen finden Sie auch hier zum Download.

 

Risiko und Vorsorge

Risikofaktoren, Beschwerden und die eigene Vorsorge

Die KHK wird durch verschiedene Faktoren befördert. Sie können selbst vorbeugen, indem Sie verschiedene Risikofaktoren vermeiden und bewusst auf die Signale Ihres Körpers achten. Sind Sie bereits betroffen von einer KHK, sind Sie ebenfalls nicht macht- oder hilflos. Sie können auch dann eine ganze Menge selbst tun: Patientenschulungen geben Ihnen zum Beispiel Tipps und helfen Ihnen, sie auch in die Tat umzusetzen. Sie können auch an speziellen KHK-Versorgungsprogrammen teilnehmen. Ziel ist, dass Ihre Versorgung durch Haus- und Fachärzte aufeinander abgestimmt ist. Sprechen Sie Ihren Arzt auf diese Möglichkeit an. Auch in einer Selbsthilfegruppe gibt es immer wieder hilfreiche Hinweise, wie Sie gut auf Ihre Gesundheit achten können.

Welche Risikofaktoren können zur KHK führen?
Ein erhöhtes Risiko für Ihre Herzkranzgefäße besteht, wenn

  • wenn Sie rauchen
  • wenn Sie sich wenig bewegen
  • wenn Sie sich ungesund ernähren oder an Übergewicht leiden
  • wenn Ihre Blutfettwerte ungünstig sind
  • wenn bei Ihnen eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) vorliegt
  • wenn Sie einen hohen Blutdruck haben
  • bei emotionaler Belastung

Mit welchen Beschwerden macht sich eine KHK bemerkbar?
Bei einer KHK treten Beschwerden nicht ständig auf und sie können auch unterschiedlich stark sein. Auftreten können:

  • Schmerzen hinter dem Brustbein, die häufig in Hals, Kiefer, Arme oder Oberbauch ausstrahlen
  • Luftnot, Atemnot
  • Schweißausbrüche oder Übelkeit
  • ein Gefühl der Lebensbedrohung
  • Unter einer Angina pectoris versteht man ein anfallsartiges Engegefühl oder Schmerzen in der
    Brust, die sich meist unter körperlicher Belastung oder Stress einstellen.

Was Sie selbst bei einer KHK tun können

  • versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören
  • Sport treiben und in Bewegung bleiben
  • auf Ihre Ernährung achten
  • Medikamente regelmäßig und wie vom Arzt verschrieben einnehmen
  • regelmäßig Blutdruck, Blutzucker und gegebenenfalls Blutfette kontrollieren lassen
  • jährlich an der Grippe-Schutzimpfung teilnehmen (Fragen Sie Ihren Arzt nach den Vor- und Nachteilen)
  • die Menschen, mit denen Sie täglich zusammen sind, über Ihre Erkrankung informieren
  • negative Stressfaktoren minimieren
  • sich mit Betroffenen austauschen, z.B. in einer Selbsthilfegruppe

Ballondilatation

Was ist eine Ballondilatation?

Bei der Ballondilatation wird eine verengte oder verschlossene Arterie mithilfe eines Ballonkatheters gedehnt, damit das Blut wieder möglichst ungehindert fließen kann. Mediziner nennen dieses Verfahren unter anderem Angioplastie. Eine Angioplastie am Herzen heißt Koronarangioplastie.

Der Ballonkatheter ist ein dünner und biegsamer Plastikschlauch, an dem ein aufblasbarer Ballon angebracht ist. Der Katheter wird im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung – meist über die Leistenarterie – bis zu der verengten Stelle vorgeschoben. Dann wird der Ballon aufgeblasen – wodurch er die Ablagerungen in die Gefäßwand zurück drückt und das Blut wieder frei fließen kann. Anschließend wird der Ballonkatheter wieder entfernt.

Außerdem gibt es ein Verfahren, bei dem der Ballonkatheter zusätzlich mit einem medizinischen Wirkstoff beschichtet ist. Dieser Wirkstoff wird an die Gefäßwand abgegeben, um dort in der Zukunft überschüssiges Gewebewachstum zu unterdrücken.

Nach der Ballondilatation sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen inklusive Belastungs-EKG beim Kardiologen nötig. Die Mediziner stellen so fest, ob das geweitete Herzkranzgefäß auch dauerhaft offen bleibt. In rund 20-30 Prozent der Fälle verengen sich die Gefäße wieder – meist innerhalb der ersten drei bis sechs Monate nach der Ballondilatation. Welche Methoden es noch gibt, lesen Sie auch unter Stents und Bypass-Operationen.

Sie wollen mehr lesen? Informieren Sie sich auch auf kardionet.de – einer Informationsplattform zum Thema Herz-Kreislauf- Krankheiten für Betroffene und deren Angehörige.

Stent-Implantation

Was ist eine Stent-Implantation?

Mit einem Ballonkatheter werden verengte oder verschlossene Arterien aufgedehnt. Um zu verhindern, dass diese wieder „zuwachsen“, setzen Mediziner sogenannte Stents in die betroffenen Herzkranzgefäße ein. Sie funktionieren wie röhrenförmige Stützgitter und halten das Blutgefäß dauerhaft offen.

Ein Stent wird im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung – meist über die Leiste – in das betroffene Herzkranzgefäß eingesetzt. Dazu wird er auf den Ballonkatheter aufmontiert und bis zur fraglichen Stelle im Gefäß vorgeschoben. Dort wird dann der Ballon aufgeblasen. Weil der Stent sich zwischen Ballon und Gefäßwand befindet, wird er durch das Aufblasen des Ballons an die Gefäßwand gedrückt. Dort verbleibt er, um nach und nach mit der Gefäßwand zu verwachsen, die er stützt. Ballon und Katheter werden nach der Behandlung wieder geschrumpft und vorsichtig herausgezogen. Im Anschluss muss der Patient einige Stunden flach liegen und wird sorgfältig überwacht. Wie bei der Ballondilatation gibt es auch Stents, die mit Medikamenten beschichtet sind. Auch sie setzen medizinische Wirkstoffe frei, die verhindern sollen, dass sich das Blutgefäß erneut verengt.

Nach dem Einsetzen eines Stents sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen inklusive Belastungs-EKG beim Kardiologen nötig. Die Mediziner stellen so fest, ob das geweitete Herzkranzgefäß dauerhaft offen bleibt. Patienten mit einem Stent müssen außerdem dauerhaft Medikamente einnehmen, die die Blutplättchen hemmen. Sie verhindern, dass sich im Bereich des Stents Bluttplättchen anlagern, die ihn verstopfen. Dies gilt auch für Patient_innen, die einen mit Medikamenten beschichteten Stent implantiert bekamen.

Sie wollen mehr wissen?
Informieren Sie sich auch auf kardionet.de – einer Informationsplattform zum Thema Herz-Kreislauf-Krankheiten für Betroffene und deren Angehörige.
Finden Sie hier außerdem eine Patientenbroschüre von der Herstellerfirma Boston Scientific zum Thema Stents.

Bypass-Operation

Was ist eine Bypass-Operation?

Bypass ist das englische Wort für Überbrückung. Bei einer Bypass-Operation werden verengte oder verschlossene Herzkranzgefäße überbrückt. Auch hier ist das Ziel, den Herzmuskel wieder ausreichend mit Blut zu versorgen. Für einen Bypass werden meist kleine Venenstücke aus dem Ober- oder Unterschenkel entnommen oder eine Brustwandarterie wird umgeleitet. Kardiologen entscheiden sich für eine Bypassoperation am Herzen, wenn zum Beispiel ein oder mehrere Herzkranzgefäße stark verengt sind oder auch, wenn eine Ballondilatation erfolglos bzw. nicht durchführbar war. Nicht immer ist eine Bypassoperation sinnvoll. Kardiologen entscheiden das von Patient zu Patient individuell. In den letzten Jahren hat sich außerdem die Technik der Herzchirurgie so entwickelt, dass auch schonende, minimal-invasive Operationsverfahren zum Einsatz kommen können.

Eine Bypassoperation ist in den meisten Fällen eine Operation am offenen Herzen, bei der eine Herz- Lungen-Maschine die Aufgaben von Herz und Lunge übernimmt. Ist der Brustkorb des Patienten geöffnet und die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, werden die vorbereiteten Venenstücke oberhalb und unterhalb des Engpasses in die Herzkranzarterie eingenäht. Danach werden die Blutgefäße gespült um zu prüfen, ob sie durchlässig sind. Ist alles in Ordnung, wird das Blut wieder durch das Herz geleitet; es beginnt dann in der Regel wieder von selbst zu schlagen. In manchen Fällen muss ein kleiner Stromstoß nachhelfen. Erneut wird danach genau geprüft, ob alle Nähte dicht sind und das Herz wieder richtig funktioniert. Ist das der Fall, können die Herz-Lungen-Maschine abgeklemmt und der Brustkorb geschlossen werden. Das eingenähte Venengewebe gewöhnt sich übrigens recht schnell an seine neue Aufgabe und wandelt sich in Arteriengewebe um. Auch das Brustbein wächst in der Regel wie ein Knochenbruch innerhalb von sechs bis acht Wochen wieder zusammen.

Nach der Operation liegen die Patienten für einige Tage auf der Intensivstation. Bald darauf beginnen sie mit ersten krankengymnastischen Übungen. Nach zwei bis drei Wochen verlassen sie das Krankenhaus dann zu einer mehrwöchigen Rehabilitation. Währenddessen und auch danach sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig. Dabei prüfen die Kardiologen, ob der Bypass dauerhaft offen bleibt und wie sich die koronare Herzerkrankung an den anderen Herzkranzgefäßen entwickelt.

Sie wollen mehr wissen? Informieren Sie sich auch auf kardionet.de – einer Informationsplattform zum Thema Herz-Kreislauf- Krankheiten für Betroffene und deren Angehörige.