© by Christian Nachtigäller
Gesammelte
Gedichte
Mann
und Frau
Mann
und Frau begegnen sich
Er ist lasziv - sie ist recht bieder
Er denkt an Sex - sie leider nicht
Da trennen sie sich wieder
ZUG
Auf
einem Übergang der Deutschen Bahn,
da, wo sonst die Züge fahr´ n,
liegt
eine Frau und sie ist tot,
auf den Schienen: Alles rot.
Die
ganzen Gleise blutverschmiert,
Körperteile unsortiert:
Hier
ein Bein, ein Fuß, ein Arm,
dort eine Hand, die Milz, der Darm.
Und
der Kopf: Am Rand im Klee,
das war wohl ein ICE.
Ein
Augenzeuge sprach benommen:
"Sie hat wohl etwas Zug bekommen."
Blumen
mitbringen
Eines
Tages brachte ich
´nen Strauß Blumen - bunt und froh,
für die Frau, so dachte ich
außer der Reihe, einfach nur so.
So
stand ich dann mit diesem Sträußchen
freudestrahlend - gut gelaunt-
vor ihr, doch sie war aus dem Häuschen,
was dann kam, hat mich erstaunt.
Nein,
wie ich wohl dazu käme,
was das ganze denn wohl solle,
ob ich mich für etwas schäme -
und dann wurde es richtig dolle.
Als
sie nach Bier und Schnaps mich fragte
oder sogar andern Drogen,
verneinte ich - doch was ich sagte,
fand sie erstunken und erlogen.
Bei
dem Versuch, noch nett zu lachen,
steigert´ sie sich richtig rein.
Sie schmiss mit Tassen und mit Sachen,
auch ihre Wortwahl war nicht fein.
Sie
schrie: "Lügner, Niete, Idiot!"
und zertrampelte die Lilien,
ihr Gesicht färbte sich rot,
dann schmiss sie mit Utensilien.
"Ich
weiß" - (es flog ein Blumentopf),
daß dein Lachen nur gestellt ist" .
Ein Teller streifte meinen Kopf.
"Gestehe - du hat ein Verhältnis !
Ja,
jetzt weiß ich es genau,
(sie schlug mich mit dem Sofakissen)
dahinter steckt `ne andre Frau."
Dann ging´s um Sünde und Gewissen.
So
tobte sie die ganze Nacht,
hat manch´ Beleidigung gefunden,
hat mir Vorwürfe gemacht
bis in die frühen Morgenstunden.
Die
ersten Sonnenstrahlen brachten
eine rötlich warme Tönung.
Wir sahen uns an - und lachten,
dann kam die Versöhnung.
Als
sie schlief (es war halb acht),
ein schöner, klarer Morgen -
hab´ ich mich aus dem Haus gemacht,
um ein paar Blumen zu besorgen.
Gedichte
Wenn
einer, der sich Dichter nennt,
nur weil er viele Worte kennt,
meint,
er könne diese alle
nutzen (und in jedem Falle)
dann
die sämtlichen Ergüsse
zu Papier bringen; meint er müsse
ganz
weit ausholen und erklären,
nur dass sich die Zeilen mehren,
um
die vielen und enormen
Worthülsen zu Sätzen formen,
sodann
die Strophen noch sortiert,
umstellt oder variiert
und
glaubt, dass der gesamte Text
zu ´nem Gedicht zusammenwächst,
nur
weil es ab und an zuweilen
sich reimt - am Ende dieser Zeilen,
so
irrt er.
Jäger
Ein
Jäger saß im Restaurant
und orderte als zweiten Gang,
nach
der Suppe einen Fisch
- gedünstet und vortrefflich frisch.
Leider
ist ihm eine Gräte,
(die er vorher nicht erspähte)
weil
er hastig so geschlungen,
in die Speiseröhre eingedrungen.
Hustend,
um nach Luft zu ringen,
ist unter keuchen, pusten, schwingen
er
in den Teller abgenickt
und dort dann schließlich auch erstickt.
Schnell
hat der Kellner zugegriffen
und den Jäger rausgeschliffen.
Zuhilfe
eilte auch der Koch
dieser sprach im Rausgehen noch:
"Liebe
Gäste, ich bin ehrlich -
so ein Fisch, der ist gefährlich!
Ich
hätt´ ´nen and´ren Gaumenkitzel:
Wir haben frische Jägerschnitzel . . . !"
©
Christian Nachtigäller