SeHT-NRW

27. 08. 2008

SCHWERBEHINDERTENAUSWEIS

Abgelegt unter: Teilleistungsschwächen — SeHT @ 23:15

SCHWERBEHINDERTENAUSWEIS

Informationen für Jugendliche

Meine Rechte – meine Pflichten

“Der Ausweis macht mich nicht kranker oder behinderter!

Aber er kann mir das Leben mit Krankheit oder Behinderung erleichtern.”


1. Was ist der Schwerbehindertenausweis?

Der Ausweis wird vielleicht selten gebraucht, kann aber sehr wichtig sein. Als Ausgleich für die Nachteile, die ein Leben mit einer chronischen Krankheit oder Behinderung mit sich bringt, stehen Ihnen einige Rechte zu.

Das sind unter anderem:
- Der Schwerbehindertenausweis ist eine Grundvoraussetzung für die Anerkennung einer chronischen Krankheit (Belastungsobergrenze bei der Zuzahlung / Fahrtkosten)
- steuerliche Vorteile Erleichterung bei der Beantragung eines Wohnberechtigungsscheines
- Niedrigere Einkommensgrenze für die Beantragung des Erziehungsgeldes 1
- mögliche Vergünstigung beim Erwerb einer Immobilie
- Ermäßigungen beim Kauf von Fahrkarten, Eintrittskarten und innerdeutsche Flugtickets
- Anspruch auf Hilfe bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz
- Besondere Vergütung und Unterstützung während der Ausbildung oder dem Studium. Beim Studium erhalten Betroffene mit Schwerbehindertenausweis
eher (und, wenn gewünscht, wohnortnaher) einen Studienplatz
- finanzielle Anreize für Betriebe, die ausbilden oder chronisch Kranke / Behinderte einstellen
- Verbesserter Kündigungsschutz

Der Schwerbehindertenausweis diskriminiert nicht!

Sie sollten nicht aus falscher Angst darauf verzichten. Es ist besser, selbstbewußt zu seiner Krankheit oder Behinderung zu stehen – dann kann man auch andere von seinen Fähigkeiten überzeugen.

2. Wie sieht ein Schwerbehindertenausweis aus?

Der Ausweis wird beim Versorgungsamt der Stadt oder des Kreises beantragt. Im Ausweis finden sich neben Angaben zu Name, Adresse etc. vor allem Vermerke über den Grad der Behinderung (GdB) und einzelne Merkzeichen. Es geht nicht um Feststellung einer Erkrankung, sondern nach Leistungseinbuße. Diese wird in Grad der Behinderung zwischen 10 – 100 eingetragen. Je höher der Grad der Behinderung, je mehr Merkzeichen, desto mehr Nachteilsausgleiche erhält man durch den Medizinischen Dienst der Versorgungsämter nach Rückfrage bei den behandelnden Ärzten. Unter 50 Grad erhält man keinen Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis.


Mögliche Merkzeichen im Ausweis:

G bedeutet:
Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr erheblich eingeschränkt » Kfz-Steuerermäßigung 50% / Freifahrt mit 60,– € -Wertmarke
AG bedeutet:
Außergewöhnlich gehbehindert » Kfz-Steuerermäßigung 100% / Freifahrt mit 60,– €-Wertmarke
H bedeutet:
Hilflos
Kfz-Steuerermäßigung 100% / Freifahrt ohne Wertmarke auf Antrag; Pflegepauschbetrag von 924,– € bei der Steuererklärung
B bedeutet:
Ständige Begleitung notwendig » Freifahrt für Begleitperson
RF bedeutet:
Rundfunkgebührenbefreiung und Telefonanschlussgebühren-Ermäßigung und Ermäßigung bei den Verbindungsentgelten bis zu 8,72 €
GI bedeutet:
Gehörlos
Kfz-Steuerermäßigung / Freifahrt/Ermäßigung bei den Verbindungsentgelten bis zu 8,72 €

3. Wie erhalte ich den Ausweis und sie lange gilt er?

Das Versorgungsamt stellt nach einer Prüfung den Ausweis befristet für höchstens 5 Jahre aus, danach kann er zweimal verlängert werden. Ab Vollendung des 10. Lebensjahres muss der Ausweis ein Lichtbild enthalten.
Jugendliche erhalten einen Ausweis, der bis zur Vollendung des 20. Lebensjahres befristet ist. Danach muss ein neuer Antrag gestellt werden. Hierzu ergeht ein Feststellungsbescheid, der zu Ihrer persönlichen Information dient. Er ist zugleich Grundlage für die Ausstellung des Ausweises. Fall Sie mit dem Ergebnis des Bescheides nicht einverstanden sind, können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch beim Versorgungsamt einlegen. Bei der Einschätzung der Frage, ob ein Widerspruch in Ihrem Fall sinnvoll ist, können Ihnen die unten genannten Beratungsstellen helfen. Bei gesundheitlichen Veränderungen kann auch schon vor Ablauf der 5 Jahre beim Versorgungsamt ein Änderungsantrag (mit ärztlicher Stellungnahme) gestellt werden. Ein kurzer Zusatzantrag mit.

4. Ist es sinnvoll, einen Ausweis zu beantragen?

Allgemein lässt sich diese Frage nicht beantworten, da der Gesundheitszustand jedes chronisch Kranken oder Behinderten, aber auch die Lebensumstände jedes Menschen, unterschiedlich sind.
Jeder Betroffene, aber auch die Eltern, sollten für sich entscheiden, ob ein derartiger Ausweis persönlich hilfreich sein kann. Für Jugendliche sollte vor der Entscheidung -neben einem Gespräch mit dem betreuenden Arzt – auch immer ein Gespräch mit dem Behindertenberater des Arbeitsamtes stattfinden.
Es gibt Betroffene, die aus Furcht vor Schwierigkeiten bei der Such nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz keinen Ausweis möchten. Allerdings sind Unternehmen gehalten, eine bestimmte Zahl Schwerbehinderter einzustellen. Ab einem GDB von 60% erhalten Unternehmen, die Behinderte ausbilden, eine hohe Aufwandsentschädigung. Daher sollte man nicht von vornherein auf einen Ausweis verzichten, vor allem dann nicht, wenn die Krankheit oder Behinderung keine Beeinträchtigung für den angestrebten Beruf darstellt. Darüber hinaus erscheint es nicht ratsam, eine Krankheit oder Behinderung im Vorstellungsgespräch zu verschweigen. Beim ersten krankheitsbedingten Ausfall wird sonst das Vertrauensverhältnis erschüttert sein.
Im Übrigen kann der Arbeitsvertrag mit sofortiger Wirkung aufgelöst werden, wenn der Arbeitnehmer bei der Einstellung auf Nachfrage seine Behinderung nicht angegeben hat.
Auf den Ausweis zu verzichten bedeutet auch, die genannten sozialen und finanziellen Vorteile nicht in Anspruch nehmen zu können.

5. Wer hilft mir weiter, wenn ich noch Fragen habe?

- Ihr betreuender Arzt, Sozialarbeiter, Psychologe
- Selbsthilfegruppen
- Behörden (Versorgungsämter, Landessozialämter)
- allgemeine Behindertenverbände, wie zum Beispiel die BAGH
- Kindernetzwerk e.V.

Informationen zusammengestellt von:
Kindernetzwerk e.V. – Aschaffenburg Aufbereitet für SeHT:
Telefon: 0 60 21/1 20 30 Hartwin Schleuß

27. 10. 2007

Seelisches Leid bei Teilleistungsstörung, AD(H)S,

Abgelegt unter: Teilleistungsschwächen — SeHT @ 19:02

Die Fachtagung am 20./ 21. 10. 2007 begann in Bad Honnef mit einer Präsentation der jungen Erwachsenen. In großer Stille päsentierten sie ihre Texte. Alle Teilnehmer Eltern, Jugendliche, Lehrer und Therapeuten waren direkt angesprochen.

Hier ein kleiner Ausschnitt:

Wenn die Seele leidet

…und sucht nach Auswegen…
…schreit nach Hilfe…
…schreit nach Verständnis…
…schreit nach Zuwendung…
…schreit nach Liebe…

Weil:Wenn die Seele leidet

…dann ist der Mensch voller Wut…
…dann ist der Mensch voller Trauer…
…dann ist der Mensch im Stress…
…dann ist der Mensch verzweifelt…
…dann ist der Mensch überfordert…
…dann ist der Mensch vom Schicksal geschlagen…
…dann ist der Mensch voller Sehnsucht…
…dann ist der Mensch voller Sorgen…
…dann ist der Mensch voller Lebensüberdruss…
…dann ist der Mensch ohne Ausweg…

Weil:
Wenn die Seele leidet
=
Schrei nach… …Hilfe!

Schrei nach… …Zuwendung!

Schrei nach… …L i e b e ! ! !

Weil:
Wenn die Seele leidet …dann sucht ein Mensch nach sich selbst!

SUMMA SUMMARUM

Sucht gemeinsam …mit diesem Menschen und helft ihm!

Sucht gemeinsam …nach Lösungen!

Sucht gemeinsam
…wenn die Seele leidet!

Copyright 2007 Christian Damian

09. 11. 2006

Neu: Das Gehirn reagiert auf Beziehungserfahrun- gen

Abgelegt unter: Teilleistungsschwächen — SeHT @ 01:46

Lassen sich Entwicklungen aus negativen Beziehungserfahrungen korrigieren?

In einem Beitrag in der FAZ vom 6.11.2006 S.10 „Zappelig, gewaltbereit und ängstlich“, „Die möglichen Ursachen und Vorbeugungsmaßnahmen gegen Hyperaktivität bei Kindern“ geht die Journalistin Heike Schmoll anlässlich einer Internationalen Tagung am ersten Novemberwochenende 2006 in Frankfurt/M auf neue Erkenntnisse und Forschungsergebnisse zu den Ursachen von ADHS ein.

Mit modernen bildgebenden Messverfahren an unterschiedlichen psychiatrischen Störungen habe man festgestellt, dass im Gehirn auch Beziehungserfahrungen zu Umstrukturierungen in den neuronalen Netzen und Schaltungen der Synapsen führen; und zwar bei Kindern und Erwachsenen.

Sollten sich durch therapeutische Beziehungserfahrungen, durch die das Hirn neue Strukturen aufbaut, frühere Fehlentwicklungen korrigieren lassen?

Es ist klar geworden, welche Bedeutung die Beziehungen zu den Eltern für die Entwicklung der Hirnstruktur des Kindes haben.
Therapeutische Projekte müssen deshalb die Eltern mit einbeziehen. Sie sollen zu sicherem Bindungsverhalten in berechenbarem Umgang in angenehmer Umgebung angeleitet und unterstützt werden.
Ziel ist: die Kinder sollen Vertrauen in ihre Selbststeuerung, Affektkontrolle und soziale Beziehungsfähigkeit entwickeln.

Erzieherinnen, die auch ihre Hilfe anbieten, sollen dafür eine entsprechende Weiterbildung erhalten. Das Ganze unter psychotherapeutisch fundierter Supervision.

Kinderpsychiater bezweifeln, dass die Hyperaktivität vor allem auf Störungen des Hirnstoffwechsels zurückzuführen sei. Sie halten aus ihrer Praxiserfahrung bei 75% der Kinder mit Verdacht auf ADHS eine Therapie, vor allem eine mit Medikamenten, für nicht angezeigt.

Es fehle bisher an schulenübergreifenden Vergleichsstudien zwischen psychopharmakologischen, verhaltenstherapeutischen und psychodynamischen Behandlungen von Kindern und Jugendlichen.

Am Frankfurter Sigmund-Freud-Institut für Analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie wurde unter der Leitung der Psychoanalytikerin Marianne Leuzinger-Bohleber zusammen mit dem Städtischen Schulamt Frankfurt seit 2003 mit 500 Kindern in 14 Kindertagesstätten eine Präventionsstudie durchgeführt, die schon jetzt vorläufig davon ausgeht, dass es keine einheitliche Diagnose für ADHS geben könne. Hyperaktivität solle nicht primär in den als defizitär empfundenen Symptomen gesehen und behandelt , sondern in einem psychosozialen Ursachenzusammenhang wahrgenommen werden.
Die Hyperaktivität könne nämlich Ausdruck unbewältigter Traumata, besonderer Begabung, Reaktion auf eine depressive Mutter, kultureller Verschiedenheit, wie auch früherer Verwahrlosung u.s.w.sein.

Von dem Projekt erwartet man Aufschluss darüber, ob nach zweijähriger
psychoanalytischer Prävention die Anzahl der Kinder, bei denen ADHS diagnostiziert werden muss, deutlich verringert ist.

Zu dem Präventionsprojekt wird auf die Publikation „ADHS-Frühprävention statt Medikalisierung“ hrg. von M.Leuzinger-Bohleber hingewiesen.

ADHS – Frühprävention statt Medikalisierung
Theorie, Forschung, Kontroversen
Hrsg. v. Marianne Leuzinger-Bohleber, Yvonne Brandl u. Gerald Hüther
Schriften des Sigmund-Freud-Instituts, Reihe 2 Bd.4
2006. 306 S.
Verlag: VANDENHOECK & RUPRECHT
ISBN: 3525451784
Preis:
Deutschland 34,90 EUR | Österreich 35,90 EUR

09. 07. 2006

Teilleistungsschwächen – was sind Teilleistungsschwächen?

Abgelegt unter: Teilleistungsschwächen — SeHT @ 20:53

Fachleute sprechen von Teilleistungsschwächen oder umschriebenen Entwicklungsstörungen bzw. von Wahrnehmungsschwächen.
Sie werden zum Beispiel sichtbar an:
Lern- und Kontaktschwierigkeiten,
motorischen Problemen oder Konzentrationsschwächen,
Sprach- bzw. Sprechstörungen,
emotionalen Störungen.
Gleichzeitig können sich Menschen mit Teilleistungsschwächen durch Zuverlässigkeit, Beständigkeit und Hilfsbereitschaft auszeichnen und über qualifizierte Schulabschlüsse verfügen.
Leider werden wegen mangelnder Kenntnisse der Gesellschaft die Eltern aufgrund der kindlichen Verhaltensauffälligkeiten häufig unberechtigt als “Erziehungsversager” angesehen.

Betroffene Jugendliche umschreiben die Situation wie folgt: “Wir haben Schwierigkeiten, uns in der Öffentlichkeit, im Berufs- und Privatleben selbständig zurechtzufinden.”

Probleme können sein:
• Eigene Wünsche zu entwickeln und zu verwirklichen,

• Legitime persönliche Interessen durchzusetzen,

• Freunde zu gewinnen und die Freizeit zu gestalten,

• Schulische Anforderungen angemessen zu erfüllen,

• Mit Geld zurechtzukommen, seine Zeit einzuteilen,

• Einen adäquaten Arbeitsplatz zu finden und zu halten,

• Selbständig und verantwortlich einen Haushalt zu führen,

• Einen Partner bzw. eine Partnerin zu finden,

Was versteht SeHT unter Teilleistungsschwächen (TLS)?

Es gibt keine eindeutige Diagnose für dieses Erscheinungsbild: Bei technischen Untersuchungen wie EEG oder Röntgenbild des Gehirns werden meist keine Abweichungen von der Norm festgestellt. Dennoch fällt das teilleistungsschwache Kind in seinem Verhalten auf. Insbesondere sind Auffälligkeiten in Bereichen der Wahrnehmung (optische, visuelle Wahrnehmung) festzustellen. TLS betreffen die komplexeren Leistungen des Gehirns in den Bereichen Motorik, Sprache, Denken, Schreiben, Lesen und können sich zeigen als:

Schwächen im Umgang mit Schrift und Sprache,
allgemeine Verlangsamung,
Isolierte Rechen- oder Schreibschwäche,
verzögerte Wahrnehmung,
Wahrnehmungsstörungen,
Schwächen im Bereich der Koordination, Fein- und Grobmotorik,
Verlängerung von Handlung, Entscheidung, Versuch und Irrtum,
motorische und psychische Unruhe,
mangelnde Fehler-Erkennung
Schwankende Aufmerksamkeit, Störungen der Konzentration,
erhöhte Ablenkbarkeit,
Verringerte Unterscheidungsfähigkeit,
verringerte Lernleistung,
Ungenügende Ökonomie bei komplexen Bewegungen ,
Probleme beim Umsetzen von verbalen Anweisungen und allgemeinem Nachmachen,
starke Schwankungen und Labilität der Leistungen.

TLS können als minimale Schwäche auftreten, die kaum wahrgenommen werden bis hin zu starken Störungen, mit dem Wert einer Behinderung. TLS können auch mehrfach auftreten, wobei mehrere leichte TLS sich zu einer schweren Behinderung potenzieren können.

Lit. Dr. med. Jörn-Uwe Droemann, in: Teilleistungsschwächen – ADS, Therapie und Pädagogik, ISBN 3-935545-03-7, März 2001, Schriftenreihe der SeHT, Bundesvereinigung

Landesvereinigung SeHT

SelbständigkeitsHilfe bei
Teilleistungsschwächen
Nordrhein-Westfalen e.V.

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