Einer erfreulichen Entwicklung ist es zu verdanken, daß der Freien Künstlergemeinschaft " Schanze" heute im Gebäude des Hauptbahnhofes in Münster die schönen neuen Ausstellungsräume zur Verfügung stehen. Dieser recht vorteilhafte Umzug bedeutet für die "Schanze" mehr als der Wechsel eines Heimes. Er ist eine Zäsur in ihrem Leben. Das neue Haus eröffnet der " Schanze" eine breitere, umfassendere Wirkmöglichkeit. Im Jahre 1919 gründeten sechs Künstler, die in Münster ihren Wohnsitz hatten, die "Schanze", um eigene Arbeiten zur Diskussion zu stellen und der modernen Kunst in der altehrwürdigen Provinzialhauptstadt einen Weg zu bahnen. In dieser Gemeinschaft fanden sich damals nicht nur bildende Künstler, sondern auch Dichter, Musiker und Tänzer zusammen.

In fast vier Jahrzehnten wurde aus der "Schanze", die durch ihre Leistungen bald hohes Ansehen in weiten Kreisen der Bevölkerung gewann, über lokale Grenzen hinaus eine überörtlich bedeutsame Pflegestätte der Gegenwartskunst aus aller Welt.

Beim bisherigen Wirken der "Schanze" stand die Bildende Kunst im Vordergrund, wobei in der Mitgliedschaft von Architekten stets etwas vom "Bauhausgedanken" weiterlebte. Die neuen Ausstellungsräume ermuntern dazu, wieder zum Ursprung der "Schanze" zurückzukehren und eine Zusammenfassung künstlerischen Schaffens auf den verschiedensten Gebieten zu versuchen. So wird das "Theater im kleinen Raum" bei der "Schanze" eine neue Heimat und die für das Gedeihen einer Studiobühne notwendige Atmosphäre finden. Musikalische Darbietungen und Dichterlesungen sind geplant und werden sinnvoll an die Idee der Gründer der Künstlergemeinschaft anknüpfen.

Schon immer hat die "Schanze" einen bewundernswerten Elan und eine erstaunliche Initiative entwickelt und ein hohes Maß von Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit gezeigt. So wurde sie ein bedeutsamer Kulturfaktor des westfälischen Raumes und seiner alten Hauptstadt Münster. Dafür gebühren der "Schanze" herzlicher Dank und die besten Wünsche für weiteres gedeihliches und erfolgreiches Wirken im Sinne ihrer selbstgesetzten künstlerischen und kunsterzieherischen Aufgaben.

Regierungspräsident

Reismann

Münster, im Oktober 1958