Historie Fortsetzung
Während die Trainingsstunden im Sommer immer
gut besucht waren, wurde dieses im Winter zu einem großen
Problem.
1957 tagte die Turniergemeinschaft Rinkerode,
Amelsbüren, Hiltrup in Rinkerode. Dr. Rotem, der seit ein paar
Monaten Vorsitzender war, leitete die Versammlung. Das Problem:
"Reiten im Winter" stand als Hauptpunkt auf der Tagesordnung.
Nachdem man sich in der näheren und weiteren Umgebung Reithallen
angesehen hatte, wollte man versuchen, sich irgendwo finanziell
oder durch Stallbau anzuschließen. Nach langen eingehenden
Diskussionen war Bernhard Heumann derjenige, der spontan den Vorschlag
machte, selbst eine Reithalle zu bauen. Der Vorschlag wurde von
allen sofort begeistert angenommen, aber die Schwierigkeit, ihn
in die Tat umzusetzen, war größer, als man jemals geglaubt
hatte. Dr. Rotem kämpfte jahrelang um die Genehmigung. Er ließ
sich nirgendwo abweisen und schreckte sogar vor dem so genannten
Klinkenputzen" nicht zurück. Nach langem nervenaufreibendem
Hin und Her hatte Herr Dr. Rotem sein Ziel erreicht, allerdings
nur unter der Bedingung, dass die Reithalle gelegentlich zu gemeinnützigen
Zwecken zur Verfügung gestellt werden muss. Aus diesem Grund
finden auch heute noch in unserer Reithalle die Kaninchenausstellungen
statt. So wurde auf der Generalversammlung am 4. Januar 1962 einstimmig
der Bau der Reithalle beschlossen. Gleichzeitig wurde der Vorstand
beauftragt, den Reit- und Fahrverein Hiltrup in das Vereinsregister
des Amtsgerichtes eintragen zu lassen. Der Platz für die Halle
wurde von den Eheleuten Eichstaedt zur Verfügung gestellt und
später mit ihnen ein Erbbauvertrag gemacht.
Zum Bauausschuß gehörten : -
Dr. Heinrich Rotert - Alfons Israel - Bernhard Peperhove -
Alfred Niehoff - Engelbert Keuter - Ludger Bornemann -
Hermann Peperhove - Kurt Droppelmann - Hermann Hackenesch
Ein halbes Jahr später, am 15. Oktober
1962, konnte der Vertrag nun endgültig mit der Gemeinde Hiltrup
zwischen dem Bürgermeister Wentrup, dem Amtsdirektor des Amtes
St. Mauritz Herrn Heinrich Bücker und den Unterzeichneten abgeschlossen
werden.
Die Gemeinde gewährte sofort einen einmaligen
Zuschuss von 25.000,- DM. Dank Dr. Roters unnachgiebigen Bittbriefen
an die Kreis- und Landesbehörden kamen auch von diesen Stellen
beachtliche Summen an finanziellen Spenden. Die Reitervereine Amelsbüren
und Rinkerode bekundeten ihre Hilfe durch finanziellen und eigenen,
tatkräftigen Einsatz. So konnte man mit gutem Gewissen den
jahrelang geplanten Bau der Reithalle beginnen.

Oktober 1962 Werner Lütke-Woestmann und
Heiner Eichstaedt bei den ersten Spatenstichen für den Reithallenbau.
Dem unermüdlichen Einsatz aller aktiven
Mitglieder und besonders unseres damaligen ersten Vorsitzenden,
Herrn Dr. Rotert, und des damaligen Reitlehrers Tönne Wickensack
ist es zu verdanken, dass die Halle schon vor dem Frosteinbruch
im Rohbau fertig gestellt werden konnte. Nach einem harten Winter,
der zur Baupause zwang, wurde eifrig weitergearbeitet. Leider gab
es auch unangenehme Zwischenfälle. Bei Dacharbeiten verunglückte
ein Amelsbürener Reiter und wurde schwer verletzt. Auch unliebsame
Rückschläge mussten in Kauf genommen werden. Erwähnt
sei nur der Brand in dem kaum errichteten Dachstuhl, der aber durch
die schon vorhandene Versicherung zum größten Teil gedeckt
war.


Nach dem Dachstuhlbrand !
Allen Zwischenfällen zum Trotz konnte die
Reithalle zum vorgesehenen Termin, am 3. November 1963, eingeweiht
werden.
Alle Gäste, einschließlich Bürgermeister
und Amtsdirektor, waren bei der Besichtigung voll des Lobes über
diese hervorragende und zweckmäßig eingerichtete Reit-
und Sporthalle. Dr. Rotem dankte allen Mitgliedern, Freunden und
Gönnern für ihre aktive und uneigennützige Hilfe
beim Reithallenbau. Doch Dr. Heinrich Rotem allein haben wir es
zu verdanken, dass die Hiltruper Reiter eine so schöne, großzügige
Halle zur Verfügung haben. Durch seinen selbstlosen Einsatz
hat er sich mit dem Bau der Halle ein Denkmal gesetzt.

20 Pferde hatten von Anfang an in den Boxen der
neu erbauten Reithalle Platz. Sie wurden von Heiner Eichstaedt zur
vollsten Zufriedenheit aller Besitzer betreut.
Im Spätherbst des gleichen Jahres musste
der Verein einen harten Rückschlag hinnehmen. In einer Novembernacht
wurde von einem orkanartigen Sturm das gesamte Dach der Reithalle
abgedeckt.

So sah es nach dem Sturm aus! Tatkräftig
packten alle Mitglieder an, und so wurde der Schaden, der gut 9.000
DM betrug, zum größten Teil durch sehr viel Eigenleistung
wieder behoben. Der Winter 1965-66 war hart und arbeitsreich. Es
mussten nämlich nicht nur erhebliche Reparaturarbeiten ausgeführt
werden, sondern das Training durfte auch nicht zu kurz kommen. Mit
gutem Willen und vorbildlichem Vereinsgeist wurde dieses von Allen
gemeistert.
Um alle Beteiligten für die Strapazen der
letzten Monate zu entschädigen, hatte Dr. Roters mit Heinrich
Heithorn einen herrlichen Maiausflug vorbereitet.

Eine stattliche Anzahl Reiterinnen und Reiter
sowie die Senioren in der Kutsche beim Aufbruch zur Familie von
und zur Mühlen nach "Haus Ruhr". Mai 1966

Dr. Rotert, der den obligatorischen Blumenstrauß
vergessen und schnell ein paar Blumen in Nachbars Garten gepflückt
hatte, bedankt sich im Namen des Reitervereins humorvoll bei den
Gastgebern für die freundliche Einladung. Heinrich Heuhorn
hatte zuvor eine schwungvolle Begrüßungsansprache gehalten.

Nach einem feucht-fröhlichen Abend im
Freien, wurde in der Scheune übernachtet. Die Pferde tummelten
sich in der Zeit auf der Weide. Am anderen Tage ging es bei bester
Stimmung auf Umwegen nach Hause. Alle Teilnehmer waren vollauf begeistert
und viele werden sich noch gerne schmunzelnd an diesen Ausflug erinnern
!

Seit dem Herbst 1966 fanden aus verkehrstechnischen
Gründen die Fuchsjagden wieder in der "Hohen Ward" statt.
Reiter und Pferde waren auf den Straßen einfach zu großen
Gefahren ausgesetzt. Aus diesem Grund treffen sich nun Pferd und
Reiter seit etlichen Jahren bis in die heutige Zeit auf dem Hof
der Familie Tölle-Herrenburg.
Das Erbsensuppen-Essen, das ja einfach zu einem
Herbstritt gehört, fand früher an verschiedenen Wirtschaften
statt. Das Problem: die Pferde dort verkehrssicher zu "parken",
war natürlich sehr groß. Familie Brenke hat es nun schon
lange übernommen, die Reiter und Schlachtenbummler auf ihrer
Tenne festlich zu empfangen. Der Hof hat für diese Zwecke eine
herrliche Lage in der "Hohen Ward". Der Reiterverein möchte
beiden Familien an dieser Stelle für ihr Entgegenkommen recht
herzlich danken!

Erbsensuppe auf der Tenne der Familie Brenke
aus der Gulaschkanone schmeckt allen besonders gut ! ! !

Auf dem Hof Brenke - Aufbruch zum letzten Teil
der Fuchsjagd.

Beim Galgenreiten braucht man viel Glück,
wenn man was erreichen will !

Nach hartem Kampf präsentiert sich stolz
die neue Fuchsmajorin ! ! !
Wie wir auf den Bildern sehen, hatten sich auch
inzwischen sehr viel Ponyreiter zu den Großen gesellt. Schon
1962 versuchten im Hiltruper Reiterverein Kinder auf Shetlandponys
ihr Glück.

Franz-Ludger Eckervogt auf seinem Shetty bei
seinem ersten Start 1962 in der Halle Münsterland. Aber das
Ponyreiten wurde damals nur als Hobby angesehen und bis 1967 wurde
nur zum Vergnügen geritten!
Die Turniersaison 1966 brachte immer mehr und
größere reiterliche Erfolge.
1967 gab es noch einmal einen harten Rückschlag.
Genau zwei Jahre nach dem ersten Sturmschaden wurde wieder in einer
stürmischen Novembernacht das Reithallendach abgedeckt. Die
Ursache lag an der falschen und schlechten Verankerung der Dachkonstruktion.
Dieser Schaden, der 8.200 DM betrug, musste wohl oder übel
vom Verein geschluckt werden, zudem gerade 10 weitere Einstellboxen
im Bau waren. Durch großzügige Spenden konnte der Verein
auch das verkraften, so dass auf der Generalversammlung 1968 eine
gesunde Finanzlage gemeldet werden konnte.
Die Hiltruper Reiterinnen und Reiter machten
immer mehr von sich reden. Hart und ehrgeizig wurde trainiert, denn
die Konkurrenz wurde auf allen Turnieren von Jahr zu Jahr größer.
So konnten denn auch auf zahlreichen Turnieren hohe Placierungen
und etliche Siege erritten werden. Man glaubte es kaum: ein heimliches
Ziel, das sich die Reiter gesteckt hatten, wurde erreicht. Im Jahre
1971 konnte unsere Mannschaft auf dem Amtsturnier in Wolbeck nach
hartem Kampf den Wanderpokal erringen ! ! !

Strahlend präsentiert Ludger Bornemann mit
seiner Mannschaft Frauke und Michael Knopp, Ulrike Tölle und
Helmut Kleine-Wilke den Pokal !
Der Reiterverein verfügte inzwischen über
zahlreiche erfahrene und qualifizierte Reiterinnen und Reiter und
ebenfalls über ein ausgewogenes Pferdematerial. Wenn auch Dressur-
und Springreiten im Vordergrund standen, wandte sich Heinz Helmer
jetzt zusätzlich auch der Vielseitigkeitsreiterei zu. Das Training
im Gelände erforderte nicht nur Kraft, sondern auch eine Menge
Taktik und Erfahrung. Schon nach kurzer Zeit hatte Heinz Helmer
mit "Paco" aus dem Stall Bernhard Peperhove, ein Pferd unter
sich, das gute Kondition und Zuverlässigkeit bewies. Er startete
nicht nur erfolgreich in Deutschland, sondern nahm auch mit großem
Erfolg an den Europameisterschaften 1971 in Holland teil. Er wurde
Europameister der bundesdeutschen Mannschaft.
Strahlende Gesichter beim Reiten der "Dreierklasse"
auf dem Turnier 1976 in Dülmen.

Mittlerweile sind fast alle diese Ponyreiter
auf große Pferde umgestiegen, zur Zeit wird aber wieder eine
Ponygruppe trainiert.
Wie wohl jedem bekannt ist, hat die Reiterei
im Allgemeinen einen großen Aufschwung erfahren. Die Anforderungen
werden von Jahr zu Jahr größer. Um konkurrenzfähig
zu bleiben, müssen alle fleißig trainieren und sich ständig
weiterbilden. In unserem Verein waren in den letzten Jahren erfreulicherweise
schon mehrere Placierungen in den höheren Klassen, nämlich
"M" und sogar "S" Prüfungen zu verbuchen.
Ulrike Tölle, z.B., die ihren Schwerpunkt
im Dressurreiten sieht, hat nicht nur etliche Siege in "M"
und "S" Dressuren, sondern auch bemerkenswerte Titel erritten.
Sie wurde bei den Westfälischen Meisterschaften 1974 in Wien
Westfalenmeisterin, 1976 in Ochtrup Vizemeisterin, 1977 belegte
sie den dritten Platz in Rheine-Wadelheim und wurde ebenfalls Dritte
bei den Deutschen Meisterschaften in Tübingen.

Ulrike Tölle auf Kismet
Tonius Bornemann war der erste Hiltruper Reiter,
der sich in M- und S-Springen hoch placieren konnte.

Tonius Bornemann auf Alvaro 1975 in Schweden.

Hubert Hesker-Lengermann dagegen widmet sich
beiden Sportarten. Außer
etlichen "M"-Siegen und ebenfalls hohen Placierungen
in "M"- und "S"-Dressuren und Springen, war er schon 1967
erfolgreicher Westfalenmannschaftsreiter in Holland. Im selben Jahr
ritt er erfolgreich bei den deutschen Juniorenmeisterschaften in
Mülheim-Ruhr mit.
Von unseren zur Zeit aktiven Reitern werden sich
sicher noch mehrere in Zukunft diesem hohen Leistungssport zuwenden.
In den letzten beiden Jahren haben ja auch schon einige Reiter "M"-Springen
geritten und wie jeder weiß, ja auch nicht umsonst.
Das anstrengende Turnierreiten, im Sommer sind
die Hiltruper Reiterinnen und Reiter jeden Sonntag auf auswärtigen
Turnieren, und das nicht weniger anstrengende Training, findet hin
und wieder bei verschiedenen Anlässen willkommene Abwechslung.
So wurden z.B. schon viele unserer Mitglieder bei ihrer Hochzeit
von ihren Reiterkameraden zu Pferde begleitet. Die immer zahlreiche
Beteiligung beweist die beliebte Tradition.

Diese Bilder von Hiltruper Reiterhochzeiten entstanden
in den letzten beiden Jahren.
Ebenso beliebt ist seit einigen Jahren das Lambertussingen,
das vom Reiterverein in der Reithalle veranstaltet wird. Diese Veranstaltung
soll nicht nur der Geselligkeit dienen, sondern die Eltern der Voltigier-
und Ponykinder sollen sich und alle anderen Vereinsmitglieder kennenlernen.
Unsere Voltigiergruppe wird nun seit einigen Monaten von Hans Zurheiden
trainiert.
 Voltigieren
Hans Zurheiden konnte erst vor kurzem mit dieser
Gruppe bei auswärtigen Wettkämpfen beachtliche vordere
Plätze belegen. Erst vor kurzem fand das erste Mal in der Vereinsgeschichte
am 14. Oktober 1979 ein Voltigierwettkampf mit 20 auswärtigen
Gruppen an unserer Reithalle statt. Dieser reitsportliche Höhepunkt
unserer Kleinen fand großen Zuspruch und noch größeren
Beifall.
Das Interesse am Reitsport steigert sich von
Jahr zu Jahr bei jüngeren und älteren Reitern. Das beweisen
nicht nur die täglichen Aktivitäten an unserer Halle,
sondern auch der Anstieg der Mitgliederzahl. Inzwischen hat der
Reit- und Fahrverein Hiltrup fast 200 Mitglieder!
So haben wir nun erfahren, was die Reitsportbegeisterten
mit eiserner Energie und Tatkraft in den letzten "50 Jahren"
geleistet haben. Möge der Vereinsgeist in diesem Sinne weiter
bestehen und der Reit- und Fahrverein Hiltrup einer erfolgreichen
Zukunft entgegensehen.
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