Historie


Mit dieser Historie möchte sich der Reit- und Fahrverein seinen Pferdefreunden und den kommenden Generationen seine mehr als fünfzigjährige Vereinsgeschichte aufzeichnen.

Sie berichtet von der Zeit, als der Zucht-, Reit und Fahrverein gegründet wurde, von der Zeit also, wie der Name schon sagt, in der in erster Linie Pferde gezüchtet wurden, die sowohl vor Pflug und Wagen, als auch nach getaner Arbeit als Reit- und Rennpferd zu gebrauchen waren.

Das Interesse an der Reiterei bestand schon vor 1929. Ursprünglich wurden alle ländlichen Reiter zu Rennvereinen zusammengefasst. So schlossen sich damals unsere Vorfahren zum "Rennverein Amelsbüren - Hiltrup" zusammen. Der Schwerpunkt lag beim Rennen. Diese fanden auf der "Alten Reitbahn" an der Hammer Straße statt. Die Pferde waren natürlich nicht so schick und rittig wie in der heutigen Zeit. Es durften ja auch schließlich nur Pferde geritten werden, die täglich im Geschirr gingen.

So sehen wir auf diesen Bildern viele unserer Vorfahren hoch zu Roß im Jahre 1920.

                       

Es wurde aber nicht nur zum Spaß und Vergnügen geritten, sondern auch Trainingsstunden abgehalten. Man staunt und glaubt es kaum : Im Jahre 1921 wurde sogar schon das erste Turnier veranstaltet. Dieses Bild beweist es :

Diese erste Standarte begleitete schon die Reiter bei dem Wettkampf der ländlichen Reitervereine im Jahre 1925 in Hamm. Sie ist heute noch vorhanden und wird hoch in Ehren gehalten.

Einige Jahre danach wollten die Reiter, die voller Schaffenskraft und sportlichem Ehrgeiz steckten, einen eigenen Reiterverein gründen. Das war natürlich mit großen Schwierigkeiten verbunden.

Diese drei Herren in ihrer schmucken Reitkluft haben erfolgreich dazu beigetragen, dass im Herbst 1929 der Reit- und Fahrverein Hiltrup gegründet werden konnte.

Die Gründer unseres Vereins waren:

- Bernhard Niehoff
- August Vogt
- Hermann Eckervogt
- Bernhard Buermann
- Frau Erna Hagehülsmann
- Frau Netta Epping
- Bernhard Peperhove
- Bernhard Bornemann

Polizeimeister Heidmeier hielt nun regelmäßig in der Sandkuhle hinter dem Polizeiinstitut Trainingsstunden ab. Geländeritte in die Hohe Ward und in den Loddenbüschen standen hoch im Kurs und waren bei allen sehr beliebt. Dabei gab es nicht nur viel Spaß, sondern auch öfters unsanfte Stürze, Reiterinnen und Reiter hielten auch damals schon gut zusammen und entwickelten einen hervorragenden Vereinsgeist. Eine alte Tradition, die bis 1960 hoch in Ehren gehalten wurde, nahm damals ihren Anfang : Der Bischof von Münster wurde von der Stadtgrenze aus zwei- bzw. vierspännig abgeholt und von allen Vereinen und vielen Reitern nach Hiltrup geleitet.

Diese Bilder vom ersten Bischofsempfang wurden 1929 gemacht.

                  

Als 1939 der Krieg ausbrach, machte der Reiterverein eine schwere Krise durch. Bernhard Grüter, der von Anfang an die Vereinsregie führte, hatte es schwer, die Reiterkameraden bei der Stange zu halten. Scharfe Gesetze bestimmten, dass jeder ländliche Reiterverein zur "Reiter SS" umfunktioniert wurde und gleichzeitig jeder Reiter automatisch Mitglied der NSDAP wurde. Wer sich weigerte, wurde von jeglichem Reitsport ausgeschlossen. Die Reiter SS führte hin und wieder in den Hammer Zentralhallen Reitkurse durch. Jeder Reiter musste sein eigenes Pferd mitbringen und während der Kurse ging es hart und militärisch zu.

Das Vereinsleben ruhte während der Kriegszeit vollkommen, denn viele Pferde wurden eingezogen.

Nach dem Krieg, im Jahre 1946, übernahm Bernhard Niehoff den Vorsitz des Vereins. Trainingsstunden fanden nun unter der Leitung von Gestütsvater Heinrich Suttrup auf dem Gelände in der Nähe des Hofes Eichstaedt statt. Zwischendurch wurden auch noch Reitstunden an der Münsterstraße abgehalten. Die Reiter waren sehr eifrig dabei und erzielten so gute Fortschritte, dass man beschloß, ein Vereinsturnier abzuhalten. Wo heute die Reithalle steht, fand im Frühjahr 1948 dann das erste Vereinsturnier als Abschlussreiten statt. Unser Tischwimpel, der auch heute noch im Vereinslokal Heithorn aufbewahrt wird, wurde zu dieser Veranstaltung von Theo Heithorn gestiftet. Er tat auch sonst viel Gutes für den Verein. Unter anderem stellte er sein Pferd, das täglich im Milchwagen ging, dem Verein zur Verfügung. Das Pferd wurde, man glaubt es kaum, bis zu "M"-Prüfungen gefördert.

Theo Heithorn mit seiner "Cora".
Angespornt durch den guten Turnierverlauf und die beachtlichen Erfolge, steuerte man auf die nächsten Turniere zu. Das Training wurde ganz daraufhin ausgerichtet.Am 17.7.1949 wurde das erste Gemeinschaftsturnier mit Amelsbüren am Kannenbaum veranstaltet.

Ein Springen war jedes Mal nur für Reiter ohne Pferde bestimmt und die Hindernisse dementsprechend auch aufgebaut.

So sahen der Einmarsch

und

eine Dressur aus.

Erstes Turnier 1949 in der Halle Münsterland

Die Dressuraufgaben hatten auch früher schon ihre Tücken. Weil die Reiter sie nicht kapierten, hatte Meister Vollbrecht die glorreiche Idee, die Reiter die ganze Sache zu Fuß abmachen zu lassen, und siehe da, es saß !

Vier Jahre hintereinander, also bis 1952 nahmen diese Reiter unter demselben Reitlehrer erfolgreich an den Kreisturnieren teil.

Herr Vollbrecht war es auch, der 1950 das Voltigieren ins Leben rief. Pfanni, das erste Voltigierpferd, wurde von der Familie Mölken zur Verfügung gestellt. Reitlehrer Tegethoff, der als erster die Voltigiergruppe leitete, widmete sich begeistert dieser Aufgabe.

Gisela Besselmann, Mechthild Keller, Hanne und Heiner Eichstaedt, Mechthild und Karl Bornemann sowie Helmut Schröter und Anneliese Vollbrecht bildeten die erste Voltigiergruppe. Alle waren etliche Jahre voll Freude und Ehrgeiz dabei und machten sehr gute, reiterliche Fortschritte. Aus dieser Gruppe gingen dann die Nachwuchsreiter hervor und wurden weiterhin von Herrn Vollbrecht trainiert. Vor jeder Stunde war großer Appell und Heiner wurde fast jedes Mal nach Hause geschickt. Entweder waren seine Stiefel oder das Pferd nicht geputzt.

Anschließend wurden diese Reiter sowie Bernhard Heitmann und Ludger Bornemann in der Reit- und Fahrschule in Münster von Reitlehrer Wildoer trainiert. Während die Pferde in der Reit- und Fahrschule untergebracht waren, mussten Reiterinnen und Reiter morgens früh oder abends spät per Fahrrad mit Sack und Pack nach Münster. Wenn das bei Wind und Wetter auch nicht immer ein Vergnügen war, so denken die Reiter doch immer noch gerne an diese erlebnisreiche Zeit zurück! Fragt sie mal selber, sie werden es gerne bestätigen!

Seit 1954 hatte nun Bernhard Buermann den Vorsitz übernommen. Das Vereinsturnier fand weiterhin traditionsgemäß jedes Jahr am Kannenbaum statt. Das regelmäßige, oft harte Training war nicht umsonst. Die Reiter zeigten auf jedem Turnier größere Frfolge und hohe Placierungen.

Turnier 1956 am "Kannenbaum". Reitlehrer Wildoer lässt seine Schützlinge "stramm stehen".

Einige Jahre später wurde Herr Wildoer von Herrn Tegethoff, der ja lange die Voltigiergruppe geführt hatte, abgelöst. Nicht zu vergessen ist Reitlehrer Schermutzki, den sicher noch viele Reiter aus dieser Zeit in bleibender Erinnerung haben.

Zum Vereinsleben gehörten nicht nur Reitstunden und Turniere, sondern auch damals waren schon gemütliche Abende sehr beliebt.

Februar 1956 Ein Abend mit Pferdefreunden - Wer kennt sie nicht ?

Ein großes einmaliges Ereignis darf nicht unerwähnt bleiben. Im Herbst 1958 wurde die "Gustav-Rau-Stafette" nach Warendorf gebracht. Jeder ländliche Reiterverein rechnete es sich zur Ehre an, daran teilzunehmen. Die Stafette wurde in einem sternförmigen Ritt von Verein zu Verein weitergegeben.

          

Herbst 1958. Hiltruper Reiter mit der "Gustav-Rau-Stafette" auf dem Weg von Hiltrup nach Warendorf.

Hier ist es nun am Platz, unsere so beliebten Fuchsjagden zu erwähnen, die ja auf eine alte Tradition zurückgreifen. Schon 1938 wurde die erste Fuchsjagd geritten und dann, die Kriegsjahre ausgeschlossen, regelmäßig im Herbst unter großer Beteiligung ausgetragen. Bis 1959 fand jedes Mal das Stell-Dich-Ein auf dem großen Parkplatz und das Fuchs-Greifen in der Hohen Ward statt.

Um dem Publikum den Reitsport näher zubringen und dadurch mehr Interessenten zu gewinnen, wurde seit diesem Jahr das Fuchsschwanzgreifen auf das Gelände am Hof Hackenesch verlegt. Zehn Jahre lang lockte diese reiterliche Veranstaltung viele Zuschauer an. Besonders die Reiterspiele fanden bei allen großen Beifall. Bei dieser Gelegenheit zeigten auch die Voltigiergruppen ihr Können. Inzwischen hatten sich nämlich zwei Gruppen gebildet. Engelbert Keuter trainierte die Anfänger, auch Krabbelgruppe genannt, mit Moskito, und Heiner Eichstaedt stellte die Fortgeschrittenen, sprich: Leistungsgruppe, vor. Sein Voltigierpferd hieß Joker.

      

Fuchsjagden 1958 bis 1960 am Hof Hackenesch

Nun zurück zu unserem Vereinsleben: Die Mitgliederzahl war mittlerweile erheblich angestiegen. Die Reiter, durch starkes Training gefördert, nahmen an vielen Turnieren teil. Leider konnten sie mit ihrer Standarte, die in den letzten Jahren sehr gelitten hatte und stark verschlissen war, kein gutes Bild mehr abgeben. Wo sollte man eine neue hernehmen, wenn nicht genügend Geld vorhanden war? Kurz entschlossen erklärten sich Ida Eichstaedt und Hermann Eckervogt bereit, bei den Hiltruper Geschäftsleuten zu sammeln. Was niemand für möglich gehalten hatte, wurde Wirklichkeit. Nach kurzer Zeit waren 800 DM zusammen und genau für diese Summe konnte man unsere jetzige Standarte nähen und sticken lassen.

1956 präsentierte Hermann Eckervogt stolz die neue Standarte.

Die Standarte wird nicht nur bei sportlichen Veranstaltungen mitgenommen, sondern sie begleitet auch unsere Mitglieder bei freudigen und traurigen Anlässen.



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