


In Corvara teilten sich die Strecken zum ersten Mal. Für die Fahrerinnen ud Fahrer der kurzen Runde war hier Schluß, für die anderen begann der Campolongo zum Zweiten. In diesem Aufstieg überholten wir den absoluten Klassikradler: gemuffter Stahlrahmen, Pedalhaken, entsprechende Lederschuhe, Rahmenschaltung, Bremszüge oben aus den Griffen, vorne 42/52 und den Huret-Kilometerzähler unten an der Nabe befestigt. Hut ab! Nach der Abfahrt diesmal links in Richtung Südseite des Falzarego bzw. weiterPasso Giau. Es entstanden immer wieder Gruppen, die auf diesem ebenen oder leicht abschüssigen Stück richtig für Tempo sorgten. Doch das dicke Ende in Form des Passo Giau ließ nicht lange auf sich warten. Martin war an dieser Stelle einfach zu stark für mich und wir trennten uns. An diesem langen Anstieg spielten sich dann die wirklichen Dramen ab: Es wurde angehalten, erneut aufgestiegen, geschoben, massiert und geflucht. Bis zum Pass nahm Martin mir die ersten 15 Minuten ab, ich war nach 5:26 h Fahrzeit um 11:57 Uhr oben am Passo Giau. Hier gönnte ich mir eine kurze Verpflegung und wusste, dass ich es nun eigentlich geschafft haben sollte, da der Falzarego von Norden keine so große Hürde mehr darstellt. In der Abfahrt dann 10 Meter vor mir in einer Kehre ein Sturz: Kurve innen genommen, etwas zu schnell, ein paar kleine Steine vielleicht und der Fahrer machte Bekanntschaft mit dem Asphalt. Das Rad rutschte unter Leitplanke zwischen zwei Pfosten hindurch. Alle anderen konnten rechtzeitig bremsen und er stand sofort wieder. Glück gehabt. Der Kollege hatte durch diese Aktion seinen Mut oder Leichtsinn nicht verloren und überholte mich am Ende der Abfahrt erneut. Der Anstieg zum Falzarego und dann zum Valparola verlief erwartungsgemäß, es gab keine größeren Probleme mehr. Die Auffahrt wurde durch ein nettes Gespräch mit einem Radfahrer aus der Gegend um Nürnberg verkürzt und so erreichten wir auch das Ziel gemeinsam. Martin hatte seinen Vorsprung im Ziel auf 36 Minuten ausgebaut. Seine Endzeit waren 6:53 h, meine Wenigkeit benötigte 7:29 für die 138 km, die laut meinem Kilometerzähler 140 waren.
Fazit: Es ist eine großartig organisierte Fahrt, die Strecke ist komplett gesperrt und durch die drei Streckenlänge, die man unterwegs frei wählen kann, ist für jede und jeden etwas dabei. Landschaftlich ist die Fahrt ausgesprochen reizvoll und macht Lust auf mehr Touren in den Dolomiten.

