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Dolomiten-Marathon 2006

von Torsten Kähler
Strecke: La Villa - Corvara - Passo Campolongo - Arraba -
Passo Pordio - Passo Sella - Passo Gardena - Corvara -
Passo Campolongo - Arraba - Passo Giau - (Passo Falzarego -)
Passo Valparola - Corvara

Länge: 138 km (gemessen: 140 km)
Höhenmeter: 4200 Hm (gemessen: 3995 Hm)


Am Sonntag, 02.07.2006, fand der diesjährige "Maratona Dles Dolomites" statt und Martin und ich konnten je einen der 9000 Startplätze ergattern. Wir sind am Samstag also nach La Villa (bei Corvara) im Alta Badia gefahren. Nach einer erstaunlich angenehmen Nacht im Auto klingelte um 5:15 Uhr der Wecker. Die Strecke wurde ab 5:55 Uhr komplett gesperrt und war schon ab viertel vor sechs voller Radfahrer. Nach einem kalten und kurzen Frühstück schoben wir die Räder bei 5°C zum Start. Es erklang sphärische Musik, bis zu drei Hubschrauber schwirrten über uns und den anderen Starterinnen und Startern. Für uns sollte es in der dritten Gruppe losgehen. Pünktlich um 6:15 Uhr fuhren die Ersten los und wir rollten um ca. 6:30 Uhr über den Startstrich. Wie immer bei solchen
Veranstaltungen, wie ich finde, wird direkt vom Start weg zu schnell gefahren. Zunächst eine gemütliche Steigung nach Corvara, wo der Passo Campolongo beginnt. Es ist total voll auf der Strecke, im Anstieg gibt es tatsächlich mal einen Stau, bei dem alle aus den Pedalen müssen. Vor den Abfahrten hatte ich am meisten Respekt, aber es zog sich auf der ersten kurzen Gefällstrecke vom Campolongo doch sehr auseinander.

In der Auffahrt zum Pordoi bot sich uns ein beeindruckendes Bild: Die gesamte Strecke hinauf sieht man ein einziges Meer an Radfahrern mit bunten Trikots und durch die aufgehende Sonne blitz und blinkt es überall. Es läuft gut am zweiten Pass des Tages und so fahren wir direkt drüber und halten nicht an der Verpflegung. Die nächste Abfahrt ist schon gefährlicher, es gibt sehr schnelle und sehr langsame Abfahrer, dieser Mix macht es gefährlich. Die Abzweigung nach rechts in den Aufstieg zum Sella wir von vielen genutzt, um sich direkt der Windjacken oder ähnlichem zu entledigen. Also erneut ein wirklich gefährlicher und sehr unnötiger Stau. Im Ansteig zum Sella hat es sich dann tatsächlich schon etwas sortiert, man kann gut an langsamerern Leuten vorbei fahren und von schnelleren überholt werden. Die Straße in der Abfahrt vom Sella ist schlecht, es stehen einige Helfer mit Fahnen und Trillerpfeiefen, um auf besonders gefährliche Stellen hnizuweisen. Auf diese Gefahr wurden am Abend vorher bereits per SMS hingewiesen. Ebenso gab es eine Wettervorhersage per SMS. Der Anstieg zum Grödner Joch kam mit sehr kurz vor. Das mag an der Zweiteilung des Anstiegs liegen. Schnell waren wir auf dem ebenen Stück am Sellastock entlang und Martin hat tüchtig Tempo gemacht. Die Kehren zum Joch waren fast Formsache. Hier waren wir seit 2:45 h unterwegs und es war erst viertel nach neun. Am Joch gab es dann eine wohl schon legendäre Südtirol-Verpflegungsstelle mit Schinken und Wein. Diese ließen wir aus und stürzten uns in die lange Abfahrt vom Grödner Joch.

In Corvara teilten sich die Strecken zum ersten Mal. Für die Fahrerinnen ud Fahrer der kurzen Runde war hier Schluß, für die anderen begann der Campolongo zum Zweiten. In diesem Aufstieg überholten wir den absoluten Klassikradler: gemuffter Stahlrahmen, Pedalhaken, entsprechende Lederschuhe, Rahmenschaltung, Bremszüge oben aus den Griffen, vorne 42/52 und den Huret-Kilometerzähler unten an der Nabe befestigt. Hut ab! Nach der Abfahrt diesmal links in Richtung Südseite des Falzarego bzw. weiterPasso Giau. Es entstanden immer wieder Gruppen, die auf diesem ebenen oder leicht abschüssigen Stück richtig für Tempo sorgten. Doch das dicke Ende in Form des Passo Giau ließ nicht lange auf sich warten. Martin war an dieser Stelle einfach zu stark für mich und wir trennten uns. An diesem langen Anstieg spielten sich dann die wirklichen Dramen ab: Es wurde angehalten, erneut aufgestiegen, geschoben, massiert und geflucht. Bis zum Pass nahm Martin mir die ersten 15 Minuten ab, ich war nach 5:26 h Fahrzeit um 11:57 Uhr oben am Passo Giau. Hier gönnte ich mir eine kurze Verpflegung und wusste, dass ich es nun eigentlich geschafft haben sollte, da der Falzarego von Norden keine so große Hürde mehr darstellt. In der Abfahrt dann 10 Meter vor mir in einer Kehre ein Sturz: Kurve innen genommen, etwas zu schnell, ein paar kleine Steine vielleicht und der Fahrer machte Bekanntschaft mit dem Asphalt. Das Rad rutschte unter Leitplanke zwischen zwei Pfosten hindurch. Alle anderen konnten rechtzeitig bremsen und er stand sofort wieder. Glück gehabt. Der Kollege hatte durch diese Aktion seinen Mut oder Leichtsinn nicht verloren und überholte mich am Ende der Abfahrt erneut. Der Anstieg zum Falzarego und dann zum Valparola verlief erwartungsgemäß, es gab keine größeren Probleme mehr. Die Auffahrt wurde durch ein nettes Gespräch mit einem Radfahrer aus der Gegend um Nürnberg verkürzt und so erreichten wir auch das Ziel gemeinsam. Martin hatte seinen Vorsprung im Ziel auf 36 Minuten ausgebaut. Seine Endzeit waren 6:53 h, meine Wenigkeit benötigte 7:29 für die 138 km, die laut meinem Kilometerzähler 140 waren.

Fazit: Es ist eine großartig organisierte Fahrt, die Strecke ist komplett gesperrt und durch die drei Streckenlänge, die man unterwegs frei wählen kann, ist für jede und jeden etwas dabei. Landschaftlich ist die Fahrt ausgesprochen reizvoll und macht Lust auf mehr Touren in den Dolomiten.

Fotos und Text: Torsten Kähler