La Palma
Ein Traum für Bergziegen und Wanderer


Ein paar Sätze vorweg. Die Insel La Palma ist nichts für Radfahrer die Berge oder Anstiege nicht mögen. Hier geht es überwiegend bergauf oder bergab. Und wenn man seine Unterkunft direkt unten, an der Küste, hat fährt man meist nach wenigen Metern in einen Anstieg. Wenn man abseits der Hauptstrassen fährt, bei Puerto Naos in die Bananenplantagen, hat man ganz schnell 15% und mehr Steigungsprozente auf dem Radcomputer stehen. Und das nicht nur ein paar Meter.
Am besten sein lassen, die Strassen hier sind noch schwer genug und wir sind ja alle keine Profis.
Das nächste "Problem" ist der Wind, der Nord-Ost Passat. So wohltuend er auch die Temperaturen mitgestaltet, so schwierig kann er hier das Radfahren machen. Sobald man in östliche Richtungen unterwegs ist und einen Anstieg herauf muss hat man auch fast immer mit dem Passatwind zu kämpfen. Das kann heißen, man fährt eine Steigung zwischen 6-10% und von vorne weht ein kräftiger Wind. Der Mont Ventoux lässt grüßen.
Aber wer das alles bedacht hat und sich darauf einlässt, wird auf dieser wunderschönen Insel das Radfahren in einer herrlichen Natur erleben, bei der nur gelegentlich ein Autofahrer ein wenig zu nahe kommt.
Aber das schönste ist, das man so schnell nicht auf Heerscharen von Radfahren trifft. Das Radfahren auf La Palma hat schon etwas exklusives das man genießen kann.
Wen dieser Bericht dazu verleitet diese Insel zu erfahren dem wünsche ich den gleichen Spaß den ich hatte. Es war oft schwer, aber wirklich ein Erlebnis.
Ich hatte mein Lager in Puerto Naos aufgeschlagen, auf der Westseite der Insel, direkt am Meer. Aus dem Taxi heraus gesehen schien das Terrain gar nicht so schwierig. Die erste Ausfahrt auf dem Rad überzeugte mich sofort vom Gegenteil. Nach einem KM waren die ersten 80 Höhenmeter erklettert und so ging es weiter. Nachdem ich eine Strasse zu früh rechts abgebogen war fand ich mich in den Bananenplantagen wieder. Aber da wusste ich zumindest, dass ich dringend eine bessere Straßenkarte brauchen würde. Zurück auf der Hauptstrasse setzte ich meine Fahrt zum Mirador de la Cumbrecita (ca. 1280m ü.n.N.) fort. Über die LP-126 fuhr ich nach Las Manchas. Dort bog ich ab auf die LP-117, Richtung El Paso und in El Paso rechts auf die LP-2.
Auf dieser breiten Verbindungsstrasse, zwischen dem Ost- und Westteil der Insel, hatte ich dann auch das erste mal mit dem Passatwind zu kämpfen, der mir vorkam wie ein riesiger Föhn. Aber bei Temperaturen von 35°C ist das auch nicht verwunderlich. Aber dieser Wind sorgt auch für ein herrliches Naturschauspiel. Den "Wolkenwasserfall" über dem Gebirgskamm, der den Ostteil vom Westteil der Insel trennt.

Hier, in einer Höhe von ca.800m, kann man sich ein klein wenig ausruhen weil die Strasse merklich abflacht. Am Informationszentrum für die Caldera de Taburiente geht es dann links in die LP-202 die zur Cumbrecita führt. Die ersten flachen Km führten auf schlechter Strasse mit wunderbaren Aussicht hinein in den Nationalpark der Caldera. Hier, im Kiefernwald, zieht die Strasse wieder an und wird steiler, um auf den letzen Kilometern bis zu 14% steil zu werden. Einen Blick für die Schönheiten der Natur hatte ich dann erst wieder oben auf dem Parkplatz der Cumbrecita. Bis hier oben hatte ich ca.1400 Höhenmeter erklettert, verteilt auf 25 Km. Nach kurzer Rast ging es dann auf sehr unebener Strasse wieder bergab, was sich natürlich deutlich einfacher gestaltete als das herauffahren. Nach kurzer, rasanter Abfahrt kam ich dann wieder zu meinem Ausgangspunkt Puerto Naos und damit endlich zu gekühlten Getränken und dem Strand, von dem ich glaubte ihn mir wirklich verdient zu haben.
Die zweite Tour möchte ich ein wenig ausgiebiger beschreiben. Zum einen weil sie landschaftlich wirklich wunderschön ist, zum anderen weil die Tour eine Herausforderung an jeden Freizeitradfahrer darstellt. Man sollte diese Runde nicht fahren wenn man nicht absolut fit ist. Dafür ist die Strecke zu schwer und die Wetterkapriolen tragen ihren Teil dazu bei, dass man körperlich an die Leistungsgrenzen gehen muss.
Auch hier gilt, eine gute Karte mitnehmen und für die ersten Kilometer ausreichend zu trinken und zu essen. Auch für eine Windjacke sollte man sich Platz lassen. Ja, dann sollte man nur noch eines beachten. Früh losfahren, zum einen um je nach Jahreszeit ein wenig der Hitze zu entgehen, zum anderen weil die Tour viel Zeit in Anspruch nimmt.
Zuerst geht es wieder über die LP-124 in Richtung Tadoque, in Tadoque rechts über die LP-126 nach Las Manchas. In San Nicolas links über die LP-117 nach Tacande/El Paso und in El Paso rechts auf die LP-2. Auf der LP-2 fahren wir dann bis kurz vor den Autotunnel der den Ostteil der Insel mit dem Westteil verbindet. Vorsicht, der Tunnel ist ein reiner Autotunnel der von Radfahrern nicht befahren werden darf. Und die Gardia Civil, sagte man mir, versteht in diesem Punkt überhaupt keinen Spaß. Nun, ich der das nicht wusste entschloss mich trotz anderer Planung für den längeren Weg über El Pilar.
Dazu fuhr ich rechts ab auf die LP-203 Richtung El Pilar. Auf dem Weg hatte sich die Lufttemperatur schon wieder um die 35°C eingependelt. Und hier begann dann nach einem längerem Flachstück auf der LP-2 wieder die Kletterei auf einer recht gut geteerten Strasse die sich durch eine tolle Landschaft hochschlängelte. Nach einer Fahrstrecke von ca. 30Km erreichte ich El Pilar in einer Höhe von ca. 1430m. Nach einer kurzen Pause, die ich nutzte um die total verschwitzte Kleidung ein wenig zu trocknen, die Windjacke anzuziehen und etwas zu essen, ging es weiter, der Abfahrt entgegen und mitten hinein in die Passatwolken. Und hier ging dann alles ganz schnell. Die Temperaturanzeige am Radcomputer ging auf wenigen Kilometern von 35°c auf 15°C zurück. Der Asphalt der Strasse war schlecht und die Abfahrt bis zu 14% steil. Und das was bisher an Feuchtigkeit von innen kam, kam nun von außen. Kein Regen einfach nur Luftfeuchtigkeit. An eine zügige Abfahrt war nicht zu denken, aber seither weiß ich, dass ich mich auf meine Bremsen verlassen kann.
Die Abfahrt war nach ca. 13Km bewältigt, ich befand mich wieder in einer Höhe von 330m und bog nach links ab auf die LP-123. Ich erreichte El Llamito wo ich die nächste Pause einlegte um in einem Supermarkt, 300m nach dem Abzweig, meine Trinkflaschen wieder auffüllte (empfehle ich dringend) und etwas aß.
Die Passatwolken hatte ich über mir gelassen und die Temperatur war auf angenehme 25°C gestiegen. Ich fuhr weiter auf der LP-123 in Richtung San Pedro, durchquerte den Ort und kam bei Km 47 an einen Kreisverkehr bei dem ich links einbog auf die LP-101, Richtung Los Nieves. Bei Km 50 erreichte ich bei Los Nieves wieder einen Kreisverkehr und fuhr durch einen gut beleuchteten Tunnel Richtung Santa Cruz. Ca. 500 m nach dem Tunnel geht links eine Strasse nach Micra ab. Achtung, der Abzweig ist sehr schlecht zu sehen, wer auf der linken Seite der Strasse das Krankenhaus sieht ist schon zu weit! Und diese Strasse führt direkt zum Einstieg in den Roque de los Muchachos. Der kommt bei Km 55 und ein weißes Schild weist darauf hin, dass es links auf die LP-1032 zum "Observatorium Roque de los Muchachos" geht.
Der Einstieg liegt auf einer Höhe von 260 m und die nächsten ca. 29Km muss man sich um nichts mehr Gedanken machen, es geht nur noch bergauf. Wer es bis hierher noch nicht geschafft haben sollte seine Trinkflaschen aufzufüllen, dem bietet sich nach dem Einstieg eine letzte Möglichkeit. Nach zwei Km kommt auf der linken Straßenseite, etwas verdeckt gelegen, eine kleine Bar. Das ist die letzte Möglichkeit vor dem Gipfel zu Wasser zu kommen.

Was nun folgte war ein langer, nicht endend wollender Anstieg. Im Durchschnitt 7% steil, aber in den steilsten Passagen bis zu 13% steil. Und je höher ich kam umso schlechter wurde die Sicht. Auch die Temperatur sank und in einer Höhe von ca. 800m fuhr ich wieder in die Passatwolken. Das hatte den großen Vorteil sich ganz auf das Radfahren konzentrieren zu können. Die Schönheiten der Natur konnte man sowieso nur erahnen. Auch die Windjacke hatte bei Temperaturen von 15°C ihren Sinn. So fuhr ich diesen Berg hinauf und fragte mich ob es sein könnte, dass ich alleine bin auf dieser Insel. Ich war schon einige Zeit im Pass unterwegs und seit dem Abzweig hatte ich niemanden mehr gesehen. Keinen Menschen, kein Auto und ein Fahrrad den ganzen Tag noch nicht. So konzentrierte ich mich auf das wesentliche. Essen, Trinken und Treten. Denn ich wollte möglichst schnell aus den Wolken heraus. Bei ca. 1300m Höhe sah ich das erste mal wieder Sonnenstrahlen, die Temperatur wurde wieder angenehmer und bei 1400m Höhe sah ich die Wolken unter mir und eine fantastische Aussicht um mich herum.
Das einzige was mir so ein wenig die Laune "verdarb" war das Wissen noch 1000m höher zu müssen. So setzte sich bei mir der Gedanke durch an einer schönen Stelle eine kleine Rast einzulegen. Wenigstens ein paar Minuten in Ruhe Essen und Trinken.
Die Fahrt ging weiter an alten Kiefernwäldern vorbei und je höher ich fuhr um so stärker veränderte sich die Landschaft. Die Kiefern zogen sich zurück und kleinere Bäume und Sträucher wurden zu meinen Begleitern.
Die Temperatur hatte sich wieder auf angenehme 25-30°C eingependelt und wurde auch bis zum Gipfel nicht wesentlich kälter. Aber dafür verschwand mit zunehmender Höhe der Bewuchs und gab die Sicht frei auf ein herrliches Panorama.
Mit zunehmender Höhe traf ich auch wieder auf Menschen, die diese Landschaft und Aussicht bei einer Höhenwanderung erleben und genießen wollten. Nur Radfahrer waren immer noch nicht in Sicht. Aber dafür wurde ich um so mehr bestaunt. So häufig scheint es wirklich nicht vorzukommen, dass sich auf diesen Berg Radfahrer trauen. In 2300m Höhe wähnte ich mich schon fast auf dem Gipfel, da traf mich fast der Schlag. Ich hatte zwar auf der Karte gesehen, dass ich, um zum Gipfel zu kommen, links abbiegen musste. Hatte aber völlig übersehen, dass es nach den 29Km von 2300m auf 4Km wieder bergab ging auf ca. 2100m Höhe. Und da hörte dann doch langsam der Spaß auf. So kam dann nach 33Km Pass der Abzweig nach links zum Gipfel und das hieß noch einmal ca.300m bergauf, verteilt auf die letzten 4Km bis zum Gipfel des Roque de los Muchachos.