(Nicht) ... nur für Bergziegen
Touren im Südlichen Schwarzwald
Der südliche Schwarzwald war in den vergangenen Jahren immer wieder einmal Ziel sportlicher Touren von Mitgliedern der Radsportfreunde Münster. Dabei bietet die Region durchaus unterschiedliche Profile radsportlicher Aktivitäten: flache Touren durch die Rheinebene oder wellig durchs Markgräfler Land, kurze und manchmal knackige Steigungen im nahen Kaiserstuhl und natürlich die längeren Anstiege im Schwarzwald auf die Gipfel von Schauinsland, Hochblauen und Belchen. Ein breites Angebot an Unterkünften, eine ausgezeichnete Gastronomie, vielfältige Ausflugsmöglichen etwa nach Freiburg, in den Elsaß oder die Schweiz runden die Möglichkeiten einer Radsportwoche, wie sie die Radsportfreunde Münster zuletzt 2003 unternahmen, oder eines privaten Urlaubs mit der Familie oder Freunden ab.
Auf dem Weg von Münstertal zum Belchen,
im Hintergrund die Klosterkirche St. Trudpert
Routen-Tips
Südbaden ist ein unterschiedlichsten Ansprüchen entgegenkommendes Rennradrevier. Nachstehend einige kurze Touren, die das Rathaus in Münstertal zum Ausgangspunkt haben und sich ohne weiteres von Streckenlänge und Profil erweitern lassen. Vom zeitlichen Aufwand her überschaubar, lassen sich die Radtouren im Urlaub ohne weiteres mit Wanderungen und weiteren Aktivitäten kombinieren.
Anregungen, die mit eigenen Ideen verbunden werden können, gibt darüber hinaus Jan Ullrichs Buch über seine Lieblingstouren im Schwarzwald. Einige davon erfordern allerdings eine gehörige Portion Kondition.
Auf den Belchen
Wir rollen uns auf den ersten Kilometern in Richtung Obermünstertal vorbei an der mächtigen Klosteranlage St. Trudpert langsam ein, ehe nach etwa 6 km in einer weiten Rechtskurve der stetige Anstieg bei meist 6 bis 8% zum Wiedener Eck beginnt, das nach etwa 15 km erreicht wird. Hier folgt die etwa 11 km lange Abfahrt über Wieden nach Utzenfeld. Im Ort rechts und nach wenigen hundert Metern erneut rechts in Richtung Aitern geht es mit bis zu 12 Steigungsprozenten bergauf, ehe nach 11 km das Belchenhaus in einer Höhe von 1.360 m erreicht ist. Etwa 4 km vor dem Gipfel müssen im Bereich der Bergbahn-Station wenige Meter Schotterstrecke überwunden werden, dafür folgt im Anschluß eine autofreie Strecke. Zurück können wir es zunächst rollen lassen, bevor wir wenige Meter nach der Bergbahn-Station links abbiegen und die letzten 2,5 km Anstieg auf dieser Tour bewältigen. Dann beginnt die lange Abfahrt übers Wiedener Eck ins Münstertal. (Gesamt: ca. 62 km)
Über Hochblauen und Kreuzweg
Von Münstertal geht es zunächst bergab und kurz vor Staufen links über Grunern ins Markgräfler Land. Bei welligem Profil führt die Strecke über Laufen nach Britzingen und über einen ersten kurzen Anstieg in den Kurort Badenweiler. Nach dem Ortskern Badenweilers vorbei an der Cassiopeia-Terme beginnt die 10 km lange und in weiten Passagen bis zu 12% Steigung aufweisende Anfahrt zum Hochblauen (1.165 m), deren Quälerei durch einige schöne Ausblicke entschädigt wird. Von Funkturm und Blauenhaus nehmen wir die Strecke zurück nach Badenweiler und fahren hier in Richtung Neuenweg und Schönau. Ist die Steigung bis zum Ortsteil Schweighof noch moderat, beginnt in Höhe der rechts liegenden Forellenzucht der etwa 8 km lange Anstieg bei in weiten Teilen 7-8% Steigung, ehe der Wanderparkplatz Kreuzweg erreicht wird. Hier beginnt die Abfahrt bis zur Gaststätte Haldenhof und dort links hinunter ins Münstertal. (Gesamt: ca. 63 km)
Übers Geiersnest
Zunächst führt die Tour von Münstertal bergab durch Staufen hindurch nach Ehrenkirchen. Wir folgen der Richtung Bolschweill und St. Ulrich. Hier beginnen die Kehren mit bis zu etwa 10% Steigung über Geiersnest bis zum Wanderparkplatz Eckhof, der nach 24 km erreicht wird. Die asphaltierte Straße endet hier für den PKW-Verkehr, nach wenigen Metern links hinunter zum Bauernhof Eckhof - hier lohnt die Einkehr zum leckeren Bauernhof-Eis - können wir dagegen die steile Abfahrt über Horben nach Bohrer in Angriff nehmen. Unten rechts steht uns nun der etwa 12 km lange Anstieg zum Schauinsland (1.284 m) bevor. 12% Steigung zeigt ein Schild an, nach etwa 1 km ist es allerdings nicht mehr ganz so steil. Unterhalb des Schauinsland-Gipfels angekommen, folgen wir der Straße nach Todtnau, biegen jedoch nach wenigen hundert Metern rechts ab hinunter zum Gasthof Gießhübel. Dort führt eine Abfahrt in engen Kehren mit bis zu 18% Gefälle über Stohren ins Münstertal. (Gesamt: ca. 55 km)

6 Radsportfreunde freuen sich. Den strahlenden Gesichtern sieht man an, daß sie den Belchen mit 1.414 m soeben ohne große Mühe geschafft haben.
Über Stohren zum Schauinsland
Den "Albtraum vieler Hobbyradler" nennt Jan Ullrich die Strecke am Stohren hinauf. Hierzu geht es vom Rathaus Münstertal zunächst zum Einrollen leicht bergauf in Richtung Wiedener Eck, ehe man nach etwa 6 km hinter Spielweg links zum Stohren abbiegt. Auf teilweiser schlechter Straßendecke sind auf den ersten 4 km bis zu 18% Steigung angesagt, auf langen Passagen sind immer noch 13 bis 15% zu bewältigen. Es gibt keinerlei Gelegenheit, einmal kurz Luft zu holen. Ist dieser wirklich brutale Anstieg geschafft, gestalten sich die restlichen Meter bis zum Gasthof Gießhübel weitgehend flach, bevor dort rechts hinauf noch einmal 1,5 km Anstieg in Richtung Schauinsland folgen. Während oben links nach einem kurzen Wegstück die Bergstation Schauinsland erreicht ist, fahren wir rechts nach Notschrei und dort wiederum rechts auf einer langen Abfahrt und gut ausgebauter Straße hinunter nach Todtnau. Über die Bundesstraße nach Schönau rollen wir weiter bis Utzenfeld, wo wir rechts abbiegen und, zunächst entlang des Wiedenbachs, durch eine waldreiche Passage hindurch den 11 km langen Aufstieg über Wieden zum Wiedener Eck beginnen, der allerdings weitgehend gleichmäßig bei etwa 6-7% verläuft und erst auf dem letzten Teilstück ab Wieden etwas anstrengender wird. Es folgt die Abfahrt ins Münstertal. (Gesamt: ca. 53 km)
Wer es mag, kann in Utzenfeld wenige hundert Meter weiter in Richtung Schönau fahren und über Aitern den etwa 11 km langen Anstieg zum Belchen in Angriff nehmen und dann wie in der Belchen-Tour beschrieben ins Münstertal zurückkehren. (Gesamt: ca. 68 km)
Zum Weissenbachsattel
Rund 10 km lang und in der Spitze bis zu 12 Pronzent steil ist die Auffahrt über Rotenbuck und Münsterhalden zum Gasthaus Haldenhof. Am Gasthof links führt die Strecke hinunter über Neuenweg und Böllen ins Wiesental. In Wembach folgen wir rechts zunächst der Bundesstrasse in Richtung Zell, verlassen in Mambach jedoch das Tal und biegen links in eine ruhige Nebenstrecke Richtung Todtmoos ein. 15 km weiter, davon etwa 12 km Anstieg mit einigen steileren Passagen, ist der Weissenbachsattel (1.079 m) unterhalb des Hochkopfs erreicht. Über Präg und Geschwend führt die Abfahrt hinab nach Utzenfeld. Hier beginnen die letzten 11 km Anstieg zum Wiedener Eck und die anschliessende rasende Abfahrt ins Münstertal. (Gesamt: ca. 83 km)

Ein schöner Tag und eine ebenso schöne Radtour durch die Region um den Belchen geht hier mit einem Erinnerungsfoto vor dem Rathaus in Münstertal zu Ende.
Unterkunft: Informationen über Gästezimmer und Ferienwohnungen gibt es bei der Kurverwaltung, Rathaus, Wasen 47, 79244 Münstertal, www.muenstertal.de
Karte: Radtourenkarte 43 Süd-Schwarzwald/Kaiserstuhl aus dem Haupka-Verlag
Buch: Jan Ullrich: Meine Lieblingstouren im Schwarzwald, Freiburg 2001 gibt detaillierte Angaben über Streckenverlauf und Höhenprofil von im ganzen 17 Touren im Schwarzwald und Kaiserstuhl. Dazu herausnehmbare wasserfeste Pocket-Cards mit allen wichtigen Informationen zu den einzelnen Strecken.
-mhe
Fotos: Leo Bröker