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... Gipfelstürmer

Mit 74 Jahren das erste Mal mit Wohnmobil und Rennrad in die französischen Alpen.

Von Heinrich Frenke
Durch die Absage vom 4. Mann gezwungen sind wir auf ein Wohnmobil gestoßen. Alle haben schon oft eine Reise mit dem Wohnmobil unternommen und waren begeistert. Für mich ein großes Fragezeichen: wie geht das mit 4 Männern auf so engem Raum, mit Essen und Trinken, tagsüber auf dem Rad und nachts im Wohnmobil, und dann die eigenen Bedürfnisse zur Ruhe? Fragen auf Fragen. Die Freunde haben mir eine Hintertür offen gelassen: Sollte es nicht gehen, würden sie mich abends zum Hotel bringen und morgens wieder abholen. Ich bin gespannt auf die Reise und die erste Nacht.
Heute ist Start. Wir möchten kurz hinter der Schweizer Grenze in Annecy übernachten. Wir haben einen guten Campingplatz gefunden, wir haben gekocht, Rotwein getrunken und gut geschlafen. Alle meine Befürchtungen sind null und nichtig. Dann haben wir Annecy besichtigt. Das ist eine wunderschöne alte Stadt mit großem See. Es war Markt und wir sind in aller Ruhe durch die alten Gassen geschlendert. Jetzt sind wir in Frankreich.
Gegen Mittag dann Start zum ersten Col. Der Pass war gut zu fahren. Es ging auf bewaldeter Straße langsam bergan. Leider kann ich nicht sagen wieviel Prozente der Pass hatte, denn mein Computer ist defekt. Ärgerlich, aber was soll es.
Der Col de Aravis ist 1.486 m hoch. Mir hat er gefallen. Dann der Col de Saisies, 1.633 m. Dann fing es an zu regnen. So sind wir mit dem Auto nach Beaufort gefahren und haben hier übernachtet. Bei gutem Wetter am nächsten Morgen ging es dann vom Campingplatz mit dem Rad los. Wir haben den Col de Roselend (1.960 m) erklommen. Als zweiten Pass den Col de la Madelaine (2.000 m) gefahren. Hier hatten wir im oberen Teil starken Gegenwind. Es war schon recht heikel. Belohnt durch eine lange Abfahrt sind wir in La Chambre gelandet. Es war kalt. Ich war froh, lange Hose, Armlinge und Kopftuch mitgenommen zu haben. Es war gut, daß das Wohnmobil in unsrer Nähe war, so konnten wir uns immer gut versorgen.
Heute am Dienstag steht der Col de Glandon (1.924 m) auf dem Programm. Es war schon eine lange Auffahrt, aber mir ging es gut und ich habe es geschafft.Heute ist ein neuer Höhepunkt angesagt. Jeder weiß, was Alpe d‘ Huez bedeutet. Und so fuhren wir mit Respekt los. Es war kalt, so daß ich Jacke und lange Hose angezogen habe. Die Strecke ist steil, aber die 21 Kehren sind gut ausgebaut. Wir konnten uns immer gut erholen. Es waren sehr viele Radfahrer unterwegs – auch oben im Ziel. Wir hatten ja Zeit und haben eine ausgiebige Pause gemacht. Es war ein tolles Gefühl dort oben zu stehen!Am nächsten Morgen ging es dann über den Col de Ornon, der ist nur 1.300 m hoch. Die Straße ist bewaldet und gut zu fahren. Im oberen Teil haben wir Bauern gesehen, die bei der Kartoffelernte waren. Es ist eine mühselige Arbeit von Hand und mit einer kleinen Hacke.Nach 40 km Abfahrt haben wir verladen und sind mit dem Wohnmobil bis Barcelonette gefahren. Hier habe ich schon einmal übernachtet auf der Radtour von Nizza über den Restefond in die Schweiz nach Zernes.Freitag ist Start von Barcelonette zum Col de Allos (2.240 km). Es ging 20 km hoch, aber locker zu fahren. Die Straße führt bei der Abfahrt am Verdon entlang. Sehr beeindruckend die tiefen Schluchten, Felsen, Geröll. In Colmes de Alpe haben wir verladen, weil der Regen immer heftiger wurde. Übernachtung dann in Moustiers Sainte-Marie um am nächsten Morgen den Gorges du Verdon zu fahren. Was wir am Abend nicht erwarten konnten, traf am nächsten Morgen ein: Strahlend blauer Himmel für unsere Königsetappe. Und natürlich sind wir den inneren Kreis gefahren, der sehr steil war. Auf halber Strecke war Mittag eingeplant, und das war auch zur Erholung nötig. Wir sind immer wieder durch besonders schöne Ausblicke oder Blicke in die Tiefe des Canyon belohnt worden. Wir werden uns diese Eindrücke immer wieder gerne erinnern. Der ganze Rundkurs ist 115 km lang und weist einige anspruchsvolle Steigungen auf.Das war auf dieser Reise unser letzter Radtag. Wir haben den Tag bis spät in die Nacht auf dem Marktplatz in Moustiers Sainte-Marie mit Musik in festlicher Stimmung beendet.
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Weitere Berichte von Heinrich Frenke:
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Italien - einmal anders

In der Region Marken
In den hier wenig bekannten Marken unternahm Heinrich Frenke, einer der Senioren bei den  Radsportfreunden Münster, im Mai 2002 eine Radreise – anschließend ging es eine Woche durch die Emilia Romagna. Hier seine Eindrücke.

Wo fährst du hin? – Meine Antwort: Nach Marken und in die Emilia Romagna. Beide Touren deswegen, weil die Anfahrt von Münster so weit ist.

Fast alle fragten dann: Marken – wo ist das? Einige wissen garnichts, andere vermuten, Marken liegt im Norden. Ich selbst mußte mich ja auch erst informieren. Marken liegt östlich von Rom an der Adria. Es ist eine interessante Provinz an der Adria mit bergigem Hinterland. Einige Freunde meinen, Marken sei schöner als die Toskana. Bei der Planung im Winter bin ich auf den Reiseveranstalter Margreiter in Nußdorf gestoßen.

Mit ihm ging dann die Reise am 11. Mai 2002 mit dem Bus ab Nußdorf nach St.Benedetto in Marken los. St.Benedetto liegt direkt am Meer. Es gibt hier wunderschönen weißen Sand am Strand, ein gutes Hotel und die ausgezeichnete Organisation des Reiseveranstalters. So konnten wir uns auf das Radfahren konzentrieren. Das Wetter war gut, nicht zu warm und nicht zu kalt.

Am ersten Tag allerdings kamen wir auf dem Rückweg in starken Regen. In den Bergen muß man mit solchen Überraschungen rechnen. Die Apennin haben es einfach in sich. Das haben wir in den Tagen immer wieder spüren können.
Lange und starke Anstiege wechseln mit wunderbaren Abfahrten auf guten Straßen. Aber wird man nicht entschädigt, ja belohnt nach den anstrengenden Anstiegen durch die weiten Ausblicke, durch den Duft der ersten Heuernte, durch das Vogelgezwitscher und den intensiven Geruch der Felder und Wiesen. Wir haben drei wunderschöne Touren in Marken unternommen mit Besichtigung der mittelalterlichen Stadt Ascoli.

Die Touren waren nicht leicht. Wer nicht alles fahren wollte, konnte in den Bus einsteigen. Busfahrer und Reiseleiter waren sehr um ihre Kunden bemüht. Riegel und Getränke waren jederzeit zu bekommen, auch technische Hilfe. Auf den Touren habe ich nur von einem Platten gehört. Das Material ist einfach gut.

In der zweiten Hälfte der ersten Woche haben wir das Hotel und den Standort gewechselt. Der neue Standort hieß Urbino. Der Blick in das Tal, im Hintergrund die Berge, Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, so etwas bleibt im Gedächtnis haften. Es war eine gelungene Woche in Marken.

Dann begann das Abenteuer für mich. Auf der Heimreise hat mich der Bus 5 km nördlich von Modena heraus gelassen. Ich wollte von hier nach Salsomagiore Therme in der Emilia Romagna mit Rad und Rucksack fahren, wo am nächsten Nachmittag die neue Reisegesellschaft aus Nußdorf eintreffen würde. Ich habe mir Karten besorgt, alle Städte und Dörfer aufgeschrieben. Weil die Planung richtig war, wurde es ein schöner Tag.

Ein Erlebnis: 40 km vor dem Ziel mußte ich den Fluß Taro überqueren. Jetzt gibt es laut Karte eine große Brücke in Fornovo. Auf meiner direkten Route liegt der Ort Collecchio. Und hier endet auf meiner Karte die Straße direkt am Fluß und geht an der anderen Seite weiter. Hier zu Hause habe ich gedacht, es verkehrt dort eine Fähre. In der Gruppe hat man mich ausgelacht, in Italien gäbe es keine Fähren. Die Flüsse seien zwar breit, würden aber im Sommer nur wenig Wasser führen. Also habe ich diesen Ort Collecchio angesteuert, um ca. 30 km zu sparen. Aber nach mehrmaligem Fragen, ob eine Überquerung des Flusses möglich sei, wurde mir klar, daß das nicht geht. Ich bin dann in Fornovo über die Brücke gefahren. Der Fluß ist sehr breit und steinig, hat wenig Wasser und ist wirklich unpassierbar. Also hätte ich Fornovo gleich ansteuern sollen.
Nach 4 Anstiegen mit wenig Verkehr, auf guten Straßen erreichte ich mein Ziel Salsomagiore Therme. Es war Samstagnachmittag und alt und jung promenierte in der Fußgängerzone. Sehr elegantes Publikum.

Am nächsten Tag kam der neue Bus mit neuer Gesellschaft, die die Emilia Romagna mit dem Rad erkunden wollten. Insgesamt ist sie steiler und daher auch schwieriger zu fahren. Es gibt durchaus 10 bis 15prozentige Anstiege. Aber durch den Verkehr wird man nicht behindert. Eher durch schlechte Wegstrecken, die von Unwettern herrühren. Aber auch die kann man bewältigen. In Salsomagiore haben wir in einem Kur-Hotel gewohnt. Es war möglich in dem Sole-Bad zu schwimmen. Das war nach einer Radtour sehr angenehm und entspannend.

Es waren anstrengende, schöne Tage mit dem Rad in den Bergen der Emilia Romagna. Sehr empfehlenswert! 
Für mich stand am Schluß ein Km-Stand von 1.057 auf dem Tacho und der Höhenmesser zeigte 15.581 m. 
Es war eine gelungene Tour!

Heinrich Frenke
Wien - Nizza

Radfernfahrt über 23 Alpenpässe
Von Wien ins Engadin und weiter nach Nizza. Den Spuren der Profi-Rundfahrten Giro d'Italia, Tour de Suisse und Tour de France folgte die organisierte Radfernfahrt über 1.400 km und 23 Pässe der Alpen, die Heinrich Frenke - mit 70 Jahren einer der Senioren bei den Radsportfreunden Münster e.V. - im Juli 2000 absolvierte.

Man fragt mich oft: warum tust Du Dir das an - so eine Quälerei - wenn die Sprache auf meine Reise von Wien nach Nizza kommt. Es sind ja ca. 1.400 km und 21.000 Höhenmeter zu fahren. Und bei den Pässen handelt es sich ja um welche allererster Güte.
Meine Antwort lautet dann: Wenn ich mich so ganz vom Alltag, vom Normalen lösen kann, mich jetzt auf diese Herausforderung, auf diesen Pass, auf diesen Berg konzentrieren muß .. das ist es, ja, das ist es!! Man ist mit dem Berg, mit dem lieben Gott, mit sich alleine, konzentriert auf diese Aufgabe. Alles andere fällt von einem ab, ist unwichtig.
Und dann die Passhöhe: sehe ich zurück auf die Strecke, die ich geschafft habe - sehe ich nach vorne, wo die Abfahrt mich erwartet. Ein Hochgefühl ohnegleichen, Dankbarkeit erfüllt mich über das Gelingen. Wo ist dann die Mühsal geblieben ?
Die Belohnung: die weite Aussicht, der Duft der Alpenkräuter und auch das Pfeifen der Murmeltiere. Und wenn es regnet oder sogar schneit - wie am Oberalppass geschehen und auch Furka, dann kann ich in den Bus steigen. Da ist ein Platz für mich frei und dan kann ich auf besseres Wetter warten.

Für mich sind die eindruckvollsten Pässe: Turracherhöhe 1.500 m hoch, Stilfserjoch 2.757 m, Col de Iseran 2.770 m hoch und ein sehr schöner Pass, der gut zu fahren ist, der Col du Telegraph mit 1.600 m Höhe, der Col du Galibier mit 2.645 m und der letzte Pass - Col de Restefond - La Bonnette 2.802 m hoch. Von dieser Passhöhe ist es ein Genuß, nach Nizza herunterzufahren. Das sind etwa 50 km. Ein unvergessliches Erlebnis.