„Der Puls bei 185, bremsen, runter vom Rad, schnell untern Arm geklemmt, Treppe hoch, und dann so schnell wie möglich weiter.“ Was sich zunächst wie eine spektakuläre Flucht vor der in Münster oft lauernden Fahrradpolizei anhört, ist in Wirklichkeit nur die Beschreibung von Radcross-Fahrer Axel Staack über seinen Trainingsalltag. Sechs Stunden die Woche investiert der Münsteraner für sein ausgefallenes Hobby. Im Boniburger Wald bei Handorf holt er sich seit nunmehr vier Jahren die Grundlagen für die Sportart, die den Alteingesessenen wohl noch besser unter der Bezeichnung Querfeldeinfahren bekannt ist.
Bis in die späten Siebziger Jahre, als das Fliegen von Sportlern in südliche Gefilde in den kalten Jahreszeiten noch unüblich war, nutzten nämlich noch eine Vielzahl von Straßenfahrern diese Art von Vorbereitung als Winterkonditionstraining. Sie fuhren einfach irgendwo in einen Feldweg ein, strampelten über das unebene Geläuf, und wenn eine Stelle kam, an der nicht weitergefahren werden konnte, wurde das Rad ganz einfach so weit wie nötig getragen.
Staack selber wurde vor gut fünf Jahren durch einen Zeitungsartikel aufmerksam auf den Sport, der so viele seiner Hobbys praktisch vereinte: „Ich bin gern laufen gegangen, Rad gefahren und fand es auch immer reizvoll bei Spaziergängen irgendwelche Hindernisse in Wäldern überqueren zu müssen.“
Also kaufte er sich spontan ein Crossfahrrad und drehte damit erste Runden durch verschiedene Münsteraner Wälder. Irgendwann, nach vielen vergossenen Schweißperlen und hunderten Trainingskilometern, packte ihn dann der Ehrgeiz. Der 36-Jährige entschloss sich kurzerhand, den Versuch zu wagen, sich mit anderen Fahrern zu messen und meldete sich zu diesem Zweck beim Weser-Ems-Cup an. Die, vom benachbarten Rheine bis in das im Landkreis Diepholz gelegene Syke, zwölf Rennen umfassende Rennserie, erfreut sich in ihrer nunmehr achten Auflage immer größerer Beliebtheit und stetig steigenden Teilnehmerzahlen.
Nach Platz sieben bei seiner ersten Teilnahme im letzten Jahr holte Staack, bei seinem zweiten Anlauf in dieser Saison, völlig überraschend den Titel in der so genannten Hobbyklasse. Beim letzten Rennen vor zwei Wochen in Lohne-Grevingsberg reichte ihm dafür Platz fünf.
Der für die Radsportfreunde Münster startende Akteur gewann zwischen Oktober und Januar vier der zwölf Rennen und landete zudem bei den restlichen acht Starts sechsmal auf dem Podium. Damit verwies er mit 229 Punkten insgesamt 78 andere Starter auf die Plätze, darunter mit Stefan Preuhsner auf Platz 23 den zweiten Teilnehmer aus Münster.
„Auch wenn der Spaß im Vordergrund steht, war das natürlich schon eine Riesensache, da ganz vorne zu landen. Damit hätte ich wirklich nie gerechnet“, freut sich der Gewinner rückblickend. Jetzt hat er wieder neun Monate Zeit sich bei einigen Tagesrennen und intensiven Trainingstouren über Stock und Stein auf die nächste Serie, die Mitte Oktober wieder beginnt, auf das Ziel Titelverteidigung vorzubereiten.
Am meisten würde er sich dabei über Nachahmer aus dem Raum Münster freuen, mit denen er vielleicht auch mal gemeinsam trainieren könnte. Positive Gründe mit dem Radcross zu beginnen, gäbe es schließlich genügend, dagegen spreche nur einer: „Das ewige Putzen des schlammbesudelten Rads vor den Turnieren ist doch schon sehr nervenaufreibend“, sagt der sympathische Sportler schmunzelnd, liefert aber auch gleich die Lösung für das Problem mit: „Man kauft sich einfach eine billige Leeze fürs Training und läuft dann bei den Wettkämpfen mit dem strahlenden Exemplar aus dem Keller auf.“