Wandbilder aus der Höhle von Lascaux

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Lascaux, Höhle über dem Vézèretal, in der Nähe von Montignac, deren Wände und Decken einige der bedeutendsten bisher entdeckten Beispiele palaeolithischer Malerei  aufweisen. Die Höhle wurde im Tertiär durch Wasser gebildet, das durch Risse im darüber liegenden Kalkstein sickerte. In der Höhle finden sich etwa 1 500 eingravierte und über 600 gemalte Darstellungen in gelben, roten, braunen und schwarzen Farbtönen.
was04.jpg (23713 Byte)Die Malereien zeigen größtenteils Tiere wie Ochsen, Pferde und Steinböcke, die von geometrischen Figuren, deren Bedeutung unbekannt ist, umgeben sind. In der großen Halle sind die Tierdarstellungen über fünf Meter lang. Bemerkenswert ist auch die Einzeldarstellung eines Mannes, der einen Stier erlegt hat.
Zeichenkohle, Speerspitzen und Kratzwerkzeuge wurden auf dem Boden der Höhle entdeckt. Analysen nach der Radiokarbonmethode lassen darauf schließen, dass die Höhle von etwa 15 000 v. Chr. bis 9 000 v. Chr. genutzt wurde.
(Encarta 98)

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Zusatz-Information zur Grotte de Lascaux

Die Lascaux-Höhle gehört aufgrund der Anzahl und der Qualität ihrer Malereien zu den bedeutendsten prähistorischen Fundstätten in Europa. Ihre Entdeckung ist vier Jugendlichen zu verdanken, die am 12. September 1940 auf der Suche nach ihrem Hund, der in einem Loch verschwunden war, auf diese Höhle stießen. Mit einer notdürftigen Beleuchtung ausgestattet, entdeckten sie an den Wänden des unterirdischen Gangs, in den sie eingedrungen waren, ein außergewöhnliches mehrfarbiges Fresko.

Als der Dorfschullehrer von Montignac von dieser Entdeckung erfuhr, benachrichtigte er umgehend den Abt Breuil. Dieser begab sich sofort an Ort und Stelle und bezeichnete die Malereien dieser Höhle nach eingehendem Studium als die "Sixtinische Kapelle" der Vorgeschichte.

1948 wurde die Höhle zur Besichtigung freigegeben. Der Besucherstrom (mehr als eine Million in 15 Jahren) war so groß, dass trotz aller Vorkehrungen(sehr schwache Beleuchtung, Klimaanlage, Eingangsschleuse) das beim Ausatmen frei gewordene Kohlendioxid und die eingedrungene Feuchtigkeit die Entwicklung von zwei Krankheiten bewirkte. Die "grüne" Krankheit führte zu Moos- und Algenwucherungen und die "weiße" zur Bildung weißlicher Kalzitablagerungen.

Zur Erhaltung dieses Schatzes wurde die Höhle daher 1963 für die Öffentlichkeit unzugänglich gemacht. Zehn Jahre später wurde das Projekt einer originalgetreuen Kopie eingereicht, um den Besuchern dieses Kulturgut nicht länger vorzuenthalten.1983 eröffnete die Fremdenverkehrsbehörde der Dordogne schließlich die Anlage Lascaux II.

Ein außergewöhnlicher Bau

Die in den Kalksteinboden des Périgord Noir gegrabene Höhle weist mit einer Länge von nur 150 Metern recht bescheidene Ausmasse auf. Sie umfasst vier unterirdisch Gänge, deren Wände mit mehr als 1 500 Felsmalereien und –gravuren bedeckt sind. Die Bilder wurden im Magdalénien, also zwischen 17 000 und 15 000 v. chr. geschaffen. Die Höhle war damals nach außen hin offen. Das Vordach des Eingangs ist jedoch eingestürzt, und nachrutschende Lehmmassen haben das Geröll regelrecht abgedichtet. Dieser hermetische Verschluss und die undurchlässige Decke erklären das Fehlen jeglicher Sinterbildungen und den vollständigen Erhalt der Malereien, die durch eine dünne, durchsichtige Kalkschicht an den Wänden fixiert und eine Ausbuchtung übergeht. In diesen beiden Räume befinden sich insgesamt 90 % der Malereien.

Rechts vom Stiersaal führt ein gang zu Apsis, die in das Schiff und den "Stollen der Raubkatzen" übergeht. Auf der rechten Seite der Apsis ist ein Schacht angelegt, an dessen unterem Teil ein verletzter Wisent dargestellt ist, der einen Menschen angreift – eine der wenigen Menschendarstellungen, allerdings äußerst schematisch (Reproduktion im Prähistorischen Kunst- und Forschungszentrum von Le Thot). Derartige erzählerische Szenen sind in der prähistorischen Kunst eine Ausnahme. An den Wänden tummelt sich eine ganze Schar von Tieren. An manchen Stellen nutzten die Künstler natürliche Felsvorsprünge, um die Gestalten besser zu modellieren. Dargestellt sind die typischen Tierarten des Magdalénien (Urrinder, Wildpferde, Hirsche, Wisente, Steinböcke, Bären, Wollnashörner), die sich gegenüberstehen oder auf ungewöhnliche Weise übereinander angeordnet sind. Ihre scheinbar planlose Abfolge (spätere Übermalung oder für uns unentschlüsselbare Szenenhierarchie?), die unverhältnismäßigen Proportionen der Tiere, das Fehlen jeglicher Landschaftsbezüge (Boden, Pflanzen, kleinere Tiere) lassen eher auf eine rituelle Darstellung als auf ein erzählerisches Anliegen schließen. Auch die geometrischen Zeichen und die geheimnisvollen Zeichnungen (Striche, Punkte, Gitter, Ovale und Stäbe sprechen dafür, dass es sich um eine Kultstätte handelt.

Der Lascaux-Stil

Man könnte in der Tat von einem regelrechten "Lascaux-Stil" sprechen: Tiere mit kleinen, schmalen Köpfen, aufgeblähten Bäuchen, kurzen, Gliedmaßen und einem durch das Auftragen gleichmäßiger, unschattierter Farbpigmente angedeutetem Fell, Hörner, Geweihe und Hufe sind oft zu dreiviertel sichtbar oder gar in der Vorderansicht dargestellt, während die Körper im Profil zu sehen sind, eine Art "verzerrte Perspektive"

Diese Informationen wurden von Eike Winscheid zusammengetragen

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