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Ein Interview mit Priv. Doz. Dr. Schmitt

Diplom Psychologe an der Uni Münster (Interview vom 2.5.2001)

ES ganz kurz
Ein Tag mit Priv. Magersucht
Ein Tag Bulemie
Therapien  von ES
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Über uns

 

Wie viele Magersüchtige bzw. Bulemiker betreuen sie zur Zeit? Von 16 Betten sind 5 - 6 mit Essgestörten (haupts. Mädchen) belegt. 1/3 aller Patienten in der psychosomatischen Abteilung sind essgestört.
Wie lange dauert eine Therapie? Es gibt sehr unterschiedliche Verläufe. Meistens 5 - 6 Mon., Ausnahmen sind 8 - 10 Mon. Spätere Therapie am Wohnort.
Wie hoch ist die Erfolgsquote? Die anorexia nervosa (Magersucht) hat die höchste Sterberate (5 - 10 %). 

20 - 30 % bleiben chronisch untergewichtig  und in ihrer Persönlichkeit verändert. 

50 -60 % haben eine Chance auf Heilung.                         

Wie sieht der Tagesablauf einer Therapie aus? 7 Uhr         : Aufstehen

7.45 Uhr  : Frühstück

8.15 Uhr  : Schule (Krankenhausschule)

11.30 Uhr:Schulschluss

12:00 Uhr:Essen (getrennt Jüngere/Ältere)

Nach dem Essen finden die Therapiestunden statt:

-Musiktherapie

-Gesprächstherapie

-Therapeutisches Gespräch mit der Familie

-Gruppengespräche mit Essgestörten

15:30 Uhr: Gruppenstunde

-Basteln, Theater, Shopping(Stadtgang), Filme gucken 

17:30 Uhr: Abendessen

Freizeit: Nach dem Abendessen

-Im Zimmer sitzen

-Besuch von Freunden

-Im Sommer in den Garten gehen

-" Dämmershopping" (Abmeldung erforderlich)

20.30 Uhr: Nachtruhe

In welchem Zustand kommen die Patienten zu Ihnen? Körperlich kritischer Zustand, Körperwahrnehmung ist verzerrt, Vitalfunktionen( Blutdruck, Puls, etc.) sind in kritischem Zustand, kein Hungergefühl/ nicht genussfähig, die meisten müssen künstlich ernährt werden, Eltern erkennen die Krankheit früh genug, doch die meisten Patienten wollen keine Therapie, die fehlende Motivation gehört zu der Krankheit dazu.
Was erwarten die Patienten von einer Therapie? Am Anfang haben sie große Angst, wollen so bleiben wie sie sind, möchten die Gedanken ans Essen und Abnehmen verlieren, wollen Platz im Kopf haben für Hobbies, Freizeit, und Freunde. Im Laufe der Therapie wollen sie die Gedanken ans Essen verlieren. In seltenen Fällen kommen sie allerdings nicht davon los.
Wie viel Kalorien muss ein Patient am Anfang zu sich nehmen? Der Magen muss sich langsam an das Essen gewöhnen, durch die "Sonde" bekommen sie täglich 1500, d.h. 8 Sondierungen pro Tag. Später 2500 bis 2800 Kalorien, diese sind auf 5 Mahlzeiten pro Tag verteilt. Die Nahrungsaufnahme wird ständig überwacht.
Welche Entlassungsbedingungen sind gegeben? Sollgewicht (BMI= Bodymaßindex), Probleme psychisch selber verarbeiten können, die eigene und familiäre Lebenssituation muss verändert sein.
Haben die Patienten noch Privatsfähre (haben sie eigene Zimmer)? Die Patienten freunden sich mit Gleichgesinnten an, dies ist sehr wichtig für die Psyche der Patienten/ innen. Sie erleben dass sie nicht alleine mit ihrem Problem sind. Es entstehen Freundschaften auch über die Therapie hinaus.
Was ist wenn die Therapie erfolgreich beendet wurde? Es werden Abschlussparties gefeiert, an denen alle teilnehmen können. Der geheilte Patient darf sich etwas wünschen. Dieses ist auch ein Ansporn für andere, es auch zu schaffen.
Wie werden die Patienten auf ihr gewohntes Schulleben vorbereitet? Es werden kurz vor Therapieende Schulbesuche in der Klasse des Betroffenen gemacht, zur leichteren Einführung.
Wieviel Personal ist im Durchschnitt auf der Station? 2- 3 Jugendpsychater, 4 Pädagoginnen und Schwestern
Wie alt sind ihre Patienten im Durchschnitt? Sie sind zwischen 4 und 19 Jahren alt.

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