Unterstützte Kommunikation

Der Personenkreis an unserer Schule, der vom Einsatz Unterstützter Kommunikation (UK) profitieren kann, ist sehr groß und dementsprechend heterogen.

Er umfasst sowohl Kinder und Jugendliche mit angeborener (z.B. Cerebralparese) und erworbener Einschränkung (z.B. Schädel-Hirn-Trauma) als auch Menschen mit fortschreitenden Erkrankungen und temporären Einschränkungen (z.B. Luftröhrenschnitt). Derzeit kann ¼ unserer Schülerinnen und Schüler aufgrund der angeborenen oder erworbenen körperlicher Einschränkung nicht oder nur schwer verständlich sprechen. Aus diesem Grund hat die Förderung in Unterstützter Kommunikation an der Regenbogenschule eine besondere Bedeutung.

Der Kommunikationsraum der Schule ermöglicht viele ansprechende, spielerische Möglichkeiten der Kommunikationsförderung

Unterstützte Kommunikation umfasst den Einsatz von unterschiedlichsten Hilfsmitteln, um die eingeschränkten lautsprachlichen Möglichkeiten von Menschen zu ergänzen, die kommunikative Kompetenz zu erweitern und damit letztendlich die Integration nicht oder schwer verständlich sprechender Menschen zu unterstützen. An unserer Schule werden unterschiedlichste alternative und die Lautsprache ergänzende Kommunikationsformen beachtet und gefördert: 

Alternative und die Lautsprache ergänzende Kommunikationsformen

dynamischer Art

statischer Art

Atmung, Gesichtsfärbung, Körperspannung, Körpertemperatur, Mimik u.a.

einzelne Karten oder Kommunikationstafeln bzw. ganze Kommunikationsbücher mit Hilfe von…

…Fotos

…Symbolen

…Piktogrammen

…Schriftsprache

codierte Blickbewegungen, Zeigeblicke

elektronische Hilfen zur Kommunikationsanbahnung wie z.B. BIGmack, Step-by-Step-Communicator, PowerLink

Gesten, Gebärden

Talker (Computer mit Sprachausgabe)

Förderung der Kommunikation und Handlungskompetenz bei SchülerInnen, deren Kommunikation hauptsächlich über körpernahe Sinne geschieht.

Bedeutsam für die schulische Förderung von Kindern und Jugendlichen ist vor allem, dass Unterstützte Kommunikation in allen Lebens- und allen Entwicklungsphasen eingesetzt werden kann. Es gibt keine Vorbedingungen für den Einsatz von Unterstützter Kommunikation. Auch wenn viele Schüler sich mit ihren körpereigenen Kommunikationsformen nicht verständlich äußern können, so können sie doch (mit Unterstützung) Schalter bedienen, die etwas in Gang setzen, was wiederum eine Reaktion bei den anwesenden Personen auslöst etc. Der Schüler bewirkt etwas und lernt gleichzeitig: „Ich muss mich bewegen, um etwas zu bewegen.“

Auch wenn er das Ursache-Wirkungs-Prinzip nicht bis ins letzte durchschaut, so erfährt er trotzdem, dass er Einfluss auf seine Umwelt nehmen kann. Damit also diese Schüler aufgrund häufiger frustrierender Erfahrungen in der Kommunikation nicht resignieren, sondern ihre Möglichkeiten der Einflussnahme erleben, benötigen sie einen Unterricht, dessen Ziel es ist, ihnen zu vermitteln:

 „Ich handle und etwas passiert!“

Schweinchen das mit einem Taster an- und ausgeschaltet werden kann

Förderung der Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit von SchülerInnen mit grundlegenden sensomotorischen und kommunikativen Fähigkeiten

 Diese Schülergruppe hat bereits grundlegende Erfahrungen in der Einflussnahme auf ihre Umwelt gemacht. Bei ihnen geht es vermehrt um den zwischenmenschlichen Kontakt. Damit diese Schüler nicht erst durch destruktive Verhaltensweisen auffallen (müssen), sondern die Erfahrung machen können, mit ihren Bedürfnissen gehört und verstanden zu werden, benötigen sie ein Umfeld, in dem sie die Erfahrung machen:

 „Ich äußere mich und jemand reagiert!“

Symbole zu Gefühlen, die mit Klett auf einer Teppichfliese angeordnet werden können.

 

Der Klassenverband als zentraler Förderort

In der Kommunikationsförderung wird zwischen "natürlichen Lernanlässen", ausgelöst durch die Interaktion im sozialen Umfeld, und „speziellen Trainingssituationen“ unterschieden.

An der Regenbogenschule arbeiten wir nach dem fachdidaktischen Konzept der unterrichtsimmanenten Kommunikationsförderung (UIK), da wie für jede andere Form der Kommunikation auch für die UK der konsequente Alltagsbezug von immenser Bedeutung ist.

Die unterrichtsimmanente Kommunikationsförderung legt den Schwerpunkt der Kommunikationsförderung und die Verantwortung für den Förderprozess deutlich in den Klassenunterricht mit seinen zahlreichen natürlichen Lern- und Kommunikationsanlässen in der Überzeugung, dass Kommunikation dort gefördert werden muss, wo sie alltäglich stattfindet: im Klassenunterricht.

Nur diese Struktur fördert die Generalisierung erworbener kommunikativer Kompetenzen, d.h. die spontane Anwendung aktiven Vokabulars in neuen Situationen und mit unterschiedlichen Gesprächspartnern, und ermöglicht letztendlich eine langjährige, kontinuierliche und qualitätssichernde Kommunikationsförderung.

Grundlage des unterrichtsimmanenten Konzeptes ist die Förderung aller unterstützt sprechender Schülerinnen und Schüler in Klassen mit sprechenden Gleichaltrigen, der so genannten Peergroup. Klare Vorteile des Lernens in natürlichen Lernanlässen liegen darin, dass die Relevanz einzelner Förderziele deutlich wird und die Kommunikation für sehr junge Kinder oder Menschen mit einer so genannten geistigen Behinderung unmittelbar erlebt wird.

Die Unterrichtsorganisation

Unterrichtsimmanente Kommunikationsförderung kann nicht zum Ziel haben, das gesamte Unterrichtsgeschehen auf die Förderbedürfnisse unterstützt Sprechender auszurichten, denn schließlich muss das Klassenteam die unterschiedlichen Förderbedürfnisse aller Schüler der Klasse berücksichtigen.

Unterrichtsimmanente Kommunikationsförderung zielt vielmehr darauf ab, im Klassenunterricht so genannte Haltestellen einzuplanen, zu konstruieren und (spontan) zu erkennen, an denen unterstützt sprechende Schülerinnen und Schüler in den Lernbus der Gruppe einsteigen und sich somit vom passiven Beistellkind zum aktiv mitgestaltenden Schüler entwickeln können.

Die Kommunikation fördernde Haltestellen im Unterricht können durch vielfältige Maßnahmen geschaffen werden:

·           durch eine an den individuellen Kommunikationssystemen ausgerichtete Mediengestaltung,

·           durch den Einbezug unterstützt sprechender Schülerinnen und Schüler in kommunikations- und unterrichtssteuernde Aktionen (Gesprächsleitung, Lernzielkontrolle, Gruppenzusammensetzung),

·           durch individualisierte Aufträge (z.B. Nachrichtenübermittlung),

·           durch die Berücksichtigung der individuellen Kommunikationssysteme in der Auswahl und Gestaltung von Sing- und Spielliedern,

·           durch die Schaffung akustischer Impulse für den Klassenunterricht durch einfache elektronische Kommunikationshilfen,

·           durch die Verwendung von individuell positionierten Schaltern (z.B. in Verbindung mit Netzschaltadaptern oder Batterieunterbrechern),

·           durch die Erweiterung des individuellen Kommunikationssystems

·           für alters- bzw. entwicklungsgemäße Gemeinschaftsspiele,

·           durch die Nutzung des individuellen Kommunikationssystems

·           während der sehr kommunikativen Mahlzeiten,

Neben diesen geplanten und konstruierten Kommunikationssituationen haben spontane Lernanlässe eine besondere Bedeutung.

Weitere Prinzipien der Kommunikationsförderung

Unabdingbar für eine erfolgreiche Nutzung des gesamten individuellen Kommunikationssystems unterstützt sprechender Schülerinnen und Schüler ist die permanente Verfügbarkeit der externen Kommunikationshilfen in sämtlichen Lebenssituationen. Dies gilt für den Lebensraum Schule genauso wie für die Freizeit und das Elternhaus. Nur so kann die Motivation des unterstützt Sprechenden aufrechterhalten werden, Einsatzmöglichkeiten in spontanen Kommunikationssituationen bei allen Beteiligten erkannt und letztendlich die Selbstständigkeit und das Selbstwertgefühl unterstützt sprechender Schüler gesteigert werden.

Sprechende Bezugspersonen sollten unabhängig von ihren eigenen Präferenzen die Verwendung des vielfältigen Kommunikationssystems akzeptieren und unterstützen. Zudem sollten sämtliche Bezugspersonen die Kommunikation unterstützende Gesprächsstrategien anwenden. Bei Schülerinnen und Schülern mit entsprechenden Lernvoraussetzungen sollte z. B. die „offene“ Fragestellung gegenüber Ja-Nein-Fragen bevorzugt werden. Sämtliche Verhaltensweisen der Schülerinnen oder der Schüler sollten ernst genommen werden und auf ihre kommunikative Absicht hin überprüft.

 Gebärden


DGS-Gebärde für „Regenbogen“


DGS-Gebärde für „Schule“

Quelle: Jörg Spiegelhalter: Gebärden-Foto-CD. Von Loeper 2005

Hat ein Schüler in einer anderen Einrichtung bereits Gebärden erlernt, so sollte die Lehrperson diese auch erlernen, damit gelungene Kommunikation möglich wird. In Kindergärten ist das Erlernen vereinfachter Gebärden (z.B. Gebärdenunterstützte Kommunikation (GuK), Makaton, Schau doch meine Hände an!) häufig sinnvoll und unterstützt die Entwicklung des Kindes. Der stark eingeschränkte Wortschatz dieser Gebärdensammlungen wird häufig erst in der Schule zu einem Problem. Aus diesem Grund empfiehlt die Arbeitsgemeinschaft UK/ NT, schwerpunktmäßig die DGS zu verwenden.

Einzelförderung

Die Einzelförderung durch PädagogInnen und/ oder TherapeutInnen ist eine wichtige Ergänzung zur Förderung im Klassenverband, denn hier kann (zeit-) intensiv auf individuelle Probleme und die Erweiterung des multimodalen Kommunikationssystems eingegangen werden.

Im Bereich der Kommunikationsanbahnung und basaler Kommunikationsförderungen haben Einzelförderungen aufgrund der intensiven und persönlichen Interaktion und der in der Regel zur Förderung notwendigen besonderen Gestaltung der Umgebung eine besondere Bedeutung. Für die betreffende Schülergruppe stellen diese Fördersituationen und Interaktionen meistens eine der wenigen Situationen während der Unterrichtszeit dar, in denen sich jemand intensiv auf ihre persönlichen und kommunikativen Bedürfnisse konzentrieren kann.

Fördergruppe

Zusätzlich zu den beschriebenen Einzelförderungen haben sich in den letzten Jahren an unserer Schule zeitweise auch klassenübergreifende Lerngruppen zum Förderbereich Kommunikation gebildet. An diesen nehmen sowohl sprechende als auch unterstützt kommunizierende Schülerinnen und Schüler teil.

Folgende Ziele lassen sich für die unterstützt kommunizierenden Schüler konkretisieren:  

 • Die Schüler lernen von und mit ihren Mitschülern, wie sie ihre Kommunikationshilfe bedienen können (Lernen am Modell: Handling des Gerätes/ Wortschatzerweiterung).

• Sie erfahren, dass ihre Kommunikationsversuche ernst genommen werden und dass auch unterstützt kommunizierende Schüler etwas zu sagen haben.

• Sie dürfen sich die Zeit nehmen, die sie benötigen und erfahren gleichzeitig, dass andere auch mehr Zeit zum Kommunizieren brauchen.

• Durch natürliche und kindgerechte Kommunikationsanlässe wird das spontane Kommunizieren in der Peergroup/ im Alltag geübt.

• Angemessenes Gesprächsverhalten und nützliche Gesprächsstrategien können spielerisch und im Ernstfall geübt, reflektiert und verbessert werden. 

• Sie erleben, wie viel Spaß es machen kann, gemeinsam mit sprechenden und unterstützt sprechenden Mitschülern aktiv zu sein.

Die Kommunikationsförderung in Einzel- oder (Peer-)Gruppensituationen kann in Bezug auf das formulierte Förderziel eine wichtige Funktion in der UK-Maßnahme einnehmen, Ursprung, Schwerpunkt und Verantwortung der gesamten Kommunikationsförderung der betreffenden Schülerin oder des Schülers liegen allerdings im Klassenunterricht. 

Durch eine Verankerung der Lerngruppen in klassenübergreifende Differenzierungsmaßnahmen wird zum einen erreicht, dass dieses Förderangebot aus dem Stundensoll der einzelnen Klassen resultiert und damit in deren Verantwortung steht und zum Anderen, dass es als gleichwertig zu anderen Lernprozessen angesehen wird.

Die Rolle der Eltern und des sozialen Umfeldes

Qualifizierte Kommunikationsförderung vermittelt kommunikative Kompetenz für alle Lebenssituationen. Den Eltern bzw. Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Wohngruppen kommt hier eine bedeutsame Aufgabe zu. Das Elternhaus und das gesamte soziale Umfeld ist für eine erfolgreiche Umsetzung von Kommunikationsstrategien von großer Wichtigkeit: Einkaufen, Freizeit organisieren, die Meinung sagen, Informationen einholen, eigene Wünsche Fremden gegenüber artikulieren – all dies sind für „laut sprechende“ Schülerinnen und Schüler selbstverständliche Tätigkeiten. Je mehr Situationen außerhalb von Schule geschaffen werden, in denen solche Fähigkeiten geübt werden, desto schneller wird den unterstützt Sprechenden und all ihren Bezugspersonen die Relevanz der durchgeführten Förderung deutlich.

Arbeitsgemeinschaft UK/ NT

Entscheidend für eine fortschreitende Institutionalisierung und Qualitätssicherung von Unterstützter Kommunikation an unserer Schule ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit von LehrerInnen und ErgotherapeutInnen in der Arbeitsgemeinschaft Unterstützte Kommunikation / Neue Technologien (NT). Aus der Arbeit in der Arbeitsgemeinschaft ergeben sich kollegiumsinterne Fortbildungen oder Workshops zu praktischen Themen der Unterstützten Kommunikation, die Kollegen ansprechen, die sich über einzelne Aspekte von Kommunikationsförderung oder elektronische Kommunikationshilfen und ihren unterrichtspraktischen Einsatz informieren möchten. Diese Angebote umfassen immer auch didaktische Anteile, die direkt umsetzbare Fördermöglichkeiten aufzeigen.

Die Arbeitsgemeinschaft vereinbart regelmäßig zum Ende eines Schuljahres Zielvereinbarungen für das nächste Jahr und evaluiert gleichzeitig die zu Grunde gelegten Vereinbarungen.

Beratung

In der Regel sind Lern- und Zugangsvoraussetzungen bei Schülerinnen  und Schülern mit Förderbedarf in Unterstützter Kommunikation so unterschiedlich, dass eine Einzelberatung durch ein interdisziplinäres Beratungsteam nötig ist, um Förderung sinnvoll planen, durchführen und evaluieren zu können. Aus diesem Grund eine gute Zusammenarbeit mit ErgotherapeutInnen und LogopädInnen besonders wichtig.

Schülerin bei der Erprobung eines Sprachersatzgerätes im Rahmen der UK-Beratung

 

Regelmäßige Beratungen übernehmen zurzeit ein Sonderschullehrer und eine Sonderschullehrerin; beide werden von der Bezirksregierung für insgesamt fünf Unterrichtsstunden freigestellt. Die BeratungslehrerInnen übernehmen gemäß dem Konzept keine Einzelförderungen, sondern begleiten und beraten die KollegInnen bei der Hilfsmittelversorgung und der Kommunikationsförderung. Hierzu kooperieren diese mit verschiedenen Hilfsmittelfirmen die regelmäßig zwecks Präsentation neuer Geräte und zur Hilfsmittelversorgung in die Regenbogenschule kommen. Der Aufgabenbereich des Beratungsteams ist sehr umfangreich und entspricht dem Konzept der Bezirksregierung Münster (nachzulesen unter www.learnline.nrw.de).

Als Arbeits- und Beratungsraum steht derzeit der Raum 121 zur Verfügung. Er bietet Gelegenheit, sich für Gespräche zurückzuziehen und den stetig wachsenden Hilfsmittelpool zu nutzen.

Wenn Sie noch mehr zum Thema Unterstützte Kommunikation erfahren möchten, schauen Sie auf die Homepage von ISAAC - Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V. (www.isaac-online.de).