Lernen Lernen an der Regenbogenschule

Im Verlauf des Schuljahres 2002/2003 bildete sich eine Arbeitsgruppe von Kollegen und Kolleginnen aus Grund-, Mittel- und Oberstufe, die sich unter Anleitung externer Moderatoren mit dem Thema Lernen lernen beschäftigte. Als Arbeitsschwerpunkt wurde die Auseinandersetzung mit den Lernbausteinen Motivation und Konzentration/Entspannung verabredet.

Lernen lernen – Was ist das?

Dreh- und Angelpunkt der angestrebten neuen Lernkultur ist das eigenverantwortliche Arbeiten und Lernen mit Schülerinnen und Schülern.

Der Anstoß für das Konzept Lernen lernen stammt aus dem Regelschulbereich. Verschiedene Untersuchungen, wie z.B. die TIMSS – Studie oder PISA - Studie  bestätigten die Kritik, dass an den Schulen eine Belehrungskultur statt einer Lernkultur etabliert sei. Den Schülern fehlen wichtige Schlüsselqualifikationen, die sie befähigen, eigenverantwortlich zu arbeiten und Lösungen von Problemen in Teams zu entwickeln.

Ziel einer neuen Lernkultur soll sein, bei Schülerinnen und Schülern ein Bewusstsein für individuelle Lernprozesse, für lernfördernde und lernhemmende Faktoren zu schaffen und entsprechende Lern- und Arbeitstechniken auszubilden:

Lernen lernen

¨   geht über die Wissensvermittlung hinaus

¨   schafft fachliche, methodische, soziale und affektive Kompetenzen

¨   befähigt dazu, das Fortkommen selbst in die Hand zu nehmen

¨   bildet Eigeninitiative, Urteils-, Team- und Konfliktfähigkeit aus

¨   stärkt den individuellen Arbeitsstil und hilft, abwechslungsreich und damit in der Regel weniger eintönig und stumpf zu lernen

¨   entwickelt eine positive, selbstbewusste Einstellung zum Lernen („Ich möchte“ statt „Ich muss“, vor allem aber auch „ich kann“)

¨   hilft, den individuellen Lerntyp kennen zu lernen und danach zu handeln

¨   hilft, Fehler als Lernchancen zu begreifen

Lernen lernen an der Regenbogenschule

Beschäftigt man sich mit den Zielen von Lernen lernen, fällt eine hohe Affinität zu den folgenden Förderschwerpunkten der Richtlinien zur Förderung körperbehinderter Schülerinnen und Schüler auf:

-   Förderung fachlicher Kompetenzen

-   Förderung sozialer Kompetenzen

-   Förderung emotionaler Kompetenzen

-   Förderung der Selbstständigkeit

-   Förderung der Planungsfähigkeit

-   Förderung der Urteils- und Entscheidungsbildung

-   Förderung der Methodenkompetenz

-   Förderung des Arbeitsverhaltens

-   Förderung der Konzentrationsfähigkeit

-   Förderung der Eigenwahrnehmung

-   Förderung der Eigenverantwortung

-   Förderung der Lernbereitschaft

-   Förderung der Reflexionsfähigkeit

-   Förderung der Kommunikation

Schülerinnen und Schüler unserer Schule haben einen z.T. erheblichen Förderbedarf in den verschiedenen Entwicklungsbereichen. Daher kann es gerade auch für sie enorm wichtig sein, selbst zu wissen, wie sie ihre individuellen Lernprozesse und deren Bedingungen gestalten können, um Lernen zu ermöglichen.

Eine veränderte Lernkultur erfordert im hohen Maße ein Nach- und Umdenken vor allem in den Köpfen der Lehrer:

è    Ertappen wir uns nicht manchmal dabei, dass wir für die Schüler strukturieren, interpretieren, analysieren, argumentieren, fragen, kontrollieren, kritisieren, organisieren, Probleme lösen und in sonstiger Weise das Lernen für sie managen?

è    Entspricht das ihren Möglichkeiten, oder wäre trotz des erhöhten Förderbedarfes und der benötigten Hilfe stärkere Eigenverantwortung beim Lernen möglich?

è    Wie sind die Förderschwerpunkte bzgl. selbstständiger Lern- und Arbeitstechniken in unserem Unterricht etabliert? Schaffen wir kleine Arbeitsinseln oder fördern wir diese Fähigkeiten kontinuierlich und sukzessiv?

Die kritisierte Belehrungskultur scheint also keineswegs nur ein Problem der Regelschulen zu sein. Im Hinblick auf die Umsetzungsmöglichkeiten bei unserer Schülerschaft tauchen allerdings immer wieder die folgenden Fragen auf:

è    Welche Voraussetzungen müssen die Schülerinnen und Schüler mitbringen?

è    Ab wann können wir von Lernen lernen sprechen - oder ist der Weg schon das Ziel?

Um den eigenen Lernprozess bewusst steuern zu können benötigen die Schüler ein Mindestmaß an Reflexionsvermögen.

Nicht jede Schülerin/jeder Schüler an unserer Schule bringt diese Voraussetzung mit. Dabei wird die Reflexionsfähigkeit nicht als unbedingt vom kognitiven Niveau abhängig erachtet. Viele Schülerinnen und Schüler wissen vielleicht unbewusst, wie, wann und wo sie am besten lernen können – bewusst ist es ihnen meist nur selten.

Durch ein differenziertes Lernangebot können die verschiedenen Teilkompetenzen angebahnt und der Prozess des Lernen lernen in Gang gesetzt werden. Welches Niveau der einzelne Schüler erreicht, hängt von seinen individuellen Möglichkeiten ab.

Im Unterricht sollten immer wieder Phasen der Reflexion, die das Lernen lernen in den Mittelpunkt stellen, integriert werden.

Lernarbeit lässt sich dabei in hohem Maße mit unserer Förderplan-Arbeit verbinden. So wäre das Ziel, nachdem Förderpläne zunächst für die Schülerinnen und Schüler bzw. mit ihnen geschrieben werden, die Schülerinnen und Schüler den Förderschwerpunkt eigenständig festlegen zu lassen.

Wenn es uns gelingt, die notwendigen Schlüsselqualifikationen für ein selbstständiges Arbeiten und Lernen in kleinen überschaubaren Schritten anzugehen, kann auch ein Lernen lernen an unserer Schule erfolgreich sein. Im Mittelpunkt steht immer der Prozess, das Lernen lernen.

Dabei ist der Weg das Ziel.

Die Dokumentation der Kollegiumsfortbildung zum Thema Lernen lernen mit zahlreichen Praxisvorschlägen, Möglichkeiten der Umsetzung und Literaturhinweisen befindet sich im entsprechenden Ordner im Lehrerzimmer.