Therapeutisches Reiten an der Regenbogenschule


Das Therapeutische Reiten an der Regenbogenschule ist in drei Bereiche untergliedert:

    - Heilpädagogisches Voltigieren
    - Hippotherapie
    - Reiten für Schüler mit schwersten Behinderungen
 

Alle Angebote finden in Zusammenarbeit mit der Westfälischen Reit- und Fahrschule in Münster statt, die uns mit großem Engagement Pferde und Hallenzeiten zur Verfügung stellt. Durchgeführt werden sie von ausgebildeten Fachkräften der Regenbogenschule.

Die Fahrten zur Reithalle erfolgen mit einem Kleinbus im Rahmen des Schüler-Spezial-Verkehrs des Landschaftsverbandes.
Die Kosten für die Reithalle und die Pferde werden vom Schulträger, dem LWL, und durch
Spenden finanziert.
 

Heilpädagogisches Voltigieren

Im Bereich Heilpädagogisches Voltigieren gibt es zur Zeit vier Gruppen, an denen jeweils bis zu fünf Schülern teilnehmen können.
Vorraussetzung für eine Teilnahme ist das elterliche Einverständnis sowie eine ärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung für den Schulsport Voltigieren.

Der Ablauf einer heilpädagogischen Voltigierstunde ist durch eine gleich bleibende Struktur gekennzeichnet, um für die Schüler im Umgang mit dem Pferd ein höchstes Maß an Sicherheit und ein schnelles Zurechtfinden in der Unterrichtssituation in der Reithalle zu gewährleisten.
Einzelne Teile dieser Struktur werden abhängig vom Leistungsvermögen der Schüler im Laufe der Schuljahres komplexer und differenzierter.

Aspekte jeder Voltigierstunde sind:

•  Begrüßen, Aufhalftern und Putzen des Pferdes, Auftrensen und Aufgurten
•  Aufwärmen mit und ohne Pferd (z.B. Laufspiele, Waldspaziergang, Führübungen,
    Übungen auf dem Holzpferd)
•  Arbeit auf und neben dem Pferd (Voltigierübungen einzeln oder mit einem Partner,
    Laufspiele, Phantasiereisen, Wunschrunden, Reiten in verschiedenen Gangarten,
    Spaziergänge mit dem Pferd)
•   Belohnen und Versorgen des Pferdes, Zurückbringen des Pferdes und Aufräumen
 

In den ersten Monaten ist das Hauptanliegen, jedem Schüler einen möglichst angstfreien und natürlichen Zugang zum Partner Pferd zu ermöglichen. Die Schüler müssen viele Verhaltensweisen und Regeln im Reitstall und im Umgang mit dem Pferd lernen.
Nur so kann die Sicherheit für Schüler und Pferde gewährleistet werden.


Wichtige Förderschwerpunkte sind:

 Im emotional-sozialen Bereich

Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein, Kommunikation, Kooperation und Konfliktfähigkeit erfahren und erweitern

z.B.

·        Sich helfen lassen und anderen helfen

·        Rücksicht nehmen und anderen den Vortritt lassen

·        Zu zweit eine Aufgabe erledigen

·        Zum Pferd Kontakt aufnehmen

·        Für das Pferd etwas tun

·        Eine Aufgabe selbstständig erledigen

 Im sensorisch-motorischen Bereich

Koordination, Gleichgewicht, Körperbewusstsein, Handlungsplanung und Wahrnehmung schulen

z.B.

·        Beim Schritt, Trab oder Galopp die eigenen Bewegungen den Pferdebewegungen anpassen

·        Herausfinden, wie man bestimmte Übungen ( Mühle, Toter Indianer) für sich und für das Pferd gut und richtig durchführen kann

·        Das Pferd als zusätzlichen Partner berücksichtigen, seine Wege respektieren und das eigene Bewegungsverhalten im Raum darauf einstellen

·        Kreativität und Phantasie bei Spielen auf dem Pferd leben können

·        Schnell, sicher, vorausschauend und regelkonform bei Spielen rund ums Pferd und mit den anderen  reagieren

·        Das Pferd loben und streicheln, mit ihm kuscheln und sprechen

  

 Im kognitiven Bereich

Erwerb von Kenntnissen rund ums Pferd

z.B.

·        Körperteile des Pferdes kennen

·        Pferdeverhalten beobachten

·        Putzzeug benennen

·        Ausrüstungsgegenstände kennen

·        Eine Vorstellung von Fütterung und Haltung des Pferdes entwickeln

Bei allen Aktivitäten steht die Freude an der Bewegung, die Entwicklung von Kreativität und Phantasie, die Kontaktaufnahme zum Pferd und das Akzeptieren des Partners Pferd im Vordergrund.


Hippotherapie

Bei der Hippotherapie, man könnte auch sagen Krankengymnastik auf dem Pferd, sitzt der Schüler auf dem Pferd im Reitsitz und stützt seine Hände vorne auf dem Gurt ab. Das Pferd wird im Schritt geführt. Die Physiotherapeutin geht auf einer Seite direkt neben dem Schüler, um Hilfestellung zu geben. Je nach Gleichgewicht, Ausdauer, Konzentration und Mut des Schülers geht noch ein Helfer auf der anderen Seite mit.
Durch die dreidimensionale Pferdebewegung fällt es dem Schüler leichter als auf dem Pezziball sich aufzurichten, seinen Rücken zu strecken und auch den Kopf in Mittelstellung zu halten. Die oft spastischen Beine werden lockerer, Gleichgewicht, Koordination und Ausdauer verbessern sich von Mal zu Mal. Je nach Behinderung kann man schon in wenigen Wochen eine motorische Verbesserung erkennen, da die Schüler auf dem Pferd gut mitarbeiten. Gegen Ende eines Schuljahres ist bei einigen Schülern ein freies Sitzen ohne abstützen mit den Armen auf dem Pferd gut möglich.
 

Reiten für Schüler mit schwerster Behinderung

Unter „Reiten“ für Schüler mit schwersten Behinderungen verstehen wir erlebnisorientiertes Reiten auf dem im Schritt geführten Pferd. Das Pferd ist dabei mit einem Pad (Decke) und einem Gurt ausgerüstet. Der Schüler sitzt im Reitsitz oder liegt bei nicht vorhandener Sitzfähigkeit bäuchlings quer über dem Pferd. Neben dem Kind geht - mindestens auf einer Seite, ggfs. auf beiden Seiten – ein Lehrer bzw. Helfer zur Sicherung mit.

Die Unterrichtsstunden beim „Reiten“ sind immer gleich aufgebaut.

    1. Begrüßen des Pferdes
    2. Geführt werden im Schritt
    3. Belohnen des Pferdes

In den ersten Wochen ist es das Hauptanliegen, jedem Schüler einen möglichst angstfreien Zugang zum neuen Partner Pferd zu ermöglichen. Daher nehmen die Punkte Begrüßen und Belohnen zu Beginn des Schuljahres einen hohen Stellenwert ein. In diesen Situationen vom Boden aus gelingt es am ehesten, das Pferd näher kennen zu lernen, Angst ihm gegenüber zu überwinden und somit eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Im Laufe des Schuljahres wird die „Reitzeit“ auf dem Pferd kontinuierlich gesteigert, immer angepasst an die individuellen Möglichkeiten des einzelnen Schülers.

Förderschwerpunkte mit ausgewählten Beispielen

 
Im emotional-sozialen Bereich, Kommunikation

  • Kontaktaufnahme zum Partner Pferd
  • Angstabbau, Aufbau von Vertrauen (durch Begrüßen/Ansprache, Klopfen, Streicheln, Kuscheln, Füttern aus der Hand/Belohnen)

 
Im kognitiven Bereich

  • Kennenlernen und Einhalten von Hallenregeln -angemessene Lautstärke einhalten -  nicht mit Sand werfen –
    ggfs. Bandentür leise öffnen und schließen

 
Im motorischen Bereich

  • Im Reitsitz - wenn möglich- (alternativ im Seitsitz oder bäuchlings quer über dem
  •  Pferd liegend, oder bäuchlings mit dem Kopf zur Kruppe) geführt werden
  • Eigene “Mitte“ finden ( Ziel ist es, sich selber wieder in die Mittelposition rücken zu können, wenn man aus dem Gleichgewicht geraten ist)

 
Im Bereich der Wahrnehmung

Folgende Bereiche werden angeregt:

  • visuell: z.B. Beobachtung des Pferdes
  • Auditiv:: z.B. Hufgeklapper, wiehern, schnauben
  • Taktil: z.B. weiches Fell, Körperwärme des Pferdes spüren
  • Olfaktorisch: z.B. Pferdeäpfel riechen

Die genannten Förderschwerpunkte werden für die einzelnen Schüler individuell ausgewählt und angepasst.
  
Das therapeutische Reiten an unserer Schule ist ein Angebot, das sich an Schüler in der Grundstufe richtet. Wir verfolgen das Ziel, den Schülern im Bereich „Heilpädagogisches Voltigieren“ eine zweijährige Teilnahme zu ermöglichen. Im Bereich „Hippotherapie“ und „Reiten für Schüler mit schwersten Behinderungen“ ist zur Zeit aufgrund des hohen Personalaufwandes eine Teilnahme der Schüler für ein Jahr möglich.