{"id":2038,"date":"2024-06-13T11:56:30","date_gmt":"2024-06-13T09:56:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.muenster.org\/projektmarischa\/?p=2038"},"modified":"2024-06-14T11:20:47","modified_gmt":"2024-06-14T09:20:47","slug":"buendnis-fuer-sexuelle-selbstbestimmung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.muenster.org\/projektmarischa\/2024\/06\/13\/buendnis-fuer-sexuelle-selbstbestimmung\/","title":{"rendered":"Warum wir dem B\u00fcndnis f\u00fcr sexuelle Selbstbestimmung beigetreten sind &#8230;"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.muenster.org\/projektmarischa\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Bildschirmfoto-2024-06-13-um-11.36.39.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2034\" width=\"249\" height=\"147\" srcset=\"http:\/\/www.muenster.org\/projektmarischa\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Bildschirmfoto-2024-06-13-um-11.36.39.png 314w, http:\/\/www.muenster.org\/projektmarischa\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Bildschirmfoto-2024-06-13-um-11.36.39-300x178.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 249px) 100vw, 249px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Jedes Jahr treffen sich Menschen zum sogenannten &#8220;1000 Kreuze Marsch&#8221;; einem Marsch gegen Selbstbestimmung. Doch: viele engagierte und kluge Personen, stellen sich diesen menschenfeindlichen und r\u00fcckst\u00e4ndigen Ideen in den Weg und zeigen Widerstand. Und auch wir wollen diesen Ideologien, dem Moralprogramm und Emp\u00f6rungsspiralen etwas entgegensetzen. Denn die sogenannten &#8220;Lebenssch\u00fctzer*innen&#8221; sehnen sich mehr nach R\u00fcckschritt als nach Fortschritt, setzen sich \u00fcber die Gesundheit, den freien Willen und die W\u00fcrde anderer hinweg und feiern das Patriarchat mehr als die Freiheit. Rei\u00dferisch, tendenzi\u00f6s und weitab von W\u00fcrde und Realit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wissen, dass die Zahl der Schwangerschaftsabbr\u00fcche in Deutschland zugenommen hat \u2013 und zwar nicht, weil die Betreffenden an Moral und Verstand verlieren, wie es fundamentalistische Gruppen gerne propagieren \u2013 sondern, weil es einen reellen Bedarf gibt. Wir wissen auch, dass Verbote Schwangerschaftsabbr\u00fcche nicht verhindern, sondern lebensgef\u00e4hrlich machen, denn von einer idealen Versorgungslage sind wir noch weit entfernt: Noch immer sind Schwangerschaftsabbr\u00fcche eine der h\u00e4ufigsten Todesursachen von Menschen mit Uterus weltweit. In vielen L\u00e4ndern, auch in Deutschland, sind die M\u00f6glichkeiten eines Abbruchs also weiterhin eingeschr\u00e4nkt. In M\u00fcnster stellt sich die Lage wie folgt dar: Neben einem guten Netzwerk an Beratungsstellen, f\u00fchrt lediglich eine Praxis operative Schwangerschaftsabbr\u00fcche durch. Folglich entstehen lange Warte- oder Fahrtzeiten, die gerade in solchen Situationen inakzeptabel sind. Damit ist es also nicht nur die Entscheidung f\u00fcr oder gegen einen Abbruch, die eine Herausforderung darstellen kann, sondern schlichtweg die Durchf\u00fchrung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zu der desolaten Versorgungslage gesellt sich zus\u00e4tzlich die anhaltende Tabuisierung des Themas sowie die Stigmatisierung der Betreffenden. Schwangerschaftsabbr\u00fcche, die Menschen und Geschichten hinter den Entscheidungen, bleiben damit von Mythen und Moralvorstellungen gepr\u00e4gte Bilder.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir als Projekt Marischa fordern eine Entstigmatisierung der Betreffenden, die Selbstbestimmung aller Menschen und ganz praktisch eine bessere Versorgung. Insbesondere wollen wir dabei die Perspektive unserer Adressierten, der Menschen in der sexuellen Dienstleistungsbranche, vertreten. Diese werden seit jeher diskriminiert und zu einem Teil verschiedener, auch innerfeministischer K\u00e4mpfe gemacht. Wenn eine sexarbeitende Person dann auch noch ungewollt schwanger ist, wird dies h\u00e4ufig entweder <em>\u201eBerufsrisiko\u201c<\/em> und <em>\u201eselbstverschuldet<\/em>\u201c genannt. Gleichwohl wird das Bild der ungewollt schwangeren Sexarbeiter*in f\u00fcr Stimmungsmache, rei\u00dferische Berichterstattung und Moralpolitik benutzt, um eine r\u00fcckst\u00e4ndige Meinung zu untermauern.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant ist dabei, dass schwangere Personen gesellschaftlich als besonders sch\u00fctzenswert gelten. Sie gelten aber auch in vielen Kreisen als besonders \u201esittliche\u201c und \u201ereine\u201c Personen. Das passt dann aber nicht mehr in das Bild, dass viele Menschen von Sexarbeiter*innen haben. Dar\u00fcber hinaus wird ihnen von vielen Menschen in s\u00e4mtlichen Kontexten die eigene Entscheidungs- und Handlungsf\u00e4higkeit abgesprochen, so auch bei dem Wunsch nach einer Familie oder nach einem Schwangerschaftsabbruch. Und obwohl sie h\u00e4ufig als \u201eOpfer\u201c stilisiert werden, haben viele einen nur eingeschr\u00e4nkten Zugang zum Gesundheitssystem. In M\u00fcnster gibt es z.B. kaum gyn\u00e4kologische Praxen, die bereit sind, unsere Adressierten leitliniengerecht zu versorgen; auch ohne das Vorliegen einer Schwangerschaft. Im Falle einer ungewollten Schwangerschaft kam es schon vor, dass unsere Klient*innen f\u00fcr einen Abbruch etliche Kilometer fahren oder sich verschulden mussten, weil in Deutschland nicht anerkannt wurde, dass es sich um einen H\u00e4rtefall handelte, der ein paar Tage zu sp\u00e4t entdeckt wurde. Betreffende reisen also nicht selten in ein anderes Land, um den Abbruch dort unter abschreckenden und risikoreichen Bedingungen durchf\u00fchren zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und: W\u00e4hrend andere bereits zum zweiten Mal gefragt werden, ob sie denn wirklich einen Abbruch w\u00fcnschen, fragt danach kaum jemand, wenn es sich dabei um Sexarbeitende handelt. Dann ist es okay &#8230; Beide F\u00e4lle sind im \u00dcbrigen hoch diskriminierend. Es finden sich sogar Statements von Menschen aus dem Gesundheitswesen \u00fcber Sexarbeitende, die wie folgt klingen<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDie Leute kommen aus anderen Kulturkreisen, f\u00fcr sie stellt ein Schwangerschaftsabbruch kein Drama dar.\u201c<\/em> Oder <em>\u201eSie verh\u00fcten nicht, sie brechen ab.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dabei sprechen wir hier von Menschen, die sehr wohl wissen, was eine Schwangerschaft oder ein Abbruch bedeuten. Da sind Menschen, die bereits Kinder haben. Das sind aber auch Menschen, die von einem Kunden schwanger geworden sind oder einem Zuh\u00e4lter &#8211; Oder von ihrem Partner und das eben nicht zum richtigen Zeitpunkt. Oder es sind Menschen, die schlichtweg ein kinderloses Leben bevorzugen. Ihre Geschichten sind also ebenso vielf\u00e4ltig wie ihre Beweggr\u00fcnde. Solche und andere diskriminierende Aussagen werden der Diversit\u00e4t des Feldes keinesfalls gerecht. Dabei findet die Entscheidung f\u00fcr oder gegen eine Schwangerschaft wohl selten im luftleeren Raum statt &#8211; auch nicht bei Sexarbeitenden. Die Entscheidungen stehen vielmehr im Zusammenhang zur Gesundheit, zu sozialen, finanziellen und pers\u00f6nlichen Lebenslagen, Erfahrungen und W\u00fcnschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus diesen und anderen Erlebnissen resultiert, dass viele unserer Adressierten das Vertrauen in das Gesundheitssystem verloren haben. Daraus folgt nicht selten, dass Schwangerschaften fortgef\u00fchrt werden, die zu keinem Zeitpunkt gewollt waren &#8211; einfach, weil der stigmatisierende Kampf um einen Abbruch gar nicht erst aufgenommen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Unserer Erfahrung nach braucht es also dringend mehr niedrigschwellige Angebote und eine kl\u00fcgere Ber\u00fccksichtigung von H\u00e4rtef\u00e4llen. Es braucht einen vorurteilsfreien Umgang und mehr Praxen, die alle behandeln, auch Sexarbeitende. Eine finanzielle \u00dcbernahme von Abbr\u00fcchen abseits hochschwelliger Bedingungen und kostenlose Untersuchungen nach einem Schwangerschaftsabbruch sind f\u00fcr alle n\u00f6tig. Weiter geh\u00f6rt Schwangerschaft im Kontext von Sexarbeit zu den bisher kaum fokussierten Forschungs- Ausbildungsthemen in der Gyn\u00e4kologie. Das muss sich \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Was wir zudem fordern, ist der Schutz der k\u00f6rperlichen Autonomie und des freien Willens, ohne Bevormundungen oder diskriminierende Strukturen. All das, was weitab von dem ist, was auf den 1000-Kreuze-M\u00e4rschen propagiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Wovon es zu viel gibt, das sind Strafen f\u00fcr Selbstbestimmung! Denn selbstbestimmte Schwangerschaftsabbr\u00fcche sind ein Menschenrecht! <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das B\u00fcndnis f\u00fcr sexuelle Selbstbestimmung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>besteht aus verschiedenen allgemeinpolitischen und feministischen Gruppen, Verb\u00e4nden, Beratungsstellen, Gewerkschaften, Parteien und Einzelpersonen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Ende 2017 setzt sich das B\u00fcndnis f\u00fcr das Recht auf eine selbstbestimmte Sexualit\u00e4t und k\u00f6rperliche Selbstbestimmung aller Menschen ein und fordert, dass alle Menschen in Deutschland ohne Bevormundung und Diskriminierung \u00fcber ihr Liebesleben und die eigene Familienplanung entscheiden k\u00f6nnen und bei der Wahrnehmung ihrer Rechte unterst\u00fctzt werden sollen, unabh\u00e4ngig von ihrer Herkunft, sexuellen und geschlechtlichen Orientierung oder sozialen, \u00f6konomischen und gesundheitlichen Situation.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier gehts zum B\u00fcndnis: <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-social-links is-layout-flex wp-block-social-links-is-layout-flex\"><li class=\"wp-social-link wp-social-link-chain  wp-block-social-link\"><a href=\"https:\/\/www.sexuelle-selbstbestimmung.de\/vor-ort\/muenster\/\" class=\"wp-block-social-link-anchor\"><svg width=\"24\" height=\"24\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.1\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\"><path d=\"M15.6,7.2H14v1.5h1.6c2,0,3.7,1.7,3.7,3.7s-1.7,3.7-3.7,3.7H14v1.5h1.6c2.8,0,5.2-2.3,5.2-5.2,0-2.9-2.3-5.2-5.2-5.2zM4.7,12.4c0-2,1.7-3.7,3.7-3.7H10V7.2H8.4c-2.9,0-5.2,2.3-5.2,5.2,0,2.9,2.3,5.2,5.2,5.2H10v-1.5H8.4c-2,0-3.7-1.7-3.7-3.7zm4.6.9h5.3v-1.5H9.3v1.5z\"><\/path><\/svg><span class=\"wp-block-social-link-label screen-reader-text\">B\u00fcndnis f\u00fcr sexuelle Selbstbestimmung M\u00fcnster<\/span><\/a><\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jedes Jahr treffen sich Menschen zum sogenannten &#8220;1000 Kreuze Marsch&#8221;; einem Marsch gegen Selbstbestimmung. 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