{"id":1716,"date":"2023-05-31T15:31:55","date_gmt":"2023-05-31T13:31:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.muenster.org\/projektmarischa\/?p=1716"},"modified":"2023-05-31T15:50:17","modified_gmt":"2023-05-31T13:50:17","slug":"international-whoresday","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.muenster.org\/projektmarischa\/2023\/05\/31\/international-whoresday\/","title":{"rendered":"International Whoresday 2023 &#8211; Rights not Rescue"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.muenster.org\/projektmarischa\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Hurentag-1.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-1718\" width=\"650\" height=\"462\" srcset=\"http:\/\/www.muenster.org\/projektmarischa\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Hurentag-1.webp 1000w, http:\/\/www.muenster.org\/projektmarischa\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Hurentag-1-300x214.webp 300w, http:\/\/www.muenster.org\/projektmarischa\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Hurentag-1-768x547.webp 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>02.06.2023<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am 02. Juni 1975 besetzten mehr als 100 Sexarbeitende eine Kirche in Frankreich, um sich Geh\u00f6r zu verschaffen, denn 5 Jahre zuvor setzten die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden Menschen im sexuellen Dienstleistungsgewerbe so sehr unter Druck, dass die Betreffenden immer mehr im Verborgenen arbeiten mussten und dadurch noch weiter als ohnehin schon an den Rand der Gesellschaft und damit auch aus der Sicherheit gedr\u00e4ngt wurden. Das Resultat: Zunehmende, schwerste Gewalttaten und zwei Morde an Sexarbeitenden. Trotzdem fehlte seitens der Regierung weiter die Bereitschaft die hochgef\u00e4hrliche Lage der Betreffenden zu verbessern. Aus dieser Hilflosigkeit heraus, folgte das Besetzen der Kirche &#8211; ein Ort, der f\u00fcr Sicherheit, Geborgenheit und Offenheit steht. Acht Tage lang hielt der Streik an, bis man die Kirche durch die Polizei r\u00e4umen lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Seitdem markiert dieser Tag den Startpunkt der Hurenbewegung, die den Kampf um die Rechte der Berufsgruppe fokussiert sowie an die Diskriminierung von Sexarbeitenden und an die oftmals ausbeuterische Lebens- und Arbeitsbedingungen erinnert . Doch bis heute, 48 Jahre sp\u00e4ter, sind ebendiese diskriminierenden Strukturen, die prek\u00e4ren Lebenslagen sowie die unz\u00e4hligen Vorurteile nicht beseitigt. Die Situation hat sich f\u00fcr viele sogar noch versch\u00e4rft. Zum Beispiel durch das Sexkaufverbot in den skandinavischen L\u00e4ndern, das in weiten Teilen das Gegenteil von dem bewirkt hat, was es eigentlich verhindern sollte: Die Kunden haben mehr Macht bekommen, nicht die Sexarbeitenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es k\u00f6nnte viele Wege zur Verbesserung dieser Lage geben, auf die insbesondere die Betreffenden selbst schon lange aufmerksam machen. Einer davon ist ohne Zweifel die Form der Kommunikation: Nicht \u201e\u00fcber\u201c, sondern \u201emit\u201c den Betreffenden sprechen. So fordert beispielsweise der \u201eBerufsverband erotische und sexuelle Dienstleistung e.V.\u201c schon lange, dass Sexarbeitende in politische Entscheidungen mit einbezogen werden, um einerseits ihre Expertise mit einzubringen und gleichsam bestimmte Bilder, Mythen und Emotionen zum Thema abzubauen und damit eine bessere Gespr\u00e4chsgrundlage zu schaffen, die gerade f\u00fcr politische Entscheidungen unabdingbar ist. Berechtigt ist hier die Frage, weshalb andere, die so gut wie keine Ber\u00fchrungsprunkte mit den Themen aufweisen, gleichsam so viel Macht \u00fcber sie haben.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4ufiges Gegenargument: Durch einen solch unaufgeregten Umgang mit den Themen Sexarbeit und Prostitution werden Unterdr\u00fcckungsmechanismen, Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse, Menschenhandel, Zwang oder mafi\u00f6se Strukturen ignoriert oder gar schulterzuckend hingenommen. Doch dar\u00fcber reden wir in diesem Zusammenhang gar nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Sexarbeit bedeutet n\u00e4mlich nicht per se die Unterdr\u00fcckung und Unterwerfung der Frau und sie ist auch nicht immer unfreiwillig. Die Dienstleistung ist auch nicht immer Gewalt oder stellt ein Hindernis f\u00fcr die Gleichstellung der Geschlechter dar. Sexarbeit bedeutet Konsens: Das beiderseitige Einverst\u00e4ndnis \u00fcber die sexuelle Dienstleistung zwischen vollj\u00e4hrigen Gesch\u00e4ftspartner:innen gegen Entgelt oder materielle G\u00fcter. Ist dies nicht gegeben, existiert also Unfreiwilligkeit oder Zwang, so handelt es sich nicht mehr um Sexarbeit, sondern um sexualisierte Gewalt, die immer abzulehnen ist. Dar\u00fcber hinaus ist Sex gegen den Willen der Beteiligten auch dann eine Straftat, wenn daf\u00fcr bezahlt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztlich reden wir hier also von zwei unterschiedlichen Gegenst\u00e4nden, die allerdings oft miteinander vermischt werden. Dabei stellt es aber gar keinen Widerspruch dar, gleichzeitig gegen Zwangsprostitution, Menschenhandel und Ausbeutung UND f\u00fcr die Rechte von aktiven Sexarbeitenden zu sein \u2013 Aber das wei\u00df man eben nicht, wenn man nicht denen spricht, die es betrifft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>02.06.2023 Am 02. 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