{"id":1655,"date":"2023-03-06T14:15:49","date_gmt":"2023-03-06T13:15:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.muenster.org\/projektmarischa\/?p=1655"},"modified":"2023-03-08T10:01:50","modified_gmt":"2023-03-08T09:01:50","slug":"each-for-equal","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.muenster.org\/projektmarischa\/2023\/03\/06\/each-for-equal\/","title":{"rendered":"Each for Equal &#8211; 08.03.2023"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Am Feministischen Protesttag fordern wir mehr Solidarit\u00e4t mit Sexarbeitenden!<\/h1>\n\n\n\n<p>Der \u201eInternationale Frauentag\u201c, der auf eine weltweite Bewegung von Arbeiterinnen im 19 Jahrhundert zur\u00fcckgeht und sich dank der Politikerin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin 1911 international implementierte, steht heute im Sinne eines modernen Feminismus nicht mehr nur f\u00fcr Frauen, sondern f\u00fcr alle marginalisierten Geschlechter. Damit wird er immer h\u00e4ufiger als \u201eFeministischer Kampf- bzw. Protesttag\u201c besprochen. So auch von uns. <\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist der 08.03. auch kein &#8220;Feiertag&#8221;, wie es h\u00e4ufig euphemistisch hei\u00dft.  Gefeiert werden kann n\u00e4mlich nur da, wo auch gen\u00fcgend erreicht wurde. Vielmehr ist er also ein Aktionstag, an dem anhaltende Missst\u00e4nde angeprangert werden. In unserer Arbeit m\u00fcssen wir immer wieder feststellen, dass K\u00e4mpfe und Proteste noch heute n\u00f6tig sind, um alte Strukturen, eine Gesellschaft voller Doppelmoral, Vorherrschaften und Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts, der Herkunft oder des sozialen Status zu entlarven und aufzubrechen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die \u201eunsichtbar Sichtbaren\u201c<\/strong>: Die vielen unterschiedlichen Menschen, die am jeden 08. M\u00e4rz weltweit demonstrieren, haben trotz ihrer Diversit\u00e4t eines gemein: Sie pl\u00e4dieren u.a. f\u00fcr Selbstbestimmung und ein Ende der strukturellen Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, die in vielen Formen auftritt. Eine Gruppe, die damit seit jeher stark konfrontiert wird und dazu oftmals weniger subtil, ist die der Menschen im sexuellen Dienstleistungsgewerbe. So wundert es, dass es gerade diese sind, die selbst bei solchen Aktionstagen, welche genau das anprangern, was sie allt\u00e4glich erleben, stets unterrepr\u00e4sentiert und damit \u201eunsichtbar\u201c sind. Sichtbar sollen sie wohl nur f\u00fcr diejenigen sein, die ihre Dienste in Anspruch nehmen &#8211; Paradox. Dabei ist es gerade diese Gruppe, die h\u00e4ufig mehrfacher Diskriminierung ausgesetzt ist. Intersektionalit\u00e4t, so der Fachbegriff, meint das Zusammenwirken mehrerer Unterdr\u00fcckungsmechanismen aufgrund des Geschlechts, der Herkunft, des sozialen Standes, \u2026 Die Liste ist lang. Trotzdem finden sich in den Reihen an Veranstaltungen, die massenhaft um den 08.03. in jeder Stadt organisiert werden, selten welche zu dieser Thematik vor.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sexarbeitende sind Teil innerfeministischer K\u00e4mpfe<\/strong>: Ein Grund daf\u00fcr mag darin liegen, dass selbst innerhalb des Feminismus eine widerspr\u00fcchliche Debatte zur Thematik gef\u00fchrt wird: W\u00e4hrend die einen ein Sexkaufverbot fordern, um Betreffende zu sch\u00fctzen oder die Branche gleich ganz abschaffen wollen, appellieren andere daran, Sexarbeit wie eine gew\u00f6hnliche Lohnarbeit zu behandeln; sie zu enttabuisieren und damit auch zu entkriminalisieren. Damit sind die Betreffenden Gegenstand innerfeministischer K\u00e4mpfe und sehen sich h\u00e4ufig mit den polarisierenden Status \u201eOpfer\u201c versus \u201cUnternehmer:in\u201c konfrontiert. Auch die Debatte um die Begriffe \u201eSexarbeit\u201c und \u201eProstitution\u201c r\u00fchrt aus diesem Disput: Sexarbeit wird mit Selbstbestimmung assoziiert, w\u00e4hrend die negativ konnotierte Prostitution eher mit Zwangskontexten in Verbindung gebracht wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine derartige Pauschalisierung gestaltet sich allerdings schwer, insbesondere, weil sich das Arbeitsfeld sowie die Beweggr\u00fcnde und Lebenswelten durchaus divers darstellen und damit eine differenziertere Perspektive notwendig machen. <\/p>\n\n\n\n<p>In der Tat ist es so, dass es Menschen gibt, die unter \u201ebestimmten Umst\u00e4nden\u201c in dieser Branche t\u00e4tig sind. Das k\u00f6nnen Armut, Unterdr\u00fcckung, Alternativlosigkeit oder Zw\u00e4nge sein, welche die Wahl einer anderen T\u00e4tigkeit m\u00f6glicherweise einschr\u00e4nken und die Entscheidung damit vielleicht zu einer pers\u00f6nlichen Zwangshandlung machen k\u00f6nnen &#8211; wenn eben auf anderem Wege die Kinder nicht satt oder die Mieten nicht bezahlt werden k\u00f6nnen. Solche Situationen sind es, in denen die Frage danach gestellt wird, ob sich wirklich frei f\u00fcr oder gegen die T\u00e4tigkeit entschieden werden kann. Gleichwohl gibt es Menschen, die sich selbstbestimmt und freiwillig f\u00fcr diese Arbeit entscheiden. H\u00e4ufig sind dies auch diejenigen, die sich vernetzen, in Berufsverb\u00e4nden f\u00fcr ihre Rechte einsetzen, sich an politischen Diskursen beteiligen sowie an die \u00d6ffentlichkeit wenden. Dennoch wird diese Freiwilligkeit nach wie vor in vielen Debatten grunds\u00e4tzlich in Frage gestellt, sodass die Diskussion darum noch lange nicht abgeschlossen scheint.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es geht uns alle an!<\/strong> Unumstritten ist jedoch, dass wir als Gesellschaft eine Mitverantwortung tragen, uns aber in weiten Teilen nicht verantwortlich f\u00fchlen. So gibt es z.B. kaum Projekte, die gezielt die Kunden sexueller Dienstleistungen hinsichtlich gewaltvoller Handlungen, Wertsch\u00e4tzung, Respekt oder einer angemessenen Bezahlung ansprechen. Sexarbeit ist in den Augen vieler eben immer noch moralisch verwerflich, auch in einer aufgekl\u00e4rten Gesellschaft wie der unseren. Moralische Verwerflichung findet sich jedoch eher in der Diskriminierung und Stigmatisierung sowie in der \u201eKlassengesellschaft\u201c, die eine kapitalistische Armut produziert, welche sich einerseits im privat angeeigneten Reichtum einzelner und andererseits in massenhafter Armut und Unterdr\u00fcckung anderer, realisiert.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Daher ist es wichtig, Partei zu ergreifen. F\u00fcr diejenigen, die bestimmten Zw\u00e4ngen unterliegen und f\u00fcr solche, die selbstbestimmt dieser Arbeit nachgehen. Beide Gruppen werden auf unterschiedlichste Art diskriminiert und mit Zuschreibungen \u00fcberh\u00e4uft. Wir pl\u00e4dieren deshalb f\u00fcr Wertsch\u00e4tzung, Akzeptanz sowie Enttabuisierung und ermutigen alle zu einer differenzierten, mehrdimensionalen und entmoralisierten Perspektive auf die T\u00e4tigkeit selbst und die Menschen, die ihr nachgehen.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Heute sowie an jedem anderen Tag.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>*Respect all Sexworker*<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Feministischen Protesttag fordern wir mehr Solidarit\u00e4t mit Sexarbeitenden! Der \u201eInternationale Frauentag\u201c, der auf eine weltweite Bewegung von Arbeiterinnen im 19 Jahrhundert zur\u00fcckgeht und sich dank der Politikerin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin 1911 international implementierte, steht heute im Sinne eines modernen Feminismus nicht mehr nur f\u00fcr Frauen, sondern f\u00fcr alle marginalisierten Geschlechter. 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