Streitschlichtung
an der Paul- Gerhardt – Realschule Markus
drängelt sich am Kiosk vor, Andrea schubst ihn wieder zur Seite,
ein Wort gibt das andere und schon ist der größte Streit da . Es
gibt Beschimpfungen und im schlimmsten Fall Handgreiflichkeiten. Der Konflikt
wird entweder durch den Lehrer geklärt oder auch gar nicht und ein Beteiligter
geht als Unterlegener des Streits wütend in den Klassenraum zurück. Die angesprochenen Probleme
lassen sich verringern, wenn wir den Schülern
zutrauen und sie befähigen, dass sie selbstverantwortlich viele von ihren
Konflikten regeln. Im Prozess der Vermittlung
durch Schüler gibt es markante Punkte, wie
die Verständigung auf Regeln zu Beginn des Gesprächs, die Entfaltung
von Empathie als zentrale Fähigkeit, die Kausalitätssprache statt
Schuldsprache. Die Kinder lernen im kontrollierten Streitgespräch in sich
hineinzuhorchen, eigene Anteile am Konflikt zu finden und sich zu bemühen
keine einseitigen Lösungen zu erzielen. Mit einer schriftlichen Vereinbarung
am Ende jeder Mediation dokumentieren die Schüler, dass sie bereit sind
Verpflichtungen auf sich zu nehmen. An der Paul-Gerhardt-Realschule
bilden wir jährlich bis zu zehn SchülerInnen
der Jahrgangsstufe 8 aus, die dann in der Klasse 9 die Aufgabe der Streitschlichtung
für die jüngeren Schüler übernehmen. Klassenlehrer der
Klassen 5 weisen die Kinder in die Grundlagen der Mediation ein, die Streitschlichter
stellen sich natürlich den Schülern persönlich vor und die Eltern
werden in den ersten Klassenpflegschaftssitzungen über dieses Programm
informiert. So ist gewährleistet, dass alle Beteiligte an diesem Prozess
gut informiert sind und die friedensstiftende Idee des Programms mittragen.
Eine nicht ganz untypische Situation in der Schule. Der eine zieht als Verlierer
davon, der andere als Sieger. Der Verlierer überlegt wie er es dem anderen
heimzahlen kann. Und der Sieger? – der Sieg schmeckt gut. Die Versuchung
ist groß, diesen Erfolg zu wiederholen. Der Lehrer hat im Moment sein
Bestes getan. Aber der Konflikt ist letztlich nicht gelöst. Es gibt nur
eine Art „ Waffenstillstand“ ,wenn eine Autoritätsperson
zugegen ist.
Zwei Probleme ergeben sich häufig im Schulalltag:
Mit dem Modell „ Streitschlichtung durch Schüler“ liegt ein
Weg vor, der den Kontrahenten genau dies ermöglicht. Sie lernen mit den „alltäglichen
Erscheinungsformen“ von Gewalt besser umzugehen, den Konflikt nicht erst
eskalieren zu lassen, sondern frühzeitig und mit Empathie auf die Situation
zu reagieren. Das Programm der Schülermediation erkennt an, dass Konflikte
ein Teil unseres Lebens sind und dass Schüler verantwortlich und konstruktiv
ihre eigenen Konflikte regeln können.
Eine wirksame Mediation ist daran zu erkennen, dass sich die Konfliktparteien
um einen Dialog bemühen. Auch wenn diese Gesprächsform bei den Streithähnen
in der Regel unvollkommen bleiben wird, müsste gerade der Dialog wegen
seiner friedensstiftenden Wirkung des Ziel der Streitkultur sein.