Streitschlichtung an der Paul- Gerhardt – Realschule

Markus drängelt sich am Kiosk vor, Andrea schubst ihn wieder zur Seite, ein Wort gibt das andere und schon ist der größte Streit da . Es gibt Beschimpfungen und im schlimmsten Fall Handgreiflichkeiten. Der Konflikt wird entweder durch den Lehrer geklärt oder auch gar nicht und ein Beteiligter geht als Unterlegener des Streits wütend in den Klassenraum zurück.
Eine nicht ganz untypische Situation in der Schule. Der eine zieht als Verlierer davon, der andere als Sieger. Der Verlierer überlegt wie er es dem anderen heimzahlen kann. Und der Sieger? – der Sieg schmeckt gut. Die Versuchung ist groß, diesen Erfolg zu wiederholen. Der Lehrer hat im Moment sein Bestes getan. Aber der Konflikt ist letztlich nicht gelöst. Es gibt nur eine Art „ Waffenstillstand“ ,wenn eine Autoritätsperson zugegen ist.
Zwei Probleme ergeben sich häufig im Schulalltag:

  1. Viele Konflikte müssen aus Zeitnot zwischen „ Tür und Angel“ geregelt werden
  2. Schüler geben ihren Konflikt beim Lehrer / Schulleiter ab, damit der Streit für sie gelöst wird

Die angesprochenen Probleme lassen sich verringern, wenn wir den Schülern zutrauen und sie befähigen, dass sie selbstverantwortlich viele von ihren Konflikten regeln.
Mit dem Modell „ Streitschlichtung durch Schüler“ liegt ein Weg vor, der den Kontrahenten genau dies ermöglicht. Sie lernen mit den „alltäglichen Erscheinungsformen“ von Gewalt besser umzugehen, den Konflikt nicht erst eskalieren zu lassen, sondern frühzeitig und mit Empathie auf die Situation zu reagieren. Das Programm der Schülermediation erkennt an, dass Konflikte ein Teil unseres Lebens sind und dass Schüler verantwortlich und konstruktiv ihre eigenen Konflikte regeln können.
Eine wirksame Mediation ist daran zu erkennen, dass sich die Konfliktparteien um einen Dialog bemühen. Auch wenn diese Gesprächsform bei den Streithähnen in der Regel unvollkommen bleiben wird, müsste gerade der Dialog wegen seiner friedensstiftenden Wirkung des Ziel der Streitkultur sein.

Im Prozess der Vermittlung durch Schüler gibt es markante Punkte, wie die Verständigung auf Regeln zu Beginn des Gesprächs, die Entfaltung von Empathie als zentrale Fähigkeit, die Kausalitätssprache statt Schuldsprache. Die Kinder lernen im kontrollierten Streitgespräch in sich hineinzuhorchen, eigene Anteile am Konflikt zu finden und sich zu bemühen keine einseitigen Lösungen zu erzielen. Mit einer schriftlichen Vereinbarung am Ende jeder Mediation dokumentieren die Schüler, dass sie bereit sind Verpflichtungen auf sich zu nehmen.

An der Paul-Gerhardt-Realschule bilden wir jährlich bis zu zehn SchülerInnen der Jahrgangsstufe 8 aus, die dann in der Klasse 9 die Aufgabe der Streitschlichtung für die jüngeren Schüler übernehmen. Klassenlehrer der Klassen 5 weisen die Kinder in die Grundlagen der Mediation ein, die Streitschlichter stellen sich natürlich den Schülern persönlich vor und die Eltern werden in den ersten Klassenpflegschaftssitzungen über dieses Programm informiert. So ist gewährleistet, dass alle Beteiligte an diesem Prozess gut informiert sind und die friedensstiftende Idee des Programms mittragen.