Ökologisch-Demokratische Partei
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Aus der Rubrik „Rathaus Direkt“ der Münsterschen Zeitung vom 12.07.2006:


Kinderfreundliche Stadt nur mit zufriedenen Eltern

Gerd Kersting (ödp): Soziale Standards halten trotz 30 Mill. € Haushaltsloch

„Nach dem die Bundesregierung erfreulicherweise das Elterngeld einführen wird, werden die Eltern anscheinend in ihrer Aufgabe Kinder zu erziehen gestärkt. Das ist familienpolitisch der Weg in die richtige Richtung, auch wenn eigentlich nur der Eindruck entsteht, Familien würden durch den Bund unterstützt und die kommunalen Haushalte entlastet.

In Zeiten leerer Haushaltskassen ist es auch für eine Kommune wie Münster zunehmend schwierig, soziale Standards zu halten oder gar auszubauen. Das Bemühen der kommunalen Politik den Münsteranern eine Betreuung unter dreijährige Kinder (u3-Betreuung) weiterhin anzubieten ist lobenswert, zumal nicht wenige Alleinerziehende darauf angewiesen sind. Ziel fast aller Ratsfraktionen ist es sogar, die u3-Betreuung von 10% auf 20% auszubauen.

Allerdings sehe ich als Ratsvertreter der Ökologisch-Demokratischen Partei (ödp) die Gefahr, dass der zur Konsolidierung des Haushalts vom Rat eingesetzte Gutachter in anderen wichtigen sozialen Bereichen den Rotstift ansetzen wird. Schließlich gilt es noch in diesem Jahr, ein 30 Mill. Euro Haushaltsloch zu schließen!

So befürchte ich, dass die derzeitige Unterstützung freier Träger und funktionierender privater Initiativen zu Gunsten öffentlicher Betreuungsplätze zukünftig eingestellt wird. Viel lieber sähe die ödp eine Stärkung der Initiativen der Bürgerschaft, als eine weitere Bürokratisierung und Entmündigung von Eltern. Die ödp als familienfreundliche Partei setzt sich für ehrliche und gerechte Familienpolitik ein.

Ehrlicher und gerechter Umgang mit Eltern heißt für mich, einzugestehen dass die meisten Eltern ihre Kinder in den ersten drei Lebensjahren gerne selbst erziehen würden, es aber aus finanziellen Gründen oft nicht können. Die ödp hat ein durchgerechnetes Konzept für ein Erziehungsgehalt entwickelt, das auf die ersten sieben Lebensjahre eines Kindes ausgerichtet ist. Damit wären Eltern in der Lage selbst zu entscheiden, ob sie ihr Kind fremd betreuen lassen oder es selbst erziehen wollen.

Übrigens würde ein echtes Erziehungsgehalt auch zu mehr Anerkennung von Familienarbeit in unserer Gesellschaft beitragen! Eine für Münster kostengünstigere als die von der Ratsmehrheit beschlossene Lösung wäre die Förderung von freien Trägern und Elterngruppen, denn diese sind oftmals flexibler und am örtlichen Bedarf orientiert.

Deshalb ist die Erhöhung der städtische Betreuungsquote von unter dreijährigen Kindern auf 20% für mich nicht der Weisheit letzter Schluss – getreu dem ödp-Motto: Weniger ist oft mehr.“